Andree
Fußball und die heimliche Macht der Farben
Wie das Trikot-Design auf den Gegner wirkt, und warum Orange für Aufbruch steht / Klaus Allofs will es aber nicht kunterbunt
Von unserem Redaktionsmitglied
Maike Albrecht
BREMEN. Die Sinne sind eine trügerische Sache. Sie tricksen, täuschen, fälschen. Nur gut, dass es im Fußball Statistiken gibt. Die halten nach einem Spiel fest, was wirklich passiert ist. Nach der Champions-League-Partie gegen Levski Sofia im Weserstadion beispielsweise standen in der zweiten Halbzeit gerade einmal zwei Minuten Ballbesitz für die Gäste auf der Liste. Da mochte der Zuschauer seinen Augen nicht trauen - gut so, denn genau hier fängt das Verwirrspiel an.Die Bulgaren liefen in einem grellen Gelb auf, gelbe Hosen, gelbe Hemden. Werder hingegen trat im schwarzen Event-Outfit auf den Platz. Die Bremer siegten zwar mit 2:0, doch viele Angriffe endeten im Nichts, was an der Übermacht der Bulgaren zu liegen schien.
Sie waren einfach überall, und der Zuschauer glaubte zeitweise, mindestens 13 Spieler auf dem Feld auszumachen. Eine Sinnestäuschung auch für den Gegner.Heutzutage sind Farben- und Farbkombinationen von Trikots immer wichtiger geworden. Torleute treten dem Gegner plötzlich mit Neon-farbener Kleidung gegenüber, und Werder hat vor drei Jahren gar die Farbe Orange mit ins Trikot-Design aufgenommen. Eine Entscheidung mit Tragweite. "
In dem Jahr, als wir Orange eingeführt haben, sind wir Meister und Pokalsieger geworden", erklärt Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs. "Das Orange steht insgesamt für die Aufbruchstimmung bei Werder." Mutig, offensiv und ungewohnt - so wie Werders Spiel hat sich auch der Verein geändert. Vom Traditionsklub aus der Ära Rehhagel hin zum modernen Unternehmen mit Visionen. Die Erfolge aus der jüngeren Vergangenheit geben diesem Konzept Recht.Allerdings hat die Vereinsführung nicht, wie in Internetforen gemunkelt wird, eine Farbpsychologin beauftragt, bevor das Orange eingeführt wurde. Stattdessen wurde im modebewussten Italien abgekupfert. AS Rom hatte damals schon ein Orange im Trikot. Zusammen mit Ausrüster Kappa wurde das Papageien-Trikot für Werder entworfen. Selbst wenn 2003 Wert auf die psychologische Bedeutung gelegt worden wäre, das Ergebnis wäre wohl dasselbe gewesen. "Vom gestalterischen Wert her ist Orange eine optimale Farbe zu grün und weiß", sagt Gisla Gniech, Professorin der experimentellen Allgemein- und Sozialpsychologie, die zusammen mit Michael Aurel Stadler von der Universität Bremen das Buch "Die Farbe" verfasst hat. Die Symbolik des Werder-Trikots hört sich durchweg positiv an: "Bei Werder ist es so, dass grün, weiß, orange Frische, Jugendlichkeit, Fairness und Spielfreude symbolisieren. Dem Gegner wird signalisiert: Gegen uns sehr ihr alt aus."Die Farbe Orange erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance. Früher verhasst, ist sie heute die Farbe des Aufbruchs.
Die "Orange Revolution" in der Ukraine ist dafür ebenso ein Beispiel wie das Orange beim Bundestagswahlkampf der CDU. Laurenz Meyer, CDU-Generalsekretär von 2000 bis 2004 sagte, Orange sei das "sympathischere Rot", eine Farbe "mit Lustfaktor".Orange ist in der Natur neben rot und gelb auch eine der gefährlichsten Farben. Die aggressivste Kombination aber ist das ehemalige gelb-schwarze Streifendesign von Borussia Dortmund. "Die gegnerische Mannschaft wird sie instinktiv für gefährlich halten", erklärt Gniech. Schließlich schrecken Menschen reflexartig vor gelb-schwarz-gestreiften Wesen zurück. Beispiele: Wespe, Biene, Hummel, Tiger.Zurück zur scheinbaren Übermacht der gelben Bulgaren. Ein einfacher Trick, erklärt Gniech. "Gelb ist eine Farbe, die über den Rand hinaus strahlt." Schwarz hingegen verschwindet in Grün viel mehr. Kein Wunder, dass dicke Menschen gern auf schwarze Kleidung zurückgreifen.Auch das einfarbige, dunkelgrüne Trikot von Werder aus der Saison 2001/2002 war psychologisch gesehen kein Meisterwerk. Keine gute "Figur-Grund-Wirkung" nennt das die Wissenschaftlerin. Klaus Allofs beschreibt es so: ""Da hatte ich den Eindruck, dass wir absolut nicht präsent waren." Von der Tribüne seien die Spieler vor dem grünen Rasen verschwommen. "Entscheidend für mich ist, dass der Gegner einen wahrnimmt, dass sich im Unterbewusstsein festsetzt: Das sind ja mehr als elf oder die sind ja überall."Mit dem Orange mussten sich viele Fans allerdings erst anfreunden. Noch heute gibt es in Bremen die "no-orange"-Bewegung. Die Mitglieder sehen die grün-weißen Vereinsfarben in Gefahr. Allofs kann da beruhigen: "Werder bleibt grün-weiß, das ist keine Frage. Wir wollen auch nicht kunterbunt werden. Tradition ist für einen Club sehr wichtig." Ebenso wichtig sei aber auch das modische Design, denn schließlich sollen die Fans die Trikots gerne tragen und ein modisches Shirt verkauft sich zudem besser, als schlichte Sportkleidung.Modisch und auffallend sind seit einiger Zeit auch die Torwart-Leibchen. Knallrot, rosa oder quietschegelb - ein Hingucker, und genau das sollen sie auch sein. "Neonfarben fokussieren die Aufmerksamkeit und es ist nachgewiesen, dass die Handlung des Menschen dahin geht, wo die Augen sind", sagt Psychologin Gniech. Die Folge: In einer eins-zu-eins-Situation schießt der Stürmer somit eher den Torwart an.Im Handball würden grelle Torwart-Trikots schon seit Jahren benutzt, erklärt Allofs. "Wir haben uns daran orientiert, denn grell kann nicht schlecht sein." Die Farbe sei ein Hilfsmittel die Aufmerksamkeit auf den Torwart zu lenken, sagt Gniech. Das beste Beispiel lieferte jüngst der Cottbuser Torwart Tomislav Piplica. Er lief in Neon-orange auf, selbst die Strümpfe strahlten bis in die oberen Ränge. Vielleicht liegt hier der Grund, warum Werder in der eigenen Arena nicht über ein 1:1 hinaus kam, auch wenn ihm die Bremer in grün-weiß-oranger Jugendlichkeit gegenüberstanden.
Quelle: www.weser-kurier.de
Wie das Trikot-Design auf den Gegner wirkt, und warum Orange für Aufbruch steht / Klaus Allofs will es aber nicht kunterbunt
Von unserem Redaktionsmitglied
Maike Albrecht
BREMEN. Die Sinne sind eine trügerische Sache. Sie tricksen, täuschen, fälschen. Nur gut, dass es im Fußball Statistiken gibt. Die halten nach einem Spiel fest, was wirklich passiert ist. Nach der Champions-League-Partie gegen Levski Sofia im Weserstadion beispielsweise standen in der zweiten Halbzeit gerade einmal zwei Minuten Ballbesitz für die Gäste auf der Liste. Da mochte der Zuschauer seinen Augen nicht trauen - gut so, denn genau hier fängt das Verwirrspiel an.Die Bulgaren liefen in einem grellen Gelb auf, gelbe Hosen, gelbe Hemden. Werder hingegen trat im schwarzen Event-Outfit auf den Platz. Die Bremer siegten zwar mit 2:0, doch viele Angriffe endeten im Nichts, was an der Übermacht der Bulgaren zu liegen schien.
Sie waren einfach überall, und der Zuschauer glaubte zeitweise, mindestens 13 Spieler auf dem Feld auszumachen. Eine Sinnestäuschung auch für den Gegner.Heutzutage sind Farben- und Farbkombinationen von Trikots immer wichtiger geworden. Torleute treten dem Gegner plötzlich mit Neon-farbener Kleidung gegenüber, und Werder hat vor drei Jahren gar die Farbe Orange mit ins Trikot-Design aufgenommen. Eine Entscheidung mit Tragweite. "
In dem Jahr, als wir Orange eingeführt haben, sind wir Meister und Pokalsieger geworden", erklärt Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs. "Das Orange steht insgesamt für die Aufbruchstimmung bei Werder." Mutig, offensiv und ungewohnt - so wie Werders Spiel hat sich auch der Verein geändert. Vom Traditionsklub aus der Ära Rehhagel hin zum modernen Unternehmen mit Visionen. Die Erfolge aus der jüngeren Vergangenheit geben diesem Konzept Recht.Allerdings hat die Vereinsführung nicht, wie in Internetforen gemunkelt wird, eine Farbpsychologin beauftragt, bevor das Orange eingeführt wurde. Stattdessen wurde im modebewussten Italien abgekupfert. AS Rom hatte damals schon ein Orange im Trikot. Zusammen mit Ausrüster Kappa wurde das Papageien-Trikot für Werder entworfen. Selbst wenn 2003 Wert auf die psychologische Bedeutung gelegt worden wäre, das Ergebnis wäre wohl dasselbe gewesen. "Vom gestalterischen Wert her ist Orange eine optimale Farbe zu grün und weiß", sagt Gisla Gniech, Professorin der experimentellen Allgemein- und Sozialpsychologie, die zusammen mit Michael Aurel Stadler von der Universität Bremen das Buch "Die Farbe" verfasst hat. Die Symbolik des Werder-Trikots hört sich durchweg positiv an: "Bei Werder ist es so, dass grün, weiß, orange Frische, Jugendlichkeit, Fairness und Spielfreude symbolisieren. Dem Gegner wird signalisiert: Gegen uns sehr ihr alt aus."Die Farbe Orange erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance. Früher verhasst, ist sie heute die Farbe des Aufbruchs.
Die "Orange Revolution" in der Ukraine ist dafür ebenso ein Beispiel wie das Orange beim Bundestagswahlkampf der CDU. Laurenz Meyer, CDU-Generalsekretär von 2000 bis 2004 sagte, Orange sei das "sympathischere Rot", eine Farbe "mit Lustfaktor".Orange ist in der Natur neben rot und gelb auch eine der gefährlichsten Farben. Die aggressivste Kombination aber ist das ehemalige gelb-schwarze Streifendesign von Borussia Dortmund. "Die gegnerische Mannschaft wird sie instinktiv für gefährlich halten", erklärt Gniech. Schließlich schrecken Menschen reflexartig vor gelb-schwarz-gestreiften Wesen zurück. Beispiele: Wespe, Biene, Hummel, Tiger.Zurück zur scheinbaren Übermacht der gelben Bulgaren. Ein einfacher Trick, erklärt Gniech. "Gelb ist eine Farbe, die über den Rand hinaus strahlt." Schwarz hingegen verschwindet in Grün viel mehr. Kein Wunder, dass dicke Menschen gern auf schwarze Kleidung zurückgreifen.Auch das einfarbige, dunkelgrüne Trikot von Werder aus der Saison 2001/2002 war psychologisch gesehen kein Meisterwerk. Keine gute "Figur-Grund-Wirkung" nennt das die Wissenschaftlerin. Klaus Allofs beschreibt es so: ""Da hatte ich den Eindruck, dass wir absolut nicht präsent waren." Von der Tribüne seien die Spieler vor dem grünen Rasen verschwommen. "Entscheidend für mich ist, dass der Gegner einen wahrnimmt, dass sich im Unterbewusstsein festsetzt: Das sind ja mehr als elf oder die sind ja überall."Mit dem Orange mussten sich viele Fans allerdings erst anfreunden. Noch heute gibt es in Bremen die "no-orange"-Bewegung. Die Mitglieder sehen die grün-weißen Vereinsfarben in Gefahr. Allofs kann da beruhigen: "Werder bleibt grün-weiß, das ist keine Frage. Wir wollen auch nicht kunterbunt werden. Tradition ist für einen Club sehr wichtig." Ebenso wichtig sei aber auch das modische Design, denn schließlich sollen die Fans die Trikots gerne tragen und ein modisches Shirt verkauft sich zudem besser, als schlichte Sportkleidung.Modisch und auffallend sind seit einiger Zeit auch die Torwart-Leibchen. Knallrot, rosa oder quietschegelb - ein Hingucker, und genau das sollen sie auch sein. "Neonfarben fokussieren die Aufmerksamkeit und es ist nachgewiesen, dass die Handlung des Menschen dahin geht, wo die Augen sind", sagt Psychologin Gniech. Die Folge: In einer eins-zu-eins-Situation schießt der Stürmer somit eher den Torwart an.Im Handball würden grelle Torwart-Trikots schon seit Jahren benutzt, erklärt Allofs. "Wir haben uns daran orientiert, denn grell kann nicht schlecht sein." Die Farbe sei ein Hilfsmittel die Aufmerksamkeit auf den Torwart zu lenken, sagt Gniech. Das beste Beispiel lieferte jüngst der Cottbuser Torwart Tomislav Piplica. Er lief in Neon-orange auf, selbst die Strümpfe strahlten bis in die oberen Ränge. Vielleicht liegt hier der Grund, warum Werder in der eigenen Arena nicht über ein 1:1 hinaus kam, auch wenn ihm die Bremer in grün-weiß-oranger Jugendlichkeit gegenüberstanden.
Quelle: www.weser-kurier.de

was für ein post
aber ich denke, bzw. hoffe das wird noch