Hooligans prügelten auf 1. FCN-Fans ein
Frau des Busfahrers traf Flasche am Kopf: Sorge um ihr Augenlicht - Attacke an Raststätte
Auch mehr als ein Tag nach dem «Überfall» Münchner Hooligans auf einen Bus mit Club-Fans auf der Autobahn-Raststätte Würzburg-Nord, sitzt dem 19-jährigen Tobias R. der Schrecken noch in den Gliedern. Vor allem macht dem Augenzeugen jene Frau Sorgen, die von einer vollen Bierflasche am Kopf getroffen und mit einem Schädelbruch in ein Würzburger Krankenhaus gebracht worden war. «Außer Lebensgefahr ist sie wohl, aber die Ärzte kämpfen um ihr Augenlicht.»
WÜRZBURG (Eig. Ber./ fo) - Es war der «reinste Horror», was sich da am Samstag gegen 8.30 Uhr abspielte, als die vier Busse mit rund 240 Club-Fans auf dem Weg zum Schlagerspiel in Schalke an der Autobahn-Raststätte hoch über Würzburg ihre erste Rast einlegten. «Unser Bus wurde von etwa 60 Münchnern angegriffen. Dabei wurden aus nächster Nähe mehrere volle Flaschen Cola und Bier durch die vordere Bustür in den Wagen geworfen. Eine davon traf die Frau des Busfahrers am Kopf», erzählt der 19 Jahre alte gelernte Elektriker und eingefleischte FCN-Anhänger Tobias R.
Wie der Augenzeuge Tobias berichtet, der aus Angst vor Repressalien seinen Namen nicht nennen will, wurde die 45-Jährige mit schweren Kopf- und Augenverletzungen in eine Würzburger Klinik gebracht. Sie soll in ein künstliches Koma versetzt worden sein. Laut Polizei schwebe sie aber nicht mehr in Lebensgefahr.
«Wir hatten uns auf dem Parkplatz gerade mal zehn Minuten aufgehalten – manche mussten zur Toilette, andere qualmten – als zwei Busse mit Münchner Fussball-Fans an uns vorbeifuhren. Zwei unserer vier Fan-Busse waren schon losgefahren und in unseren Bus wollten gerade die letzten 15 bis 20 Mann einsteigen. Da kamen etwa 40 junge Leute aus dem Münchner Bus angerannt, haben uns einfach überfallen und auf uns und den Bus eingeschlagen und eingetreten.» So der Augenzeugenbericht des Club-Fans. «Ich vermute, es war ein Racheakt», sagt der 19-Jährige.
Auch Kinder geprügelt
Obwohl die Nürnberger den Münchner Hooligans klar zu machen versuchten, dass unter ihnen keine gewaltbereiten «Fans» oder «Ultras» waren, sondern ganz normale Fußball-Begeisterte, flogen die Fäuste und die Flaschen. «Wir sind keine Hooligans, haben Frauen und Kinder dabei. Lasst uns in Frieden. Wir sind friedliche Fans», riefen die Franken laut Augenzeugen den Schlägern zu - ohne Erfolg.
Die Münchner nahmen keine Rücksicht und prügelten sogar auf Frauen und Kinder, den Busfahrer wie die Reiseleiterin ein, berichtet Tobias R. weiter. Die Bilanz: Eine schwer und drei leicht verletzte Personen. Einige Münchner Schläger wollten gar den Nürnberger Bus entern, «was ihnen allerdings nicht gelang.» Nach den Flaschenwürfen flüchteten die Randalierer zu ihren Bussen und fuhren davon. «Zwei von uns rannten hinterher, um das Kennzeichen der Busse zu notieren, andere alarmierten Polizei und Sanitäter», erzählt Tobias R. weiter.
Davongeschlichen
Die beiden Münchner Busse hatten den Parkplatz direkt nach der Attacke verlassen und versucht, sich über Nebenstraßen «davonzuschleichen.» Durch die rasch eingeleitete Fahndung, so der Würzburger Polizeisprecher Wilmut Hornung, gelang es aber, die beiden Fahrzeuge etwa eine halbe Stunde später nahe Marktheidenfeld auf der Bundesstraße 8 zu stellen.
Die 73 Insassen wurden vorläufig festgenommen und im Konvoi zur Autobahnpolizei nach Biebelried gebracht. Die Vernehmungen dauerten auch gestern an, hieß es. Ermittelt wird wegen des Verdachts eines besonders schweren Landfriedensbruchs. Mehrere Personen sollen sich noch in Haft befinden.
Die Clubs-Fans, denen der Besuch des Spiels in Gelsenkirchen verständlicherweise vergangen war, konnten noch am Samstagnachmittag nach ihrer Zeugenvernehmung mit einem Ersatzbus die Heimreise antreten.
Gerüchteweise hieß es zunächst, bei den Münchner Schlägern soll es sich um so genannte Ultras aus dem Fanbereich des FC Bayern gehandelt haben, die sich selbst als «Schickeria» bezeichnen. Die Truppe ist in Fan-kreisen berüchtigt, einige von ihnen haben auch Stadionverbot.
Über den eigentlichen Auslöser für die Attacke, die Prügelei und andere Details will sich die Würzburger Polizei und Justiz erst heute äußern.
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=642182&kat=27
Wie immer Hooligans ....