Diego ist auch für Nicht-Bremer ein Genuss

Fango
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Diego ist auch für Nicht-Bremer ein Genuss

Keine leichte Situation für Werder Bremen. Eigentlich schielt die Mannschaft von Thomas Schaaf zumindest heimlich auf den Titel, muss nun nach der Verletzung von Torsten Frings die Saisonziele aber eventuell überdenken.

Wo kommen Sie her?

Werder Bremen war im Norden schon immer eine große Nummer. Folglich auch bei der Gründung der Bundesliga dabei. Nach Platz zehn im ersten Bundesligajahr gelang mit der Meisterschaft in der Serie darauf der erste große Wurf. Danach ging es mal auf, mal ab, doch mit Titeln hatte man nichts mehr zu tun. 1972 versuchte es man mit dem so genannten "Millionending". Werder hatte mehr Geld locker gemacht als Bayern München oder Mönchengladbach. Die Stadt Bremen ließ sich nicht lumpen. Doch das Experiment ging schief, mit Werder ging es immer mehr die Weser runter, bis zum Abstieg.

Erstaunlicherweise regenerierte sich Werder in der Zweiten Liga, stieg wieder auf und es folgte die lange Ära von Trainer Otto Rehhagel und Manager Willi Lemke mit zwei weiteren Meisterschaften, mit Pokalsiegen und den unvergessenen Europapokalabenden mit den Wundern von der Weser.

Als Rehhagel sich bei den Bayern in München versuchte, herrschte sportliche Irritation bei Werder. Rahhagelns Nachfolger gaben sich quasi die Klinke in die Hand: Aad de Mos, Hans-Jürgen "Dixie" Dörner, Wolfgang Sidka, Felix Magath in vier Jahren, bis endlich, seit dem 10. Mai 1999, mit Thomas Schaaf der Erfolg zurückkehrte. Schaaf wurde auf Anhieb Pokalsieger, holte vor zwei Jahren das Double und festigte die sportliche Macht von Werder.

Wo wollen sie hin?

Die Ansprüche sind hoch. Die Meisterschaft ist das Ziel, der Pokalsieg und ein möglichst langes Verweilen in der Champions League. Durch die Verletzung von Frings wird Vieles aber in Frage gestellt.

. . . und das liebe Geld?

Werder ist gesund. In diesem Jahr dürfte es eine Rekordbilanz geben mit einem Umsatz von über 80 Millionen. Man scheut auch nicht mehr finanzielle Risiken. Über Klose und die Abkösesumme damals von fünf Millionen für Kaiserslautern wurde noch viel diskutiert, bei Diego (6,5 Millionen), Mertesacker (über 4 Millionen) oder jetzt Carlos Alberto (8 Millionen) nicht mehr.

Wer hat das Sagen?

Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs liegen auf einer Wellenlänge. In der Vergangenheit haben sie die Mannschaft immer punktgenau verstärkt. Johan Micoud, Valerien Ismael, zuletzt die Brasilianer Diego und Naldo. Vor allem Diego verzauberte die deutsche Fußball-Welt. Um die Finanzen kümmern sich vor allem Manfred Müller und Präsident Jürgen L. Born. Klaus-Dieter Fischer, ein Werder-Urgestein, ist zuständig für das Leistungszentrum Fußball, aus dem immer wieder Talente für die Profis gefischt werden (Aaron Hunt und Kevin Schindler zuletzt).

Was können sie erreichen?

Der Gewinn der Meisterschaft wird schwer; wenn, dann geht es nur über Bayern München. Im Pokal schied man in der vergangenen Saison bereits in der ersten Runde aus, das soll sich nicht wiederholen. Für die Champions League muss man sich nach der verkorksten vergangenen Rückrunde mit der langen Schwächephase von Miro Klose erst noch qualifizieren. Werders K&K-Sturm mit Klasnic und Klose ist Vergangenheit, jetzt kommt es darauf an, ob der offensive Fußball bis in die Angriffsreihen klappt. Werder muss im Angriff investieren. Zuletzt holte man Sanogo vom Hamburger SV, der dort nicht glücklich war.

Der Lieblings-Gegner?

Kein Zweifel, das ist Bayern München. Bereits am zweiten Spieltag kommt es in Bremen zum Showdown.

Wer ist zu beachten?

Nach wie vor Diego. Der Mann galt als der beste Spieler der Liga, hat sich unerhört hohe Sympathiewerte erschaffen durch seine Leichtigkeit des Spiels und durch seine spektakulären Szenen und Tore. Diego zuzusehen ist ein Genuss, auch wenn man nicht zu der Fans der Bremer gehört.

Ausgefallenster Fan-Artikel?

Weihnachtskugeln mit Werder-Emblem (8,95 Euro, falls man von Werder nicht genug kriegen kann) oder (für alle Fälle) eine Narrenkappe (7,95 Euro).
Von Erich W. Willmann


http://www.donaukurier.de/nachrichten/sp...97,1718072.html