Stellungnahmen zum Polizeieinsatz beim Spiel Schalke - Duisburg

kopfnuss
Aufarbeitung der Ereignisse vom vergangenen Freitag

Zwei Tage sind seit dem Bundesligaspiel des FC Schalke 04 gegen den MSV Duisburg vergangen, eine Partie über die noch lange gesprochen wird. Der Grund dafür liegt allerdings nicht im 2:1 Sieg der Knappen, sondern an den Ereignissen am Schalker Fanprojekt. Wir haben uns bewusst etwas Zeit gelassen, um das Erlebte möglichst sachlich und ausführlich schildern zu können, was im Eifer des Gefechts nicht immer möglich ist. In dieser Stellungnahme möchten wir als Ultras Gelsenkirchen unsere Sicht der Dinge darlegen, das Geschehen aufarbeiten und insbesondere die Schalke Fans informieren, welche am Freitag verwundert in die Nordkurve blickten und unseren Standort verwaist vorfanden. Leider erreichten die Durchsagen via Megaphon nur einen kleinen Teil, weswegen anfangs viele verschiedene Gerüchte in der Arena kursierten. Der Verein, in Form des Sicherheitsbeauftragten wurde direkt von uns über die Situation informiert, ebenso der Schalker Fan Club Verband über den Fanbeauftragten Rolf Rojek sowie der Vorstand des Supportersclub, damit erst gar keine Missverständnisse aufkommen.

Wie bei jedem Heimspiel nutzten wir, die Gruppe Ultras Gelsenkirchen, sowie alle weiteren Schalker, denen die Atmosphäre hinter der Tribüne der Glückauf-Kampfbahn zusagt, die Räumlichkeiten des sozialpädagogischen Schalker Fanprojekts als Treffpunkt. Nicht erst seit unserer Gründung im Jahre 2002 besteht ein vertrauensvolles Verhältnis zu den dortigen Mitarbeitern. Diese stehen uns stets mit Rat und Tat zur Seite, ein Angebot welches wir sehr zu schätzen wissen.

Im Laufe des Nachmittags, das Fanprojekt öffnete aufgrund der Champions Leaque Auslosung bereits um 13.00 Uhr, fielen den nach und nach eintreffenden Schalkern vermehrt Einsatzfahrzeuge der Polizei auf, die das Gelände der Glückauf-Kampfbahn samt umliegender Gegebenheiten mehrmals in Augenschein nahmen. Eine ständige Präsenz seitens der Polizei ist für aktive Fans leider eher Normalität als Ausnahme, dennoch war schnell klar, dass heute etwas anders war. Durch diese untypische Beobachtung kam unter den ca. 220 Besuchern des Treffpunkts zunehmend Unruhe auf. Ein gesuchtes Gespräch im Beisein eines Mitarbeiters des Fanprojekts konnte diese Vorahnung nicht ausräumen, da seitens eines vor den Toren der Glückauf-Kampfbahn postierten szenekundigen Beamten lediglich die Aussage getroffen wurde, dass die umher fahrenden Polizeikräfte nicht ortskundig sein und sich schlicht verfahren hätten. Diese Aussage nährte weitere Skepsis und führte dazu, dass sich die anwesenden Schalker gegen 17.45 Uhr dazu entschlossen, den Treffpunkt früher als geplant zu schließen und in Richtung Stadion aufzubrechen. Unter normalen Umständen wäre der Treffpunkt bis 18.15 Uhr geöffnet gewesen. Für diese Zeit war mit der BOGESTRA die Bereitstellung einer Sonderbahn abgesprochen gewesen. Einen Service, den die BOGESTRA, auf unsere Anfrage, den bis zu 400 Besuchern des UGE-Treffs am Fanprojekt bei jedem Heimspiel bietet.

Auf dem Weg zur Straßenbahnhaltestelle Ernst-Kuzorra-Platz fuhren plötzlich mehrere vollbesetzte Mannschaftswagen der Polizei vor, die den Fans den Weg abschnitten, auch der Rückweg zum Fanprojekt wurde von Einsatzfahrzeugen der Polizei blockiert. Innerhalb weniger Momente fuhren weitere Fahrzeuge der Polizei vor. Insgesamt konnten in der Caubstraße, dem Ort der Maßnahme, 23 Polizeifahrzeuge gezählt werden, darunter zwei Videoüberwachungswagen. Diese Anzahl ist auf den auf unserer Website veröffentlichen Bildern nachzuvollziehen. Weitere Einsatzkräfte im Umfeld der Glückauf-Kampfbahn sind in dieser Zählung nicht aufgeführt, ebenso nicht die Polizeibeamten, die am Fahrbahnrand der angrenzenden Autobahn 42 postiert waren, um eine Flucht in diese Richtung zu unterbinden. Eine Szenerie die gerade für die vielen Jugendlichen bedrohlich wirkte, weshalb führende Mitglieder der Ultras GE versuchten die Nervosität zu nehmen und kurz über die Rechte im Umgang mit der Polizei informierten. Alle Betroffenen bewahrten, nicht zuletzt durch das beschwichtigende Eingreifen unsererseits, die Ruhe. Es kam zu keinerlei Agressionen gegenüber den eingesetzten Kräften, die aus mehreren Städten angefordert wurden.

Im Folgenden wurden die eingekesselten Personen via kurzer Megaphondurchsage darüber informiert, dass alle Personen aufgrund einer Anordnung der Staatsanwaltschaft Dortmund erkennungsdienstlich behandelt werden würden. Ausgenommen davon waren nur Personen, die den Behörden bereits bekannt waren. Dieser circa 20 Personen umfassende Kreis, wurde von den anwesenden szenekundigen Beamten ausgewählt und durfte den Kessel verlassen. Die auf dem Gelände der Glückauf-Kampfbahn verbliebenen Schalker mit Stadionverbot, wurden ebenfalls keiner polizeilichen Kontrolle unterzogen. Grund für die Anordnung, so verkündete es die Polizei, wären Straftaten im Rahmen des Bundesligaspiels Bor. Dortmund – FC Schalke 04 am 10.02.08 in Dortmund gewesen. Bei diesem Spiel soll es laut Aussage der Polizei im Eingangsbereich des Gästeblocks zu Körperverletzungen, Landfriedensbruch und im weiteren Verlauf der Begegnung zu Sachbeschädigungen gekommen sein. Eine Bewertung dieser Aussagen maßen wir uns nicht an, wir können uns nur auf unsere eigenen Beobachtungen stützen und auf den Polizeibericht der Polizei Dortmund verweisen. (Vgl.: http://www.presseportal.de/polizeipresse...olizei_dortmund)

Im folgenden wurden die ca. 170 Personen einzeln aus dem Kessel geholt und einer gründlichen Leibesvisitation zugeführt. Dabei wurden u.a. Brieftaschen nach verbotenen Gegenständen durchsucht. Des Weiteren wurde jede Person mehrfach aus verschiedenen Positionen fotografiert und videografiert. Äußerliche Unterscheidungsmerkmale wie Statur, Alter und Geschlecht spielten offensichtlich keine Rolle, da alle festgehaltenden Personen die gleiche Prozedur durchlaufen mussten.

Ein Teil der Gruppe brach nach der Maßnahme in Richtung Arena auf, um dort die bereits anwesenden Mitglieder über die Vorfälle zu informieren. Andere harrten hinter der Polizeiabsperrung aus und warteten bis der letzte den Kessel verlassen hatte. Zu diesem Zeitpunkt lief im Stadion bereits die erste Halbzeit. Zuvor entschieden die anwesenden Mitglieder unserer Gruppe, insbesondere unter Einbeziehung der Meinung der Betroffenen, das für uns ein Übergang zur Normalität an diesem Freitag einfach nicht möglich ist. Zu einschneidend waren die fast drei Stunden im Polizeikessel, zu wichtig ein wirksames Zeichen gegen diesen Umgang. Noch während der Diskussion über die weitere Vorgehensweise hinter der Nordkurve fuhr abermals ein Videoüberwachungswagen der Polizei vor, der uns während unseres Gesprächs filmte.

Wenig später hingen wir unsere Zaunfahne vor dem Block N4 ab, demontierten das Megaphon und entschieden uns, unseren angestammten Bereich nicht einzunehmen. Der leere Platz war deutlich sichtbar, leider konnten zu wenige Fans, gerade in der Kurve, über die Gründe detailiert informiert werden. Eine Tatsache die sich auf die Schnelle leider nicht anders realisieren ließ, die vielen nachträglichen Reaktionen zeigen uns allerdings, dass das Verständnis für unser Handeln gegeben war.

Erst nach 21.00 Uhr erreichten die Eingekesselten gemeinsam den Eingang der Nordkurve, leider war der Wachdienst nicht über unsere verspätete Ankunft informiert worden, die kurze Verwirrung konnte dennoch schnell und konstruktiv gelöst werden. Auf der Promenade warteten bereits die restlichen Mitglieder unserer Gruppe sowie weitere Fans, in der Halbzeit wurden die Trommeln aus dem freigehaltenen Bereich in der Kurve geholt und die zweiten 45 Minuten hinter dem Block gesungen. Eine Atmosphäre die sich spontan entwickelte und nicht bereits im Vorfeld angedacht war. Nach und nach löste sich bei vielen die Anspannung und lautstarke Gesänge hallten durch die Gänge, während das Spielgeschehen auf den Bildschirmen so fern und gleichzeitig doch so nah war. Definitiv eine ungewohnte Situation. Ebenso spontan und leider sehr chaotisch die Rückkehr in die Kurve, als bereits ein Großteil der Zuschauer das Stadion verlassen hatte, inklusive der Gästefans. Der ultraorientierte Teil der MSV-Anhänger kehrte allerdings ebenfalls kurzzeitig in Ihren Sektor zurück und zeigte sich solidarisch. Eine Geste die gerade bei rivalisierenden Teams nicht an der Tagesordnung ist und daher entsprechend hoch anzurechnen ist. Vielen Dank!

Unter erneuter polizeilicher Beobachtung traten wir nach Spielende die Rückfahrt zum Fanprojekt an, wo weitere Vorfälle glücklicherweise ausblieben.

Entschieden wehren wir uns gegen die unterschwellige Aussage, dass es sich bei der Gruppe Ultras Gelsenkirchen um eine Anhäufung krimineller Fußballfans handelt, die deshalb besonderer Überwachungsmaßnahmen bedarf. Als eingetragener Verein werden wir unsere Rechte und die unserer Mitglieder in dieser Sache ab Montag, dem 16.03.2008 anwaltlich vertreten lassen. Wir fordern darüber hinaus alle Betroffenen Personen auf mit dem Schalker Fanprojekt und/oder uns in Kontakt zu treten, um weitere rechtliche Schritte koordinieren zu können.

Grundsätzlich geben wir zu bedenken, dass die Verantwortlichen für diese Aktion die bei Fußballspielen eingesetzten Polizeibeamte durch derartige Vorfälle unnötig negativer Reaktionen aussetzen. Jugendliche und junge Erwachsene, die regelmäßig freiheitsbeschneidene Maßnahmen, eine ständige Kontrolle und willkürliche Repression erfahren, entwickeln fast unausweichlich eine ablehende Haltung gegen Polizeikräfte und ein grundsätzliches Mißtrauen in den Rechtsstaat. Ein derartiges Bild der Polizei führt unausweichlich zu Solidarisierungsaktionen, die schnell eine Kette an ungewollten Aggressionen auslösen können. Wir appellieren deshalb eindringlich an die Verantwortlichen ihren repressiven Umgang mit aktiven Fans zu überdenken.

Nicht abzusehen sind ferner die Konsequenzen für die sozial-pädagogische Arbeit des Fanprojekts. Wurden die Räumlichkeiten des Schalker Fanprojekts bislang als Ort wahr genommen, in denen sich Fans abseits kommerzieller Angebote selbst organisieren und in entspannter Atmosphäre Kontakte knüpfen konnten, so ist nicht auszuschließen, dass das Vorgehen der Polizei zu einem nachhaltigen Vertrauensverlust geführt hat. Müssen Besucher des Fanprojekts jetzt regelmäßig mit derartigen Kontrollen rechnen?

War es vielleicht ein angenehmer Nebeneffekt, dass Vertrauen in die Einrichtung Fanprojekt zu erschüttern, um so den wachsenden Zulauf zu diesem Treffpunkt zu unterbinden? Einem Ort, wo sich vor allem kritische Fans versammeln, die schon mehrfach Polizeieinsätze kritisiert haben, sich gegen die aktuelle Vergabepraxis von Stadionverboten wehren und Solidarität mit Fans fördern, die zu Unrecht durch Stadionverbote betroffen sind.

Auch fragen wir uns, warum es im Zeitalter von omnipräsenter Videoüberwachung inner- und außerhalb der Stadien, sowie dem Einsatz gleich mehrerer szenekundiger Polizeibeamter bei jedem Bundesligaverein nicht möglich sein soll, identifizierte Straftäter gezielt anzusprechen und die Personalien festzustellen. Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass durch diese Maßnahme vor allem auch persönliche Daten gesammelt werden sollten. Wir forden die verantwortlichen Behörden dazu auf, sämtliche Daten umgehend zu löschen.

Weiter ist es aus unserer Sicht mehr als bedenklich, dass insbesondere minderjährige Fans drei stundenlang in einem Polizeikessel festgehalten werden und während der erkennungsdienstlichen Behandlung in einem rüden Umgangston persönliche Daten abgefragt werden, die über die Pflichtangaben hinausgehen und zu deren Angabe kein Bürger verpflichtet ist.

Betroffene Eltern weisen wir an dieser Stelle darauf hin, dass es in naher Zukunft in Kooperation mit juristischen Fachkräften Aufklärungsabende über die teilweise fragwürdige Polizeiarbeit bei Fußballeinsätzen geben wird. Diese Informationsabende sollen helfen Ängste und Vorurteile abzubauen und Eltern sowie Jugendliche über ihre Rechte aufklären darin bestärken, gegen eine unrechtgemäße Behandlung juristisch vorzugehen.

Wir bedanken uns schon jetzt bei der gezeigten Solidarität in der Schalker und Duisburger Fanszene und doch fürchten wir, dass durch den öffentlichen Druck besonders viele Verfahren aufgrund angeblicher Straftaten in Dortmund eingeleitet werden, um so die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit der Maßnahme vom 13.03.08 zu überzeugen. Auch wenn diese Verfahren ähnlich wie bei dem “Dortmunder Kessel” nach dem Revierderby im Mai 2007 eingestellt werden, bedeutet dies für die Betroffenen zumeist ein mehrjähriges Stadionverbot.

Abschließend wünschen wir uns vom FC Schalke 04 in diesen Stunden den Rückhalt, den wir unserem Club Woche für Woche geben.

Wir werden siegen!

http://www.ultras-ge.de/
kopfnuss
16.03.2008 - Stellungnahme des Schalker Fanprojekts zu den Vorkommnissen beim Heimspiel gegen den MSV Duisburg am 14.3.2008 an der Glückauf-Kampfbahn

Das Schalker Fanprojekt ist eine sozialpädagogische Einrichtung und ein offizielles Standbein der Fanbetreuung des FC Schalke 04.

Zum Klientel gehören Jugendliche und junge Erwachsene aus der aktiven Fanszene. Unter der Woche, sowie an Heimspieltagen bieten die Räumlichkeiten des Schalker Fanprojekts eine Anlaufstelle für alle Fans des Revierclubs. Die Besucher werden hier in ihrer Lebenssituation ernst genommen und hinsichtlich eventueller Problemlagen beraten und unterstützt. In der Einrichtung arbeiten ein angehender und ein diplomierter Sozialarbeiter, die im engen Kontakt mit der Fanszene, dem Verein, dem Schalker Fanclub Verband und den örtlichen Sicherheitsbehörden stehen.

Traditionell treffen sich an Heimspielen neben vielen unorganisierten Schalke Fans die Gruppe Ultras Gelsenkirchen auf dem Gelände der Glückauf-Kampfbahn.

Das Gelände wird in der Regel von allen Besuchern auf einmal verlassen, um mit einer extra arrangierten Bahn zum Stadion zu fahren. Anders wäre dies nicht möglich, da die vorbeifahrenden Bahnen in Richtung Stadion bereits voll besetzt sind. Auch sicherheitspolitisch hat sich diese Maßnahme bewährt, denn so ist eine gefahrenlose An- und Abreise zum Stadion gewährleistet.

Nun zu den Vorkommnissen am Freitagabend:

Gegen kurz vor 18 Uhr sind die Mitarbeiter des Fanprojekts von einigen Besuchern auf die massive Polizeipräsenz im angrenzenden Bereich aufmerksam gemacht worden. Da diese massive Polizeipräsenz im Bereich der Glückauf-Kampfbahn für ein Bundesligaspiel unüblich ist, wurde ein Mitarbeiter des Fanprojekts gebeten, Kontakt mit den szenekundigen Polizeibeamten aufzunehmen. Dies geschah zeitnah in Begleitung eines Fanvertreters. Der Ansprechpartner der örtlichen Polizei wies darauf hin, dass die Polizeipräsenz lediglich auf die „Ortsunkundigkeit“ der anwesenden Polizeikräfte zurückzuführen sei.

Weit gefehlt, wie sich kurz später herausstellte, obwohl die Polizei in der Woche dem Fanprojekt gegenüber bestätigte, sie sei mit der Entwicklung in der Fanszene und der momentanen Situation sehr zufrieden.

Unmittelbar nach dem Gespräch verließ fast die gesamte Fangruppe, ca. 190 Personen, das Gelände und der Polizeieinsatz begann. Innerhalb von wenigen Sekunden wurde der gesamte Bereich der Caubstraße durch 21 Mannschaftswagen der Polizei abgesperrt und die abwandernde Fangruppe wurde teilweise für über zweieinhalb Stunden festgehalten. Alle beteiligten Personen wurden erkennungsdienstlich erfasst, egal welchen Geschlechts, welchen Alters und Gruppenzugehörigkeit.

Als ein Mitarbeiter des Fanprojekts sich der Ingewahrsamnahme der Jugendlichen näherte, wurde er aufgefordert sich, in den Polizeikessel zu begeben, denn er könne ja nicht den Beweis dafür liefern, dass er auch wirklich Sozialarbeiter sei. Seitens der Polizei war an diesem Tag keine Zusammenarbeit erwünscht, die Mitarbeiter wurden aufgefordert während der freiheitsentziehenden Maßnahme im Fanprojekt zu verweilen.

Diesen Zustand können wir so nicht dulden und unterstützen. Das Schalker Fanprojekt dient als Rückzugraum für die aktive Fanszene und trägt nicht unwesentlich dazu bei, dass die Heimspiele des FC Schalke 04 stressfrei ablaufen. Wie soll man den „guten Draht“ zur Fanszene aufrechterhalten, wenn Besucher völlig unbegründet erkennungsdienstlich erfasst werden?

Keine Frage, dass die örtlichen Polizeibehörden ihrem Auftrag der Strafverfolgung nachgehen müssen, aber wie kann man pauschal alle Besucher einer sozialen Einrichtung vorverurteilen und in die Ermittlungen einbeziehen?

Noch am gleichen Abend besuchten besorgte Eltern der größtenteils minderjährigen Besucher die Räumlichkeiten des Fanprojekts und baten um Erklärung. Diese Erklärung konnten die Mitarbeiter nicht geben, denn ein solcher Polizeieinsatz ist bei allem Verständnis nicht nachvollziehbar.

Hier wird eine komplette Besuchergruppe pauschal vorverurteilt und kriminalisiert. Außerdem verändern sich die Arbeitsgrundlagen und vor allem das Vertrauensverhältnis von den Mitarbeitern zu den Besuchern schlagartig. Dem Polizeiapparat stehen sicherlich andere Wege und Mittel der Strafverfolgung zur Verfügung, als durch eine pure Machtdemonstration die Besucher einzuschüchtern und für eine negative Lobby des Fanprojekts zu sorgen.

Nun bleiben die Fragen offen, was mit den Daten und Fotos der Personen passiert und wie die Arbeit im Fanprojekt weitergehen soll.

Wenn man an jedem Spieltag damit rechnen muss, dass alle Besucher eventuell erkennungsdienstlich erfasst werden, ist dies sicherlich nicht förderlich für eine gute Arbeitsbasis mir den Besuchern. In diesem Fall wurden die Räumlichkeiten des Fanprojekts und deren unmittelbare Umgebung für einen Polizeieinsatz missbraucht, nur weil sich diese infrastrukturell dazu anbieten, wie ein Mitarbeiter der örtlichen Polizeibehörde bestätigte.

Durch so eine Polizeiaktion wird es in Zukunft sicher schwer, die jungen und interessierten, aber vor allem auch die betreuungswürdigen Fans an so eine Einrichtung zu binden, von dem Imageschaden mal ganz zu schweigen!

Trotzdem stehen die Mitarbeiter des Fanprojekts weiterhin für den Dialog zwischen allen Beteiligten zur Verfügung und verstehen sich auch weiterhin als Bindeglied zwischen allen involvierten Institutionen.

Dennoch werden wir den 14.3.2008 in schlechter Erinnerung behalten.

Patrick Arnold

Einrichtungsleiter

Dipl. Sozialarbeiter/Dipl. Sozialpädagoge

http://www.schalker-fanprojekt.de/startseite/startseite.php
kopfnuss
Heute die, morgen wir, übermorgen ihr ???

Wir schreiben Freitag, den 14.03.2008, es ist der 24.
Bundesligaspieltag, wir haben ein Heimspiel gegen den MSV Duisburg.
Eigentlich ein ganz normales Spiel. Doch sicherlich dürfte jedem beim
Betreten unserer Arena sofort aufgefallen sein, dass irgendetwas an
diesem Abend anders war. Unten in der Nordkurve, direkt hinter dem Tor,
dort wo sonst vor allem die Ultras Gelsenkirchen (UGE) ihren Stammplatz
haben, klaffte ein großes "Loch" in der ansonsten prall gefüllten Kurve.
Nicht viele Schalker kannten in diesem Moment den Anlass dafür. Auch wir
zunächst nicht. Relativ schnell wurden wir jedoch über den Grund
informiert, eine erschreckende Meldung ging wie ein Lauffeuer um und
sollte alle Schalker - und damit meinen wir ausdrücklich die gesamte
Schalker Fan-Szene - aufhorchen lassen.

Am seit vielen, vielen Jahren für unzählige Schalker üblichen Treffpunkt,
dem Schalker Fanprojekt an der altehrwürdigen Kampfbahn Glückauf, fuhren
ohne ersichtlichen Grund gegen 17.45 Uhr 21 (!!!) Mannschafts- und zwei
Videowagen der Polizei auf und kesselten die dort noch gut 180 anwesenden
Schalker ein. Egal ob groß oder klein, alt oder jung, Männchen oder Weibchen.
Selbst die Auffahrt zur A 42 wurde vollständig gesperrt. Von allen Personen
wurden sämtliche Personalien aufgenommen, lückenlose Körperdurchsuchungen
fanden statt, zudem wurden alle Personen fotografiert bzw. "videografiert".
Eine erkennungsdienstliche Behandlung nach allen Regeln der Kunst. Die
letzten Schalker hatten diese Prozedur erst nach dem in der Arena um 20.30
Uhr erfolgten Anstoß hinter sich!!!

Auslöser dieser Aktion war eine Anweisung der Staatsanwaltschaft Dortmund.
Beim letzten Derby in der verbotenen Stadt wurde von Schalke-Fans
angeblich ein Tor erstürmt und dabei ein Ordner verletzt, dazu soll es nach
dem Spiel auch zu Sachbeschädigung gekommen sein. Dies lassen wir jetzt
einfach mal so dahin gestellt, wir können dies weder überprüfen, noch
bewerten. Was wir allerdings wissen: Die Sicherheitsnachbesprechungen nach
dem Derby, mit Schalker Beteiligung, endeten einheitlich und zweifelsohne mit
der Aussage ALLER Beteiligten (also auch der Polizei): "Keine besonderen
Vorkommnisse. Ein normales Derby"!

Die Staatsanwaltschaft erhofft sich von dieser Aktion wahrscheinlich, die
angeblichen "Täter" auf den jetzt geschossenen Fotos wieder zu erkennen.

Allerdings stellen sich uns da einige Fragen: Was wird die
Staatsanwaltschaft Dortmund erst einmal anweisen, wenn es einmal
"besondere Vorkommnisse" geben sollte??? Was passiert mit den
aufgenommenen Personalien, wenn keiner der jetzt eingekesselten in
Dortmund mit dabei war? Wer wird in diesem Falle wann, wie, wo als
nächstes eingekesselt? Die ganze Nordkurve? Wo bitteschön ist die,
gerade von der Polizei immer wieder propagierte, "Verhältnismäßigkeit
der Mittel"??? 21 Mannschaftswagen + 2 Videowagen und eine komplette
Hundertschaft für potentielle "Bagatelldelikte"? Wer zahlt letztendlich
diesen Einsatz eigentlich?

Dass die ganze Aktion auch noch am Fan-Projekt stattgefunden hat und
somit eigentlich ein "No Go" ist, setzt unserer Meinung nach der ganzen
Aktion die eigentliche Krone auf. Willkür hin, Deeskalation her: Das
Fanprojekt ist eine wichtige (sozial-)pädagogische Einrichtung in
unserem Verein, stützt seine gesamte Arbeit auf Methoden der
Jugendsozialarbeit. Die Mitarbeiter verstehen sich als vertrauensvolle
Ansprechpartner aller Fans, kümmern sich unter anderem um die
Integration von jugendlichen Fans in eine bunte Schalker Fanszene. Mit
diesem Einsatz hat die Polizei der gesamten Schalker Sozialarbeit, auch
der "Sozialarbeit" die wir alle (!!!) im kleinen Rahmen in unseren
Fanclubs leisten, mit einem gegenteiligen Ansinnen mit Vollgas vor den
Bug geschossen, dessen Autorität und Autonomie unterwandert, den
"sozialen Auftrag" mit Füßen getreten. Hier wurde eindeutig eine
Schwelle übertreten, die mit Sicherheit nicht dazu beiträgt, bestehende
Probleme zwischen Fans und Polizei zu verbessern oder gar zu beheben.
Wie sollen junge Menschen so ein vernünftiges und ehrliches Empfinden -
gar Vertrauen - gegenüber bzw. in unseren Rechtsstaat aufbauen? So wird
jeder Dialog verhindert, so werden Grundrechte missachtet.
Kontraproduktiver kann man den Begriff "Deeskalation" nicht vorleben,
über das eigentliche Ziel hinaus schießen.

Wir erklären uns in diesem Fall jedenfalls mit den betroffenen Fans
solidarisch und fordern die Staatsanwaltschaft und Polizei auf,
sämtliche am Freitag aufgenommen Daten aus sämtlichen Dateien zu
löschen. Selbst wenn tatsächlich ein oder zwei "Täter" wirklich
identifiziert wurden, rechtfertigt das unserer Meinung nach immer noch
in keiner Weise dieses willkürliche Auftreten. Es gibt in Deutschland
keine Sippenhaft und eine "aktuelle" Straftat, die u. U. eine solch
unangemessene Maßnahme hätte rechtfertigen können, wurde an diesem Tag,
in diesem Moment, definitiv nicht begangen! Da wurde mit Kanonen auf
Spatzen geschossen.

Der Supporters Club e. V. distanziert sich seit jeher von jeglicher
Gewalt, kritisiert ausdrücklich jegliches Begehen von Straftaten im
Rahmen von Fußballspielen. Wir stehen ohne Wenn und Aber zu den
Grundsätzen der Rechtsstaatlichkeit in unserem Land, allerdings schlägt
diese Maßnahme dem Fass den Boden aus. Fußballfans sind keine
Verbrecher!!!!

Auch wenn der Verein Schalke 04 weder für diese Aktion verantwortlich,
noch überhaupt darüber informiert war, so sollte auch von dieser Seite
aus entsprechend und energisch auf diesen "Akt der Willkür" reagiert
und offiziell protestiert werden!

FC Schalke 04 - Supporters Club e. V.

http://www.supportersclub.de/
Gunna
Schalke 04 und Fan-Gruppen im kritischen Dialog mit der Polizei

Um die Vorgänge rund um den Polizeieinsatz am vergangenen Freitag vor dem Spiel gegen den MSV Duisburg zu erörtern, trafen sich am Dienstagnachmittag (18.3.) Vertreter des FC Schalke 04, des Schalker Fan-Club Verbands, des Schalker Fan-Projekts, der Ultras Gelsenkirchen, des Supporters Clubs, der Schalker Fan-Initiative und der Polizei. Bei dem Einsatz wurden 172 Anhänger des FC Schalke 04 am Fan-Projekt des Vereins von der Polizei kontrolliert, Personalien wurden aufgenommen und die Anhänger fotografiert.

„Wir haben in diesem Gespräch das Vorgehen der Polizei kritisch hinterfragt. Ort und Zeit des Einsatzes waren nach unserem Eindruck unglücklich gewählt, zudem haben wir insgesamt Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der gesamten Aktion geäußert“, erklärte Schalkes Vorstand Peter Peters. Die Vertreter der Polizei wiederholten, wie schon in den verschiedenen telefonischen Erörterungen zuvor, dass nach ihrer Auffassung und Einschätzung der gesamte Einsatz in angemessener Art und Weise abgelaufen sei. Detailinformationen konnten unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht gegeben werden.

„Wir sehen die Durchführung der Maßnahme weiterhin kritisch. Wir hoffen aber, dass es keine negativen Folgen für das Fan-Projekt, die Schalker Fan-Szene und unsere Gruppe geben wird“, erklärte Thomas Kirschner, 1. Vorsitzender der Ultras Gelsenkirchen.

Auslöser des Polizeieinsatzes ist ein Ermittlungsverfahren der
Staatsanwaltschaft Dortmund, dem Videoaufzeichnungen vom Gastspiel des FC Schalke 04 bei Borussia Dortmund am 10. Februar 2008 zu Grunde liegen. Auf denen gebe es nach Angaben der Polizei Hinweise auf Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung. Der Einsatz sollte nun dazu dienen, mögliche Delikte einzelnen Fans zuzuordnen. „Da Staatsanwaltschaft und Polizei die einzigen Instanzen sind, die das Videomaterial kennen, können auch nur sie bewerten, ob die Verhältnismäßigkeit gegeben ist. Wir gehen davon aus, dass dies nach bestem Wissen und Gewissen geschehen ist. Trotzdem bleibt es für uns schwierig, unseren Fans die Vorgehensweise zu erklären“, sagte Volker Fürderer, Sicherheitsbeauftragter des FC Schalke 04.

Auch Rolf Rojek, Vorsitzender des Schalker Fan-Club Verbandes, hätte es begrüßt, „wenn wir die Videoaufzeichnungen hätten einsehen können. So bleiben für uns weitere Fragezeichen“, erklärte Rojek, der es ausdrücklich begrüßte, dass die Polizei zur Aussprache mit den Vertretern des FC Schalke 04 und der Fan-Organisationen gekommen war.

„Wir haben die Sorge, dass das Image des Fan-Projekts leidet. Wir müssen alle, auch gemeinsam mit der Polizei, daran arbeiten, dass neues Vertrauen aufgebaut werden kann“, so Patrick Arnold vom Schalker Fanprojekt. Auch für Frank Arndt, 1. Vorsitzender des Supporters Clubs, wäre es für das zukünftige Miteinander wichtig, „dass alle Seiten ihr Handeln kritisch hinterfragen, damit wir es schaffen, wieder aufeinander zugehen zu können“.

Quelle: www.schalke04.de/
kopfnuss
Solidarität mit Beschwerdeführern

Wie bereits angekündigt, haben wir uns gemeinsam mit einigen Betroffenen unmittelbar nach dem Polizeieinsatz am 14.03.2008 juristisch beraten lassen. Infolgedessen können wir mitteilen, dass vier Personen, die im Rahmen der erkennungsdienstlichen Maßnahme am Schalker Fanprojekt behandelt wurden, Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Staatsanwaltschaft Dortmund gestellt haben, mit dem Ziel, die Löschung der entsprechenden Daten zu erwirken und ein Zeichen gegen die willkürliche Erfassung und Datenspeicherung von Fußballfans zu setzen.

Die Beschwerde ist an das Justizministerium gerichtet, dem die Fachaufsicht über die Staatsanwaltschaft obliegt. Zentraler Vorwurf der Beschwerde ist, dass die Staatsanwaltschaft willkürhaft gehandelt und bewusst das Gesetz verletzt hat, indem sie bei 172 Personen gleichzeitig in das Grundrecht aus Art. 2 GG (Schutz der Persönlichkeit und der persönlichen Freiheit) eingegriffen hat.

Die Betroffenen sehen in der Anordnung der erkennungsdienstlichen Maßnahme durch die Staatsanwaltschaft eine gesetzlich nicht zugelassene Datenbeschaffungsaktion für die Polizei, nicht aber eine nach § 163 b oder § 81 b Strafprozessordnung (StPO) zugelassene Ermittlungsmaßnahme.

Wir erklären uns an dieser Stelle solidarisch mit den vier Beschwerdeführern und danken für das Engagement der Personen.

Wir werden siegen!

http://www.ultras-ge.de/
bastian
Sehr schön.
|Timo|
In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift 11 Freunde ( 78 Mai 2008 ) findet sich ebenfalls ein Bericht über den Vorfall. Der Bericht ist sehr kritisch der Polizei und ihrer Vorgehensweise bei diesem Vorfall gegenüber .

Ich finde den nur gerade im Netz nicht
verve verte
Ich hab den Artikel mal eingescannt.

Wer ihn jetzt noch will, kann sich gerne per PN melden.
Daniel92
könnte das uns auch passieren? weil mir ist da nicht so wohl bei dem gedanken 3 stunden bei der polizei zu sein...

außerdem darf ich nicht mehr ins stadion wenn ich ärger mit der polizei bekomme sagen meine eltern
Jay Kay
Das kann überall passieren!