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Wider die Willkür Frankfurter Fußballfans beklagen zu strenge Handhabung von Stadionverboten / DFB zeigt sich einsichtig VON GEORG LEPPERT Seit viereinhalb Jahren hat Matze kein Spiel seiner Eintracht mehr gesehen. Dabei ist er jemand, den man in Fachkreisen "Hardcore-Fan" nennt. Einer, der den "Ultras" angehört. Einer, der zu jeder Auswärtspartie von Eintracht Frankfurt mitfahren würde. Wenn man ihn ließe. Seit dem 18. Oktober 2002, als Frankfurt bei Eintracht Trier spielte, hat Matze bundesweites Stadionverbot. Was genau an jenem Freitag am Trierer Bahnhof geschah, lässt sich heute nicht mehr klären. Fest steht: Der Sonderzug der Frankfurter wurde von einem Großaufgebot der Polizei empfangen, es gab Rangeleien. Matze mischte sich ein, beleidigte einen Beamten. Die Justiz machte darum kein großes Aufheben, schickte einen Strafbefehl über 500 Euro. Die härtere Sanktion kam von Eintracht Trier: Das Stadionverbot wurde für fünf Jahre ausgesprochen. Helmut Spahn war früher selbst Polizist, zuletzt leitete er das Sondereinsatzkommando in Frankfurt. Dennoch sagte der 46-Jährige, mittlerweile Sicherheitsbeauftragter beim DFB, am Samstag bei einem Treffen mit Fans am Riederwald: "Fünf Jahre Stadionverbot wegen Beamtenbeleidigung, das ist zu viel." Und der Fall Matze sollte nicht der einzige bleiben, in dem Spahn die Position der Anhänger unterstützte. Ultras für Verbot auf Bewährung Knapp 16 000 Unterschriften gegen "willkürliche und unberechtigte Stadionverbote" übergaben die Fans dem Sicherheitsbeauftragten. Die Signaturen hatten Anhänger von mehreren Vereinen in der vergangenen Saison gesammelt. "Wir sind nicht gegen jedes Stadionverbot", sagte Mario Krings von den Frankfurter Ultras. Nur müsse sich die Vergabepraxis grundlegend ändern. Verbote von fünf Jahren müssten die Ausnahme bleiben. Zugleich dürfe die Sanktion bei Verfehlungen außerhalb des Stadions nicht angewandt werden. Außerdem sprachen sich die Ultras für Stadionverbote auf Bewährung aus. Geht es nach Spahn, werden sich die Fans mit einem Großteil ihrer Forderungen durchsetzen: "Dazu müssen die Richtlinien nicht großartig geändert werden." Bereits jetzt könnten die Vereine kurzzeitige Stadionverbote - sogar nur für einen Spieltag - verhängen. "Davon sollen sie Gebrauch machen", sagte Spahn. Zudem sollten die Klubs nicht "pauschal den Schilderungen der Polizei glauben", sondern die Betroffenen anhören. Straftaten abseits der Arenen würden zwar weiterhin mit Stadionverboten geahndet, stellte Spahn klar. Ob jedoch bloße Ordnungswidrigkeiten zur Verbannung aus der Kurve führen sollen, bezweifelte er. Viele der 3000 Fans, die derzeit Stadionverbot haben, hätten sich kaum mehr zu Schulden kommen lassen, "als Graffiti an eine Tankstelle zu sprayen", sagte Krings. Beim Fankongress am kommenden Wochenende in Leipzig wird das Thema ganz oben auf der Tagesordnung stehen. "Ich hoffe, wir können dann die Diskussion abschließen", sagte Spahn. |
Quelle: Frankfurter Rundschau, 18.06.2007
vom antiRepressiVa Team ...