Abschiebung trotz Versöhnung?
München/Bremen - Eigentlich könnte man sich beim SV Werder freuen: Die Mannschaft hat mit 2:0 in Cottbus gewonnen, dabei feierte Ivan Klasnic nach seiner Nierentransplantation ein 64-minütiges Comeback.
Doch der Trainingszwischenfall vom Donnerstag ist in Bremen immer noch ein Thema. Die Werder-Profis Carlos Alberto und Boubacar Sanogo waren bei Torschussübungen aneinandergeraten und hatten sich eine handfeste Schlägerei geliefert.
Trainer Thomas Schaaf hatte das Duo daraufhin bis Sonntag suspendiert und ihnen ein spezielles Lauftraining verordnet. Nutznießer war Klasnic, der nach elfmonatiger Bundesligapause Sanogos Platz einnahm.
Nun sollen die zwei Streithähne Anfang der Woche wieder ganz normal in die Einheiten mit der Mannschaft integriert werden. So steht es jedenfalls auf der Vereinsseite des Tabellenzweiten.
Keine Erklärung für Eskalation
"Man darf die beiden jetzt auch nicht in eine Schublade stecken. Wir haben mit ihnen ein ernstes Gespräch geführt, in dem sie sich einsichtig zeigten und den Vorfall bereuten", sagte Klaus Allofs.
Der Sportdirektor ergänzte: "Die beiden haben sich inzwischen wieder versöhnt. Sie hatten ohnehin keine richtige Erklärung dafür, wie der Zweikampf so eskalieren konnte, da sie sich eigentlich gut verstehen."
Sich wieder einbringen
Allerdings wird das Duo diese tätliche Auseinandersetzung teuer zu stehen kommen. Allofs hatte von einer saftigen Geldstrafe gesprochen: "Das wird schon so sein, dass es ihnen weh tut. Aber viel wichtiger ist es, dass bei ihnen der Wille zu sehen ist, sich wieder auf andere Art und Weise einzubringen."
Schließlich war der Vorfall, so der Sportdirektor in der DSF-Sendung Bundesliga aktuell, "für uns eine Grenze, die wir nicht überschreiten dürfen. Wenn wir Erfolg haben wollen, können wir solche Handlungen nicht dulden".
Schlechtes Arbeitsprotokoll
Nach Informationen der "Bild am Sonntag" denkt Allofs nun schon über weitere Schritte nach. Demnach soll Alberto in der Winterpause zurück nach Brasilien transferiert werden.
"Das kann ich nicht bestätigen", dementiert der 50-Jährige dementsprechende Gerüchte. Doch bisher hat der mit 8,5 Millionen Euro teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte an der Weser noch keine Bäume ausgerissen.
Sein Arbeitsprotokoll: 29 Minuten beim 0:4 gegen Bayern und 12 Minuten beim 4:0 gegen Karlsruhe sowie 77 Minuten im DFB-Pokal beim 1:0 bei Eintracht Braunschweig. "Bei Carlos bin ich nicht bereit, schon jetzt eine Bilanz zu ziehen", sagt Allofs, der aber zugibt: "Er konnte uns noch nicht beweisen, dass er uns sportlich weiterhilft."
"Kein Bedarf an Diego"
Dabei sollte der 22-Jährige der geniale Partner von Diego werden. Doch für Aufregung sorgt der fünffache Nationalspieler Brasiliens mehr neben dem Platz, und zwar aufgrund von Steuerproblemen, Schlafstörungen und überhartem Einsteigen im Training gegen Mitspieler.
Am Mittwoch hätte Carlos Alberto seine Kritiker vom Gegenteil überzeugen können. Denn in der Champions League kommt Real Madrid ins Weserstadion, und Diego fehlt wegen seines Platzverweises gegen Lazio Rom. Ob er die Chance dazu erhält, ist mehr als fraglich.
Reals Coach Bernd Schuster hatte Diego, der auch das 1:0 in Cottbus erzielte, mehrfach gelobt. Madrids Christoph Metzelder kann sich Diego als zukünftigen Mitspieler aber nicht vorstellen. "Wir sind so stark besetzt, dass wir momentan keinen Bedarf haben", sagte der Innenverteidiger.
Tauschgeschäft im Visier
Bedarf hat Werder sehr wohl, und zwar derzeit im Sturm. Da Carlos Alberto in seinem Heimatland noch einen guten Ruf genießt, planen die Bremer laut "BamS" ein Tauschgeschäft, um sich so die Dienste eines neuen Stürmers zu sichern.
Sicher ist, dass Alberto in der Winterpause nach Rio de Janeiro fliegen wird, um seine Freundin Caroline zu heiraten. Eine gute Gelegenheit, um den Fehleinkauf abzuschieben.
"Noch haben wir Geduld, aber die ist nicht unendlich", spricht Allofs eindeutige Worte. Ob diese wie bei Klasnic fast ein Jahr dauern wird, darf mehr als bezweifelt werden.
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