Nach UEFA-Cup-Spiel: Polizist erschießt Fan

eYke
Zumindest wurde von unserer ach so tollen Presse heute morgen noch folgendes behauptet:

40 Leute wollten einen Gästefan angreifen.
Diese 40 Leute sollen wohl auch Messer und ähnliches bei sich gehabt haben.
Der Polizist wollte den Angriff verhindern. Er soll zuerst mit Tränengas oder Pfefferspray in die Menge gesprüht haben, einen Warnschuss abgegeben haben und dann wohl den tödlichen Schuss abgefeuert haben und sich dann in einen Schnellimbiss geflüchtet haben.

Wieso werden jetzt auf einmal aus 40 "aufgebrachten" Anhänger von PSG, 150 Hooligans? Starke Wahrnehmungsschwäche?

Sieht doch alles stark nach einer Rechtfertigung des Schusses aus.

Ich frage mich nur inwieweit man diesen Berichten Glauben schenken darf. Wenn die Französische Presse nur ähnlich dumm ist wie die Deutsche dann kann man praktisch vom Gegenteil ausgehen.
Lohner
ebend kam im radio das es doch wohl 4 schüsse waren , also können auch warnschüsse dabeigewesen sein...!
Flomf
| 24.11.06, 08:17 |
Ein französischer Polizist hat einen Fußball-Fan des Erstligisten Paris St. Germain bei massiven Auseinandersetzungen mit rassistischem Hintergrund nach dem Uefa-Pokalspiel gegen Hapoel Tel Aviv (2:4) erschossen.

Einen zweiten Anhänger verletzte er schwer. Nach Angaben der Polizei wollte der Beamte am Donnerstagabend einem jüdischen Fan zu Hilfe kommen, der von etwa 150 gewaltbereiten PSG- Anhängern bedroht wurde. Als der schwarze Polizist seinerseits – auch wegen seiner Hautfarbe – angegriffen wurde, versuchte er zuerst, sich mit Tränengas zu verteidigen und griff dann zu seiner Waffe. Ein Schuss traf einen 24-jährigen PSG-Anhänger tödlich. Ein 26 Jahre alter Fan wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Polizeigewerkschaften sprachen von „legitimer Selbstverteidigung“.

Rechtsextreme Sprüche und Gesten

Etwa 100 Personen hätten rassistische und antisemitische Parolen wie „dreckiger Jude“ und „dreckiger Neger“ geschrien, berichtete der Pariser Staatsanwalt Jean-Claude Marin. Der von ihnen verfolgte 23-jährige Fußball-Fan sei von dem Polizisten aufgefordert worden, hinter ihm in Deckung zu gehen, während die Menge den Hitler-Gruß gezeigt und den rechtsextremen Ruf „Le Pen Präsident“ skandiert habe.

Der Todesfall löste in Frankreichs Sportwelt und Politik Entsetzen aus. Innenminister Nicolas Sarkozy sagte zu dem „dramatischen Vorfall“, der von der französischen Antillen-Insel Martinique stammende Schütze habe sich wiederholt als Polizist zu erkennen gegeben. „Ein Aggressor hat ihm dann einen Schlag gegen die Schläfe versetzt, ein zweiter in den Unterleib getreten, und er ist zu Boden gegangen.“ Er habe seine Waffe erst gezückt, nachdem er den Umstehenden zugeschrien habe, dass er Polizist sei. Die näheren Umstände waren auch Sarkozy noch unklar.

Polizei verteidigt Todesschuss

„Das war ein Schuss aus Verzweiflung“, teilte dazu am Freitag die Polizeigewerkschaft Alliance mit. „Er ist von 150 aufgeheizten Typen angegangen worden, und wenn er nicht geschossen hätte, wäre er dabei draufgegangen.“ Der Gewerkschaftschef Frédéric Lagache betonte, mit dem Tränengas habe der Mann sich nicht aus der Affäre ziehen können. „Er hat dann Angst um sein Leben gehabt.“ Der Schütze hatte sich vor der erregten Menge in einen Schnellimbiss flüchten müssen.

Journalist als Augenzeuge des Übergriffs

„Das ist ein Bulle“ und „dreckiger Neger“ schrien die Angreifer, berichtete der Journalist und Augenzeuge Philippe Broussard von dem Magazin „L´Express“. „Dutzende von Personen stürmten auf ihn ein und wollten ihn wegen seiner Hautfarbe angreifen“, erklärte Broussard zur Frage, ob dies Notwehr in den „Minuten extremer Gewalt“ gewesen sei.

Der Todesschütze ist in Polizeigewahrsam. Auch von acht Pariser Hooligans, die noch am Abend festgenommen worden waren, hielt die Polizei am Freitag noch fünf wegen „rassistischer und antisemitischer Beleidigungen“ fest, teilte die Pariser Polizeipräfektur mit.

Immer wieder Krach am Prinzenpark-Stadion

Die Polizei hat eine interne Untersuchung eingeleitet. Anhänger des Pariser Clubs sind als gewalttätig bekannt. Es kommt rund um das Prinzenpark-Stadion im Pariser Westen immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen unter Fans, vor allem bei Spielen gegen den „Erzfeind“ Olympique Marseille. Sportminister Jean-François Lamour bedauerte am Freitag das „Klima der Gewalt und Spannungen“, das bei manchen Spielen herrsche, und das dramatische Folgen haben könne.

(ov/dpa)

Quelle mit Video
nucleo


Polizist mit Pistole.

Quelle
~Sangue Verde~
Ein Vorfall, der sicherlich ganz genau aufgeklärt werden muss, bevor man sich eine konkrete Meinung bilden kann.
Andree
Zitat:
Original von Fango
Zitat:
Original von chrisdOof
Man hätte ihn vermöbelt, vieleicht, aber wahrscheinlich nicht tödlich.


Soviel Glück hat der hier in Frankreich nicht gehabt: Video


Die Geschichte ist aber auch schon paar Jahre her und wenn ich es noch richtig im Kopf habe, wurde damals der Kop of Bolougne vom PSG gesperrt, wegen Sicherheitsbedenken, danach kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, wo gezielt hunderte PSG-Fans inkl. BB85 die Polizei und Ordner angriffen, so habe ich dat mal irgendwo gelesen..
Hämster
Moin,

ich hab grade so ein Amateurfilm davon gesehen. Aus so einem Fenster raus.
Also war schon heftig wie die da alles kurz und klein geschlagen haben ...
Märius
Zitat:
Original von Hämster
Moin,

ich hab grade so ein Amateurfilm davon gesehen. Aus so einem Fenster raus.
Also war schon heftig wie die da alles kurz und klein geschlagen haben ...


schön, dass du es gesehen hast, aber trotzdem kann sich nach wie vor keiner ein Bild davon machen. Kannst du das Video nicht online stellen?
bart simpson
ich sag mal so,wenn das nicht noch mal schwere Krawalle nach sich zieht.Es ist erst gerade wieder Ruhe engetretten aber ich könnte mir vorstellen das es wieder so kommt.
Mein Beilet den Angehörigen
MrBonde
Zitat:

Rassismus

„Sie hätten ihn gelyncht“

Nach dem tödlichen Schuß eines Polizisten auf einen Hooligan gerät der französische Fußballverein Paris Saint-Germain (PSG) wegen seiner rassistischen Fans unter Druck. Erboste Anwohner des Prinzenpark-Stadions forderten die Auflösung des Erstliga-Klubs.

Zeitungen attackierten den PSG als „Verein der Schande“ und warfen der Vereinsführung vor, rechtsradikale Gewalttäter zu dulden. „Das ist die düsterste Stunde des PSG“, sagte Klub-Präsident Alain Cayzac. „Ich schäme mich.“ Der PSG-Sicherheitschef Jean-Philippe d'Hallivillée gestand ein, daß das Gewaltproblem bei den Fanklubs nicht gelöst sei, wies eine Verantwortung des Vereins aber zurück. „Das ist die Tat einer Minderheit“, sagte er dem „Parisien“ (Samstag-Ausgabe). „Wenn 40.000 Menschen zusammenkommen, ist man niemals sicher.“ Die Tat habe sich außerhalb des Stadions zugetragen.

Verbot droht

Innenminister Nicolas Sarkozy forderte am Samstag nach einer Krisensitzung mit Fußballvereinen und Pariser Fanklubs die Präfekten auf, Listen mit Störern zu erstellen, die Stadienverbote erhalten sollen. Fanklubs, die in der Sicherheitsfrage nicht mit der Polizei und Justiz kooperieren, sollen verboten werden können. „Wir wollen die rassistischen Elemente aus den Stadien fegen“, sagte Sarkozy. „Wir wollen keine Nazigrüße und keine Affenschreie, wenn schwarze Spieler den Ball berühren.“

Nach dem Uefa-Pokal-Spiel gegen Hapoel Tel Aviv (2:4) am Donnerstag hatten 150 PSG-Fans Jagd auf Anhänger des israelischen Vereins gemacht. Sie hetzten dabei auch einen Polizisten in Zivil, der einen verfolgten französischen Anhänger von Hapoel beschützen wollte. Die gewaltbereiten Fans riefen nach Angaben von Zeugen „Frankreich den Franzosen“ und „dreckiger Jude“ sowie „dreckiger Neger, dich bringen wir um“. Der Polizist wehrte sich zunächst mit Tränengas und gab schließlich einen Schuß ab, der einen 24jährigen tötete. Ein 26jähriger Fans wurde bei dem Vorfall schwer an der Brust verletzt.

Der Pariser Staatsanwalt Jean-Claude Marin bescheinigte dem Polizisten eine „bemerkenswerte Kaltblütigkeit“. Der Beamte habe beim Schutz des jüdischen Fans Mut bewiesen und nur einmal gefeuert, nachdem er einen Tritt in den Bauch bekommen und zu Boden geworfen worden sei. Gegen ihn wurde wie in solchen Fällen in Frankreich üblich ein Ermittlungsverfahren wegen „tödlicher Gewalt mit Waffen“ im Zustand „legitimer Selbstverteidigung“ eingeleitet. „Angesichts einer unmittelbaren großen Gefahr hat der Polizist seine Waffe bewußt zur Selbstverteidigung eingesetzt“, sagte Staatsanwalt Marin. „Man kann von der Wahrscheinlichkeit einer legitimen Selbstverteidigung angesichts einer Horde erregter und extrem aggressiver Personen ausgehen.“

Täter in Haft

Der Polizist sowie mehrere Gewalttäter wurden vorläufig inhaftiert. D'Hallivillée erklärte, die identifizierten Gewalttäter erhielten Stadionverbot. Der Verein habe im Stadion durchgegriffen. Deshalb verlagere sich die Gewalt nach außen. Marin erklärte, die Behörden hätten die Uefa-Pokal-Begegnung „als Risikospiel eingeschätzt“ und 700 Polizisten aufgeboten gehabt.

Rund um das Prinzenpark-Stadion des PSG im Pariser Westen kommt es regelmäßig zu Ausschreitungen miteinander verfeindeter Fanklubs. Der Sportpolitiker der Stadt Paris, Pascal Cherki, forderte am Samstag die „Reinigung der Boulogne-Tribüne“, wo die härtesten Fangruppen sitzen. „Der PSG muß sich die Frage stellen, ob er nicht lieber bis zum Saisonende vor einer leeren Boulogne-Tribüne spielen will“, sagte Cherki. „Wenn der Polizist nicht eingegriffen hätte, hätten wir erlebt, wie ein Jude gelyncht wird.“ Der PSG hat sich 2004 in einem Sicherheitsvertrag mit der Stadt Paris verpflichtet, Gewalttaten von Fans zu ahnden.

Text: FAZ.NET
Hämster
Zitat:
Original von Märius
Zitat:
Original von Hämster
Moin,

ich hab grade so ein Amateurfilm davon gesehen. Aus so einem Fenster raus.
Also war schon heftig wie die da alles kurz und klein geschlagen haben ...


schön, dass du es gesehen hast, aber trotzdem kann sich nach wie vor keiner ein Bild davon machen. Kannst du das Video nicht online stellen?



Sry, war im TV
Steve
Zitat:
Original von Flomf
Mich erinnert das an diesen Vorfall beim G8 Gipfel in Genua(?) vor ein paar Jahren. Da saß ein Polizist alleine im Auto, wurde vom "schwarzen Block" angegriffen, das AUto mit Steinen und Molotows beworfen, und er hat dann einfach in die Menge geschossen. Klarer Fall von Notwehr meiner meinung nach.


das war nicht ganz so, wie du das schilderst. aber ist auch nicht das thema. zum thema reichen die von mrbonde fett markierten stellen.
nucleo
Zitat:
Frankreich

... und dann ist plötzlich ein Schuss zu hören

Philippe Broussard ist der Hooligan-Experte der Pariser Zeitung "l'Express". Er hat die Schüsse nach dem Uefa-Cup-Spiel aus nächster Nähe erlebt. In einem atemberaubenden Bericht in seiner Zeitung beschreibt er das Drama in Paris. Für WELT.de hat Katrin Scheib übersetzt.

Von Philippe Broussard

Nach dem Spiel ging ich zur Porte de Saint-Cloud, 300 Meter vom Prinzenpark entfernt. Denn der Ausgang der Begegnung (eine Niederlage für PSG) und die Anwesenheit von mindestens 15.000 Tel-Aviv-Anhängern, Franzosen wie Israelis, ließ Zusammenstöße mit der gewalttätigsten Gruppe unter den PSG-Fans befürchten.

Gegen 22.50 Uhr, als ich gerade an der Metrostation Porte de Saint-Cloud ankomme, gibt es die ersten Zwischenfälle. Einige hundert Pariser, die meisten von ihnen sehr jung, versuchen sich hier und da mit den gegnerischen Fans anzulegen (von denen es hier nur wenige gibt). Die Polizisten rücken vor und drängen sie zurück zum Vorplatz der Porte de Saint-Cloud, einem sehr großen Platz, umgeben von Cafés, Restaurants, einer Kirche, einem großen Busbahnhof und einem Depot der Pariser Verkehrsbetriebe.

Das Spiel ist seit zwanzig Minuten vorbei, aber es ist noch ein Menschenauflauf auf dem Platz. Andererseits kaum Polizisten. Eine überraschende Zurückhaltung angesichts der Tatsache, dass sich in dieser Ecke traditionell die härtesten Paris-Fans treffen: die von der Boulogne-Tribüne, die als empfänglich für rechtsextreme Thesen gelten.

Als ich auf dem Platz ankomme, stürmen einige Paris-Fans in Richtung Busbahnhof, offenbar, weil sie jemanden dorthin verfolgen. Dann kehrt diese Gruppe um und beginnt, aus der Ferne einen Mann zu bedrohen, der in raschem Tempo in der Mitte der Straße läuft. Ich sehe ihn: ein junger Schwarzer, vielleicht 30 Jahre alt, ziemlich groß, der einen beigefarbenen Wollpullover trägt. In der Hand trägt er eine große Spraydose mit Tränengas und versucht, sich der zunehmend aggressiven Masse entgegenzustellen. Allem Anschein nach versucht er, jemanden zu schützen, der sich hinter ihm befindet (später werde ich erfahren, dass es sich wahrscheinlich um einen Fan von Tel Aviv handelte) und ruft immer wieder: „Bleib hinter mir! Bleib hinter mir!“

Die Angreifer beschleunigen ihre Schritte, sie beschimpfen den Mann. Er weicht zurück, erschrickt, versucht nach rechts zu fliehen, verliert seine Spraydose mit dem Tränengas, hebt sie wieder auf, zieht sich wieder zurück. Und die Masse rückt immer weiter vor, einige Dutzend Jugendliche als Vorposten, zwei- oder dreihundert dahinter.

Der junge Schwarze sieht sich um, als ob er nach Hilfe sucht, aber immer noch sind auf dem ganzen Platz keine Polizisten zu sehen. Jetzt muss er fliehen, damit sie ihn nicht lynchen. Er läuft also auf das McDonald’s zu, auf der anderen Seite des Platzes. Links von dem Imbiss ist das riesige Tor des Bahndepots. Dieser Teil des Platzes ist schlecht beleuchtet und könnte ihm keinen Schutz bieten.

In diesem Moment, kurz vor 23 Uhr, geschieht das Drama: Ich bekomme es nicht direkt mit, weil ich noch rund 50 Meter entfernt bin. Aber ich bemerke eine Bewegung in der Masse, als ob der „Flüchtende“ von seinen Angreifern in der Nähe des Depots eingeholt worden ist. „Er hat eine Knarre, er hat eine Knarre“, rufen mehrere Personen. Und dann ist plötzlich ein Schuss zu hören. Ich werfe mich auf den Boden. Ich sehe kein Opfer, aber ich sehe, dass der Mann sich ins McDonald’s hat retten können, wo mehrere Gäste sitzen.

Seine Verfolger haben ihn gesehen. Sie stürmen den Imbiss, treten die Scheiben ein. Drinnen zieht der junge Mann eine Waffe. Zum ersten Mal sehe ich sie. Dann zeiht er ein Funkgerät. Erst da verstehe ich, dass es sich um einen Polizisten handelt. „Das ist ein Bulle, das ist ein Bulle“, rufen die Angreifer, die auch erst gerade festzustellen scheinen, dass sie es mit einem Polizisten zu tun haben. Andere schreien weiter „dreckiger Neger“ oder „„Blau, weiß, rot – Frankreich den Franzosen“. Rassistischer Hass, verzehnfacht durch ein Gerücht, das sich schnell verbreitet: Bei dem Schuss soll es einen „Schwerverletzten“ gegeben haben. Zunächst halte ich das noch für ein Gerücht.

Die folgenden Minuten sind extrem gewalttätig. Der Polizist hält die Waffe in der Faust, richtet sie auf die immer zahlreicheren Angreifer, die sich vor dem McDonald’s zusammenschließen. Er ist natürlich immer noch drinnen, halbwegs geschützt von den Scheiben des Imbiss, die eine nach der anderen nachgeben. Als die Verstärkung auf sich warten lässt, versucht er, mit den Gästen über die Treppe zu fliehen. Die Angreifer versuchen, ins innere des Lokals einzudringen, geben den Versuch aber rasch wieder auf, aus Angst, eingeklemmt zu werden. Insgesamt dauert es gut zehn Minuten, ehe die Polizei eingreift. Eine Ewigkeit. Erst recht am Abend eines Fußballspiels, für das nicht weit entfernt mehr als 600 Mann mobilisiert wurden.

Auf dem Platz an der Porte de Saint-Cloud herrscht immer noch völliges Durcheinander. Die Fans sind außer sich, sie brüllen: „Jemand ist verletzt, Skandal, jemand ist verletzt!“. Das steigert die Gewalttätigkeit derjenigen, die, seien sie nun Rassisten oder nicht, zu Beginn des Vorfalls noch nicht anwesend waren. Ich sehe den Körper, dort unten, vor dem Seiteneingang des Busdepots. Es scheint sich um einen sehr jungen Mann zu handeln. Einige Jungs von der Boulogne-Tribüne versuchen, ihm zu helfen, indem sie ihm mit Wasser das Gesicht abwischen. Sie sagen, er sei in den Oberkörper getroffen worden. In völliger Panik erzählen sie, dass sie den Rettungsdienst gerufen haben, aber keiner kommt. Auch ich versuche, Hilfe zu rufen, aber Feuerwehr und Krankenwagen brauchen ebenfalls mehrere Minuten.

Diese Verzögerung lässt sich mit der angespannten Situation rund um das McDonald’s-Lokal erklären – die Eingreiftruppen versprühen Tränengas – aber es ist dennoch überraschend, dass am Abend eines Spiels, drei Fußminuten vom stark bewachten Stadion entfernt, die Rettungskräfte mehr als zehn Minuten brauchen, um zu handeln. Dabei muss man klarstellen: Zu keinem Moment versuchen die PSG-Fans, die Retter anzugreifen, sie machen vielmehr Platz, um ihnen den Einsatz zu erleichtern.

Inzwischen ist es 23.12 Uhr. Die Rettungsleute bringen den Verletzten ins Innere des Depots, aus dem Blickfeld der Massen, und versuchen ihn zu retten. Einige Minuten später erfahre ich, dass er tot ist. Er hieß Mounir, war regelmäßig auf der Boulogne-Tribüne. Nach Angaben der Polizeikräfte von der allgemeinen Auskunftstelle der Pariser Präfektur, Experten für die Hooliganszene, galt er als einer der „Independants“ (Unabhängigen), die gewalttätigste Gruppe unter den Fans des Hauptstadtklubs.

Gleichzeitig erfahre ich, dass ein anderer, etwa 25 Jahre alter Fan von einer Kugel getroffen worden ist – ein Lungenschuss. Er wird im „Trois Obus“, der Gaststätte nebenan, behandelt. Offenbar kam auch er regelmäßig auf die Boulogne-Tribüne. Wenn er auch ernsthaft verletzt ist, ist doch sein Leben nicht in Gefahr. Hat es also einen zweiten Schuss gegeben? Ich für meinen Teil habe nur einen gehört. Genauso, nach allem was ich weiß, die anderen Anwesenden. Die Ermittlungen werden zeigen, ob dieselbe Kugel zwei Menschen verletzt hat, und wo sich die beiden befanden, als sie getroffen wurden.

Ab 23.30 Uhr haben die Ordnungskräfte das Viertel wieder unter Kontrolle. Sie sichern das Mc Donald’s, in dem sich immer noch der Urheber des Schusses oder der Schüsse und die anderen Gäste verkrochen haben. Polizeiobrige erscheinen vor Ort: Der Führungsstab der Kriminalpolizei, der Präfekt, und zuletzt die Ermittler der IGS, der Polizei in der Polizei. Letztere übernehmen einen Fall, wenn ein Polizist beteiligt ist.

„Wir haben nichts, wir beginnen bei Null“, sagt ein hoher Beamter von der Pariser Generalstaatsanwaltschaft sichtlich ratlos. Er weiß, dass sie Ermittlungen schwierig werden. Mit entscheidenden Fragen: Wurde der Polizist von den betroffenen Männern direkt bedroht? Trug er eine Polizei-Armbinde oder nicht? Kann man es so bewerten, dass er aus Notwehr handelte? Fest steht nur: Mehrere Dutzend Menschen haben sich auf ihn gestürzt und wollten ihn wegen seiner Hautfarbe angreifen.

Jetzt ist es 1 Uhr morgens. Im ersten Stock des Mc Donald’s wird der junge Polizist von einem Kollegen von der IGS befragt. Er ist dort, mit den Händen auf dem Tisch, der Blick verloren, wie fortgerissen von einem Drama, das ihn überfordert. Draußen hat sich die Aufregung gelegt. Der Verletzte aus dem „Trois Obus“ ist ins Krankenhaus gebracht worden. Im Bahndepot liegt der Körper von Mounir unter einem weißen Tuch.


Quelle: http://www.welt.de/data/2006/11/24/1123134.html

Noch ein Link: http://www.boulogne-boys.org/


GWG


stefan
Bibi86
http://www.pariscasuals.com/html/accueil.php


für die Französischexperten unter uns...
Bremer-Jung
verstehe dien Text nicht und daher auch wohl die Videos nciht warum brennt der wagen ? worum geht das ganze ?
mazzo
Zitat:
Original von Bibi86
http://www.pariscasuals.com/html/accueil.php


für die Französischexperten unter uns...


im kurisv geschrieben Absatz "Nouveau temoinage" (Neuer Zeugenbericht) wird sich mehr oder weniger darüber beschwert, dass der Polizist nicht als solcher erkennbar war und er auch nicht ankündigte, eine scharfe Waffe in der Hand zu halten. Angeblich haben auch "nur" 5-6 Leute den Polizisten direkt angegangen.

Nach dieser Aussage rechtfertigt ein Gruppenangriff auf einen Einzelnen keinerlei Gegenwehr und die Schuld ist natürlich beim Angegriffenen zu suchen...
Fango
Zitat:
Frankreich greift durch

Paris - Nach dem gewaltsamen Tod eines Fans von Paris Saint-Germain (PSG) bei rassistischen Ausschreitungen nach einem Fußballspiel greift Frankreich hart gegen Hooligans durch. Die Sanktionen reichen von schnelleren Stadienverboten für Störer bis zu Spielen vor leeren Rängen für Vereine, die Randalierer nicht unter Kontrolle bringen. Fanclubs, die nicht mit Justiz und Polizei kooperieren, sollen verboten werden. „Wir wollen die rassistischen Elemente aus den Stadien fegen“, sagte Innenminister Nicolas Sarkozy am Samstag. „Wir wollen keine Nazi-Grüße und keine Affenschreie, wenn schwarze Spieler den Ball berühren.“

Sarkozy hatte am Samstag mit Vertretern der Liga, des PSG und der Fanclubs über die Sicherheit bei Fußballspielen gesprochen. Darunter waren auch die als gewaltbereit bekannten Boulogne Boys, deren Chef bereits Stadionverbot in Paris hat und deren Mitglied Julien Q. (24) bei den Ausschreitungen am Donnerstag von einem Polizisten erschossen worden war. Die Fanclubs wollten den harten Kurs nicht kommentieren. PSG-Chef Alain Cayzac erklärte: „Diese Maßnahmen hätten schon längst ergriffen werden müssen.“ Er werde die „Geißel des Rassismus und Antisemitismus beim PSG“ bekämpfen. Wenn er das nicht schaffe, werde er die Konsequenzen ziehen.

Als „düsterste Stunde des PSG“ bezeichnete Cayzac die Krawalle nach dem Uefa-Cup-Spiel gegen Hapoel Tel Aviv (2:4) am Donnerstag. Während die israelischen Fans noch im Schutz der Polizei im Stadion saßen, hatten PSG-Fans vor den Toren Jagd auf jüdische Anhänger des israelischen Vereins gemacht. Dabei hetzten sie auch einen schwarzen Polizisten, der einen verfolgten Juden beschützen wollte. Der Beamte war in Zivil und alleine, weil er nur als Fahrer eingeteilt war.

Die Rowdys riefen „Frankreich den Franzosen“, „dreckiger Jude“ und „dreckiger Neger, dich bringen wir um“. Der Polizist wurde in den Bauch getreten und zu Boden geworfen. Er wehrte sich erst mit Tränengas und gab am Ende einen Schuss aus seiner Dienstwaffe ab. Die Kugel durchschlug die Lunge eines 26-jährigen „Boulogne Boys“ und traf Julien Q. tödlich ins Herz. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen den Polizisten Vorermittlungen wegen des Todesschusses ein, bescheinigte ihm aber eine „bemerkenswerte Kaltblütigkeit“ in einer Notwehrlage gegen eine aufgebrachte Menge.

Der wenig beliebte und nach einer Serie schlechter Spiele heftig kritisierte PSG steht nach dem Todesschuss stark unter Druck. Erboste Anwohner des Prinzenpark-Stadions forderten sogar die Auflösung des Erstliga-Clubs. Zeitungen attackierten den PSG als „Verein der Schande“, der rechtsradikale Gewalttäter dulde. PSG-Sicherheitschef Jean-Philippe d’Hallivillée hielt dagegen, es habe sich um „die Tat einer Minderheit“ gehandelt. „Wenn 40.000 Menschen zusammenkommen, ist man niemals sicher“, sagte er. Der Verein habe im Stadion durchgegriffen. Auch die Behörden hatten die Uefa-Pokal-Begegnung „als Risikospiel“ eingeschätzt und 700 Polizisten aufgeboten.

WELT.de/dpa


Zitat:
Nazigrüße und Affenlaute

Ausschreitungen nach einem Fußballspiel, fremdenfeindliche Äußerungen von Politiker: Die Situation in Frankreich ist angespannt. Dort beklagen die Politiker Rassismus und fürchten Jean-Marie Le Pen. Laut Umfragen möchte ihn fast jeder fünfte Franzose zum Präsident wählen.

Dies hätte auch Jean-Marie Le Pen, der Führer der rechtsextremen Partei Front National, sagen können: „Wenn ich manche Fußballmannschaften sehe, dann wird mir übel.“ In der französischen Nationalelf seien neun schwarze Spieler, viel zu viele, denn „demnach wären die Weißen alle Nieten“. Es ist der Sozialist Georges Frêches, der solche Töne anschlägt.

Er ist Präsident der Region Languedoc-Roussillon und hat wegen ähnlicher Äußerungen schon mehrere Parteistrafen hinnehmen müssen. Diesmal sah sich selbst Frankreichs Präsident Jacques Chirac veranlasst, das Selbstverständliche erneut zu betonen: „Die Republik garantiert die Gleichheit ihrer Bürger ohne Ansehen von Religion oder Herkunft.“

Nach dem Tod eines Fußballfans, der am Donnerstag voriger Woche nach einem Uefa-Cup-Spiel von einem Polizisten erschossen wurde, steht das Thema Rassismus und Fußball schon wieder auf dem Spielplan. Vieles spricht dafür, dass der Todesschütze Antoine Granomort in „legitimer Notwehr“ gehandelt hat.

Der Vorfall ereignete sich nach der Begegnung von Paris-Saint-Germain (PSG) gegen den israelischen Verein Hapoël Tel Aviv am Pariser Stadion Parc des Princes. Der Beamte Granomort, 32 Jahre alt, ist seit dem Wochenende nach kurzem Polizeigewahrsam wieder auf freiem Fuß. Er ist von dunkler Hautfarbe, stammt aus Martinique.

„Du dreckiger Neger, wir machen dich fertig, wir bringen dich um“, hatte ihn ein Mob bedrängt, als er sich schützend vor einen einzelnen Anhänger des israelischen Vereins gestellt hatte. Während der Block der Tel-Aviv-Anhänger sicher aus dem Stadion geleitet wurde, war der Franzose Yanniv Hazout auf sich gestellt. Auch er war von der Meute bedroht und beschimpft worden: „Dreckiger Jude“.

Erschreckt sehen viele Franzosen, dass der Fußball eine rassistische Seite hat. Schon während der WM-Tage hatte Jean-Marie Le Pen vor Parteifreunden gesagt, die Franzosen könnten sich nicht länger mit ihrer Elf identifizieren - wegen der vielen Schwarzen. Dabei ist durchaus möglich, dass Le Pen die Überfremdungsängste einer starken schweigenden Minderheit artikuliert.

Denn in einem Segment der Bevölkerung ist die Popularität des Chefs der Nationalen Front ungebrochen. Jüngste Umfragen zeigen, dass ihn derzeit 17 Prozent der Franzosen zum Präsidenten wählen würden. Das sind genauso viele wie vor vier Jahren, als er am Ende zwar gegen Chirac verloren, im ersten Wahlgang jedoch den sozialistischen Bewerber aus dem Rennen geworfen hatte.

Wenn also ein Sechstel bis ein Fünftel der Wähler anfällig für Le Pen sind, dann sind dies nicht alles rassistische Rabauken. Le Pens potentielle Wählerschaft reicht weit ins konservative Lager. Denn nur selten zeigt sich der Rassismus so unverstellt wie in manchen französischen Stadien.

Besonders jene PSG-Anhänger, die sich im Fanclub Boulogne Boys zusammengeschlossen haben, haben eine Affinität zur extremen Rechten. Seit gut 15 Jahren haben sie sich auf den PSG-Rängen breitgemacht.

Innenminister Nicolas Sarkozy hat wiederholt Gegenmaßnahmen angekündigt, so auch dieses Mal: „Wir wollen keinen Rassismus mehr in den Stadien, keine Nazigrüße, keine Affenlaute, wenn ein farbiger Spieler am Ball ist“.

Der Mob, der am Donnerstag den Tel-Aviv-Fan bedrängte und den Polizisten bedrohte, schrie auch eine politische Parole: „Le Pen président!“

(SZ vom 27.11.2006)
Bene_NRW
Find ich richtig verantwortungslos, dass man den Namen des Polizisten einfach in Artikel schreibt ...
seoul
Zitat:
Original von Bene_NRW
Find ich richtig verantwortungslos, dass man den Namen des Polizisten einfach in Artikel schreibt ...


Ja dass ist in der tat krass..! Aber ähnliches gab es auch bereits von englischen zeitungen, die unzufrieden mit schiedsrichtern waren und somit die addressen und telefon nummer heraus gaben..!
dudu
Zitat:
Nach Todesschüssen in Paris

Polizei sperrt Teile der Ultras aus

Paris (sid) Nach den Todesschüssen im Anschluss an das
UEFA-Cup-Duell mit Hapoel Tel Aviv (2:4) geht die französische
Polizei rigoros gegen gewaltbereite Anhänger von Paris St. Germain
vor. Am Dienstag ordnete die Polizei die vorläufige Schließung des
Blocks der `Boulogne Boys", eines Teils der Pariser Ultra-Bewegung,
im Prinzenpark-Stadion an.

Ein dunkelhäutiger Zivil-Polizist hatte am Donnerstagabend
einen mutmaßlichen Hooligan erschossen und einen weiteren Fan mit
Schüssen verletzt. Laut Augenzeugenberichten eröffnete der Polizist
das Feuer, nachdem rund 150 Rowdies außerhalb des Stadions Jagd auf
einen israelischen Fan gemacht hatten. Der Offizier war dem Israeli
zu Hilfe gekommen und dadurch selbst zur Zielscheibe der Angriffe
geworden. Unter den `Boulogne Boys" werden offenbar einige der
Täter vermutet.