Bömmel
Fußballer sind nicht doof
Was Werder Bremen für die (Aus-)Bildung seiner Spieler tut
Fußballer sind doof? Wolf Werner, Nachwuchsmanager des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen, mag darüber nur milde lächeln. Eher das Gegenteil trifft auf unsere Jungs zu. Man müsse sich doch nur mal den Tagesablauf ansehen. Die stehen um 6.30 Uhr auf, gehen zur Schule, zweimal in der Woche wird dazu noch vormittags um 8 Uhr trainiert, dann machen sie nach der Schule Hausaufgaben, nachmittags wird jeden Tag trainiert, um 19.30 Uhr gibt es Essen, um 23 Uhr ist Bettruhe, um 24 Uhr sind alle Fernseher aus.
Das ist das tägliche Programm unserer Jungs im Fußball-Internat das ist exorbitant höher als das eines normalen Schülers. Mit unsere Jungs meint der 64-Jährige all jene jungen Fußballer, die im Nachwuchsbereich des SV Werder von der großen Profikarriere träumen.
Dieser Weg ist möglich. Davon können sich die 18 Schüler mit einem Blick aus dem Internat, das es seit über zehn Jahren gibt und jetzt in der Ostkurve des Weserstadions untergebracht ist, auf den Rasen ihrer Träume überzeugen: Wenn hier samstags Nelson Valdez aus Paraguay, Tim Borowski oder Christian Schulz auflaufen und von den Fans gefeiert werden, ist das bester Anschauungsunterricht. Das sind die Akteure, die den Weg aus dem Werder-Nachwuchs, dem Internat bis nach ganz oben, Bundesliga-Stammspieler und Nationalmannschaft, geschafft haben. Diese Spieler sind natürlich Vorbild, sagt Werner, wohl wissend, dass die Zahl jener viel größer ist, die später irgendwo im Nirwana des Amateurfußballs stranden, bestenfalls in der zweiten oder dritten Liga unterkommen. Ruhm und Reichtum bleiben einem großen Teil verwehrt, die Dunkelziffer ist enorm hoch, gesteht Werner.
Er ist verantwortlich für ein Konzept, das im offiziellen Jargon des Vereins Werder-Leistungszentrum die Zukunft ist Grün-Weiß heißt. Nicht erst, seit die Deutsche Fußball-Liga (DFL) den Vereinen auf diesem Sektor Vorgaben macht, engagieren sich die Hansestädter besonders. Der Klub bietet für rund 80 Talente im Leistungsbereich an: ein intaktes sportliches Umfeld, optimale Trainingsanlagen direkt am Weserstadion sowie ein abgestimmtes schulisches Umfeld. Es ist relativ neu, dass letzterer Aspekt eine bedeutende Rolle spielt. Die schulische Leistung ist mindestens genauso wichtig wie die sportliche, sagt Werner heute. Um das besser zu koordinieren und zu kontrollieren, kooperiert der Verein seit sechs Jahren mit zwei ausgewählten Schulen: dem Schulzentrum Obervieland mit allen Schulformen (Haupt-, Realschule und Gymnasium) sowie der Handelsschule Grenzstraße. Beide Schulen richten ihren Stundenplan so aus, dass die bremischen Talente jeweils Dienstag und Donnerstag vormittags eine Stunde auf dem Werder-Areal trainieren können. 43 Prozent der Fußball-Schüler machen Abitur.
Oberhaupt der ausgeklügelten Nachwuchsförderung ist Präsident und Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer, seit Jahrzehnten ein Förderer des Wegs, möglichst viele eigene Leute nach ganz oben zu bringen. Genau so wie der sportliche Aspekt zählt die soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, sagt Fischer. Der Klub lässt sich das mehr als zwei Millionen Euro jährlich kosten die Aufwendungen für die Nachwuchsmannschaft in der dritten Liga inklusive. Bezahlt werden neben dem Nachwuchsmanager (und früheren Bundesligatrainer) Werner weitere fünf hauptamtliche und acht nebenamtliche Trainer, Internatsverwalterin Jutta Reichel sowie Diplom-Psychologe Uwe Harttgen.
Ex-Profi Harttgen spielt für den schulischen Bereich eine Schlüsselrolle in einem Konzept, das selbst bei den gestiegenen Auflagen der DFL als beispielhaft gilt. Der 41-Jährige hat sich noch während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bremer Universität an der Kooperationsstätte in Obervieland als Schulpsychologe verdingt. Er kennt aus eigener Erfahrung die Situation eines Spielers im Amateur- und Profibereich, die Strukturen im Verein sowie alle handelnden Personen. Ohne Harttgen, sagt Werner, würde unser Konzept nicht so gut greifen. Ehefrau Ingrid Harttgen, eine ausgebildete Sozialpädagogin, hat die Heranwachsenden viele Jahre betreut. Und es gibt noch immer Jutta Reichel, Hauswirtschaftsleiterin im Werder-Internat, die stets ein offenes Ohr für die Jungen hat, die teilweise mit 13, 14, 15 Jahren das Elternhaus verlassen, um sich an der Weser den Traum vom Profifußball zu erfüllen.
Seit Harttgen mithilft, lassen sich die konkreten Problemfälle besser lösen. Etwa das vertrackte Konstrukt mit Jerome Polenz, 19 Jahre jung. Der begabte Offensivspieler aus dem eigenen Nachwuchs, 2002 von Tennis Borussia Berlin zu Werder gelockt, saß in dieser Saison zwischen allen Stühlen: Er sollte für die Amateure den Klassenerhalt in der Regionalliga retten, bei den Profis wegen der verletzten Starstürmer zu den Champions-League-Spielen mitreisen, in der Bundesliga auf der Bank sitzen und nebenbei noch sein Abitur bauen. Ein Spagat, bei dem sich schon viele übernommen haben. In solchen Fällen sucht Harttgen mittlerweile das direkte Gespräch mit dem Spieler, den Trainern, den Lehrern. Im Fall Polenz ist das gut gelungen: Das Abitur ist geschafft und der Profivertrag unterschrieben (s. Foto). Wir werden nie einen Spieler mit Gewalt zum Abitur prügeln, sagt Harttgen, aber wichtig ist, dass sie einen Abschluss schaffen. Deshalb ist es bei Werder nicht damit getan, Leistung als Fußballer zu bieten. Jeder Spieler von der U 12 bis zur U 19, stellt Werner klar, muss sein Halbjahreszeugnis in Kopie dem jeweiligen Trainer vorlegen. Ein Umstand, den vor allem die Eltern in den Vorgesprächen mit den Vereinsverantwortlichen sehr schätzen.
Wer die Schule verlässt, wird nicht fallen gelassen: Die Werder Bremen GmbH & Co KGaA bietet mittlerweile eine Ausbildung als Sport- und Fitnesskaufmann an, die beispielsweise gerade das Talent Daniel Niemann absolviert. Andere wie Norman Theuerkauff und Christopher Möllering sind ebenfalls in der kaufmännischen Ausbildung. Bei Jung-Profi Aaron Hunt wurde akribisch darauf geachtet, dass er seinen Realschulabschluss macht.
An einen Abbrecher mag sich Werner seit geraumer Zeit kaum erinnern: Der letzte war, glaube ich, Tim Borowski: Der hatte eine Lehre als Autoverkäufer angefangen, dann aber ganz auf die Karte Fußball gesetzt. Doch er kennt noch gut die Beispiele der Spieler, bei denen es früher schief gegangen ist: etwa der Fall Lars Schmedes, hoch veranlagtes Talent, Jugend-Nationalspieler, Schule geschmissen. Nach ganz oben hat er es nie gepackt, kürzlich hat er mich angerufen, dass er sein Abitur nachgeholt hat, erzählt Werner.
Solche Fälle will Werders Talentschmiede nicht mehr: Deshalb greift bei schwächeren schulischen Leistungen sofort das klubinterne Hilfspaket; drei- bis viermal wöchentlich stehen Hausaufgabenhilfen parat. Wir sind bei jedem Elternabend vertreten, sagt Harttgen, wir legen größten Wert darauf, dass die Jugendlichen an den Klassenfahrten teilnehmen. Denn neben der schulischen Qualifikation ist die soziale Verankerung ein weiterer wichtiger Aspekt: Wer seine Freunde allein im fußballerischen Umfeld findet, verliert eher den Blick für die Realität als der, der an der Schule private Bande mit Nicht-Fußballern knüpft.
Werner: Unsere Jungs sollen keine Sonderrolle spielen, nur weil sie das W auf der Brust tragen. So gut die Konzepte für den Kicker-Nachwuchs klingen, so wenig vollendet ist das Modell. Harttgen und Werner weisen auf die Defizite hin: mitunter zu hoher Leistungsdruck, eine zu enge Fokussierung auf das Ziel Profi, eine Erwartungshaltung und ein Terminplan, der die Überforderung geradezu provoziert. Und: Die Verzahnung zwischen Sport und Schule ist selbst im Fall des vorbildlich scheinenden Standorts Bremen noch nicht optimal.
Die sportbetonten Schulen in Chemnitz und Jena haben bessere Trainingszeiten dort kann jeden Tag von 10 bis 12 Uhr Fußball gespielt werden. Es ist am besten, wenn die Schule rund um das Fußballtraining installiert wird, erklärt Werner. Diese Kaderschmieden in den neuen Bundesländern, die ganz auf den Sport fokussiert werden, sieht Bremens Nachwuchsmanager als Idealzustand. Nicht umsonst betreibt Carl-Zeiss Jena, Zweitliga-Aufsteiger und Werder-Kooperationspartner, eine vortreffliche Nachwuchsförderung, die die schulischen Erfordernisse nicht außer Acht lässt. Es ist das Modell, mit dem sich einst Frankreich seine Weltklassespieler wie Patrick Vieira, Zinedine Zidane oder Johan Micoud heranzüchtete. Doch dazu gehört auch ein politischer Wille bei allen Beteiligten, sagt Werner, bis wir dahin kommen, müssen sich Politik und Schulen, die Vereine und der Verband noch mächtig bewegen.
Frank Hellmann Bildungsgewerkschaft
Was Werder Bremen für die (Aus-)Bildung seiner Spieler tut
Fußballer sind doof? Wolf Werner, Nachwuchsmanager des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen, mag darüber nur milde lächeln. Eher das Gegenteil trifft auf unsere Jungs zu. Man müsse sich doch nur mal den Tagesablauf ansehen. Die stehen um 6.30 Uhr auf, gehen zur Schule, zweimal in der Woche wird dazu noch vormittags um 8 Uhr trainiert, dann machen sie nach der Schule Hausaufgaben, nachmittags wird jeden Tag trainiert, um 19.30 Uhr gibt es Essen, um 23 Uhr ist Bettruhe, um 24 Uhr sind alle Fernseher aus.
Das ist das tägliche Programm unserer Jungs im Fußball-Internat das ist exorbitant höher als das eines normalen Schülers. Mit unsere Jungs meint der 64-Jährige all jene jungen Fußballer, die im Nachwuchsbereich des SV Werder von der großen Profikarriere träumen.
Dieser Weg ist möglich. Davon können sich die 18 Schüler mit einem Blick aus dem Internat, das es seit über zehn Jahren gibt und jetzt in der Ostkurve des Weserstadions untergebracht ist, auf den Rasen ihrer Träume überzeugen: Wenn hier samstags Nelson Valdez aus Paraguay, Tim Borowski oder Christian Schulz auflaufen und von den Fans gefeiert werden, ist das bester Anschauungsunterricht. Das sind die Akteure, die den Weg aus dem Werder-Nachwuchs, dem Internat bis nach ganz oben, Bundesliga-Stammspieler und Nationalmannschaft, geschafft haben. Diese Spieler sind natürlich Vorbild, sagt Werner, wohl wissend, dass die Zahl jener viel größer ist, die später irgendwo im Nirwana des Amateurfußballs stranden, bestenfalls in der zweiten oder dritten Liga unterkommen. Ruhm und Reichtum bleiben einem großen Teil verwehrt, die Dunkelziffer ist enorm hoch, gesteht Werner.
Er ist verantwortlich für ein Konzept, das im offiziellen Jargon des Vereins Werder-Leistungszentrum die Zukunft ist Grün-Weiß heißt. Nicht erst, seit die Deutsche Fußball-Liga (DFL) den Vereinen auf diesem Sektor Vorgaben macht, engagieren sich die Hansestädter besonders. Der Klub bietet für rund 80 Talente im Leistungsbereich an: ein intaktes sportliches Umfeld, optimale Trainingsanlagen direkt am Weserstadion sowie ein abgestimmtes schulisches Umfeld. Es ist relativ neu, dass letzterer Aspekt eine bedeutende Rolle spielt. Die schulische Leistung ist mindestens genauso wichtig wie die sportliche, sagt Werner heute. Um das besser zu koordinieren und zu kontrollieren, kooperiert der Verein seit sechs Jahren mit zwei ausgewählten Schulen: dem Schulzentrum Obervieland mit allen Schulformen (Haupt-, Realschule und Gymnasium) sowie der Handelsschule Grenzstraße. Beide Schulen richten ihren Stundenplan so aus, dass die bremischen Talente jeweils Dienstag und Donnerstag vormittags eine Stunde auf dem Werder-Areal trainieren können. 43 Prozent der Fußball-Schüler machen Abitur.
Oberhaupt der ausgeklügelten Nachwuchsförderung ist Präsident und Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer, seit Jahrzehnten ein Förderer des Wegs, möglichst viele eigene Leute nach ganz oben zu bringen. Genau so wie der sportliche Aspekt zählt die soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, sagt Fischer. Der Klub lässt sich das mehr als zwei Millionen Euro jährlich kosten die Aufwendungen für die Nachwuchsmannschaft in der dritten Liga inklusive. Bezahlt werden neben dem Nachwuchsmanager (und früheren Bundesligatrainer) Werner weitere fünf hauptamtliche und acht nebenamtliche Trainer, Internatsverwalterin Jutta Reichel sowie Diplom-Psychologe Uwe Harttgen.
Ex-Profi Harttgen spielt für den schulischen Bereich eine Schlüsselrolle in einem Konzept, das selbst bei den gestiegenen Auflagen der DFL als beispielhaft gilt. Der 41-Jährige hat sich noch während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bremer Universität an der Kooperationsstätte in Obervieland als Schulpsychologe verdingt. Er kennt aus eigener Erfahrung die Situation eines Spielers im Amateur- und Profibereich, die Strukturen im Verein sowie alle handelnden Personen. Ohne Harttgen, sagt Werner, würde unser Konzept nicht so gut greifen. Ehefrau Ingrid Harttgen, eine ausgebildete Sozialpädagogin, hat die Heranwachsenden viele Jahre betreut. Und es gibt noch immer Jutta Reichel, Hauswirtschaftsleiterin im Werder-Internat, die stets ein offenes Ohr für die Jungen hat, die teilweise mit 13, 14, 15 Jahren das Elternhaus verlassen, um sich an der Weser den Traum vom Profifußball zu erfüllen.
Seit Harttgen mithilft, lassen sich die konkreten Problemfälle besser lösen. Etwa das vertrackte Konstrukt mit Jerome Polenz, 19 Jahre jung. Der begabte Offensivspieler aus dem eigenen Nachwuchs, 2002 von Tennis Borussia Berlin zu Werder gelockt, saß in dieser Saison zwischen allen Stühlen: Er sollte für die Amateure den Klassenerhalt in der Regionalliga retten, bei den Profis wegen der verletzten Starstürmer zu den Champions-League-Spielen mitreisen, in der Bundesliga auf der Bank sitzen und nebenbei noch sein Abitur bauen. Ein Spagat, bei dem sich schon viele übernommen haben. In solchen Fällen sucht Harttgen mittlerweile das direkte Gespräch mit dem Spieler, den Trainern, den Lehrern. Im Fall Polenz ist das gut gelungen: Das Abitur ist geschafft und der Profivertrag unterschrieben (s. Foto). Wir werden nie einen Spieler mit Gewalt zum Abitur prügeln, sagt Harttgen, aber wichtig ist, dass sie einen Abschluss schaffen. Deshalb ist es bei Werder nicht damit getan, Leistung als Fußballer zu bieten. Jeder Spieler von der U 12 bis zur U 19, stellt Werner klar, muss sein Halbjahreszeugnis in Kopie dem jeweiligen Trainer vorlegen. Ein Umstand, den vor allem die Eltern in den Vorgesprächen mit den Vereinsverantwortlichen sehr schätzen.
Wer die Schule verlässt, wird nicht fallen gelassen: Die Werder Bremen GmbH & Co KGaA bietet mittlerweile eine Ausbildung als Sport- und Fitnesskaufmann an, die beispielsweise gerade das Talent Daniel Niemann absolviert. Andere wie Norman Theuerkauff und Christopher Möllering sind ebenfalls in der kaufmännischen Ausbildung. Bei Jung-Profi Aaron Hunt wurde akribisch darauf geachtet, dass er seinen Realschulabschluss macht.
An einen Abbrecher mag sich Werner seit geraumer Zeit kaum erinnern: Der letzte war, glaube ich, Tim Borowski: Der hatte eine Lehre als Autoverkäufer angefangen, dann aber ganz auf die Karte Fußball gesetzt. Doch er kennt noch gut die Beispiele der Spieler, bei denen es früher schief gegangen ist: etwa der Fall Lars Schmedes, hoch veranlagtes Talent, Jugend-Nationalspieler, Schule geschmissen. Nach ganz oben hat er es nie gepackt, kürzlich hat er mich angerufen, dass er sein Abitur nachgeholt hat, erzählt Werner.
Solche Fälle will Werders Talentschmiede nicht mehr: Deshalb greift bei schwächeren schulischen Leistungen sofort das klubinterne Hilfspaket; drei- bis viermal wöchentlich stehen Hausaufgabenhilfen parat. Wir sind bei jedem Elternabend vertreten, sagt Harttgen, wir legen größten Wert darauf, dass die Jugendlichen an den Klassenfahrten teilnehmen. Denn neben der schulischen Qualifikation ist die soziale Verankerung ein weiterer wichtiger Aspekt: Wer seine Freunde allein im fußballerischen Umfeld findet, verliert eher den Blick für die Realität als der, der an der Schule private Bande mit Nicht-Fußballern knüpft.
Werner: Unsere Jungs sollen keine Sonderrolle spielen, nur weil sie das W auf der Brust tragen. So gut die Konzepte für den Kicker-Nachwuchs klingen, so wenig vollendet ist das Modell. Harttgen und Werner weisen auf die Defizite hin: mitunter zu hoher Leistungsdruck, eine zu enge Fokussierung auf das Ziel Profi, eine Erwartungshaltung und ein Terminplan, der die Überforderung geradezu provoziert. Und: Die Verzahnung zwischen Sport und Schule ist selbst im Fall des vorbildlich scheinenden Standorts Bremen noch nicht optimal.
Die sportbetonten Schulen in Chemnitz und Jena haben bessere Trainingszeiten dort kann jeden Tag von 10 bis 12 Uhr Fußball gespielt werden. Es ist am besten, wenn die Schule rund um das Fußballtraining installiert wird, erklärt Werner. Diese Kaderschmieden in den neuen Bundesländern, die ganz auf den Sport fokussiert werden, sieht Bremens Nachwuchsmanager als Idealzustand. Nicht umsonst betreibt Carl-Zeiss Jena, Zweitliga-Aufsteiger und Werder-Kooperationspartner, eine vortreffliche Nachwuchsförderung, die die schulischen Erfordernisse nicht außer Acht lässt. Es ist das Modell, mit dem sich einst Frankreich seine Weltklassespieler wie Patrick Vieira, Zinedine Zidane oder Johan Micoud heranzüchtete. Doch dazu gehört auch ein politischer Wille bei allen Beteiligten, sagt Werner, bis wir dahin kommen, müssen sich Politik und Schulen, die Vereine und der Verband noch mächtig bewegen.
Frank Hellmann Bildungsgewerkschaft