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Die Basis spricht in BamS! Beim großen Gipfel sagen die Fans vom HSV, von Werder und von Hannover 96: Das stinkt uns!
von Lars Beike und Heiko Ostendorp
BILD am SONNTAG: Fan sein – was bedeutet das?
Werder-Fan Thomas Breitkopf (43):
Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht bei Werder bin. Als ich Fan wurde, war ich acht und Werder hat gegen den Abstieg gespielt.
HSV-Supporter Johannes Liebnau (25): Eine schöne Zeit, das weiß ich noch ganz genau... Fan sein ist das einzig wahre Hobby. Wenn man einmal infiziert ist, gibt es nichts anderes mehr. Die Sucht wird immer größer.
96-Anhänger Stefan Kirkskothen (36): In der Freude umarmt man sich, in der Trauer genauso. Es ist diese Leidenschaft. Ich will immer zeigen, dass ich 96-Fan bin. Auch wenn ich Anzug trage, habe ich immer meinen Schal dabei.
Liebnau: Die Emotionen verbinden – egal, ob ein Arbeitsloser oder ein Professor neben dir steht.
Die Tendenz ist, dass immer mehr Professoren kommen. Die VIPs sind auf dem Vormarsch.
Liebnau: Das ist die Horror-Vision. Nur Event-Besucher, Konsumenten, die alles kritiklos hinnehmen – egal, was es kostet. Die machen die Welle nach fünf Minuten – egal, was auf dem Platz los ist. Ich befürchte: Die Vereine wollen solche Leute. Das ist eine große Gefahr.
Breitkopf: Das erste, was beim Stadionbau geplant wird, sind die VIP-Logen. Dafür gibt es immer weniger Steh-Plätze. Und die Stimmung leidet – wie in England. Ich war in Chelsea, das war erschütternd. Da haben wir mit 3000 Werder-Fans mehr Stimmung gemacht.
Und das droht auch der Bundesliga?
Kirkskothen: Es wird so kommen, wenn wir nicht aufpassen. Da sind auch die Vereine gefordert.
Liebnau: Viele von uns fühlen sich nur noch als Stimmungs-Vieh. Wir sollen Alarm machen...
Breitkopf: ...aber nicht zu laut!
Liebnau: Und nicht mit Fahnen, die größer sind als 1,50 Meter.
Aber bei der WM war die Stimmung doch toll.
Liebnau: Die WM war das Schlimmste, was uns aktiven Fans passieren konnte. Unter den Nachwirkungen haben wir bis heute zu leiden. Dieses Publikum will der DFB. Unkritische Konsumenten, die viel Geld ausgeben.
Breitkopf: Die echten Fans sterben aus, wenn diese Entwicklung weitergeht.
Kirkskothen: Die WM hat mich beeinflusst, mich in der Fan-Szene zu engagieren. Damit wir mehr Rechte bekommen.
Breitkopf: Echte Fans hatten doch fast gar keine Chance, an Karten zu kommen – obwohl wir jede Woche im Stadion sind. Da saßen Leute, die mit Fußball nichts am Hut haben.
Die Stadien in Deutschland tragen inzwischen fast alle Namen...
Breitkopf: In Bremen gibt es zum Glück noch das Weserstadion. Aber wer weiß, wie lange noch...
Liebnau: Für mich bleibt unser Stadion immer das Volksparkstadion. Wenn ich ins Taxi steige und sage: „Zum Volksparkstadion“ und sich der Fahrer dann umdreht und meint: „HSH-Arena?“ – dann steige ich aus! Das habe ich auch schon gemacht. Untereinander sollten Fans nur die alten Traditions-Namen benutzen.
Kirkskothen: Mir ist es wurscht, was für ein Name am Stadion dransteht.
Die Klubs brauchen die Einnahmen. Ohne Geld gibt es auch keinen sportlichen Erfolg.
Liebnau: Ich würde auf sportlichen Erfolg verzichten, wenn andere Dinge wegfallen. Zum Beispiel, dass alles mit Werbung zugekleistert wird, jeder Eckball vermarktet wird.
Ihr macht auch alle Auswärtsspiele mit euren Klubs mit?
Breitkopf: Sicher. Aber da kommen die echten Fans nur ganz schwer an Karten ran.
Kirkskothen: Auf Schalke kommt man als Gast-Fan direkt in einen Käfig. Aber die Frechheit war Bielefeld. Da war der Gästeblock einen Meter abgesenkt, ich konnte das eine Tor gar nicht sehen.
Liebnau: In Karlsruhe mussten wir Husten-Bonbons abgeben. Das muss man sich mal reinziehen. Und das Argument in Bielefeld war: Fürs TV sollten die Köpfe mit denen im benachbarten Sitz-Block alle auf einer Höhe sein. Da sieht man, dass die Fans scheißegal sind.
Breitkopf: Das kann ich so nicht unterschreiben. Wir wurden von Werder beim Stadion-Umbau massiv beteiligt. Wir werden schon unterstützt.
Liebnau: Wir auch. Unser Supporters-Klub hat ja auch 40000 Mitglieder. Aber insgesamt gibt es in der Bundesliga zu wenig Unterstützung.
Kirkskothen: Bei uns wollten sie vor Jahren mal hellblaue Trikots einführen. Das haben die Fans verhindert.
Wie ist denn der Kontakt zu den Spielern?
Breitkopf: Früher war es interessant. Zu Jungs wie Eilts oder Bode hatte man auch Kontakt. Aber jetzt? Von der Meister-Mannschaft 2004 sind noch drei Spieler bei Werder. Wie soll da Kontakt aufkommen? Obwohl Werder viel macht. Zu uns kommt nach jedem Spiel ein Profi in den Ostkurven-Saal.
Liebnau: Spieler kommen und gehen – der Klub bleibt bestehen. Wie soll ich mich mit einem identifizieren, der zwei Jahre jünger ist als ich und so viel Geld in einem Jahr verdient, wie ich im Leben nicht mal angucken darf?
Kirkskothen: Der Name auf dem Trikot spielt keine Rolle. Ich freue mich über jeden, der lange im Verein bleibt. Wie bei uns Sievers, Lala oder Cherundolo. Mit denen redet man auch gerne. Aber es wird besser bei 96. Wir haben ein Fanhaus bekommen, der Klub hat einen Fan-Beauftragten eingestellt. Und es gibt auch regelmäßige Treffen mit Spielern.
Quelle: Blöd am Sonntag
von Lars Beike und Heiko Ostendorp
BILD am SONNTAG: Fan sein – was bedeutet das?
Werder-Fan Thomas Breitkopf (43):
Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht bei Werder bin. Als ich Fan wurde, war ich acht und Werder hat gegen den Abstieg gespielt.
HSV-Supporter Johannes Liebnau (25): Eine schöne Zeit, das weiß ich noch ganz genau... Fan sein ist das einzig wahre Hobby. Wenn man einmal infiziert ist, gibt es nichts anderes mehr. Die Sucht wird immer größer.
96-Anhänger Stefan Kirkskothen (36): In der Freude umarmt man sich, in der Trauer genauso. Es ist diese Leidenschaft. Ich will immer zeigen, dass ich 96-Fan bin. Auch wenn ich Anzug trage, habe ich immer meinen Schal dabei.
Liebnau: Die Emotionen verbinden – egal, ob ein Arbeitsloser oder ein Professor neben dir steht.
Die Tendenz ist, dass immer mehr Professoren kommen. Die VIPs sind auf dem Vormarsch.
Liebnau: Das ist die Horror-Vision. Nur Event-Besucher, Konsumenten, die alles kritiklos hinnehmen – egal, was es kostet. Die machen die Welle nach fünf Minuten – egal, was auf dem Platz los ist. Ich befürchte: Die Vereine wollen solche Leute. Das ist eine große Gefahr.
Breitkopf: Das erste, was beim Stadionbau geplant wird, sind die VIP-Logen. Dafür gibt es immer weniger Steh-Plätze. Und die Stimmung leidet – wie in England. Ich war in Chelsea, das war erschütternd. Da haben wir mit 3000 Werder-Fans mehr Stimmung gemacht.
Und das droht auch der Bundesliga?
Kirkskothen: Es wird so kommen, wenn wir nicht aufpassen. Da sind auch die Vereine gefordert.
Liebnau: Viele von uns fühlen sich nur noch als Stimmungs-Vieh. Wir sollen Alarm machen...
Breitkopf: ...aber nicht zu laut!
Liebnau: Und nicht mit Fahnen, die größer sind als 1,50 Meter.
Aber bei der WM war die Stimmung doch toll.
Liebnau: Die WM war das Schlimmste, was uns aktiven Fans passieren konnte. Unter den Nachwirkungen haben wir bis heute zu leiden. Dieses Publikum will der DFB. Unkritische Konsumenten, die viel Geld ausgeben.
Breitkopf: Die echten Fans sterben aus, wenn diese Entwicklung weitergeht.
Kirkskothen: Die WM hat mich beeinflusst, mich in der Fan-Szene zu engagieren. Damit wir mehr Rechte bekommen.
Breitkopf: Echte Fans hatten doch fast gar keine Chance, an Karten zu kommen – obwohl wir jede Woche im Stadion sind. Da saßen Leute, die mit Fußball nichts am Hut haben.
Die Stadien in Deutschland tragen inzwischen fast alle Namen...
Breitkopf: In Bremen gibt es zum Glück noch das Weserstadion. Aber wer weiß, wie lange noch...
Liebnau: Für mich bleibt unser Stadion immer das Volksparkstadion. Wenn ich ins Taxi steige und sage: „Zum Volksparkstadion“ und sich der Fahrer dann umdreht und meint: „HSH-Arena?“ – dann steige ich aus! Das habe ich auch schon gemacht. Untereinander sollten Fans nur die alten Traditions-Namen benutzen.
Kirkskothen: Mir ist es wurscht, was für ein Name am Stadion dransteht.
Die Klubs brauchen die Einnahmen. Ohne Geld gibt es auch keinen sportlichen Erfolg.
Liebnau: Ich würde auf sportlichen Erfolg verzichten, wenn andere Dinge wegfallen. Zum Beispiel, dass alles mit Werbung zugekleistert wird, jeder Eckball vermarktet wird.
Ihr macht auch alle Auswärtsspiele mit euren Klubs mit?
Breitkopf: Sicher. Aber da kommen die echten Fans nur ganz schwer an Karten ran.
Kirkskothen: Auf Schalke kommt man als Gast-Fan direkt in einen Käfig. Aber die Frechheit war Bielefeld. Da war der Gästeblock einen Meter abgesenkt, ich konnte das eine Tor gar nicht sehen.
Liebnau: In Karlsruhe mussten wir Husten-Bonbons abgeben. Das muss man sich mal reinziehen. Und das Argument in Bielefeld war: Fürs TV sollten die Köpfe mit denen im benachbarten Sitz-Block alle auf einer Höhe sein. Da sieht man, dass die Fans scheißegal sind.
Breitkopf: Das kann ich so nicht unterschreiben. Wir wurden von Werder beim Stadion-Umbau massiv beteiligt. Wir werden schon unterstützt.
Liebnau: Wir auch. Unser Supporters-Klub hat ja auch 40000 Mitglieder. Aber insgesamt gibt es in der Bundesliga zu wenig Unterstützung.
Kirkskothen: Bei uns wollten sie vor Jahren mal hellblaue Trikots einführen. Das haben die Fans verhindert.
Wie ist denn der Kontakt zu den Spielern?
Breitkopf: Früher war es interessant. Zu Jungs wie Eilts oder Bode hatte man auch Kontakt. Aber jetzt? Von der Meister-Mannschaft 2004 sind noch drei Spieler bei Werder. Wie soll da Kontakt aufkommen? Obwohl Werder viel macht. Zu uns kommt nach jedem Spiel ein Profi in den Ostkurven-Saal.
Liebnau: Spieler kommen und gehen – der Klub bleibt bestehen. Wie soll ich mich mit einem identifizieren, der zwei Jahre jünger ist als ich und so viel Geld in einem Jahr verdient, wie ich im Leben nicht mal angucken darf?
Kirkskothen: Der Name auf dem Trikot spielt keine Rolle. Ich freue mich über jeden, der lange im Verein bleibt. Wie bei uns Sievers, Lala oder Cherundolo. Mit denen redet man auch gerne. Aber es wird besser bei 96. Wir haben ein Fanhaus bekommen, der Klub hat einen Fan-Beauftragten eingestellt. Und es gibt auch regelmäßige Treffen mit Spielern.
Quelle: Blöd am Sonntag