Tobi
| Zitat: |
| Eine Regelung, die sich rechnet Dank der GmbH kann der Sportverein Werder mit einem Zwei-Millionen-Etat planen BREMEN. Einige Zeit lang wurde Werders Medienchef Tino Polster nicht müde, die Kollegen auf den kleinen, aber feinen Unterschied hinzuweisen: "Was in der Fußball-Bundesliga spielt, das ist Werder. SV Werder hingegen - das ist der Sportverein mit sechs Abteilungen, in denen vorwiegend Amateure Sport treiben", verkündete Polster mit steter Beharrlichkeit.Doch die Belehrung kam nicht so recht an. Werders Bundesligamannschaft blieb vor allem in den elektronischen Medien "der SV Werder", was den Präsidenten des SV Werder inzwischen nicht mehr stört: "Gut möglich", sagt Klaus-Dieter Fischer, "dass irgendwann der Antrag kommt, auch der Bundesliga wieder das SV voranzustellen. Ich hätte nichts dagegen." Es wäre wohl auch irgendwie logisch. Denn bei genauerer Betrachtung des Sportvereins wird deutlich, wie eng doch die Verzahnung zwischen dem Profi-Unternehmen GmbH und Co. KG aA und dem gemeinnützigen Sportverein ist. Etwa bei den Mitgliederzahlen: "Wir haben jetzt genau 30 000 Mitglieder", sagt SV-Vorsitzender Fischer stolz. Sie sind das Ergebnis einer seit drei Jahren laufenden professionellen Werbe-Kampagne, die deswegen so erfolgreich ist, weil Werder-Mitglieder damit auch etliche Vergünstigungen erwerben: Rabatt bei Dauerkarten, zwei Freikarten pro Saison, bevorzugte Behandlung bei der Kartenvergabe für Europacup-Spiele und einiges mehr.Doch da eine GmbH schlecht Vereinsmitglieder aufnehmen kann, sind alle rund 30 000 dem Sportverein angeschlossen. Was bei einem Monatsbeitrag von elf Euro (bei Vollmitgliedern) bzw. 5,50 Euro (bei Fördermitgliedern) einiges Geld in die Klubkasse bringt. Darüber hinaus überweist die GmbH Werder alljährlich 600 000 bis 700 000 Euro an den Sportverein Werder - als Entgeld vor allem für das abgetretene Logo.So geht es dem Sportverein Werder, in dessen sechs Abteilungen (Fußball, Handball, Leichtathletik, Tischtennis, Schach und Turnspiele/Gymnastik) 3800 Mitglieder verzeichnet sind, finanziell besser als allen anderen Bremer Großvereinen. "Wir haben einen Jahresetat von rund zwei Millionen Euro", sagt Fischer. Und macht dabei wieder deutlich, dass es bei den Ausgaben ein Arrangement mit der GmbH gibt: Der SV trägt einen Anteil der Personalkosten für die insgesamt 60 Mitglieder der GmbH-Verwaltung, die auch die Vereinsangelegenheiten regelt.Zentrale Anlaufstelle für den SV ist dabei Jens Höfer, der fast alles regelt - bis auf Vorstandsentscheidungen. Die trifft Klaus-Dieter Fischer, der den Vorstand mit Stellvertreter Hubertus Hess-Grunewald, Schatzmeister Axel Plaat, Jugendreferent Peter Logemann, Sportreferent Jürgen Sterzik und den sechs Abteilungsleitern führt.Diese Konstruktion besteht seit 2003, dem offiziellen Datum der Trennung in SV und GmbH. Dabei wurden auch Satzungen verabschiedet, die den Einfluss des Vereins solide absichern. Danach müssen zum Beispiel mindestens vier Mitglieder des Aufsichtsrats aus dem Verein kommen, und der Vereinsvorsitzende hat automatisch einen Sitz in der Geschäftsführung der GmbH. Was im Fall Klaus-Dieter Fischer heißt: Sollte er demnächst, woran nicht zu zweifeln ist, wieder zum Vereinsvorsitzenden gewählt werden, wird er auch vier weitere Jahre der Geschäftsführung angehören.Es wäre für alle von Vorteil, das ist unstrittig. Fischer hat die Schalthebel des Vereins seit über vier Jahrzehnten erfolgreich betätigt. Fast alle richtungsweisenden Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte tragen seine Handschrift, noch immer sprudelt der 66-Jährige über vor neuen Ideen. "Wir müssen unsere soziale Angebote erweitern", sagt er zum Beispiel und plant den Aufbau einer "60 plus"-Abteilung, mit speziellen Senioren-Angeboten nicht nur im Sport.Die Jüngsten ab Kindergartenalter sollen in einem "Kids-Club" aufgenommen werden, die etwas Älteren von einer "Ballschule" profitieren, in der erfahrene Trainer ausleuchten, welche Ballsportart für wen am besten passt. Die seit fünf Jahren laufenden Aktion "100 Schulen - 100 Vereine", bei der Werder gezielt neue Kontakte aufbaut, ist noch längst nicht am Ende.Die Sportverein-Leistungsteams in Schach und Tischtennis (beide Bundesliga) sowie im Frauenhandball (Regionalliga) sind seit einiger Zeit der GmbH angeschlossen. "Da muss wirtschaftlich anders gedacht werden", sagt Fischer, was heißt: Der Vereinsetat wird von ihnen nur eingeschränkt belastet.Kein Wunder, dass das Geld der Bundesliga auch immer mal Begehrlichkeiten außerhalb des Vereins geweckt hat. Im Laufe der Jahre, erzählt Fischer, habe Werder so ungefähr aus allen Sportarten Angebote zur Abteilungsgründung erhalten. "Das ging vom Tanzen über Eishockey bis zur Rhythmischen Sportgymnastik." Doch Werder lehnte immer ab, gestützt auf die Satzung. Denn die regelt, dass nicht mehr als sechs Sportarten im Verein betrieben werden dürfen. |
warum nicht...