Fan-Hass 100 Festnahmen, Schlägereien in der Bremer Innenstadt
Krawalle überschatten Derby
Immerhin: Marsch von 1500 HSV-Anhängern zum Stadion verlief friedlich.
Von Alexander Laux
Mit einem massiven Aufgebot war die Polizei rund um das Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und dem HSV im Einsatz.
Hamburg -
In der Bremer Kurve hing ein Transparent: "Das klären wir nach dem Spiel" stand dort, eingerahmt von zwei Fäusten. Dass dies keine harmlose Drohgebährde war, bewahrheitete sich, als sich Tausende HSV-Fans zu Fuß auf den Rückweg zum Bahnhof machten.
Als ein etwa 50 Mann starker "schwarzer Block" auf an einer Hauptstraße wartende Hamburger Randalierer zulief, kam es zu einer etwa fünfminütigen wüsten Prügelei, in die auch Unbeteiligte hineingerieten. Aus einer Wohnung wurden sogar diverse Einrichtungsgegenstände wie Geschirr, Flaschen und ein kleiner Tisch auf den HSV-Mob geworfen - die dieser teilweise zurück zum Absender feuerte, gefolgt von Pflastersteinen. Als die Polizei eintraf, hatten sich die Kontrahenten größtenteils schon wieder voneinander getrennt.
Vor dem Spiel war es weitgehend friedlich geblieben. Die rund 1500 HSV-Anhänger marschierten - von der fleißig mit mehreren Videokameras filmenden Polizei begleitet - ab 13.24 Uhr eine Dreiviertelstunde lang vom Hauptbahnhof Richtung Stadion.
Problematisch wurde es nur, als Bremer Fans in einer Seitenstraße auf die Hamburger lauerten und diese mit Gegenständen wie Flaschen bewarfen. Doch die (berittene) Polizei griff sofort ein, trennte die Fanlager.
Mit der Anreise waren die Fan-Offiziellen insgesamt zufrieden: "Es hat gut funktioniert, die Anzahl der Leute war eindrucksvoll, die Atmosphäre friedlich", sagte Andreas Birnmeyer, Geschäftsführer des Supporters Clubs. Für zarte Seelen war der HSV-Zug dennoch nichts. "Werder Bremer Hurensöhne" oder "Eins kann uns keiner nehmen, und das ist der pure Hass auf Bremen" wurde mehrfach skandiert. Böller und Bengalos, vor allem in einem Tunnel, gehörten ebenso zum Repertoire wie das Markieren der Straßenzüge mit HSV-oder Anti-Bremen-Aufklebern. Dass sich das konsumierte Bier schon während des Wegs zum Stadion bemerkbar machte und nach Erleichterung drängte, versteht sich von selbst. Kaum eine Hecke war vor den Fans sicher.
In den Fenstern und auf den Straßen beobachteten viele Schaulustige die "HSV-Demonstration". Ein St.-Pauli-Fan ließ es sich auf einem Balkon im vierten Stock nicht nehmen, die HSV-Fans mit einer Totenkopfflagge zu provozieren.
Vor dem Stadion wurde dann der derzeit verletzte Hugo Almeida Opfer eines "Sticker-Anschlags". Der Werder-Profi war im Stau steckengeblieben und bekam mehrere Aufkleber auf das Heck seines Pkws verpasst. Laut Polizei mussten die Beamten zudem Übergriffe auf mehrere Privatfahrzeuge unterbinden.
Während des Spiels kam es dann laut Polizei zu Auseinandersetzungen vor einer Gaststätte. "Es handelte sich dabei fast ausschließlich um Personen aus Hannover und Hamburg, die entweder keine Eintrittskarten hatten oder auf Grund bekannter Fußballgewalttaten mit Stadionverboten belegt waren", erklärte die Polizei. Aus HSV-Kreisen verlautete, dass eine Gruppe Fans die Gaststätte verlassen musste und daraufhin einige Polizisten mit Gegenständen bewarf. Nachdem die Beamten Verstärkung angefordert hatten, wurden sämtliche 93 Personen in der Gaststätte kollektiv in Kurzgewahrsam genommen und "nach dem Ende polizeilicher Maßnahmen zu den abfahrenden Zügen geleitet", so die Polizei-Mitteilung.
Insgesamt wurden rund um die Partie vorübergehend mehr als 100 Fans festgenommen, da es weitere handfeste Auseinandersetzungen zwischen kleineren Gruppen gab. Zudem wurde ein Polizist, der den Verkehr regelte, von einer Flasche am Kopf getroffen und musste ambulant im Krankenhaus behandelt werden. Ein zweiter erlitt leichte Prellungen. Wie viele Fans verletzt wurden, ist unbekannt.
erschienen am 3. Dezember 2007
http://www.abendblatt.de/daten/2007/12/03/823149.html