Wucher bei der Citibank
Restschuldversicherung lässt Kreditkosten explodieren
Autor: Holger Balodis
MDR, Dienstag, 12. Dezember 2006
Wucher bei der Citibank?
Bei den Verbraucherzentralen häufen sich die Beschwerden von Citibank-Kunden. Hintergrund: sie zahlen nicht nur einen recht hohen offiziellen effektiven Jahreszins ? darüber hinaus wurden sie nach eigenen Angaben zeitgleich mit der Kreditvergabe zum Abschluss von Versicherungsverträgen beim Citibank-Versicherungspartner CiV gedrängt. Dies lässt die Gesamtbelastung der Kunden geradezu explodieren. Besonders auffällig. Fast alle Kunden hatten eine so genannte Restschuldversicherung abgeschlossen.
Versicherungskosten gefährden Existenz der Kreditnehmer
Bei diesem Produkt handelt es sich um eine spezielle Form der Risikolebensversicherung, die die Rückzahlung eines Kredits absichert, falls ein Kreditnehmer stirbt. Manchmal ist auch der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit oder der Arbeitslosigkeit mitversichert. Im Einzelfall kann eine solche Versicherung durchaus Sinn machen, wenn ein Kreditnehmer seinen Partner oder seine Erben davor schützen will, im Falle eines Falles seine Schulden abtragen zu müssen.
Im Falle der Absicherung von Citibank-Krediten durch die Restschuldversicherung der CiV kommt es aber häufig zu einer sehr erheblichen Mehrbelastung, die Kreditnehmer bis an den Rand der Zahlungsunfähigkeit treiben kann.
Dies hat mehrere Gründe:
1. Die Citibank arbeitet exklusiv mit der CiV zusammen. Deren Restschuldversicherung ist außerordentlich teuer. Ein vergleichbarer Schutz ist bei günstigen Anbietern für einen Bruchteil der Prämie zu haben. Die Citibank vermittelt jedoch ausschließlich das CiV-Produkt und bekommt dafür eine sehr beachtliche Provision.
2. Die Versicherungsprämie wird nicht monatlich fällig, sondern im voraus in Form eines Einmalbeitrages. Dieser wird auf den Nettokredit aufgeschlagen und auch hierauf werden Bearbeitungsgebühren und Zinsen fällig. Die Restschuldversicherung bläht damit den Kreditbedarf erheblich auf.
3. Als Versicherungssumme der Restschuldversicherung wird die Gesamtbelastung des Schuldners über die gesamte Laufzeit des Kredits gewählt, also die Summe aus Nettokredits, der gesamten Versicherungsprämie sowie aller Gebühren und Zinsen. Das Sicherungsvolumen ist damit weit übertrieben und macht die Prämie unnötig teuer.
In der Summe führt dies zu Monatsraten, die viele Kreditnehmer kaum noch bezahlen können. Arno Gottschalk, Finanzdienstleistungsexperte der Verbraucherzentrale Bremen beobachtet seit Jahren, wie Verbraucher durch die Kombination von Konsumentenkrediten und Restschuldversicherungen in eine regelrechte Verschuldungsspirale hineingetrieben werden. Können die alten Kredite nicht mehr bedient werden, werde eine Umschuldung mit längeren Laufzeiten angeboten.
So entstünden Kettenkredite, die stets aufs Neue mit einer Restschuldversicherung verknüpft werden und jedes Mal wieder Bearbeitungsgebühren kosten. Die kostentreibende Wirkung der Restschuldversicherung bleibe den Kunden häufig verborgen, da die Kosten hierfür nicht im effektiven Jahreszins ausgewiesen werden.
Nach den Beobachtungen von Verbraucherschützer Gottschalk fallen derzeit insbesondere Citibank, CC-Santander, "Easy credit", GE Money und die Hypo-Vereinsbank durch eine solche Art der Kreditvergabe auf.
Ein Beispiel:
Ein Paar heiratete, richtete eine gemeinsame Wohnung ein und unternahm eine Hochzeitsreise. Dafür brauchten die beiden einen Kredit von rund 30.000 Euro. Den bekamen sie von der Citibank. Doch nicht nur das: Die Restschuldversicherung kostete einen Einmalbeitrag von rund 9.000 Euro und sorgte mit Gebühren und Zinsen dafür, dass die Gesamtbelastung auf knapp 58.000 wuchs. Eine monatliche Belastung von 693 Euro.
Obendrein bekam das Paar noch drei Rentenversicherungen, eine Lebensversicherung sowie eine Unfallversicherung vermittelt ? alle beim Citibank-Partner CiV. Damit kletterte die monatliche Belastung auf nahe 1.000 Euro.
Bei der Kreditvergabe wurde dem Paar bedeutet, dass ein Kredit nicht ohne Restschuldversicherung möglich sei. Die Versicherung sei schon eingetragen gewesen, berichten die Kunden. Nach § 6 Abs. 3 Nr.5 der Preisangabenverordnung müssten die Kosten für eine solche Versicherung in den effektiven Jahreszins eingerechnet werden. Folge in diesem Fall: statt wie offiziell ausgewiesen 12,07 Prozent betrüge der Effektivzins 22,4 Prozent. Der Bremer Rechtsanwalt Eberhard Ahr hält diesen Citibank-Zins für eindeutig wucherisch. Seine Konsequenz: Der Kunde schuldet der Bank wegen Verstoß gegen das Wucherverbot gar keine Zinsen und muss nur die reine Tilgung zahlen: statt 693 zahlt er nur noch 344 Euro monatlich.
Citibank weist Schuld von sich
Die Citibank bestreitet den Vorwurf, Wucherzinsen zu erheben und gegen die Preisangabenverordnung zu verstoßen. Kein Kunde werde zum Abschluss einer Restschuldversicherung gedrängt oder gezwungen. Gegenüber Plusminus erklärt sie: "Bei der Citibank ist der Abschluss eines Kredits niemals abhängig vom Abschluss einer Restschuldversicherung. Kreditentscheidungen sind unabhängig vom Abschluss einer Versicherung." Per Geschäftsanweisung seien alle Mitarbeiter ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass der Abschluss einer Restschuldversicherung immer freiwillig sei.
Ein gutes Geschäft für die Bank
Einen anderen Eindruck vermittelt ein internes CiV-Dokument: demnach waren in den Jahren 2001 bis 2003 zwischen 96 und 98 Prozent der Citibank-Kredite mit einer Restschuldversicherung gekoppelt. Mit anderen Worten: es gab nur wenige Citibank-Kredite ohne Restschuldversicherung. Offenbar ein einträgliches Geschäft: Die Provisionseinnahmen der Citibank allein aus Restschuldversicherungen wuchsen im gleichen Zeitraum von 105 Millionen auf 166 Millionen Euro pro Jahr.
Für Verbraucherschützer Arno Gottschalk ist es nicht zuletzt deshalb schwer vorstellbar, dass all diese Versicherungen allein auf Wunsch der Kunden abgeschlossen worden seien. Dafür lägen die Vorteile einer solchen Versicherung zu eindeutig bei der Citibank: Die Bank erziele erhebliche Provisionseinnahmen, sie könne mehr Kredit vergeben und habe die Sicherheit, dass im Todesfall der Kredit beglichen werde.
Unsere Tipps zum Kreditvertrag:
1. Eine Restschuldversicherung kann im Einzelfall Sinn machen, sie ist aber keineswegs notwendig für die Kreditvergabe.
2. Lassen Sie sich ausrechnen, wie teuer der Kredit mit und ohne Abschluss einer Restschuldversicherung wird. Holen Sie sich ein Vergleichsangebot eines günstigen Anbieters, der die Versicherungsprämien nicht als Einmalzahlung vorweg verlangt.
3. Macht die Bank den Abschluss der Versicherung zur Bedingung, muss sie die Kosten hierfür in den Effektivzins einbeziehen.
4. Nehmen Sie einen Zeugen mit zu den Kreditverhandlungen. Das erleichtert später die Beweislage.
5. Ein Restschuldversicherung lässt sich unabhängig vom Kreditvertrag kündigen. Dann werden Teile der gezahlten Einmalprämie erstattet. Allerdings in der Regel mit erheblichen Verlusten.
6. Lassen Sie sich nicht vorschnell auf eine Umschuldung und die Zusammenfassung von Altkrediten ein. Das verursacht in der Regel Kosten und möglicherweise ist der neue Kredit alles in allem teurer als mehrere Einzelkredite.
http://www.daserste.de/plusminus/beitrag...20%20%20~cm.asp
Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 12.12.2006 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.