Mehr Mehrwertsteuer für mehr Grüne beim Fußball?

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Mehr Mehrwertsteuer für mehr Grüne beim Fußball?

Würzburg / Schweinfurt (10.09.2006) – Das Vorgehen der Polizei am Samstag beim Spiel des FC Schweinfurt 05 bei den Würzburger Kickers veranlasste Michael Horling zu folgendem Kommentar:

„2007 werden also die Mehrwertsteuer erhöht. Ich weiß jetzt wofür: Damit noch mehr Polizisten auf Staatskosten Samstag für Samstag in Nordfranken Fußball schauen dürfen. Die Spiele des FC Schweinfurt 05 nämlich!

Der letzte Samstag, kurz nach 14 Uhr kurz vor dem Würzburger Dallenberg: Vier Fans der Schnüdel, alle über 30 und mitfiebernde, jedoch auch eher am Rande stehende Anhänger, darunter der Autor dieser Zeilen, trudeln bereits eine Stunde vor dem Anpfiff des Derbys ein, stellen ihr Auto ein paar Meter neben dem Dallenberg ab, laufen zu Fuß Richtung Stadion. Und gleich am ersten Polizeiwagen vorbei.

„Personenkontrolle" heißt es da gleich mal. Vier Beamte stehen neben ihrem kleinen Bus in den Farben der Schnüdel. Was sie ebenso sympathisch macht wie die mögliche Konversation bei der Sichtung der Ausweise. Der von Herrn C ist zwar bereits abgelaufen, was ein bisschen Diskussionsstoff bringt, doch die Rucksäcke der scheinbar doch irgendwie wie Hooligans aussehenden vier Fußballanhänger sind relativ schnell durchsucht, die Neugier der Polizisten recht rasch gestillt. Die bekommen als kleinen Tipp noch mit auf den Weg, den letzte Saison von den Würzburger Kickers beauftragten Security-Dienst ein bisschen mehr in Augenschein zu nehmen als die wohl erwartet wilden Fans des FC. Denn die Rangeleien beim Derby im Juli 2005 entwickelten sich nur durch das unkontrollierte einschreiten der übereifrigen Wachleute.

Unserer Laune hat die Untersuchung keinen Abbruch getan. Schnellen Schritte geht es nun Richtung Kassenhäuschen. Doch es ist eigentlich immer noch viel zu früh, um den Dallenberg zu betreten. Also ratschen wir ein wenig vor dem Eingang. Und da passiert es: Der nächste grün-weiße Bus kommt, wieder ohne Anhänger des FC 05 an Bord, sondern mit einer weiterer Delegation von Freunden und Helfern. „Personenkontrolle", sagt der diesmal nicht mehr ganz so sympathische, groß gewachsene und mit wenig Haaren ausgestattete Beamte. Unsere wohl verständlichen ersten Proteste, wonach es ja nicht sein könne, binnen weniger Minuten innerhalb 100 Metern zwei Mal durchsucht zu werden, entgegnet der Staatsdiener diesmal mit recht harschen Worten. Unser Hinweis, man möge sich da doch ein bisschen besser absprechen, fruchtet nicht. Wieder gehen die Auswiese in fremde Hände, diesmal nimmt einer der Polizisten sie sogar zum Wagen mit, ein anderer kontrolliert sogar die Fototasche des Schreibers dieser Zeilen äußerst pingelig.

In Wort ergibt das andere. Freundlich ist der Ton nicht unbedingt. „Wir wollen doch alle nur ein schönes Fußballspiel sehen", klingt dem Autor dieses Textes noch nach Stunden in den Ohren. Gesagt hat es einer der Beamten. Doch während der normale Fan dafür seinen Eintritt zahlt, schauen die Staatsbediensteten umsonst zu und bekommen dafür auch noch ihr Gehalt. „Die sollen die wahren Verbrecher jagen", meint einer von uns. Ein weiterer Protest von Andreas, wonach zwei Kontrollen harmloser Fußballanhänger ja wohl wirklich ein Witz seien, beantwortet einer der Polizisten mit einem weiteren: Sollte er weiter so aggressiv bleiben, drohe eine Sicherheitsverwahrung. Das Spiel könne er sich dann abschreiben. Aha, so weit sind wir also schon!

Lustig wurde es dann nach dem passieren der Kassenhäuschen: Die Ordner der Würzburger Kickers wollten doch tatsächlich gleich nochmals einen Blick in unsere Rucksäcke werfen! Der entsprechende Hinweis, wonach das heute schon mehrfach der Fall gewesen sein, hält sie dann doch davon ab. Gut so.

Bemerkenswert am Rande: Während der Partie kam es zu keinerlei Vorfällen. Dafür kontrollierten die Beamten am Eingang der Stadiongaststätte nach dem Abpfiff streng, wer denn da Einlass begehrte. Bemerkenswert auch: Den für den Internetauftritt der Schnüdel zuständigen Anhänger wollte man gleich gar nicht ins Stadion lassen. Die Vorstandsmitglieder Edgar Gleinser und Jürgen Marten legten aber ein gutes ort ein und sorgten dafür, dass das dann doch noch klappte.

Übrigens: 2007 steht das letzte Match der Schnüdel in dieser Saison beim FC Sand an. Sollte es da um noch etwas gehen, droht im Seestadion allemal eine Übermacht der Grün-Weißen und damit auch ein guter Besuch der Grünen. Doch bis dahin ist ja die Mehrwertsteuer längst erhöht, hat der Staat wieder mehr finanzielle Freiräume für personell erhöhte Einsatztruppen für angenehme Dienststunden an sonnigen Fußball-Nachmittagen in freier Natur."

Quelle: swex.de