Film und Revolte und Bremer Geschichte

Tapir
ein Kinotipp für Bremen und Bremerhaven:

Ich bin ein Elefant, Madame
BRD 1968, Regie und Buch: Peter Zadek, mit Wolfgang Schneider, Günther Lüders, Margot Trooger, 100 Min.
Schülerrevolte am Alten Gymnasium in Bremen: Eine Primaner-Klasse will die autoritär strukturierte Schule »demokratisieren«. Inszeniert wurde der mit satirischer Verve gespickte Film vom damals am Bremer Theater tätigen Regisseur Peter Zadek. Heute vermittelt der im Stil der französischen Nouvelle Vague gedrehte Film den Aufbruch der 1968er und einen wichtigen Teil (Bremer) Zeit- und Filmgeschichte.

Fr. 2.11. | 22.30 // Sa. 3.11. | 20.30 Kino 46, Waller Heerstraße 46, Bremen-Walle

sowie:
Mi. 7. November ´07 | 20.30 Uhr
Kommunales Kino Bremerhaven e.V.
BLACK BOX | Kino im Havenhaus, Karlsburg 1

da allerdings noch in Verbindung mit 2 Kurzfilmen, interessantes Programm:

Das Jahr 1967 markierte mit der Gründung der Kommune I, der Anti-Schah-Demonstration und der Erschießung Benno Ohnesorgs in der bundesdeutschen Geschichte einen bedeutsamen Einschnitt.

Programm:
„Lokale Perlen“ aus dem Landesfilmarchiv Bremen:
„Flohmarkt“ (ca. 12 Min.)
Flohmärkte waren Symbol von Konsumverweigerung und kultureller Gegenwelt. In Bremen fand der erste Flohmarkt 1968 rund um dem Roland statt: mit Maultrommelspielern, Mao Tse Tung Plakaten und Präservativen für 50 Pfennig.

Impressionen aus Bremen“ (ca. 25 Min.)
Der Film der Bremen Werbung von 1968 stellt die Hansestadt mit Bremerhaven als potente Wirtschaftsmetropole und lebenswertes Kulturzentrum mit all ihren städtischen Schönheiten und ihrer historischen Tradition vor.
Einführung: Dr. Diethelm Knauf, Bremen

Ich bin ein Elefant, Madame (100 Min.)
Einführung: Alfred Tews, Kino 46, Bremen

Musik: Why Six

Uschi Nerke (Beatclub) und weitere Zeitzeugen
Moderation: Burkhard Scherer /Radio Bremen

Kartenbestellung:
0471 142 8920 (ab 25.10.07)
http://www.reservierung-union-kinos.de/bremerhaven/
Eintritt: 7,00 Euro
Mitglieder: 5,00 Euro




und hier noch die ausführlichere Beschreibung aus dem Bremerhavener Programm zum Zadek-Film:

Zitat:
Ich Bin ein Elefant Madame
Einführung: Alfred Tews, Kino 46, Bremen

D 1968. R: Peter Zadek. B: Robert Muller, Peter Zadek, Wolfgang Menge (nach Thomas Valentins Roman „Die Unberatenen“)
K: Gerard Vandenberg. M: The Velvet Underground. D: Ilja Richter, Tankred Dorst, Wolfgang Schneider, Peter Palitzsch.
Das Leinwanddebüt von Peter Zadek ist im Symboljahr 1968 entstanden: beschwört der Film doch anhand des Schülerprotests an einem Bremer Gymnasium den Mythos der Revolte und ist damit ganz Ausdruck seiner turbulenten Entstehungszeit.

Inmitten des gesellschaftlichen Aufbruchs hin zur Demokratisierung überkommener autoritärer Strukturen verkörpert der Oberprimaner Krull den Widerstand in radikalster Form - seine Aktionen und Provokationen lassen ihn als fleischgewordene Antithese des Establishments erscheinen. Als er schließlich wegen einer Hakenkreuzschmiererei von der Schule verwiesen werden soll, unterläuft er in einem finalen Akt des Nonkonformismus die Solidaritätsbekundungen seiner Mitschüler, indem er seine Entlassung ohne Protest entgegen nimmt.


Zadeks Film ist Pop in Reinkultur: eine stilsichere und souveräne Provokation an die Adresse der Zeigefingerfraktion und eines der raren Exponate genuinen Underground-Kinos.

Bundesfilmpreise für die beste Regie und den besten Nachwuchsschauspieler.
Silberner Bär der Int. Filmfestspiele Berlin 1969
Dreharbeiten: 27.07.1968-08.09.1968: Bremen und Umgebung
FSK-Prüfung (DE): 21.02.1969, Nr. 40318, ab 18 Jahre / feiertagsfrei

Hintergrund:
1966 mit dem Regierungsantritt der Großen Koalition wächst in der Schüler- und Studentenschaft die Kritik an den politischen Verhältnissen. Oberschüler aus Bremen-Nord, unterstützt von ehemaligen Mitschülern, die bereits in Hamburg, Frankfurt oder Marburg studieren, gründen Mitte 1967 den Unabhängigen Schülerbund (USB). Weihnachten kommt es vor allem in Bremer Kirchen zu Schülerprotesten gegen den Vietnam-Krieg. Die Erhöhung der Bremer Straßenbahntarife zum 15. Januar 1968 ist ein wilkommener Anlaß, um gegen den Staat und seine Institutionen zu rebellieren. Die einwöchigen Demonstrationen, ihr massenhafter Zulauf und ihre Auswirkungen überraschen Senat und Bürgerschaft ebenso wie die initiierenden Schüler. Sieben Tage nachdem die Proteste begonnen hatten, verkündete Bürgermeister Hans Koschnick die teilweise Rücknahme der Tariferhöhungen.