Der Vollständigkeit halber: Erklärung des C12 und offener Brief der Schickeria (beides vor dem Wolfburg-Spiel)
Erklärung und Aufruf des C12 zum Heimspiel gegen Wolfsburg
Als auf dem Münchner Nockherberg am Abend des 12.November FC Bayern Mitglied Nummer 73.693 Richtung Rednerpult schritt, hätte sich wohl niemand vorstellen können, was er mit seiner etwas zu langen und in machen Passagen diskussionswürdigen, aber nie beleidigenden Wortmeldung für eine mediale Lawine lostreten würde. Dass diese Lawine wenige Tage später auf den Club Nr.12 zurasen würde, hätten sich die anwesenden Mitglieder wohl aber nicht einmal dann vorstellen können, wenn zwischen dem oben angesprochenen Mitglied und dem Club Nr.12 irgendeine Beziehung oder Bekanntschaft vorgelegen hätte.
So traf uns die in den nächsten Tagen auf uns einprasselnde Welle aus haltlosen Unterstellungen und aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen genauso hart wie unvorbereitet. Die damals 750 Mitglieder des Club Nr.12 fühlten sich in diesem Moment sicher ähnlich wie Manager Uli Hoeneß kurz vor seinem inzwischen legendären Wutausbruch. Nur mit dem Unterschied, dass man leider nicht die Möglichkeit hat, seinem Zorn auf höchster medialer Ebene freien Lauf zu lassen, und sich dies auch gar nicht erlauben wollte, da dies noch weiteren Imageschaden für unseren FC Bayern bedeutet hätte.
Leider mussten wir tatenlos mit ansehen, wie in den letzten zwei Wochen ein tiefer Graben innerhalb der Fangemeinde entstanden ist: Zwischen Fans, die sicher zu den größten Verfechtern von Manager Uli Hoeneß gehört hatten und nach seinem Auftritt auf der JHV und im Bayerischen Fernsehen sprach- und fassungslos zurückblieben. Und auf der anderen Seite Fans, die aufgrund der unbestritten großen Verdienste von Uli Hoeneß sich im Zweifelsfall und auch ohne fundiertes Hintergrundwissen erst einmal vor oder hinter unseren Manager stellten und ihn leidenschaftlich gegen Angriffe verteidigten, die es eigentlich gar nicht gegeben hat. Was man ihnen auch gar nicht verübeln kann: Gerade die erstere Fraktion hat dies über viele Jahre genauso gehandhabt, weshalb die Angriffe durch Uli Hoeneß nun doppelt schmerzhaft waren.
Am vergangenen Dienstag gab es ein sehr fruchtbares Gespräch zwischen dem Vorstand des FCB und Vertretern des Club Nr.12. Im Anschluss daran hatte Uli Hoeneß via Fernsehen deutlich gemacht, dass er Gewaltbereitschaft beim Club Nr.12 vollständig ausschließen könne. Leider war diese Meldung nicht so interessant wie eine am Mittwoch folgende Agenturmeldung. Diese wiederholte zwar lediglich Aussagen aus einem mehrere Tage alten Zeitungsinterview mit Uli Hoeneß, welches in großen Teilen lediglich der Fantasie eines auf Auflagensteigerung bedachten Boulevardjournalisten entsprungen war. Nichtsdestotrotz wurden diese Aussagen über Rücktrittsdrohungen und Angst um Leib und Leben in der gesamten nationalen und zum Teil sogar internationalen Presse weiterverbreitet, ohne dass sich einmal jemand die Mühe machte, dies zu hinterfragen. Dadurch wurde der oben angesprochene Graben zu allem Überfluss um einige weitere Meter vertieft, so dass man die Stimmungslage vor dem morgigen Spiel durchaus als brisant bezeichnen muss.
Im Interesse unseres FC Bayern München appellieren wir hiermit an alle Bayernfans, egal welche Meinung sie sich zu den Geschehnissen der letzen zwei Wochen gebildet haben, zur Besonnenheit beim morgigen Heimspiel: Morgen spielt der FC Bayern München gegen den VfL Wolfsburg, und nicht die Stehplätze gegen die Logen, oder die Hoeneß-Fans gegen die Hoeneß-Kritiker. Ein besonderer Aufruf geht an die Fans in den Stehplatzbereichen, in denen die Emotionen - zum Glück - immer etwas intensiver ausgelebt werden. Viele wurden durch die Ereignisse der letzten zwei Wochen tief getroffen, was in einzelnen Fällen sogar bis zu Problemen am Arbeitsplatz geführt hat. Aber wie der Einzelne nun damit umgeht, ist sehr unterschiedlich, wie wir selbst aus den Reaktionen unserer Mitglieder entnehmen können. Die Spanne reicht von FCB-Anhängern, die wohl zum ersten Mal in ihrem Fanleben ein Spiel stumm in der Kurve verfolgen werden bis zu Fans, die nun aus Trotz doppelt so laut sein wollen. Das passt nicht zusammen, aber das muss es auch nicht: Wichtig ist morgen ein hohes Maß an Toleranz und Verständnis für den Fan neben oder vor einem, der vielleicht eine sehr ähnliche Meinung vertritt, aber mit den Vorfällen der letzen beiden Wochen ganz anders umgeht.
Wir haben in den vergangenen zwei Wochen versucht, uns so weit wie möglich aus der öffentlichen Diskussion herauszuhalten. Wir vertreten die Auffassung, dass es für das Ansehen des FC Bayern München nicht förderlich ist, Meinungsverschiedenheiten über die Medien auszutragen, insbesondere dann, wenn bereits Termine für klärende Gespräche vereinbart sind. Leider blieben dadurch viele der haltlosen Vorwürfe aus dem Blickwinkel der breiten Öffentlichkeit im Raum stehen, und der Ruf des Club Nr.12 wurde nachhaltig beschädigt. Wir werden versuchen dies in den nächsten Wochen zurecht zu rücken, sind uns aber bewusst, dass unabhängig davon immer etwas "hängen bleiben" wird. Alle seriösen Vertreter der Presse bitten wir um Verständnis für die zahlreichen abgelehnten oder unbeantworteten Interviewanfragen.
Unser besonderer Dank gilt den zahlreichen FC Bayernfans, die uns in den vergangenen zwei Wochen auf unterschiedlichste Art und Weise den Rücken gestärkt haben. Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Tagen endlich wieder zur Normalität übergehen können, und das bedeutet für den Club Nr.12: Unseren FC Bayern München auf den verschiedensten Ebenen tatkräftig unterstützen. Wir sind zuversichtlich, dass uns dies in Zukunft – mit inzwischen über 900 Mitgliedern aus knapp 200 verschiedenen offiziellen Fanclubs – noch besser gelingen wird, als es bereits in der Vergangenheit der Fall war.
Zurück bleibt leider viel unnötig zerschlagenes Porzellan. Unsere Liebe zu unserem FC Bayern München ist jedoch groß genug, um uns die Energie zu geben, alles in den nächsten Wochen und Monaten wieder Stück für Stück zusammenzusetzen. Wenn es dabei noch gelingt zu einem dauerhaften konstruktiven Miteinander von Fans und Vereinsführung zu kommen, bei dem man sich auf beiden Seiten über konstruktive Anregungen der anderen Partei freut anstatt sie wechselseitig abzublocken, sind wir der festen Überzeugung, dass man in wenigen Jahren Großes erreichen kann. Dann wird die Rede von Uli Hoeneß nur als eine amüsante Episode in der bewegten Geschichte unseres FC Bayern Erinnerung bleiben, und man über Probleme mit mangelnder Stimmung im FC Bayern-Stadion nur noch verwundert den Kopf schütteln.
Club Nr.12
Vorstand
http://www.clubnr12.de/
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Offener Brief an Uli Hoeneß
23.11.2007
Sehr geehrter Herr Hoeneß,
Aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse während und nach der vergangenen Jahreshauptversammlung und den täglich neuen Schlagzeilen und zur so genannten „Fan-Äffäre“, möchten wir uns nun auf diesem Wege ebenfalls zu Wort melden.
Zu aller erst möchten wir deutlich machen, dass wir uns erst zum jetzigen Zeitpunkt äußern, da wir eigentlich der Meinung sind, mit den ganzen Aufregungen der letzten Tage nur am Rande zu tun zu haben.
Der Name unserer Gruppe ist schließlich erst von Dritten ins Spiel gebracht worden. Sowohl von Ihnen als auch von Seiten der Presse. Ob aufgrund von Fehlinformationen oder wohl kalkuliert entzieht sich unserer Kenntnis. Dies ist für uns aber auch nur von nachgeordnetem Interesse. Dass wir von Verein und Medien des öfteren verunglimpft und mit Unwahrheiten konfrontiert werden sind wir mittlerweile (leider) schon gewohnt.
Zu besagter Jahreshauptversammlung gibt es aus unserer Sicht eigentlich nur 2 Dinge zu sagen:
1)Es waren von unserer Gruppe nur einige wenige Personen anwesend. Diese waren dort als individuelle Mitglieder des FC Bayern - nicht aber als Vertreter der Schickeria und schon gar nicht als „meinungsmachender Block“ oder etwas ähnliches. Sollten Sie dies annehmen handelt es sich hierbei leider um eine Fehlinformation.
Wie mittlerweile auch Sie erfahren haben dürften, handelte es sich bei der Person, welche die Rede beisteuerte, an der sich ihre emotionale Brandrede entzündete, weder um ein Mitglied unserer Gruppe noch um ein Mitglied des Club Nr. 12. Es soll also tatsächlich noch andere Leute geben, die nicht die Augen vor der bitteren Realität einer totalen Stimmungs- Tristesse in unserer Arena verschließen und sich dadurch gefordert sehen andere Fans, Mitglieder und auch den Vorstand wachzurütteln um etwas zum Besseren zu verändern. Ob man dies nun begrüßt oder bedauert spielt dabei keine Rolle – es ist ein Fakt, den man nicht wegdiskutieren kann.
Von daher beruhte ihr ganzer Wutausbruch wohl darauf, dass Sie a) von falschen Voraussetzungen ausgegangen sind und b) wohl von besagtem Redner an einem wunden Punkt getroffen worden sind. So falsch kann das engagierte Mitglied also nicht gelegen haben – zumindest nehmen auch Sie das Problem mangelhafter Atmosphäre in der Kurve wahr, auch wenn Sie in Ihrer Beurteilung vielleicht nicht die den Fans gegebenen - im bundesweiten Vergleich mit Abstand restriktivsten - Rahmenbedingungen als Ursache dafür ausmachen.
2)Nichts desto trotz möchten wir, die wir wie so viele andere hauptsächlich von Bekannten die anwesend waren und aus den Medien von dem Eklat auf der Jahreshauptversammlung erfahren haben, ebenso klar zum Ausdruck bringen, dass wir die Art und Weise wie dort mit der freien Meinungsäußerung eines x-beliebigen Bayern-Mitglieds umgegangen wurde auf das Schärfste missbilligen. Dieser Mann hat sich sicher seine Gedanken über das Wohlergehens unseres Vereins gemacht und sicher nicht verdient so entwürdigend behandelt zu werden. Es ist und bleibt für uns unverständlich und traurig wie seitens des Vorstandes des FC Bayern auf die weder polemisch, noch angreifend hervorgebrachten Wortmeldungen von Fans auf eine solche Art und Weise reagiert werden konnte.
Da wir die Kritik des Mitglieds in gewissen Punkten durchaus teilen und auch die urplötzliche Verbalattacke ihres Kollegen Herrn Rummenigge gegen den Club Nr.12 in keinster Weise nachvollziehen können, wollen wir den angegriffenen auch Ihnen gegenüber unsere Solidarität aussprechen. Freie Meinungsäußerung muss, selbst wenn es sich, was wir ausdrücklich nicht glauben, um eine auf fehlgeleiteten Analysen beruhende Kritik handeln sollte, im Sinne eines demokratischen Vereinslebens möglich sein. Dass dies auch in Ihrem Interesse sein müsste, sind wir uns sicher, da Sie uns dies mehrfach in persönlichen Gesprächen als ein „Herzensanliegen“ beschrieben haben.
Dass der Name von unserer Gruppe von Ihnen im Zusammenhang mit der Jahreshauptversammlung und ihren Nachwehen mehrfach genannt wurde hat uns ehrlich gesagt erheblich verwirrt. Für uns hat sich seit unserem letzten Gespräch in Ihrem Büro am 27.09.2007 eigentlich nichts verändert. Da sich unsere Gruppe momentan gezwungenermaßen ohnehin in einem Stadium der Passivität befindet sind von unserer Seite auch weder irgendwelche neuen Kampagnen ausgegangen noch besondere Forderungen aufgestellt worden. Die in Ihrer Anwesenheit geäußerten Wünsche nach einer Rückkehr zu einem zukünftigen normalen Umgang miteinander lassen sich schließlich schwerlich als „Forderungen“ bezeichnen.
Die anderen von Ihnen in der Presse erwähnten radikalen Forderungen stammen mit Sicherheit nicht von unserer Gruppe und es würde uns auch sehr verwundern, wenn aus dem Kreise der aktiven FC Bayern-Fans solche extremen Forderungen an Sie gestellt worden wären. Dies können wir uns beim besten Willen nicht vorstellen.
Wie und warum Sie aus heiterem Himmel heraus eine Veränderung des Status Quo vom 27.09. erkannt haben wollen, die Sie dazu gebracht hat, uns in ihren Ärger über die Äußerungen eines FC Bayern-Mitgliedes auf der Jahreshauptversammlung einzubeziehen ist uns schleierhaft. Derartige öffentliche Äußerungen stoßen uns gerade nach den, im völligen Gegensatz dazu, in ruhiger und sachlicher Atmosphäre geführten Gesprächen in Ihrem Büro vollkommen vor den Kopf. Wir würden eine Aufklärung in dieser Sache allerdings begrüßen. Dies jedoch sollte im Interesse des Vereins nicht über die Medien und nicht im Fokus der Öffentlichkeit erörtert werden.
Wir hoffen, dass wir mit diesem Brief dazu beitragen konnten, die Gemüter etwas zu beruhigen und einige Missverständnisse aus dem Weg geräumt haben.
Mit rot-weißen Grüßen
Schickeria München
Zusatz:
Wir hoffen, dass sich die Probleme in Bälde aus der Welt schaffen lassen.
Zu Dokumentationszwecken - und damit sich jeder eine eigene Meinung bilden kann- haben wir Material zur Thematik zusammengestellt.
Die Videos von der Jahreshauptversammlung:
(1)
http://www.youtube.com/watch?v=KfG-AP6jkC8
(2)
http://www.youtube.com/watch?v=GYNbo2AHM9Y
(3)
http://www.youtube.com/watch?v=8rcymT3cQig
(4)
http://www.youtube.com/watch?v=glqPhlkloZ8
Presseschau:
Drei Bankrotterklärungen zum Preis von einer (Update) [allesaussersport.de, 20.11.2007]
http://www.allesaussersport.de/archiv/20...reis-von-einer/
Schwarze Schafe und brave Fans [SZ, 21.11.2007]
http://www.sueddeutsche.de/sport/bundesl...kel/168/143845/
Wer soll in die Südkurve? [SZ, 22.11.2007]
http://www.sueddeutsche.de/sport/bundesl...kel/503/144178/
Der verbale Amoklauf des Uli Hoeneß [Financial Times Deutschland, 22.11.2007]
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Quelle:
http://www.schickeria-muenchen.de/cgi-bin/index.pl?news=232