"Werder Wunder in der Krise"

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Werder-Wunder in der Krise

Von Philipp Köster

Vier Jahre nacheinander Champions League, betörendes Kurzpassspiel und die Wiederbelebung unterschätzter Fußballer. Von Bremen wird ob der Erfolge viel verlangt. Wahrscheinlich zuviel angesichts der strukturellen Voraussetzungen, die der Club hat.


"Gehen Sie mal davon aus." So beginnt Nürnbergs Coach Hans Meyer gerne seine Sätze. Und da war es nur konsequent, dass der mit 64 Jahren älteste Trainer der Bundesliga über den Gegner seines Clubs sagte: "Gehen Sie mal davon aus, dass Bremen trotz der vielen Verletzten eine gute Substanz hat. Sie haben genügend Breite und Klasse im Kader, um die Ausfälle zu kompensieren."



Der mehr erkämpfte als erspielte 1:0-Auswärtssieg der Bremer im Frankenstadion durch ein Tor des Neuzugangs Martin Harnik bestätigt Meyer und ist zugleich ein gutes Argument, um das hektische Krisengerede rund um den SV Werder erst einmal wieder verstummen zu lassen. Das zeigen auch die Zahlen: Vier Punkte aus drei Bundesligaspielen sind keine sensationelle Ausbeute, allerdings auch nicht ungewöhnlich. In der vergangenen Saison starteten die Bremer ebenfalls mit nur sechs Punkten aus vier Spielen und schieden obendrein in der 1. Runde des DFB-Pokals aus, später wurde man Herbstmeister und am Ende Dritter.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Wurden die Verantwortlichen des SV Werder früher dafür gerühmt, anderswo unterschätzte Kicker in Bremen zu neuer Stärke zu führen, schlug den Funktionären diesmal eisige Kritik entgegen, insbesondere bei der Vorstellung des Stürmers Boubacar Sanogo. Der Reservist vom Hamburger SV wurde, noch bevor er das erste Mal für Werder gegen den Ball getreten hatte, schon als Fehleinkauf abgestempelt.

Dass Manager Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf nicht mehr nur ungeteilte Zuneigung entgegen gebracht wird, hat mit den deutlich gestiegenen Erwartungen an den Club zu tun. Nach vier Jahren ununterbrochener Qualifikation für die Champions League wird der SV Werder zwangsläufig als Spitzenclub der Bundesliga gesehen, mit allen angenehmen und unangenehmen Konsequenzen. Die Verantwortlichen haben im Vorfeld dieser Saison nicht allzu viel getan, um dieser Wahrnehmung zu widersprechen.

Sicher, weder Manager noch Trainer haben angesichts des Kaufrauschs der Konkurrenz das Wort "Meisterschaft" in den Mund genommen, dafür aber sollen nun endlich auch internationale Ausrufezeichen gesetzt werden. "Wir planen personell so, als ob wir nächstes Jahr Champions League spielen", hat Klaus Allofs gesagt und einen Erfolg im Qualifikations-Rückspiel kommenden Mittwoch gegen Dynamo Zagreb vorausgesetzt . Die Ambitionen des Clubs gehen allerdings darüber hinaus: Alles andere als das Überstehen der Gruppenphase in der Champions League gilt als Stagnation.


Ehrgeizige Planspiele, die zwischenzeitlich akut gefährdet schienen. Viele Faktoren kamen dabei zusammen: Da war das erstaunliche Verletzungspech in der Vorbereitung (zum Beispiel die Nationalspieler Tim Borowski und Torsten Frings), auch nach Nürnberg fuhr Schaaf mit einem nur 17-köpfigen Kader. Hinzu kamen die Akklimatisierungsprobleme der Neuzugänge, Indiskretionen aus der Mannschaft in der Boulevardpresse und Schwierigkeiten bei der Zusammenstellung eines konkurrenzfähigen Sturms. Manches davon hätte Allofs womöglich voraussehen können, etwa den zwangsläufigen Abgang von Miroslav Klose nach München, anderes wie die zahllosem Verletzungen gehört zu den Unwägbarkeiten des Fußballgeschäfts.

Gleichwohl: Wer vom SV Werder dauerhaften Erfolg verlangt, übersieht die Gesetzmäßigkeiten des Fußballgeschäfts. Kein Management der Welt, so solide es auch wirtschaftet, kann sportliche Schwankungen verhindern. Zumal gerade die Bremer, bei Licht besehen, ohnehin über ihre Verhältnisse leben. Denn strukturell ist der SV Werder bei allen Erfolgen der vergangenden Jahre eigentlich ein Kandidat für die Plätze vier bis neun. Das Stadion zu klein, die Wirtschaftskraft ebenso, das Einzugsgebiet zu überschaubar, die internationale Strahlkraft des ist Clubs zu schwach, die Konkurrenz zu übermächtig. Dass stattdessen ständig in der Bundesliga-Spitze mitgespielt wird, ist Ergebnis der unaufgeregten, soliden und stets perspektivisch angelegten Arbeit des Managements.





Die begrenzten finanziellen Ressourcen bedeuten aber auch: Um den gegenwärtigen Erfolg langfristig abzusichern, ist Bremen auf die Champions League als Geldquelle angewiesen, der teure Kader kann nur durch die enormen Zuflüsse aus der Königsklasse finanziert werden. Das wird nicht immer funktionieren, es wird auch mehrere Jahre hintereinander geben, in denen Werder nicht in der Champions League spielen wird. Vielleicht ist dieser Zeitpunkt schon bald gekommen: Bei Dynamo Zagreb wartet auf die Bremer ein hitziges Spiel. Das 2:1 aus dem Hinspiel ist kein beruhigender Vorsprung. Zumal trotz des 1:0 in Nürnberg viele Probleme noch nicht überwunden sind. Heute zeigten etwa die Stürmer Hugo Almeida und Markus Rosenberg eine schwache Leistung. Spielerisch war der Kick in Nürnberg über weiten Strecken höchst unansehnlich, von den gepflegten Ballstafetten, die das Bremer Spiel in den vergangenden Jahren auszeichnete, war nichts zu sehen.

Aber die Bremer haben auch bewiesen, dass sie sich in entscheidenden Spielen steigern können. Um mit Hans Meyer zu sprechen: Wir gehen davon aus.

Spiegel Online
Knackebrot
bla bla blubb blubb
hendrik
Mehr ist zu so nem Artikel wirklich nicht zu sagen.