Bremen: Wird er ein zweiter Nery?
"Pflegefall" Carlos Alberto
Sein Lachen hat er inzwischen wieder gefunden. Die Traurigkeit ist aus seinem Gesicht gewichen. Als Carlos Alberto (22) am Mittwoch aus der Kabine kommt, sieht er relativ vergnügt aus: "Ich fühle mich allgemein ganz gut, viel besser jedenfalls als vor einigen Tagen."
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Neuzugang Carlos Alberto
Konnte die Erwartungen bislang noch nicht erfüllen: Neuzugang Carlos Alberto.
Mag sein, dass für seinen Stimmungsumschwung auch die Tatsache gesorgt hat, dass er am Mannschaftstraining teilnehmen konnte. "Nur noch leichte Probleme", gibt der Brasilianer zu. Vor gut zwei Wochen sah dies noch wesentlich finsterer aus. Der 22-Jährige
erlitt damals im Training einen Schwächeanfall, musste in der Klinik untersucht werden. Dies hat auch ihn erschreckt, obwohl er nun dieses Bulletin abgibt: "Eine reine Vorsichtmaßnahme, es ist nichts festgestellt worden."
Als "ziemlich kaputt" hat Thomas Schaaf seinen prominenten Neuen erlebt. Der Trainer führt den vorübergehenden Kollaps auf die noch nicht optimale Anpassung zurück. Ähnlich sieht es Manager Klaus Allofs, der "viele kleine Dinge" nennt, die hereingespielt hätten: "So konnte er nicht seine Höchstleistung abrufen."
Für den Profi gibt es nur einen Grund, warum er zu einem zwischenzeitlichen "Pflegefall" mutiert ist. "Ich habe nicht die gesamte Vorbereitung mitgemacht", erwähnt er, dass er erst im zweiten Trainingslager eingestiegen sei. "Die Grundlage fehlte, daher der Rückstand."
Ihn nervt es selbst am meisten. Sein Arbeitsprotokoll weist große Lücken auf: einmal in der Liga eingewechselt, einmal im Pokal ausgewechselt, einmal in der Quali zur Champions League ausgewechselt, kein Tor, keine Vorlage. Gerade in diesen Zeiten, da viele Leistungsträger ausfallen, hätten sich die Bremer mehr Impulse von dem 7,8 Millionen teuren Mann erhofft.
Carlos Alberto - ein zweiter Nery?
Der miese Start drängt sofort den Vergleich zu einem Landsmann auf, der vor drei Jahren an der Weser sang- und klanglos gescheitert ist. Gustavo Nery warf nach einem halben Jahr das Handtuch. Diese Parallele lässt Allofs nicht gelten. Nery habe zu früh aufgegeben, habe keine Hilfen angenommen, so der Manager, "bei Carlos ist es anders. Er ist bereit, zu lernen und zu arbeiten." Ein Eindruck, den Vorsitzender Jürgen L. Born, der Südamerika-Spezialist bei Werder, bestätigt: "Carlos Alberto ist viel aufgeschlossener, will sich durchsetzen."
Und der Spieler nimmt die Kraft aus seinem Glauben: "Gott wird mich beschützen", sagt er. Sein Versprechen: "Ich komme bald wieder."
Hans-Günter Klemm
Quelle:
Kicker.de