Der 12. Mann

edinho
Das Problem mit der Lizenzauflage

Der zwölfte Mann

Ein Dutzend Deutscher ist Pflicht für die Bundesligaklubs, doch viele tun sich schwer, mit der Erfüllung dieser Lizenzauflage.

Die Statuten sind eindeutig: Laut Paragraf 5 der Lizenzierungsvorschriften muss jeder Bundesligist zwölf deutsche Lizenzspieler im Kader haben. Ansonsten wird die Lizenz entzogen. Um das zu verhindern, greifen einige Klubs aber auf Spieler zurück, die – sagen wir mal – nicht unbedingt zur ersten Wahl gehören.

Hertha zum Beispiel. Die Berliner galten in den vergangenen Jahren als vorbildlich in Sachen deutsche Spieler, verfolgten eine Philosophie mit jungen Berliner Multi-Kulti-Spielern (Fathi, Chahed, Boateng, Dejagah). Allerdings brach dieses Bemühen im Sommer mehr oder weniger zusammen, gleich mehrere Spieler mit deutschem Pass verließen den Verein, teilweise überraschend und kurz vor Saisonbeginn: Kevin-Prince Boateng, Jerome Boateng, Dejagah, Pellatz, Schorch, R. Müller, Neuendorf und Bastürk.
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"Dadurch sind wir jetzt in dieser Situation", sagt Manager Dieter Hoeneß. Nach dem Weggang von Christian Müller nach Cottbus hat Hertha nur elf Lizenzspieler mit deutschem Pass. Zudem kommen Wallschläger, Bieler, Gäng und Steinwarth auf zusammen einen Bundesliga-Einsatz. Dem Eindruck, damit die Regel umgehen zu wollen, widerspricht Hoeneß energisch: "Diese vier sind keine Platzhalter, sondern Spieler mit Perspektive und Zukunft."

Der zwölfte Platz wird nun aus den eigenen Reihen, sprich der U 23, aufgefüllt. In Nürnberg sollte ursprünglich Lukas Kling (18) der zwölfte deutsche Profi werden – ging aber nicht, weil er zu dem Zeitpunkt erst 17 Jahre alt war, was wiederum den DFL-Statuten widerspricht. Nachdem die DFL den Club darauf aufmerksam gemacht hatte, kam Herr Kammermeyer in den Genuss, den Profikader aufzufüllen. Sportdirektor Martin Bader kann an der Club-Vorgehensweise nichts Verwerfliches erkennen. "Es ist ja nicht so, dass wir den 40-Jährigen Torwarttrainer oder Busfahrer heranziehen."

Auch Cottbus musste rechnen. Nachdem nämlich der Deutsch-Kameruner Francis Kioyo sich nach Israel verabschiedete, besitzt Energie derzeit nur elf Deutsche – allerdings nur bis Dienstag. Dann wird Abwehrtalent Thomas Franke (20) einen Profivertrag unterschreiben. "Ob man talentierte Spieler ein halbes Jahr früher oder später bindet, ist dann nicht mehr so wichtig", so Steffen Heidrich, der Manager.

Für Faton Toski (20), den Frankfurter, schon, denn er profitierte davon, dass Vorstandsboss Heribert Bruchhagen der zwölfte Mann fehlte und ist seit dem 25. Januar Lizenzspieler. Der schnelle Profivertrag – Statuten sei Dank. Auch beim HSV. Anlass für Kritik sieht Sportchef Beiersdorfer ob dieser Praxis nicht: "Wir haben kein Unrechtsbewusstsein, denn unser Kader hat etliche junge Deutsche, die zu den U-Teams des DFB zählen: Boateng, Ben-Hatira, Sam und Choupo-Moting."
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