Hauptsache das Geld fließt

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Hauptsache das Geld fließt
Thailands Ex-Premier Thaksin Shinawatra übernimmt den Premier-League-Klub Manchester City und keinen stört es
Von unserem Mitarbeiter
Raphael Honigstein

LONDON. Thailand gilt Marketingexperten als einer der wenigen "reifen" Fußballmärkte Asiens, denn die Menschen begeistern sich dort anders als in China oder Japan nicht nur für die großen Stars - sie sind wie die Europäer äußerst vereinstreu, manchmal über mehrere Generationen hinweg.Der berühmteste Fußballfan des Landes nimmt es in dieser Hinsicht allerdings weniger genau. Thaksin Shinawatra, der im September nach einem Militärputsch abgesetzte Ex-Premierminister, begrüßte 2001 Manchester Uniteds-Trainer Alex Ferguson noch in einem "Red Devils-Trikot", um vier Jahre später die Liebe zum Erzfeind FC Liverpool zu entdecken. Da die von ihm angedachte Übernahme des Anfield-Klubs damals jedoch scheiterte, wandte er sich schnell dem FC Fulham zu, bevor er vor zwei Wochen schließlich mit Uniteds Lokalrivalen Manchester City ins Geschäft kam: Der Vereinsvorstand veräußerte für umgerechnet 33 Millionen Euro 55 Prozent der Anteile an den 57-jährigen Mobilfunk-Milliardär. Den relativ kleinen Preis erklärt die Tatsache, dass City kein eigenes Stadion besitzt - und Schulden in Höhe von 90 Millionen Euro. Shinawatra kaufte weitere City-Aktien auf und will schon in den nächsten Tagen die nötigen 75 Prozent besitzen, um den Verein von der Börse zu nehmen. Bis zu 75 Millionen will er zusätzlich für neue Spieler zur Verfügung stellen. Der Klub von Dietmar Hamann braucht dringend Verstärkung - in der abgelaufenen Saison kämpfte man lange gegen den Abstieg und belegte am Ende den 14. Platz. Trainer Stuart Pearce wurde beurlaubt.Shinawatra hat den ehemaligen englischen Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson als Nachfolger verpflichtet und den Fans der Citizens "das Blaue vom Himmel" versprochen. "Ich bin sicher, dass ich in den nächsten zwei, drei Jahren Manchester City so beliebt wie Manchester United und Liverpool machen kann, speziell in Asien", erklärte er, "ich werde (die Fans) nicht enttäuschen".Die überwiegende Mehrheit der seit Jahrzehnten vom Misserfolg geplagten City-Anhänger - den letzten Titelgewinn feierte man 1976 im Ligapokal - will das dem "thailändischen Berlusconi" (Daily Mail) nur allzu gerne glauben. Man stört sich kaum daran, dass man als achter Premier-League-Verein in ausländischen Besitz gerät und auch Shinawatras Flirts mit United und Liverpool sieht man ihm nach. Nicht einmal die kürzlich gegen ihn in Thailand erhobene Anklage wegen Bestechung und Veruntreuung hat Widerstand erregt. Ähnlich wie bei den von russischen Oligarchen kontrollierten Klubs Chelsea und Portsmouth interessiert die Anhänger nicht, woher das Geld kommt - solange es nur recht viel ist.Die Premier League wird die Übernahme wie gewohnt abnicken. Ihre Statuten schreiben zwar vor, dass Klub-Besitzer "a fit and proper person", also "eine anständige und saubere Person" sein müssen; aber als anständig gelten auf der Insel alle, die nicht rechtskräftig verurteilte Verbrecher sind. "Wenn er den Anforderungen entspricht, müssen sie zu niedrig sein", kritisierte der Parlamentsabgeordnete David Taylor, "er ist ein nebulöser Unternehmer aus dem Ausland". 1,5 Milliarden Euro von Shinawatras Vermögen wurden von den thailändischen Behörden eingefroren. Für den Kauf von City wurden Gelder verwendet, die er rechtzeitig ins Ausland transferiert hatte, wie sein englischer Berater Keith Harris bestätigte. "Der ehemalige Polizist könnte sich als der größte Dieb in Thailands Geschichte herausstellen", spekulierte der Bangkok-Korrespondent des "Daily Telegraph".Shinawatra, der seit dem Putsch als Exilant in London lebt, will sich frühestens nach den thailändischen Neuwahlen im Dezember den Vorwürfen vor Ort stellen, möglicherweise aber auch gar nicht: Er bezeichnet das Verfahren als "politisch motiviert" und hofft, dass Großbritannien ihn nicht ausliefern wird. Der Einstieg in die Premier League, so sein Kalkül, erhöht mit der Sichtbarkeit auch die Sicherheit. Zu dem soll er wohl beim heimischen Wahlvolk Stimmung machen: Viele Thais, selbst Anhänger von United oder Liverpool, sind sehr stolz darauf, mit einem "eigenen" Verein in der populärsten Liga der Welt mitzuspielen.

Weser Kurier vom 03.07.'07
hansen
Soviel zum Thema "Moderner Fußball"...

Wirklich eine Schande... und ich wundere mich noch, warum mein Interesse am Fußball von Jahr zu Jahr weiter sinkt. Die Fans tun mir leid, aber das Schlimmste ist ja, das es offensichtlich niemanden stört!
mazzo
uns störts ja auch nicht so sehr, dass man den Kram sein lassen würde. Gründe gäbs genug. Aber Süchtige sind schwer abzubringen