::: 30.04.2007: Mehr Polizei = Mehr Sicherheit ?! :::
Am vergangenen Samstag spielte der VfL in Emden vor ausverkauftem Haus, aufgrund der Einschätzung der Polizei ein sogenanntes "Sicherheitsspiel". Von welcher Seite aus nun allerdings an jenem Tag eine Gefährdung der Sicherheit ausging, das mag jeder von euch gerne selbst beurteilen nachdem er/sie den Erlebnisbericht einer Augenzeugin der Geschehnisse in Ostfriesland gelesen hat.
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::: 30.04.2007: Ein etwas anderer Familienausflug ... :::
Nach den Vorfällen in Emden erreichte uns heute morgen ein Erlebnisbericht den wir an dieser Stelle ungekürzt wiedergeben möchten.
Sehr geehrte Damen und Herren,
bevor ich Ihnen von meinen Erlebnissen in Emden berichte, möchte ich mich kurz vorstellen:
Mein Name ist ***** **********, ich bin 40 Jahre alt, Krankenschwester, verheiratet und Mutter von 2 Söhnen, 9 und 11 Jahre alt.
Ich bin seit Jahren begeisterter Fan des VFL Osnabrück und besuche mit meiner Familie jedes Heimspiel und wenn es die Zeit zulässt begleiten wir unsere Mannschaft auch zu den Auswärtsspielen.
Aber die Erfahrungen aus Emden nehmen mir und besonders meinen Kindern jede Lust daran, dass auch weiterhin zu tun, und leider haben meine Kinder jetzt ein sehr schlechtes Bild von der Polizei, was ich sehr bedauere, zumal mein großer Sohn noch bis Freitag den Wunsch hatte Polizist zu werden.
Jetzt glauben meine Kinder leider, man müsse Angst vor der Polizei haben.
Lassen Sie mich einmal den 28.4.2007 aus meiner Sicht schildern (ich werde mich bemühen alles wertungsfrei wiederzugeben):
Geplant war ein netter Familienausflug nach Emden, zusammen mit einem guten Freund der Familie
(25 Jahre alt und für uns wie ein 3. Sohn, deswegen werde ich ihn in diesem Brief „unseren großer Sohn“ nennen).
Wir sind um 7.00 Uhr mit dem Auto Richtung Emden gestartet.
Wir kamen um kurz nach 9 nach einer entspannten Fahrt mit den Fan-Gesängen des VFL in Emden an.
Nach einem Spaziergang durch die Innenstadt, einer Tasse Kaffe und einigen Fischbrötchen haben wir uns auf den Weg zum Stadion gemacht.
Wir waren mit noch 3 Osnabrücker Fans die 1. am Stadioneingang.
Als die Ordner die Tore öffneten, war mein Mann mit „unserem großen Sohn“ nochmals zum Auto gegangen, um etwas Vergessenes zu holen. Unsere Kinder gingen mit den 3 anderen Fans, nach einer völlig überzogenen Kontrolle mit ins Stadion. Während ich noch auf die beiden Männer wartete, habe ich mich sehr gut mit den wirklich netten Ortner unterhalten.
Allerdings habe ich diese strengen Kontrollen, schlimmer als beim Besuch des Bundespräsidenten, nicht verstanden. Selbst mein 9 jähriger Sohn wurde abgetastet wie ein Schwerverbrecher!
Man gewann den Eindruck, einen Hochsicherheitsbereich zu betreten!
Dem einen jungen Mann vor uns hat man alles abgenommen, den Ersatzfilm und die Ersatzakkus für die Kamera! Nicht einmal aufbewahrt hat man dies, er musste es in den Müll schmeißen!!!
Unsere Handy`s wurden kontrolliert, ob sie auch funktionstüchtig sind.
Später im Stadion hörte man von allen Seiten den Unmut der Fans, die auf Grund dieser schon wie Schikane wirkenden Kontrolle, lange vor dem Eingang warten mussten.
Im Stadion dann fast mehr Polizei als Gäste!
Der Gästeblock wurde von oben kameraüberwacht durch die Polizei.
Wir kamen uns wirklich vor dem Spiel schon vor wie Schwerverbrecher!
Dazu sollte man vielleicht noch erwähnen, dass es nicht die Osnabrücker Fans waren, die Bengalische Feuer während des Spiels abfackelten, sondern die heimischen Fans!
An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass ich gar nichts gegen die Polizei habe und bis zu diesem Spiel auch der Meinung war, die anwesenden Polizisten wären nun auch zu unserem Schutz da.
Aber die Provokation von Seiten der Polizei war unverständlich groß.
Es gab sehr unfreundliche Bemerkungen von einzelnen Polizisten!
Dies wurde besonders deutlich bei der schlechten Situation der sanitären Anlagen zum Beispiel.
Dazu möchte ich bemerken, dass sicher kein Veranstalter, der mit 2000 Besuchern rechnet, eine Genehmigung bekäme, wenn er nur 3 Dixi-Klo`s zur Verfügung stellt, oder?
Und was wir dann erlebten war der Hit!!!
Als 1. musste mein Mann. Er wollte nun erst gar nicht an den Plastikhäuschen anstehen und ging in die Büsche. Dort wurde er gleich von einem Polizisten angeranzt, wenn er ihn nochmals erwischen würde, könnte er sich das Spiel von draußen anhören.
Unser „großer Sohn“ ist dann später freiwillig gleich zu den komfortablen Örtlichkeiten gegangen.
Dort sprach ihn ein netter Polizist an und schickte ihn an die Büsche, weil „Luxustoiletten vollgep…“ waren.
An den Büschen angekommen fuhr ihn ein weiterer Polizist an, er solle zusehen, dass er zu den Dixi-Klo`s käme! Er erklärte dem unfreundlichen Polizisten dann: „ Ihr Kollege hat mir gesagt, ich soll an die Büsche gehen.“ Zur Antwort bekam er wörtlich: „Es ist mir scheißegal was mein Kollege gesagt hat, verpiss dich hier!“ (WÖRTLICH!!!)
Als ich dann auch mal musste, bin ich also widerwillig zu den unangenehmen Örtlichkeiten gegangen.
Am einzigen Damen-WC fehlte die Tür! Das konnte nun wirklich keiner von mir verlangen, oder?! Fragend wandte ich mich an eine Polizistin. „Ihr Problem!“ war ihre Antwort!
Ein Wunder, dass nicht diese unhaltbaren Zustände schon zu Unruhen geführt haben!
Aber nein, die Stimmung war gut!
Aber ich frage mich wirklich, warum der Stadionsprecher unserem „Stimmungsmacher“ das Besteigen des Zauns untersagt hat. Das führte für mich verständlich zur ersten Unruhe!
Aber es blieb insgesamt friedlich im Gästeblock! Auch wenn sich die Polizei in den letzten 20 min vor unserem Zaun aufbaute, als seien wir die berüchtigten Fans aus Leipzig, Chemnitz oder so ähnlich!
Selbst nach dem Spiel wurde im Gästeblock friedlich gefeiert und gesungen, als seien wir gerade aufgestiegen! Gut, einige Fans kletterten auf den Zaun, wie es bei jedem Fußballspiel nun mal ist!
Dann tauchten hinter der Reihe Polizisten, die sich vor uns am Spielfeldrand aufgebaut hatten, 4 Emdener Fans auf und zeigten uns unbehelligt die „Effenbergfinger“ und andere verachtenden Faxen.
Erst nach etwa 5 min kamen heimische Ordner dazu und versuchten sie davon abzuhalten.
Aber gekippt und eskaliert ist die Situation dann, als die Polizei mit etwa 6 Leuten auf einen Osnabrücker Fan losging, der gerade vom Zaun kam! Ohne Rücksicht auf Verluste rissen ihn 2 Polizisten mit sich. Andere Fans wollten dem Mitgerissenen, der nichts getan hatte, zur Hilfe kommen und dann ging es los!
Plötzlich war Krieg!!!
Anders kann ich die Situation nicht beschreiben!
Polizisten prügelten auf unschuldige Leute ein, andere Polizisten ließen wilde Hund ohne Maulkorb einfach scheinbar unkontrolliert in die Menge. Meine beiden kleinen Söhne klammerten sich weinend und am ganzen Köper zitternd an mich und waren voller Angst.
Meinen Mann, als unbeteiligt umherstehen hat ein Polizist in dem Tumult gegen einen Laternenpfahl geschubst, den er mit dem Kopf traf – das Ergebnis war gestern eine Beule, die sich heute zu einem Feilchen entwickelt hat!
Gehen konnten wir nicht, weil die Polizei einen Pulk Fans im Ausgangsbereich zusammen getrieben hatte.
Wir stellten uns mit den Kindern abseits des Geschehens zu anderen Fans und versuchten die Kinder zu beruhigen.
Vor uns stand eine Gruppe von etwa 15 Polizisten und ich fühlte mich sicher!
Dann müssen die Beamten über Funk zur Hilfe gerufen worden sein.
Keiner kann sich vorstellen was dann geschah!
Meine Kinder, denen ich gerade zu vermitteln versucht hatte, dass sie keine Angst mehr haben bräuchten, dass die Polizei niemandem etwas tun würde, mussten mit ansehen, wie dieser gerade noch friedlich vor uns stehende Trupp Polizisten plötzlich losstürmte und alle umrannte, die das nicht mitbekommen und schnell genug zur Seite springen konnten. Ein junger Mann, nur etwa 3m von uns entfernt, wurde einfach umgerannt und mit blutiger Nase liegengelassen.
Man hatte den Eindruck etwas weiter vorne sei ein Selbstmordattentäter aufgetaucht, der gestellt werden müsste.
Es war schrecklich!!!
Unser „großer Sohn“ war plötzlich auch weg.
Übers Handy hat mein Mann dann Kontakt zu ihm aufgenommen und erfahren, dass die Polizei ihn festhielt und wo. Also sind wir an den Zaun hinter den man ihn gebracht hatte. Die einzig netten dort waren die Sanitäter, die mich sofort fragten, weil ich meine weinenden, verstörten Kinder im Arm hatte, ob ich Hilfe bräuchte. Sie stellten auch den Kontakt zu einem äußerst unfreundlichen Polizisten her, von dem wir dann nur die Auskunft bekamen, dass „unser Großer“ in Gewahrsam wäre und erst mit zur Wache müsste, dort könnten wir ihn dann in einer Stunde abholen.
Einen Grund wollte er mir nicht nennen!
Auf die Frage, wo wir die Wache finden würden, bekam ich die schnodderige Antwort: “In Emden!“ (Wäre ich von alleine sicher nicht drauf gekommen!)
Ich bat ihn dann noch, „unserem Großen“ zu sagen, dass wir ihn abholen, damit er sich keine Sorgen machen muss. (Das er ihm dies nicht ausgerichtet hat erfuhren wir dann später.)
Also sind wir erstmal mit den Kleinen zum Auto und haben versucht sie zu beruhigen, was natürlich nicht gelang!
Außerhalb des Stadion habe dann ich einen freundlichen Polizisten gefunden, dem ich die Situation erklärt habe und der dann auch so nett war, mir den weg zur Wache zu erklären.
An der Wache angekommen, wusste man dort nichts von „unserem Großen“, aber man war sehr bemüht etwas für mich herauszufinden.
Das Ergebnis war klasse: Er sei dann doch vor Ort auf freien Fuß gesetzt worden und mit seiner Gruppe auf dem Weg nach Hause. Seine „Gruppe“ waren aber doch mein Mann, meine Kinder und ich und wir waren nun an der Wache.
Dank Handyverständigung haben wir dann den armen Kerl, der völlig fertig war, weil unser Auto vom Parkplatz weg war, gefunden. Ohne Handy wäre das nicht möglich gewesen!
Das war unser schöner Familienausflug!!!
Das Ergebnis war eine fast schlaflose Nacht mit Kindern, die von Albträumen immer wieder geweckt wurden und die nun Angst vor der Polizei haben, was ich besonders tragisch finde und einen Vater mit Feilchen.
Schade!!! |
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