Fankongress: Ultras, Hooligans, Hooltras?

Fango
Zitat:
Ultras, Hooligans, Hooltras?

Von Ronny Blaschke

Sie sind fanatisch, schlagen auch mal zu, wenn sie sich provoziert fühlen, empfinden den Begriff "Hooligan" aber als Beleidigung: die Ultras. Beim Fankongress am Wochenende in Leipzig steht diese schwierige Fan-Gruppe im Mittelpunkt.

Die Frau wird auf einem Auge für immer blind bleiben. Die gefüllte Flasche, die sie am Kopf traf, kam vollkommen unerwartet. Vor sechs Wochen waren auf einer Autobahn-Raststätte bei Würzburg Fans des FC Bayern München auf Anhänger des 1. FC Nürnberg losgegangen. Augenzeugen sprechen von sechs Randalierern, andere von einem Dutzend, die nächsten von zwanzig. Die Frau des Nürnberger Busfahrers wurde schwer verletzt. Der FC Bayern sprach nach dem Zwischenfall gegen 73 Fans der Ultra-Vereinigung "Schickeria München" ein bundesweites Stadionverbot aus. Die Ultras werfen dem Club nun Sippenhaft vor. Der Konflikt steht symbolisch für das Reizklima in der Ultra-Szene. Und er zeigt, warum eine Frage zunehmend diskutiert wird: Sind Ultras die Hooligans der Zukunft?

Es gibt andere Beispiele: In Frankfurt wurden Anfang der abgelaufenen Saison mehr als 40 Fans mit einem Stadionverbot bestraft, weil es vor dem Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 in einer Kneipe in Gelsenkirchen zu einer Schlägerei gekommen war - tatsächlich beteiligt waren etwa ein Dutzend Fans. Die Ultras fühlen sich schikaniert - doch sie fallen immer wieder negativ auf: In Hamburg, Köln und Mönchengladbach übten Fans massiven Druck auf ihre erfolglosen Spieler aus, in Dresden drohten einige vermummte Anhänger der eigenen Mannschaft nach dem verpatzten Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga sogar Prügel an. Und bei den schweren Ausschreitungen in Leipzig im Februar 2007 sollen Ultras die treibende Kraft gewesen sein.

"Die Ultra-Bewegung polarisiert seit ihren Anfängen", sagt Thomas Schneider, der Fan-Beauftragte der Deutschen Fußball-Liga (DFL), der am kommenden Wochenende zum ersten großen Fankongress nach Leipzig lädt. Dort werden auch die Probleme und Gefahren der Ultra-Bewegung diskutiert, die ihre Wurzeln in Italien hat. In den sechziger Jahren hatten sich Jugendliche zusammengeschlossen, um ihre Mannschaften organisiert zu unterstützen. Sichtbar wurden sie vor allem durch bengalische Feuer, aufwändige Choreografien und Plakate auf den Rängen, die seit den neunziger Jahren auch immer mehr in deutschen Arenen zu beobachten sind.

Der Legende nach soll eine italienische Zeitung den Begriff "Ultra" einst benutzt haben, um besonders leidenschaftliche Anhänger des AC Turin zu beschreiben: Die hatten einen Schiedsrichter aus Wut bis zum Flughafen verfolgt.

Kostspieliges System der Leidenschaft

Fast jeder Verein in den ersten drei deutschen Ligen wird inzwischen von Ultras unterstützt. In den rund 50 Gruppen sind mehr als 2000 Mitglieder aktiv, die Zahl der Mitläufer ist um ein Vielfaches höher. Längst verfügen sie über eine Internetseite, ein Manifest, eine Zeitschrift und ein eigenes Angebot an Merchandising-Artikeln - weil sie die geschmacklose Kommerzialisierung ihrer Vereine nervt. Ultra-Gruppen sind wie Unternehmen aufgebaut, sie werden streng hierarchisch geführt. Die Leitung übernimmt die Direktive, eine Art Vorstand von 10 bis 15 Personen.

Als im Vorfeld der WM 2006 die Sicherheitsbedingungen in den Stadien verschärft wurden, verfestigten sich für viele Ultra-Fans, die sich zunehmend gegängelt fühlten, die Feindbilder Polizei und DFB. Immer wieder, so klagten Fans, seien sie durch überzogene und provokante Kontrollen und Strafen schikaniert worden. Bis zum Ende der abgelaufenen Saison wurden in Deutschland fast 3500 Stadionverbote ausgesprochen. Die Tendenz ist steigend, obwohl die Straftaten zurückgegangen sind.

Matthias Bettag, Sprecher des 1993 gegründeten Bündnisses aktiver Fußballfans (Baff), sieht eine gegenseitige Eskalation zwischen Ultras und Ordungskräften: "Je martialischer die eine Seite auftritt, desto härter reagiert die andere." Im Herbst 2006 gründeten Baff, die Initiative ProFans und verschiedene Fanclubs einen Fanrechtefond. Das über Spenden finanzierte Organ soll Fans bei Gerichtsprozessen unterstützen - denn sie geraten immer schneller ins Visier der Ermittlungsbehörden.

Seit 1992 gehen die wichtigsten Informationen über auffällige Fans bei der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze in Düsseldorf ein (Zis). Seit 1994 werden gewaltbereite und Gewalt suchende Fans in der Datei "Gewalttäter Sport" gespeichert. In der Polizeisprache ist von den Kategorien B und C die Rede - in etwa der Unterschied zwischen "latent gewaltbereit" und "ständig auf Randale aus". Mehr als 10.000 Anhänger sind registriert, viele wissen nicht einmal etwas davon. Weil etwa der in Deutschland führende Fanforscher Gunter A. Pilz von der Uni Hannover Hooligans als "Auslaufmodell" sieht, vermuten Fanvertreter, dass die Datei eher wahllos befüllt wird.

Zuflucht für Schläger

"Wir sprachen nie von einem Auslaufmodell", sagt dagegen Michael Endler, der Leiter der Zis. "Die Entwicklung der Ultra-Bewegung müssen wir genau beobachten", sagt Polizist Endler. "Nicht alle sind harmlos." Ein szenekundiger Polizeibeamter, der anonym bleiben möchte, schätzt, dass zwischen 20 und 25 Prozent der Ultras irgendwann die Rolle der Hooligans einnehmen werden. Die Haltung zur Gewalt scheint bei vielen der so organisierten Fans zwiespältig. Zudem bieten sie aus Sicht der Polizei ehemaligen Schlägern eine neue Heimat.

Doch die Motivation für Ausschreitungen scheint verscheiden zu sein: Für Hooligans ist Gewalt aus Sicht von Forschern eine lustvolle Kompensation des Alltags - zu der man sich auch mal abseits von jedem Fußballspiel auf einer abgelegenen Wiese verabredet. Für Ultras ist sie eher Mittel zum Zweck und eine Reaktion auf die von ihnen empfundenen Einschränkungen der Polizei, des DFB oder der Vereine. Pilz bezeichnet die Mischform zwischen Hooligan und Ultra als Hooltra, dafür wird er in der Fanszene heftig kritisiert.

In seiner Studie "Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball" will er den Begriff mit Zahlen stützen: Die Aussage "Es gibt Ultragruppen, die mit der Hooliganszene überlappen" bestätigten 43,4 Prozent der Befragten. 45 Prozent bezeichneten sich als "tendenziell gewaltbereit". Auch das ist typisch für Ultras: Sie wollen keine Schwächen offenbaren, sie sehen ihre Kurven als zweite Heimat an, die sie verteidigen müssen. Die Grenzen zwischen Ultras, Rassisten und Hooligans sind dabei fließend. In Italien rekrutieren rechtsextremistische Parteien ihre Mitglieder in den Fankurven. Auch in Deutschland hat es vergleichbare Versuche gegeben. Meistens waren sie ohne Erfolg. Bislang.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,488211,00.html
Schiffmeister
Von dem Namen "Ronny" hätte ich aber deutlich fanfreundlichere Worte erwartet..

Matze, lass mich raten, ihr habt bestimmt 15 Minuten gequatscht, oder? Und all das für ein mickriges Zitat.
Fango
Zitat:
In seiner Studie "Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Profifußball" will er den Begriff mit Zahlen stützen: Die Aussage "Es gibt Ultragruppen, die mit der Hooliganszene überlappen" bestätigten 43,4 Prozent der Befragten. 45 Prozent bezeichneten sich als "tendenziell gewaltbereit". Auch das ist typisch für Ultras: Sie wollen keine Schwächen offenbaren, sie sehen ihre Kurven als zweite Heimat an, die sie verteidigen müssen. Die Grenzen zwischen Ultras, Rassisten und Hooligans sind dabei fließend. In Italien rekrutieren rechtsextremistische Parteien ihre Mitglieder in den Fankurven. Auch in Deutschland hat es vergleichbare Versuche gegeben. Meistens waren sie ohne Erfolg. Bislang.


Ultras und Rassismus wird auch mal wieder undifferenziert zusammen in einen Topf geworfen.
Südländer
@Fango: Das könnte man als kleine Marketingmaßnahme für sein neues Buch betrachten.

Generell ist mir Blaschke bisher eher als einer mit vergleichsweise viel Ahnung und Differenzierungsvermögen aufgefallen. Dem Thema "Fankongress" wird der Artikel allerdings eher nicht gerecht.
mazzo
Zitat:
Original von Schiffmeister
Matze, lass mich raten, ihr habt bestimmt 15 Minuten gequatscht, oder? Und all das für ein mickriges Zitat.


viel länger Das Zitat ist schon älter, ich hab vor einem Jahr mit ihm gesprochen als er für sein mittlerweile erschienenes Buch recherchiert hat.
Eichsfelder
Zitat:
Ultras, Hooligans, Hooltras?

Von Ronny Blaschke
...

Es gibt andere Beispiele: In Frankfurt wurden Anfang der abgelaufenen Saison mehr als 40 Fans mit einem Stadionverbot bestraft, weil es vor dem Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 in einer Kneipe in Gelsenkirchen zu einer Schlägerei gekommen war - tatsächlich beteiligt waren etwa ein Dutzend Fans. Die Ultras fühlen sich schikaniert - doch sie fallen immer wieder negativ auf: In Hamburg, Köln und Mönchengladbach übten Fans massiven Druck auf ihre erfolglosen Spieler aus, in Dresden drohten einige vermummte Anhänger der eigenen Mannschaft nach dem verpatzten Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga sogar Prügel an. Und bei den schweren Ausschreitungen in Leipzig im Februar 2007 sollen Ultras die treibende Kraft gewesen sein.



War das nicht um Ostern rum, wo Dresden noch die Chance hatte, weil´s ja noch 5 oder 6 Spieltage waren?

Wenn ja, dann hat der Mann schlecht recheriert.
Wenn nein, dann bin ich uninformiert.
Sven
Zitat:
Original von Eichsfelder
Zitat:
Ultras, Hooligans, Hooltras?

Von Ronny Blaschke
...

Es gibt andere Beispiele: In Frankfurt wurden Anfang der abgelaufenen Saison mehr als 40 Fans mit einem Stadionverbot bestraft, weil es vor dem Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 in einer Kneipe in Gelsenkirchen zu einer Schlägerei gekommen war - tatsächlich beteiligt waren etwa ein Dutzend Fans. Die Ultras fühlen sich schikaniert - doch sie fallen immer wieder negativ auf: In Hamburg, Köln und Mönchengladbach übten Fans massiven Druck auf ihre erfolglosen Spieler aus, in Dresden drohten einige vermummte Anhänger der eigenen Mannschaft nach dem verpatzten Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga sogar Prügel an. Und bei den schweren Ausschreitungen in Leipzig im Februar 2007 sollen Ultras die treibende Kraft gewesen sein.



War das nicht um Ostern rum, wo Dresden noch die Chance hatte, weil´s ja noch 5 oder 6 Spieltage waren?

Wenn ja, dann hat der Mann schlecht recheriert.
Wenn nein, dann bin ich uninformiert.


RICHTIG, was sagt uns das ?
MrBonde
Dass ihr euch an Unwichtigkeiten aufhängt?
Sven
Zitat:
Original von MrBonde
Dass ihr euch an Unwichtigkeiten aufhängt?


das liegt uns (leider) im Blut alles Unwichtige zu zerfleischen
kalle2006
Ein kurzer Bericht des ZDF inklusive Stellungnahme vom Präses zum Thema Stadionverbote. Klingt zumindest nach einem Entgegenkommen?!


http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/15...57935-5,00.html
Tobias
The Chosen View (damit ist doch CFHH gemeint?)^^
kopfnuss
Zitat:
Original von Tobias
The Chosen View (damit ist doch CFHH gemeint?)^^


chosen view ist soweit ich weiss das infozine der chosen few.
Bremer
Zitat:
Original von kopfnuss
Zitat:
Original von Tobias
The Chosen View (damit ist doch CFHH gemeint?)^^


chosen view ist soweit ich weiss das infozine der chosen few.


Ich glaube "Seemannsgarn" ist die Infozine der CFHH.

Siehe hier...
Roibeaird
kopfnuss
Zitat:
Original von Bremer
Zitat:
Original von kopfnuss
Zitat:
Original von Tobias
The Chosen View (damit ist doch CFHH gemeint?)^^


chosen view ist soweit ich weiss das infozine der chosen few.


Ich glaube "Seemannsgarn" ist die Infozine der CFHH.

Siehe hier...


oh sorry. es war dann doch das fanzine nicht das infozine.

http://www.fanzinearchiv.de/fotos/hambur...osen_view_3.jpg
mazzo
Zitat:
Original von fußballgott_27
Passieren tut da nicht viel.

Zitat daraus:
DFB-Präsident Theo Zwanziger hat die Abschaffung der bei den Fußball-Fans umstrittenen Stadionverbote kategorisch abgelehnt. "Das ist undenkbar und mit mir nicht zu machen. Die gewaltbereiten Fans müssen aus den Stadien verbannt werden", sagte Zwanziger gestern bei der Eröffnung des vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) veranstalteten ersten bundesweiten Fan-Kongresses in Leipzig.



Wer fordert denn bitte die Abschaffung des Stadionverbotes? Darum geht es keineswegs.
Bremer
Gute Stimmung, wenig Ergebnisse

eine Beschlüsse, wenig Anteilnahme von Seiten der Vereine: Der Fankongress in Leipzig hat keinen entscheidenden Durchbruch im Kampf gegen die Gewalt in Fußballstadien gebracht. Dennoch kann das Treffen als Erfolg gewertet werden - auch dank DFB-Boss Theo Zwanziger.

In der Nacht zum Sonntag, um kurz nach zwei, wurde die gute Absicht des ersten bundesweiten Fan-Kongresses ad absurdum geführt. Ein Dutzend Polizisten tauchte auf einer Party der Teilnehmer in Connewitz auf, im Süden der Stadt. Es folgten handfeste Schlägereien mit Gästen. Die Erklärung der Anwesenden: Jugendliche, die nichts mit dem Kongress zu tun hatten und sich auf der Flucht vor der Polizei befanden, hätten sich in der Kneipe verstecken wollen. Es gab leichtere Verletzungen, viele Kongress-Teilnehmer kamen mit einem Schrecken davon.

Die Szene birgt eine gewisse Symbolik: Nach Jahren der atmosphärischen Störungen gehen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Fans aufeinander zu - und dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Dabei hatte alles vielversprechend begonnen - zumindest, was das Stimmungsbild betrifft. DFB-Präsident Zwanziger hatte gestern Nachmittag in der Sportwissenschaftlichen Fakultät eine engagierte Eröffnungsrede gehalten. Der Applaus war so laut, dass selbst die Videowand vibrierte. Selten zuvor war einem DFB-Funktionär so viel Sympathie entgegen gebracht worden. Zwanziger hatte viele brisante Themen angesprochen. Er schwärmte wie so oft von der Integrationshilfe Fußball, er sonderte auch die eine oder andere Phrase ab. Und dennoch verdeutlichte sein Appell den Wandel in der Sicherheitspolitik des DFB. Er brachte keine neuen Erkenntnisse, er lieferte keine verbindlichen Zusagen, aber er bot zumindest eins: Glaubwürdigkeit.

Drei Stunden lang wanderte Zwanziger über das Gelände, auf dem erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs 400 Fans, Aktivisten, Initiativen, Clubvertreter, Wissenschaftler und Polizisten in verschiedenen Foren und Workshops über die Probleme der Anhänger diskutierten. Nachdem er im meistbesuchten Forum "Spannungsfelder" die Klagen über ungerechte Stadionverbote gehörte hatte, gestand er: "Es sind Dinge gesagt worden, die habe ich so noch nicht gesehen. Wir müssen eine gerechtere Lösung anstreben."

Vielen Beobachtern entglitten fast die Gesichtszüge. "Das war vor einem Jahr noch undenkbar", sagt Thomas Schneider, Fanbeauftragter der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Zwanzigers Kollege in der damaligen Doppelspitze des DFB, Gerhard Mayer-Vorfelder, hatte den Dialog mit Fanvertretern jahrelang verweigert, weil er sich von ihnen verunglimpft fühlte. Wenige Tage nach dem Ausscheiden Mayer-Vorfelders im September 2006 lud Zwanziger jene Vertreter nach Frankfurt ein. Spontan sicherte er ihnen den Kongress zu, nicht jeder in der DFB-Zentrale war darüber erfreut. "Diese neue Offenheit ist verblüffend", stellt Torsten Rudolph fest, der Fanprojektleiter in Dresden. "Es wird nicht mehr von oben nach unten bestimmt."

Der DFB hat einiges getan, um den schlechten Ruf an der Basis zu bessern. Helmut Spahn, der erste hauptamtliche Sicherheitschef des DFB, kündigte die Einführung von Stadionverboten mit Bewährung an, spätestens für die Rückrunde der kommenden Saison. Zudem soll künftig der Verein des Beschuldigten ein Mitspracherecht erhalten, bislang entschied immer der Hausherr. Das ist ein Fortschritt, nicht mehr und nicht weniger. Spahn, ehemaliger Polizeichef eines Sondereinsatzkommandos in Hessen, gilt ebenso als Hardliner wie sein Vorgänger Alfred Sengle, der als Richter tätig war. Spahn war als Sicherheitsbeauftragter des Organisationskomitees für WM 2006 oftmals mit Fanarbeitern aneinander geraten - in Leipzig präsentierte er sich dagegen als offener Gesprächspartner. "Wir müssen uns auf die Bedürfnisse der Fans einstellen", sagt er.

Das Reizklima hat an Schärfe verloren, doch das kann nicht über die Versäumnisse hinwegtäuschen. Die DFL glänzte weitgehend durch Abwesenheit, als letzte Führungskraft musste Wolfgang Holzhäuser, der Präsident des Ligaverbandes, aus persönlichen Gründen absagen. Schon zuvor war es in der Organisation zwischen DFB und DFL zu Unstimmigkeiten gekommen, das ist nichts Neues in der Kommunikation der Verbände. So wurde der Kongress zu einer DFB-Veranstaltung, an den Kosten in Höhe von 100.000 Euro beteiligt sich die DFL nur zu einem geringen Teil. Es bleibt abzuwarten, ob allein der anerkannte Soziologe Thomas Schneider als neuer Fanbeauftragter das Bewusstsein in der DFL verändern kann. Vorerst hat sie es versäumt, ihren Ruf zu glätten. Auch Vereinsvertreter waren nur schwer auszumachen in Leipzig. Ähnliches gilt für die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze in Düsseldorf (ZIS), die die umstrittene Datei "Gewalttäter Sport" verwaltet. Auch sie hatte nicht genug Personal geschickt, um alle Fragen zu beantworten.

Unklar bleibt, ob die vielen Bekundungen in die Tat umgesetzt werden können. Der in Leipzig von Experten verabschiedete Forderungskatalog für die Vergabe von Stadionverboten, die Selbstverpflichtungserklärung gegen Rassismus oder die öffentliche Stärkung sozialer Fanprojekte sind Signale, aber keine Beschlüsse. "Das ist aufrichtig, aber noch ist nicht viel passiert", sagt Stefan Minden, Rechtsanwalt und Mitglied der Faninitiative "Unsere Kurve". "Wenn sich nichts ändert, hätte man sich dieses Wochenende sparen können", ergänzte Philipp Markhardt, Sprecher der Ultras des Hamburger SV. Einigen Teilnehmern fehlten die konkreten Ergebnisse.

Entscheiden muss darüber der Sicherheitsausschuss des DFB. Trotz der Offensive Zwanzigers wird dieses Gremium noch immer von alten Seilschaften geprägt, die lange hinderlich waren für das Aufbrechen verstaubter Strukturen. Weil nur der Ausschussleiter von den Mitgliedern gewählt wird, und dieser dann in Abstimmung mit dem Präsidium die anderen Mitglieder selbst beruft, finden sich im Ausschuss keine Fanarbeiter, sondern zumeist Polizisten und Juristen. Auch von ihnen waren bei weitem nicht alle nach Leipzig gereist.

Quelle:Spiegel online
Tobi
Wird auch noch ein Bericht der anwesenden online gestellt?
Matinho
"Ich werde nach Leipzig zum Fankongress fahren." [...]
"Montag oder so gibts meinen Erfahrungsbericht, schonungslos und halb erfunden, an gewohnter Stelle."

http://www.verbrochenes.net/2007/06/23/wort-zum-wochenende/
MrBonde
Von mir erfahrt ihr nichts!