Fango
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| Visionär und Hassfigur Von Daniel Meuren, Hoffenheim Ist er Heilsbringer oder Totengräber des Fußballs? An Dietmar Hopp scheiden sich die Geister. Der Milliardär will Hoffenheim mit seinem Geld in die Bundesliga führen und gleichzeitig die Jugend fördern. Trainer Ralf Rangnick lobt das Engagement des Mäzens, gegnerische Fans verachten ihn. Wer Dietmar Hopps Fußballleidenschaft auf die Spur kommen will, der muss die Spiele der Jugendmannschaften von 1899 Hoffenheim besuchen. So oft es geht, macht sich der Club-Mäzen am Wochenende auf den Weg zum Sportplatz in seinem Heimatort und begutachtet mit eigenen Augen, ob die Jugendarbeit Früchte trägt. "Herr Hopp kann Ihnen im Zweifel immer sagen, wer am vergangenen Wochenende im Tor der A-Junioren stand und wer im Sturm der B-Junioren gespielt hat", sagt Markus Sieger, Pressesprecher des Clubs. In der laufenden Spielzeit hat Hopp bei diesen Ausflügen immer mehr Freude empfunden als bei den Begegnungen seiner Profimannschaft. Nicht etwa, weil der von Ralf Rangnick trainierte Zweitligist so furchterregend schlecht gespielt hätte. Es sind eher die Rahmenbedingungen bei den Spielen des Aufsteigers, die Hopp die Besuche beim eigenen Club verleiden, den er mit seinem privaten Geld in den vergangenen zwölf Jahren von der Bezirksliga bis hinauf die Zweitklassigkeit geholfen hat. Was Hopp so frustriert, sind die gegnerischen Fans, die sich während der Spiele weniger mit der Unterstützung ihrer Mannschaft beschäftigen als mit der Verunglimpfung des Mannes, der völlig unauffällig in seiner Loge in Höhe der Mittellinie sitzt. Der 67-Jährige, in der Wirtschaft respektiert als Gründer des Software-Riesen SAP und mit einem Vermögen von mehr als fünf Milliarden Euro ausgestattet, ist im Fußball zu einer Hassfigur der Fanszene geworden. Der Hauptvorwurf der Anhänger anderer Clubs: Hoffenheim habe nur dank Hopps Finanzspritzen den Weg nach oben geschafft. Der Schmähgesang "Hopp macht unseren Sport kaputt" ist da noch der harmloseste unter den derben Rufen aus den gegnerischen Blocks des Dietmar-Hopp-Stadion. An den Zäunen hängen Transparente, auf denen das Konterfei des Mäzens in ein Verbotsschild gezeichnet ist. "Viele meinen, den anderen mit zum Teil widerlichen Transparentparolen übertrumpfen zu müssen", sagt Hopp, der sich die Auswärtsspiele seines Vereins aufgrund der Anfeindungen gar nicht mehr antut. "Ich bedauere natürlich, dass im Fußballgeschäft bisweilen so undifferenziert und teilweise geschmacklos argumentiert wird und hoffe, dass dies bald der Vergangenheit angehört." Auslöser für die heftigen Reaktionen der Fans waren zu einem großen Teil Aussagen des Managers von Mainz 05, Christian Heidel. Vor dem Spiel des Bundesligaabsteigers in Hoffenheim wurde er Ende September in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" mit den Worten "Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36 Plätze im Profi-Fußball wegnimmt" zitiert. Heidel hat die Aussagen später relativiert und mehrfach betont, dass er Hopp und sein Engagement für den Fußball sehr respektiere, aber dennoch eine gewisse Furcht habe, wenn andere Milliardäre dem Beispiel folgen sollten. Bei kriselnden und vom Abstieg in die Bedeutungslosigkeit bedrohten Traditionsvereinen wie beispielsweise dem nicht mal 100 Kilometer von Hoffenheim beheimateten 1. FC Kaiserslautern herrscht aus diesen Gründen großer Neid auf die Hopp-Millionen. Und andere, nicht ganz so finanzstarke Mäzene in Augsburg oder Wehen werden von den Fußballanhängern nicht als kleine Hopps wahrgenommen. Für die Fans ist der Hoffenheimer Förderer in grober Vereinfachung der Totengräber des Profifußballs. "Das ist regelrecht absurd, was Dietmar Hopp da vorgeworfen wird", ereifert sich Trainer Rangnick. "Statt sein Geld irgendwo gewinnbringend anzulegen, investiert er hier in seinem Heimatverein uneigennützig in ein vorbildliches Projekt, das es im deutschen Fußball noch nie gab, und alle regen sich ausgerechnet in einer Zeit auf, wo alle fordern, dass man für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga Investoren den Weg in den Profifußball ebnen müsse." Solche Investoren würden dann nach Worten Rangnicks tatsächlich wie Chelsea-Eigner Roman Abramowitsch oder Manchester Uniteds Besitzer Malcolm Glazer von heute auf morgen den Fußball radikal verändern und im Zweifelsfall nur auf die Gewinne auf ihrem Konto schauen. "Hopp will hingegen was ganz anderes. Er will den Fußball voranbringen und aus Dankbarkeit für seinen beruflichen Erfolg den Menschen in seiner Heimatregion etwas zurückgeben", sagt Rangnick. Zwei Talente für 20 Millionen Tatsächlich hat sich Hopp zum Ziel gesetzt, neben dem über seine Stiftung finanzierten Engagement für medizinische und diverse soziale Projekte oder in der Förderung von Handballern oder jungen Golfspielern auch neue Maßstäbe in der Ausbildung von talentierten Fußballern zu setzen. "Es geht mir vor allem darum, auf der Basis einer nachhaltigen und optimalen Jugendarbeit eines Tages ein erstklassiges Team mit vielen Eigengewächsen aus der Region zu schaffen", sagt Hopp. So gibt der Verein viel Geld aus für die vom ehemaligen Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters koordinierte Förderung von Jungkickern, die noch in ihren Heimatvereinen spielen und bis zum B-Juniorenalter durch zusätzliches Einzeltraining mit Hoffenheimer Trainern vorangebracht werden sollen. "Unser Förderkonzept 'Anpfiff ins Leben' umfasst aber neben der schulischen auch die berufliche und die persönliche Entwicklung der Jugendlichen, weil ja bei weitem nicht alle den Weg zum Profisportler schaffen", sagt Hopp. Im Profiteam seines Clubs sind die Eigengewächse freilich bislang noch Randfiguren. Stattdessen hat der Club vor der Saison in teure Talente investiert. Innerhalb weniger Tage gab der Club mit den 20 Millionen Euro für den 20 Jahre alten Brasilianer Carlos Eduardo und den 21 Jahre alten Ghanaer Edu den Jahresetat eines besseren Zweitligisten aus. Diese Summen ließen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Projekts Hoffenheim aufkommen. Die Konkurrenten fürchteten, dass sich Hoffenheim problemlos den Durchmarsch in die Bundesliga erkaufe. "Das ist natürlich Schwachsinn", sagt Trainer Rangnick. "Wenn wir unbedingt den Aufstieg hätten erzwingen wollen, dann hätten wir die 20 Millionen nicht in Talente, sondern in sieben oder acht gestandene Profis investiert, die uns nach oben gebracht hätten." So gesehen hat Dietmar Hopp die jüngste Negativserie seines Vereins mit vier Spielen ohne Sieg zum Hinrundenschluss vielleicht auch mit einem lachenden Auge verfolgt. Die Chancen auf einen Durchmarsch in die Bundesliga sind auf ein Minimum gesunken - was die Aggressionen gegenüber Hopp womöglich fürs Erste reduzieren dürfte. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,524755,00.html |