Bene_NRW
Teil I: Alle lieben diesen Sport
VON MARTIN BEILS
Düsseldorf (RP). 76 Prozent aller Bundesbürger interessieren sich für Fußball. Kein anderes Thema zieht sich durch alle Altersklassen und Gesellschaftsschichten. Wir beleuchten in einer Artikelserie, wer in diesem Geschäft den Ton angibt.
Zwölf Jahre war der kleine Frank-Walter alt. Er spielte im rechten Mittelfeld, zur Not auch mal „letzter Mann“. Mit 0:23 verlor TuS 08 Brakelsiek einmal in der lippischen Nachbarschaft. „Ich weiß das noch wie heute“, erzählt Steinmeier, mittlerweile 51 Jahre alt, Außenminister, Vizekanzler und Schalke-Fan, „manchen Ärger vergisst man ein Leben lang nicht.“
Der Fußball hat ihn geprägt. Heute dient ihm der Fußball als Türöffner. Kaum ein Staatsbesuch ohne Fachsimpelei. Erst recht nicht mehr seit der fantastischen WM, die als „Sommermärchen“ in die Zeitgeschichte einging. Die von der Agentur „Sportfive“ vorgelegte „Fußballstudie 2007“ belegt die Altersklassen und Gesellschaftsschichten übergreifende Bedeutung des Spiels.
76 Prozent der Deutschen geben danach an, sich für Fußball zu interessieren, rund 30 Prozent bezeichnen sich gar als „sehr interessiert“. Kein anderes Thema lockt die Deutschen in solchen Scharen vor den Fernseher wie Fußball: Die Verlängerung des WM-Halbfinales 2006 zwischen Deutschland und Italien steht mit 31,31 Millionen auf Position eins der „ewigen Rangliste“ des deutschen Fernsehens.
Mit 6,5 Millionen Mitgliedern ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einer größten Sportfachverbände der Welt. Tendenz: wachsend. Millionen spielen zudem, ohne einem Verein angeschlossen zu sein. Der frühere Premiere-Chef Georg Kofler weiß, warum er in den Freizeitkick investiert.
Bis 2012 will er in Deutschland, Österreich und der Schweiz 50 Fußballhallen bauen und der Firma „Newsports“ zu einem Jahresumsatz von 500 Millionen Euro verhelfen. Ein Deal, der die Dimensionen des Geschäfts deutlich macht. Es geht um Milliarden. Die Bundesliga setzt mehr als 1,2 Milliarden Euro um. Adidas strebt im Segment Fußball im EM-Jahr einen Umsatz an, der über den 1,2 Milliarden liegt, die der Konzern 2006 schaffte.
Allein sechs Millionen Bälle im EM-Design wollen die Franken verkaufen. Pay-TV funktioniert in Deutschland nur mit Bundesliga-Fußball. Und die Anbieter von mobilen Diensten setzen auch auf Geschäftsmodelle wie „Bundesliga live aufs Handy“. Fußball liefert das, wonach Werbestrategen suchen: Leidenschaft, Emotionen aller Art, Dramen, Tragödien, Komödien. Er bringt Menschen zusammen. Er integriert. Er bewegt.
Knapp sechs Millionen Fans kamen allein zu den Hinrundenspielen dieser Bundesligasaison. Montags Zweite Liga, dienstags und mittwochs Champions League, donnerstags Uefa-Cup, von Freitag bis Sonntag Bundesliga - kein Tag mehr, an dem der Ball ruht. Wechselgerüchte schaffen es bis in die wichtigsten Nachrichtensendungen.
Wenn Uli Hoeneß zürnt, amüsiert sich die Republik. Franz Beckenbauer firmiert sogar bei den Nachrichtenagenturen als „Lichtgestalt“. Ein Spielfeld für Persönlichkeiten und Wichtigtuer, Strippenzieher und Gernegroße, die ihre Prophezeiungen am liebsten mit der Floskel „am Ende des Tages“ garnieren. Fußball drängt andere Disziplinen an den Rand. Die Geldgeber konzentrieren sich immer mehr auf das Spiel zwischen den Kreidelinien.
Der Leverkusener Basketballmanager Otto Reintjes klagt: „Viele interessante Sportarten rücken zunehmend in den Hintergrund. Ringen, Tischtennis, Sportarten, die man vor Jahren sonntags noch in der Sportschau präsentiert bekam, finden im Fernsehen nicht mehr statt. Selbst in den Regionalprogrammen dreht sich fast alles nur noch um Fußball, Fußball und Fußball.“ Und die Deutsche Fußball Liga (DFL) will die Welt erobern.
Gerade waren Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld und Energie Cottbus auf vorweihnachtlicher Fernostreise, um ihrem Produkt im Auftrag der DFL neue Märkte zu erschließen. Der deutsche Fußball wächst nach außen. Aber auch nach innen.
Der DFB unternimmt große Anstrengungen, um dem Interesse der Kinder gerecht zu werden. Die Landesverbände boten voriges Jahr 1000 Kurzlehrgänge an, zu denen etwa 72000 Trainer und Betreuer kamen. Für den Düsseldorfer Peter Frymuth, den Vorsitzenden des DFB-Jugendausschusses, „ein herausragender Erfolg“.
Vermutlich hatte Bill Shankly, der legendäre Trainer des englischen Klubs FC Liverpool also Recht, als er sagte: „Einige Leute denken, Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich bin von dieser Einstellung sehr enttäuscht. Ich versichere Ihnen, dass es viel, viel wichtiger als das ist!“
Quelle RP-Online
VON MARTIN BEILS
Düsseldorf (RP). 76 Prozent aller Bundesbürger interessieren sich für Fußball. Kein anderes Thema zieht sich durch alle Altersklassen und Gesellschaftsschichten. Wir beleuchten in einer Artikelserie, wer in diesem Geschäft den Ton angibt.
Zwölf Jahre war der kleine Frank-Walter alt. Er spielte im rechten Mittelfeld, zur Not auch mal „letzter Mann“. Mit 0:23 verlor TuS 08 Brakelsiek einmal in der lippischen Nachbarschaft. „Ich weiß das noch wie heute“, erzählt Steinmeier, mittlerweile 51 Jahre alt, Außenminister, Vizekanzler und Schalke-Fan, „manchen Ärger vergisst man ein Leben lang nicht.“
Der Fußball hat ihn geprägt. Heute dient ihm der Fußball als Türöffner. Kaum ein Staatsbesuch ohne Fachsimpelei. Erst recht nicht mehr seit der fantastischen WM, die als „Sommermärchen“ in die Zeitgeschichte einging. Die von der Agentur „Sportfive“ vorgelegte „Fußballstudie 2007“ belegt die Altersklassen und Gesellschaftsschichten übergreifende Bedeutung des Spiels.
76 Prozent der Deutschen geben danach an, sich für Fußball zu interessieren, rund 30 Prozent bezeichnen sich gar als „sehr interessiert“. Kein anderes Thema lockt die Deutschen in solchen Scharen vor den Fernseher wie Fußball: Die Verlängerung des WM-Halbfinales 2006 zwischen Deutschland und Italien steht mit 31,31 Millionen auf Position eins der „ewigen Rangliste“ des deutschen Fernsehens.
Mit 6,5 Millionen Mitgliedern ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einer größten Sportfachverbände der Welt. Tendenz: wachsend. Millionen spielen zudem, ohne einem Verein angeschlossen zu sein. Der frühere Premiere-Chef Georg Kofler weiß, warum er in den Freizeitkick investiert.
Bis 2012 will er in Deutschland, Österreich und der Schweiz 50 Fußballhallen bauen und der Firma „Newsports“ zu einem Jahresumsatz von 500 Millionen Euro verhelfen. Ein Deal, der die Dimensionen des Geschäfts deutlich macht. Es geht um Milliarden. Die Bundesliga setzt mehr als 1,2 Milliarden Euro um. Adidas strebt im Segment Fußball im EM-Jahr einen Umsatz an, der über den 1,2 Milliarden liegt, die der Konzern 2006 schaffte.
Allein sechs Millionen Bälle im EM-Design wollen die Franken verkaufen. Pay-TV funktioniert in Deutschland nur mit Bundesliga-Fußball. Und die Anbieter von mobilen Diensten setzen auch auf Geschäftsmodelle wie „Bundesliga live aufs Handy“. Fußball liefert das, wonach Werbestrategen suchen: Leidenschaft, Emotionen aller Art, Dramen, Tragödien, Komödien. Er bringt Menschen zusammen. Er integriert. Er bewegt.
Knapp sechs Millionen Fans kamen allein zu den Hinrundenspielen dieser Bundesligasaison. Montags Zweite Liga, dienstags und mittwochs Champions League, donnerstags Uefa-Cup, von Freitag bis Sonntag Bundesliga - kein Tag mehr, an dem der Ball ruht. Wechselgerüchte schaffen es bis in die wichtigsten Nachrichtensendungen.
Wenn Uli Hoeneß zürnt, amüsiert sich die Republik. Franz Beckenbauer firmiert sogar bei den Nachrichtenagenturen als „Lichtgestalt“. Ein Spielfeld für Persönlichkeiten und Wichtigtuer, Strippenzieher und Gernegroße, die ihre Prophezeiungen am liebsten mit der Floskel „am Ende des Tages“ garnieren. Fußball drängt andere Disziplinen an den Rand. Die Geldgeber konzentrieren sich immer mehr auf das Spiel zwischen den Kreidelinien.
Der Leverkusener Basketballmanager Otto Reintjes klagt: „Viele interessante Sportarten rücken zunehmend in den Hintergrund. Ringen, Tischtennis, Sportarten, die man vor Jahren sonntags noch in der Sportschau präsentiert bekam, finden im Fernsehen nicht mehr statt. Selbst in den Regionalprogrammen dreht sich fast alles nur noch um Fußball, Fußball und Fußball.“ Und die Deutsche Fußball Liga (DFL) will die Welt erobern.
Gerade waren Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld und Energie Cottbus auf vorweihnachtlicher Fernostreise, um ihrem Produkt im Auftrag der DFL neue Märkte zu erschließen. Der deutsche Fußball wächst nach außen. Aber auch nach innen.
Der DFB unternimmt große Anstrengungen, um dem Interesse der Kinder gerecht zu werden. Die Landesverbände boten voriges Jahr 1000 Kurzlehrgänge an, zu denen etwa 72000 Trainer und Betreuer kamen. Für den Düsseldorfer Peter Frymuth, den Vorsitzenden des DFB-Jugendausschusses, „ein herausragender Erfolg“.
Vermutlich hatte Bill Shankly, der legendäre Trainer des englischen Klubs FC Liverpool also Recht, als er sagte: „Einige Leute denken, Fußball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich bin von dieser Einstellung sehr enttäuscht. Ich versichere Ihnen, dass es viel, viel wichtiger als das ist!“
Quelle RP-Online