Als der Todesfall Maleika die Liga erschütterte

Suffältester
Als der Todesfall Maleika die Liga erschütterte

Vor genau 25 Jahren wurde es Nacht in der Fußball-Bundesliga. Der Bremer Fan Adrian Maleika war vor dem Pokalspiel beim HSV in einen Hinterhalt geraten. Am Tag darauf starb der 16-Jährige an den Folgen eines Schädelbasisbruchs. Werder-Manager Willi Lemke sagt noch Jahrzehnte später, es sei der traurigste Moment seiner Amtszeit gewesen.

Die Sucheingabe auf der Homepage von Werder Bremen ergibt keinen Treffer und eine Gegenfrage. „Meinten Sie Malek?“ Nein, Maleika. Adrian Maleika. Aber: kein Link, kein Artikel, nichts. Mit dem Erinnern ist das eben so eine Sache. Vor 25 Jahren verstarb der Fan von Werder Bremen an den Folgen eines Steinwurfs, er war das erste Todesopfer in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Grund genug, daran zu erinnern. Auch um zu realisieren, wie gut es den Fans heute in den Erlebnisparks geht, die so weit weg sind von den Stadien der 80er-Jahre. Werder Bremen erinnert sich nicht. Unsere Nachfrage überrascht den Fanbeauftragten. „Offiziell gibt es da kein Gedenken“, sagt Dieter Zeiffer.
Auch das nach Maleika benannte Turnier, das der Fanklub „Die Treuen“ über 16 Jahre hinweg austrug, gibt es seit 2004 nicht mehr. „Es wurde zu viel Arbeit“, bedauert der Vorsitzende Jörg Schmitz. Die Angehörigen Maleikas, die stets eingeladen worden waren, hatten ohnehin ihre Probleme mit der Veranstaltung, so gut sie gemeint war. Vor dem Punktspiel gegen den Hamburger SV am 1. Dezember mag sowieso jedes Wort über den tragischen Vorfall eines zu viel sein – jedenfalls aus sicherheitstechnischer Sicht. „Vor jedem HSV-Spiel fällt in unseren Besprechungen der Name Maleika“, sagt Zeiffer. Es ist eine ewige Wunde, die das Reizverhältnis der Fangruppen nicht heilen lässt. Bei einem Testspiel in Österreich hat Zeiffer selbst erlebt, wie ein etwa 50-jähriger HSV-Fan mit Kind rief: „Maleika, Maleika, die Steine fliegen weiter.“
Gaspistolen, Leuchtraketen und dicke Mauersteine
Wie am 16. Oktober 1982, als es Nacht wurde in der Bundesliga. Mit seinen Freunden vom Fanklub „Die Treuen“ macht sich der 16 Jahre alte Glaserlehrling Adrian auf zum Pokalspiel beim HSV. Dass sie Werder-Fans sind, kann jeder sehen – es ist die Zeit der Kuttenträger. Auf dem Weg von der S-Bahn zum Stadion geraten die 150 Bremer in einen Hinterhalt. Der rechtsradikal unterwanderte Fanklub „Die Löwen“ beschießt sie mit Gaspistolen und Leuchtraketen, dann fliegen dicke Mauersteine. Die Bremer flüchten, einer aber kann nicht entkommen. Maleika wird am Hinterkopf getroffen und von den Verfolgern noch brutal zusammengetreten. Sanitäter finden ihn in einem Gebüsch und können doch nicht mehr helfen. Am nächsten Tag stirbt der Junge an den Folgen eines Schädelbasisbruchs und schwerer Gehirnblutungen. Der öffentliche Aufschrei ist groß. Zur Beerdigung kommen 600 Menschen, darunter die Bremer Mannschaft, der Vorstand, der ganze SV Werder. Manager Willi Lemke sagt noch Jahrzehnte später, das sei der traurigste Moment seiner Amtszeit gewesen. Er kannte Adrian, der in seiner Nachbarschaft wohnte und „ein netter Junge“ gewesen sei.
Randale gehörten zum Fußball wie die Eckfahnen
Sein Tod war nicht ganz umsonst. In Bremen und Hamburg etablierten sich die ersten Fanprojekte überhaupt, und viele Klubs zogen nach in den Tagen, als Randale zum Fußball gehörten wie die Eckfahnen. Sonderermittlungsgruppen zur Bekämpfung von Gewalt im Fußball wurden gegründet, Videoüberwachung und Trennung der Fangruppen wurden zur Regel. Und im Dezember 1982 trafen sich 200 Hamburger und Bremer Fanvertreter auf halber Strecke zu einem Friedensgipfel. Heute werden sich nur „Die Treuen“ treffen. Die 20 Mitglieder wollen Adrian Maleika gedenken, aber nicht darüber reden, „mit Rücksicht auf die Eltern“, sagt Jörn Schmitz. Die Täter wurden nie ermittelt. Nur zwei von acht Angeklagten wurden verurteilt, weil ihnen die Teilnahme nachgewiesen wurde. Die Höchststrafe betrug zwei Jahre und sechs Monate.
Das letzte Wort soll ein Fan bekommen, der sich in einem Forum so äußert: „Immer wenn wir in Rage sind und vielleicht in einem schwachen Moment den ganzen Haufen verprügeln wollen, sollten wir daran denken, warum Adrian Maleika gestorben ist.“

Quelle :Die Welt
Fango
Spiegel Online:

Steine statt Flanken
WerderJanni82
Also hängt der teilweise Hass der Bremer Fans auf die Hamburger tatsächlich mit dieser sehr traurigen Geschichte zusammen. Ich kannte die Geschichte zwar vom hören, aber die genaueren Facts waren mir nicht bekannt. Was ist eigentlich aus den Tätern geworden?Sitzen die noch? Ist ja schon 25 Jahre her!
Dr. Steif
WerderJanni82
@ Dr. Steif

Danke für den Tip
freakadella
Zitat:
Original von Dr. Steif
Link



richtig guter Text!...vor allem der letzte Teil ist sehr gut getroffen!
puCk
Zitat:
Original von Suffältester
Bei einem Testspiel in Österreich hat Zeiffer selbst erlebt, wie ein etwa 50-jähriger HSV-Fan mit Kind rief: „Maleika, Maleika, die Steine fliegen weiter.“

Kein Wunder das der Hass auf den H?V nicht weniger wird wenn die solche Sprüche ablassen ...
Sven
Zitat:
Original von puCk
Zitat:
Original von Suffältester
Bei einem Testspiel in Österreich hat Zeiffer selbst erlebt, wie ein etwa 50-jähriger HSV-Fan mit Kind rief: „Maleika, Maleika, die Steine fliegen weiter.“

Kein Wunder das der Hass auf den H?V nicht weniger wird wenn die solche Sprüche ablassen ...


was heißt ablassen, sie setzen es auch in die Tat um!
svw_1899
Ja es ist auch tatsache .. und auch beim Heimspiel wo wir die Hamburger auseinander genommen haben, kamen bei deren ankunft rufe wie: Steine Steine auf die Bremer Schweine ... und sowas ist echt arm das die dadrauf auch noch stolz sind
Franzmann
Zitat:
Original von svw_1899
.. und auch beim Heimspiel wo wir die Hamburger auseinander genommen haben,


...nix besser.

Das hab ich von nem H?V-Arbeitskollegen erfahren das die das gerufen haben, hab ich nicht glauben wollen.
Bene_NRW
Naja wir Bremer sind schon Engel ...
chefkoch-rv
danke an frank für aufbringen dieses themas.

hab davon jetzt zum erstenmal gehört und hab richtig Gänsepelle...........
SVW-Gigant
Ja, schon sehr emotional zu verfolgen, das Ganze! Man muss sich aber trotz all dem fragen, warum waren "Die Treuen" damals eine Bahnstation weitergefahren? Doch nicht etwa deswegen, sich in Gefahr zu bringen
Atze


Altes foto von der damaligen Choreo.
Jacko1899
Zitat:
Original von Atze


Altes foto von der damaligen Choreo.

find´ ich gut
Turiddu Giuliano
Passt zu deinem Avatar!
Flomf
WerderJanni82
Weiß man eigentlich wo Adrian Maleika beerdigt wurde, oder wurde das aus Angst vor möglicher Grabschändung geheimgehalten?
nucleo
Zitat:

Ihm zum Gedenken hat das Fan-Projekt Bremen heute ein Blumengesteck an seinem Grab auf dem Friedhof Huckelriede niedergelegt.


Das Zitat ist - genau wie das Bild zwei Einträge weiter oben - von der FP-Seite...