Dr. Steif
Bezahlsender läuft bei Kabelkonzernen auf
Arena verpatzt Bundesliga-Start
Von Joachim Hofer und Hans-Peter Siebenhaar
Nach der WM-Euphorie droht den deutschen Fußball-Fans ein Bundesliga-Schock. Wenn am 11. August die neue Saison angepfiffen wird, werden voraussichtlich Millionen von Haushalten von Live-Übertragungen ausgeschlossen sein.
MÜNCHEN. Grund: Der neue Bundesliga-Bezahlsender Arena kann sich nicht mit Kabel Deutschland (KDG) über die Einspeisung in dessen Kabelnetz einigen. "Es kann sein, dass es zum Saisonstart keine Bundesliga für unsere Kunden gibt", warnt ein Sprecher des größten deutschen Kabelkonzerns, der bundesweit knapp zehn Millionen Haushalte in 13 Bundesländern versorgt.
Bislang hatte der Bezahlsender Premiere die Bundesligaspiele live übertragen. Ende letzten Jahres hatte die Deutsche Fußball-Liga (DFL), in der die 36 Profiklubs organisiert sind, die Live-Rechte an der Bundesliga für die Rekordsumme von 210 Mill. Euro pro Saison an Arena verkauft. Premiere ging überraschend leer aus. Arena ist ein Tochterunternehmen des Kabelkonzerns Unity Media (Ish, Iesy, Tele Columbus), der aber nur in Hessen und Nordrhein-Westfalen präsent ist. Sowohl mit der KDG, die jeden zweiten Kabelhaushalt erreicht, als auch mit der wesentlich kleineren Kabel Baden-Württemberg gibt es trotz monatelanger Verhandlungen bisher keine Einigung.
Dadurch kommt auch die DFL in Bedrängnis. "Die Sponsoren finden es nicht lustig, wenn Arena mit nicht einmal 200 000 Abonnenten in die nächste Bundesliga-Saison startet", hieß es in Branchenkreisen. Druck auf ihren neuen Geschäftspartner Arena kann die DFL nicht ausüben, da im Vertrag lediglich eine Abdeckung von 40 Prozent aller Haushalte gefordert wird. Arena selbst gibt sich betont gelassen: "Wir gehen davon aus, dass es zu einem Abschluss kommt", sagte eine Sprecherin des Bezahlsenders am Montag.
Dafür setzt sich auch die DFL ein. "Wenn ich Kunde der KDG wäre und könnte die Bundesliga nicht live über Arena sehen, würde ich kündigen", sagt DFL-Präsident Werner Hackmann dem Handelsblatt. "Der KDG liegt unseres Wissens ein attraktives Angebot von Arena vor. Nun ist die KDG am Zug", ergänzt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.
Arena bietet Bundesliga Live ab 14,90 Euro im Monat an.
Dennoch wird inoffiziell wohl nicht mehr mit einer Einigung mit KDG gerechnet. So spricht Bezahlsender Arena seit Wochen über eine Zusammenarbeit mit den frei empfangbaren Kanälen des TV-Konzerns Pro Sieben Sat 1. "Die Zusammenarbeit mit Sat 1 und Kabel 1 ist eine Option, die wir prüfen", bestätigte am Montag die Arena-Sprecherin. Pro Sieben wollte auf Anfrage nicht Stellung nehmen. Inoffiziell zeigte die Sendergruppe aber Interesse an der Ausstrahlung der beliebten Konferenzschaltungen und einzelner Spiele.
In der Kabelbranche wäre ein solches Angebot ein Novum. "Das ist die beste Art, die eigenen Abonnenten zu ärgern", hieß es bei einem Kabelkonzern. Derzeit bietet Arena die Livespiele der Bundesliga für monatlich knapp 15 Euro im Abonnement an.
Doch auch Kabel Deutschland, die dem Finanzinvestor Providence gehört, agiert mit hohem Risiko. Angesichts geringer Gewinnmargen zeigt KDG zwar wenig Neigung, um jeden Preis mit Arena ins Geschäft zu kommen. Doch ohne die Live-Übertragungen aus der Bundesliga droht dem Branchenprimus mit einem Jahresumsatz von einer Mrd. Euro eine Kündigungswelle. Vor allem die umworbenen Endkunden in Eigenheimen könnten leicht auf Satellitenempfang umsteigen und wären damit auf Dauer verloren. "Denn über Satellit bekomme ich die Spiele überall live ins Haus geliefert", sagt DFL-Präsident Hackmann. In Mietwohnungen dagegen dürfen häufig keine Satellitenschüsseln installiert werden.
Zumindest beim Kabelnetzbetreiber Kabel Baden-Württemberg hat Arena doch noch einen Durchbruch erzielt, wie die Unternehmen am Dienstagmorgen mitteilten. Der Heidelberger Konzern versorgt mehr als zwei Mill. Haushalte. Kabel BW werde in Kürze mit der Vermarktung des Bundesliga-Angebots von Arena beginnen; der Preis sei mit 14,90 Euro monatlich mit dem von Arena identisch.
Handelsblatt