Hugo Almeida - der leise Riese
Werders neuer Stürmer ist ein schüchterner Typ
Schaaf: "Aber auf dem Platz geht er richtig ab"
BREMEN (Eig. Ber.) Man hätte es hören können, wäre eine Stecknadel zu Boden gefallen. Mucksmäuschenstill klebten die Journalisten gestern mit ihren Ohren an den Worten von Hugo Almeida. Nicht etwa, dass Werders neuer Stürmer bei seiner Vorstellung so überaus spannende Geschichten zu erzählen gehabt hätte. Nein, er war schlichtweg akustisch nicht zu verstehen.
Leise, ja flüsternd, beantwortete der 22-Jährige die Fragen. Besonders wohl schien er sich dabei nicht zu fühlen. Das Ganze war ihm ziemlich unheimlich. Almeida wirkte unsicher, schüchtern, verklemmt, fast schon ein wenig ängstlich. Und damit bestätigte der bullige Sturm-Riese, mit 1,91 Meter Körpergröße und einem Kampfgewicht von 93 Kilo ein wahrer Brecher, so gar nicht das Bild, dass er sonst auf dem Platz abgibt: Kämpferisch, angriffslustig, voller Energie.
"Er ist nicht immer so", beruhigte Trainer Thomas Schaaf mit einem Lächeln und versprach: "Auf dem Platz geht Hugo richtig ab. Das können sie mir glauben." Und Almeida fügte fast schon entschuldigend an: "Sicherlich bin ich allgemein ein ruhiger Typ. Aber ich bin kein Schweiger. Ich mache auch gerne Späße. Aber im Moment ist alles noch sehr neu hier für mich."
Das ist verständlich. Schließlich hat Werder den Stürmer auch wegen seiner fußballerischen Qualitäten und nicht als Medienprofi für zunächst ein Jahr vom FC Porto ausgeliehen. Für rund eine Millionen Euro Gebühr, mit anschließender Kaufoption. "Hugo verkörpert ein Stürmer-Profil, das wir bisher noch nicht hatten", schwärmte Schaaf, der Almeida bei der U 21-EM in Portugal noch einmal gründlich studiert hatte: "Er ist ein kräftiger, sehr kopfballstarker Stürmer, der sich direkt im Zentrum behaupten kann und sich dort auch wohlfühlt. Er kann Bälle halten, hat eine gute Technik und setzt seine Mitspieler ein. Hugo verfügt über eine Qualität, die für sein Alter ungewöhnlich ist. "
Auch Klaus Allofs war froh, dass der Transfer schlussendlich geklappt hat. "In den ersten Wochen sah das doch etwas anders aus. Dann haben wir aber eine Lösung mit Porto gefunden", sagte Werders Sportchef. Das Modell, einen jungen Spieler zunächst auszuleihen und dann die Möglichkeit zu haben, ihn anschließend zu verpflichten, habe sich bewährt, erklärte Allofs: "Die Verpflichtung von Hugo ist die Fortführung unserer Philosophie, junge Spieler mit einer gewissen Erfahrung und Reife zu holen, von denen wir aber überzeugt sind, dass sie noch weiteres Steigerungspotenzial besitzen."
Deswegen hält auch Schaaf große Stücke von seinem Neuen - er erwartet aber gleichzeitig, dass sich Almeida sofort einbringt: "Sicherlich bekommt Hugo die Zeit, um sich einzuleben. Wir werden jetzt aber nichts locker angehen lassen. Wir geben von Beginn an Gas. Wir haben keine Sekunde zu verlieren. Die Konkurrenz ist groß, Hugo muss sich schnell eingewöhnen."
Daher gings am Nachmittag auch gleich mit den Kollegen auf den Trainingsplatz. Da Almeida die erste Vorbereitungswoche verpasst hat, "wird er einige Extra-Einheiten absolvieren, weil er natürlich noch an seiner Fitness arbeiten muss", kündigte Schaaf an.
Als sich Hugo Almeida dann beim Training das erste Mal seinen neuen Kollegen vorstellte, wusste einer von ihnen, dass er deswegen das nächste Jahr wohl nicht mehr in Bremen spielen wird: Aaron Hunt. Der 21-jährige Angreifer soll jetzt ausgeliehen werden, um Spielpraxis zu sammeln. Das ist bereits so mit Allofs besprochen worden. Heißester Kandidat ist Bundesliga-Aufsteiger VfL Bochum.
Quelle: Kreiszeitung
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