Stadionausbau bringt Zorn und Zaster
Anwohner kündigen Widerstand an / AWD verhandelt über Erwerb der Namensrechte
Von unserem Redakteur
Jürgen Hinrichs
Das Weserstadion soll nach den Plänen von Werder eine reine Fußballarena werden und Platz für rund 50.000 Zuschauer bieten. Foto: Stoss
BREMEN. Ein anderer Name und ein anderes Gesicht - das Weserstadion steht vor einem grundlegenden Wandel. Werder will die Namensrechte verkaufen. An wen, darüber wird noch verhandelt, unter anderem mit dem Finanzdienstleister AWD, wie unsere Zeitung gestern erfuhr. Das Unternehmen aus Hannover könnte maßgeblich zur Finanzierung des Stadionausbaus beitragen. Der allerdings ist heftig umstritten.
Werder drückt aufs Tempo - und die Anwohner ziehen nicht mit. Das ist das Ergebnis eines Treffens von Mittwochabend. Die Bürgerinitiative Pauliner Marsch fühlt sich von Werder getäuscht, sie pocht auf ein Abkommen von vor einem Jahr. Damals hatte der Verein in einer Vereinbarung mit dem Senat, den Anwohnern und dem Ortsbeirat versprochen, sich ans geltende Baurecht zu halten, und das schließt einen Ausbau aus.Nun aber soll das Stadion um einen dritten Rang aufgestockt werden.
Statt der heute rund 42 000 hätte es dann gut 50 000 Plätze. Als Bautermin wird der Sommer 2008 angepeilt, während der Fußballeuropameisterschaft, wenn die Bundesliga pausiert. Voraussetzung ist allerdings eine Änderung des Bebauungsplans. Die beansprucht in der Regel viel Zeit. Werder will dagegen bereits im April planungsrechtlich alles in trockenen Tüchern haben und bis dahin auch die Finanzierung präsentieren.Es geht um ein 50-Millionen-Projekt, da käme der Erlös aus dem geplanten Namensverkauf gerade recht.
Als Hinweis zur möglichen Größenordnung: Der Hamburger SV kassiert mit seiner AOL-Arena von der Internetfirma pro Jahr drei Millionen Euro. Das Stadion von Klose und Co. dürfte sich noch deutlich besser verkaufen lassen."Wir werden von Werder vorgeführt", klagt Angelika Pensky von der Anwohner-Initiative Pauliner Marsch. Ein gutes Jahr lang habe man zusammengesessen und in einem Moderationsverfahren über die Situation rund um das Weserstadion gesprochen. Herausgekommen sei die Vereinbarung, den Bau nicht mehr gravierend zu verändern. "Und plötzlich kommt der Verein mit diesen Ausbauplänen."
Pensky sieht keine zwingenden Gründe, das Stadion aufzustocken. Wohl aber Argumente, es sein zu lassen. "Der Stadtteil ist an den Spieltagen jetzt schon überlastet. 8000 Menschen mehr verkraften wir nicht." Auch sei überhaupt noch nicht klar, wie das für den Sommer geplante Verkehrsleitsystem mit den Schutzzonen rund ums Stadion funktioniere. Mindestens das müsse zunächst abgewartet werden. Falls Werder seine Pläne ohne Rücksicht durchziehen wolle, "gibt es in den nächsten vier Monaten eine heiße Zeit", droht die Initiativen-Sprecherin.
"Wir haben 51 Wochen lang angekündigt, dass wir ausbauen wollen", verteidigt Manfred Müller, Marketingvorstand bei Werder, die Haltung des Vereins. An der Notwendigkeit gebe es keine Zweifel. "Die meisten Vereine in der Bundesliga haben ein reines Fußballstadion, wir nicht." Werder wolle sportlich Spitzenleistungen bringen, aber eben auch beim Drumherum. Gastronomie, Toiletten, Medienbereich, die Zugänge zum Stadion, der Gästeblock - alles das müsse verbessert werden. Vor allem aber sei das Stadion zu klein. "Wir könnten weit mehr Karten verkaufen."
Quelle:
http://www.weser-kurier.de/20061215/btag...+und+Zaster%0A&