Sinn und Unsinn eines Fan-Projektes in Bremen

Suffältester
Ok, hab dann mal versucht die Punkte aus meiner Sicht mit Leben zu füllen:

Arbeitsebenen

Die Arbeit des Fan-Projekt Bremen, die Teil der kommunalen Jugendarbeit ist, läßt sich in 5 Ebenen darstellen:

1. Aufsuchende Jugendarbeit

Es werden die verschiedenen Fan-Gruppen im Stadion, an ihren Treffpunkten und unterwegs aufgesucht, um die Situation der Fans einschätzen zu können, Kontakte zu knüpfen, bei Problemen zu helfen und Angebote zu offerieren.

Aufsuchen? Na ja ab und zu fahren FP-Mitarbeiter in Fan-Bussen oder in Zügen mit. Von großen aufsuchen kann da keine rede sein. Eher müssen die Fans die FPler suchen

2. Offene Jugendarbeit

Den Fans werden verschiedenste Möglichkeiten für eigene Aktivitäten, Freizeitbeschäftigung und Weiterbildung angeboten: Reisen, Fan-Begegnung, Foto, Video, Fußballturniere, Musik, Computer, Zeitung, Partys und Veranstaltungen.

Es werden zu internationalen Spielen sogenannte Fan-Begegnugen organisiert. Wobei da am wenigsten die jugendlichen Fangruppen mit getroffen werden.
Dazu gibt es halt noch U167U18-fahrten vom fp organisiert aus. Foto und Video wüsste ich nicht das da was geschieht ebenso wenig Zeitung und Musik.
Fußballturnier ist vielleicht die Teilnahme einer FP-Mannschaft am Fanturnier in Berlin gemeint.
Computer steht einer im Sitzungszimmer des OKS und kann wohl von Fans genutzt werden.
Partys und Veranstaltungen können halt im OKS stattfinden.

3. Moderation

Hier versucht das Fan-Projekt zwischen der "Welt der Fans" und der "Welt der Erwachsenen" zu vermitteln, wie beispielsweise dem SV Werder, der Polizei, dem Ordnerdienst und den Medien.

Ab und zu gibt es halt diskussionsrunden welche vom Fanprojekt organisiert werden. Vielleicht jeweils so 2-3 öffentliche und in der gleichen Anzahl nichtöffentliche pro Jahr.
4. Hilfe zur Selbsthilfe

Hier werden die Aktivitäten der Fans (Fanzine, Kurvenshow, Fan-Clubs, Turniere, Treffen, Veranstaltungen) unterstützt.

Nach Absprache mit demFP steht der OKS halt Fans zur Verfügung zur Vorbereitung von Stadionaktivitäten. Weiter ist der Punkt nicht füllbar.
5. Einzelfallhilfe

Hier finden die Fans mit ihren Sorgen oder Nöten Gehör und werden eventuell auch an entsprechende fachliche Einrichtungen vermittelt

Geht zumindest dabei um Hilfe bei drohenden Stadionverboten und vielleicht auch sonstiger Anliegen.
FanProjektBremen
Wie wir festgestellt haben, wird bei euch über „Sinn und Unsinn von Fan-Projekten“ diskutiert. Wir finden die Diskussion gut und begrüßen sie, kann sie doch zu einer Klärung über die Aufgaben und Ziele von Fan-Projekten, insbesondere des Fan-Projekts Bremen, beitragen. Hier nun unser aktueller Beitrag zur Diskussion.

Wie ihr sicherlich alle wisst, gibt es Gewalt bei Fans schon seit Ende der 70er Jahre. Trauriger Höhepunkt ist der Tod des Werder-Fans Adrian Maleika. Wahrgenommen von der Öffentlichkeit wurden die Fans deshalb als „Schläger“, „Trinker“, „Krakeeler“ und „Unbelehrbare“ oder „Rechte“. Dies änderte sich als eine Gruppe von Studenten von der Universität Bremen zusammen mit dem Hochschullehrer Narciss Göbbel zu den Fans gingen und feststellten, dass dies so nicht der Fall ist. Sie stellten fest, dass die Ursachen der Probleme zum einen auf die damalige Situation im Fußball zurückzuführen war (Verdrängung von den Stehplätzen der Gegengraden in die Kurven, Preiserhöhungen, Unterhöhlung der Fan-Rituale durch Zäune, Ordnungspolitik und Fantrennungen sowie nur wenig bis keine Anerkennung durch die Vereine und ihrer Spieler) gegen die die Fans sich auflehnten. Gerechterweise muss man aber auch sagen, dass die Fans nicht nur „Opfer“ waren, sondern selber auch einen Beitrag zur ihrer unglücklichen Situation leisteten. Um also die Lage insgesamt zu verbessern, blieben Göbbel und seine Studenten nicht im Elfenbeinturm der Universität sitzen, sondern entwickelten eine Jugendarbeit mit Fußballfans, die heute in fast allen Bundesligastätten stattfindet und folgende Ziele beinhaltet: Eindämmung von Gewalt, Abbau extremistischer Orientierungen, Unterstützung von Fan-Gruppen, Verbesserung der Situation und des Ansehens der Fans, Verbesserung des Verhältnisses zwischen Fans und Verein.

Aufgaben der Fan-Projekte heute sind: Aufsuchen der Fans (Stadion, Unterwegs, Treffpunkte), Organisation von Jugendbegegnungen (z.B. Fanfeste mit ausländischen Fans im OstKurvenSaal), Bildungsarbeit (z.B. Diskussionsveranstaltungen im OstKurven-Saal), kulturpädagogische Arbeit (z.B. Gestaltung des Fan-Zentrums), Einzelhilfen und Beratung (z.B. bei Stadionverboten), Freizeitangebote (z.B. Kicken oder Feiern im OstKurvenSaal), Unterstützung der Selbstorganisationen der Fußballfans (z.B. Dach-verband Bremer Fan-Clubs, Baff, Fan-Clubs und Ultragruppen) Dokumentation der Entwicklungen der Fanszenen (z.B. Videofilm „Wir kriegen die Kurve“) und Öffentlichkeitsarbeit (z.B. zur Verbesserung des Ansehens der Fans).

Als „Bremer Besonderheit“ kommt hinzu, dass das Fan-Projekt Ende der 80er Jahre erfuhr, dass die Stehplätze in den Fan-Kurven abgeschafft werden sollten. Dies hätte im Prinzip ein Ende der Fankultur bedeutet. Deshalb entwickelte das Fan-Projekt Bremen zusammen mit interessierten Fans die Initiative „Sitzen ist für’n Arsch“. Diese Initiative erreichte es, mit vielfältigen Aktionen und guten Ideen, dass die Stehplätze nicht nur in Bremen erhalten blie-ben und das die Werder-Fans Räume im Bauch ihrer Kurve bekamen, quasi heute auf dem Dach des Fan-Zentrums stehen.

Finanziert wird das Fan-Projekt Bremen mit zwei Dritteln durch die Stadt und das Land Bremen und zu einem Drittel aus Fernsehgeldern der DFL und des DFB, und mit weiteren Mitteln von Werder Bremen für die Mädchenarbeit. Der OstKurvenSaal wird von uns selbst bewirtschaftet, d.h. wir müssen Energie, Wasser, Einrichtung, Reparatur, Reinigung etc. aus eigenen Mitteln bezahlen! Mit der Übernahme der Räume 1997 haben mehrere Generationen von Fans mit viel Engagement die Räume gestaltet, eingerichtet und darin gearbeitet und gefeiert.

Kein Fan ist verpflichtet mit dem Fan-Projekt zusammenzuarbeiten oder es gut zu finden. Aber wir freuen uns über jeden der Lust hat mitzumachen, uns besuchen kommt, unsere Unterstützung in Anspruch nimmt, uns konstruktiv kritisieren möchte oder sich einfach für uns interessiert. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

Das Mitarbeiterteam des Fan-Projekts Bremen
MrBonde
Stumpfes Gepöbel könnt ihr euch hier sparen, Beiträge gelöscht.

Und zum Thema: War schon recht gespannt als ich sah, dass sich das FP angemeldet hat. Aber anstatt ernsthaft auf die Diskussion einzugehen werft ihr uns so einen Standardinfotext hin, als ob keiner hier bisher irgendwas vom Fanprojekt gewusst hätte und nun dringend informiert werden müsste.
HornsbyHB
Ich gebe Enno da recht. Das kann nur die Grundinfo sein. Vielleicht können
wir in Zukunft ja mit denen, die es wirklich interessiert, gemeinsam mit den
Leuten vom Fan-Projekt konstruktive Manöverkritik machen. Das wäre
etwas anderes, als die Nutzergruppenbesprechung. Oder eine intensivere
Art davon eben mit Leuten, die es wirklich interessiert. So viele haben sich
hier ja auch nicht geäußert, den allermeisten sind Hass-Themen aus auch
für mich naheliegenden Themen wichtiger, weil schlicht realer, greifbarer.
Aber wenn man sich für die Avantgarde der Fan-Szene hält, dann m+üssen
wir dieses Teil auch mit einbauen.
Ist diese Idee etwas wert ? Würde allerdings auch Engagement bedeuten.
MrBonde
Zitat:
Original von HornsbyHB
Ist diese Idee etwas wert ? Würde allerdings auch Engagement bedeuten.


Offenbar wäre das dann auch zuviel.

Samstag fiel mir auf, dass das FP wieder ein kleines Plakat im Vorraum des Saals aufgehängt hat. Darauf werden immer noch die Vorgehensweise und die Verdienste des "Sitzen ist fürn Arsch" Projekts vor gefühlten hundert Jahren thematisiert. Das hat mich doch sehr beeindruckt, dass man nach all der Zeit immer noch nichts anderes vorweisen kann oder möchte. Vielleicht bereiten sie sich ja aber auch auf ihre zweite Sternstunde vor, schließlich steht der nächste Umbau der Ostkurve an.
mazzo
Zitat:
Original von HornsbyHB
@mazzo:
Ich stelle dir aber eine andere Frage: Wenn das alles so schlimm ist (und
es ist schlimm), warum sprechen sich dann so wenige so klar gegen diese
häßliche neue Welt des Fußballs aus ? Warum rebellieren dann nur ganz
wenige Fans wirklich, während die ganz große Mehrheit sich entertainen
läßt ? Wissen die es nicht besser oder wollen sie vielleicht auch gar nichts
anderes ?


Ich hab da inzwischen ne recht ungemütliche These, mag sein dass man mir jetzt Ausgrenzung und Arroganz vorwirft. Dabei meine ich es viel nüchterner und nicht mal als Vorwurf sondern eher als Beschreibung.

Es ist wie mit Pop-Musik. Die Masse mag (und viel wichtiger: kauft) Dieter Bohlen (oder ähnliche Pappnasen), obwohl das ganz objektiv gesehen totaler Müll ist. Was sich gut verkauft wird in aller Regel automatisch als "erfolgreich" bezeichnet, sogar prämiert und wiederholt und nochmal ausgereizt bis es dermaßen nervt, dass nur noch "es ist so scheisse, dass es schon wieder Kult ist" gesagt wird. Und schon gehts weiter. Gegen Dummheit hilft kaum etwas, ausser eben Engagement mit einem dann besseren Vorbild. Um in der Parallele zu bleiben: Es gibt ja auch gute, ehrliche und trotzdem erfolgreiche Musik. Dabei rede ich nicht von Geschmack (über den man nicht ernsthaft streiten kann) sondern von Authentizität und ehrlicher Überzeugung bei den "Machern".

Zum Fussi:
Ich unterstelle den allermeisten Fussballbesuchern, dass sie in erster Linie das Spiel sehen und ihre Mannschaft möglichst gewinnen sehen wollen. Manche, schon viel weniger, wollen auch noch gute Stimmung erleben, bzw. sehen Support untrennbar zum Spiel, evtl. sogar als wichtiger an.
Weitere Haupt-Motivationen sind eher selten (Räuber und Gendarm-Spiele, totales Besäufnis, usw.)

Kurz: Die grosse Masse lässt sich (wie man jedes Jahr besser sehen kann) einiges gefallen, solange der Blick auf den Rasen nicht gestört ist. Die Animation ist schön einfach, weil "man muss es ja allen Rechtmachen". Gemeint ist aber: "Wir machen es der Masse Recht (zumindest protestiert die nicht gegen solche Banalitäten, die sie schon aus TV und Supermarkt kennt), auch wenn wir genau wissen, dass wir es kreativen Leute total Unrecht machen. Aber die sind mit soviel Herzblut dabei, dass die darüber hinwegsehen werden, ja müssen".

Ich hab in der WOL vor einigen Monaten mal geschrieben, dass das Niveau von Arnie und vor allem Stolli bzgl. der Stadionmoderation (und dem lauten Gedudel) so dumm ist, dass ein Publikum, welches dies gutheisst, qualitativ höherwertige Animation auch nicht ablehnen würde, genausowenig wie noch dööfere. Wer sowieso stets annimmt was es gibt, der nimmt auch gutes an. Arnie war jedenfalls not amused und meinte, dass es so schon gar nicht gehe. Also doch weiter in der Spirale der Kommerz-Animation zum Wohle der Fanszene?

Ich meine, es liegt an den Leuten mit entsprechendem Anspruch diesen zu formulieren und sinnvolle(!) Wege zu finden, diesen auch durchzusetzen. Die Masse wird es letztlich Danken. Aber niemals selber mithelfen. Das kann man aus verschiendenen Gründen auch nicht verlangen.

Dazu gehören aber auch Leute an wichtigen "Schaltstellen", die sich vielleicht nicht unbedingt als Fans oder Fanvertreter verstehen, aber sich deswegen noch lange nicht nach dem willigsten Nixchecker richten müssen. Daher ja mein vergeblicher Appel an die Stadionsprecher in der WOL.

Genau an einer dieser Schaltstellen sehe ich aber auch Fanprojekte. Wenn FPs sich im Laufe der Jahre an (übertrieben formuliert) Dieter-Bohlen-Kunden orientieren, und somit diese betreut, ist das ursprüngliche Ziel im Sinne des Erhalts einer friedlichen (aber authenthischen) Fankultur total verfehlt. Man wäre dann nur noch Kindergärtner oder Alternativ-Animateur für die Konsumkids und Handlanger der Fussballkommerzialisierer, also der Werbeindustrie und der Sponsoren.

Zitat:
Mündet in die Frage: Für wen macht man das alles eigentlich ?


Am besten, man macht es in erster Linie für sich selbst und zieht dadurch andere mit und belebt die Gruppe(n). Ansonsten geht man kaputt oder wird zum Zyniker.
Erik
Zitat:
Original von mazzo
Zitat:
Mündet in die Frage: Für wen macht man das alles eigentlich ?


Am besten, man macht es in erster Linie für sich selbst und zieht dadurch andere mit und belebt die Gruppe(n). Ansonsten geht man kaputt oder wird zum Zyniker.


Exactly. Alles andere war auch super. Aber das spricht alles interessante, wegweisende aus.