WM-Pokal kommt unter den Hammer

Fango
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WM-Pokal kommt unter den Hammer

Rolf Deyhle hat nie eine WM gewonnen und doch ist er der einzige Privatmann, der eine Kopie der WM-Fifa-Trophäe besitzt. Jahrelang hütete er sie wie einen Schatz. Jetzt trennt sich der Unternehmer von seinem Kleinod, und jeder kann es ersteigern - vorausgesetzt, er hat das nötige Kleingeld.

Hamburg - Fast 30 Jahre fristete die Kopie der WM-Trophäe ein Schattendasein im Stuttgarter Büro des Unternehmers. Dort bewahrte sie Rolf Deyhle in einem atombombensicheren Tresor auf. Doch jetzt steht die funkelnde Replik am Eingang des Hamburger Auktionshaus Schopmann am Speersort - geschützt hinter schusssicherem Glas und beaufsichtigt von einem Wachmann. Warum sich Deyhle jetzt von seinem Schatz trennt? "Ich werde in zwei Jahren 70 und möchte für meine sechs Kinder sorgen. Weil ich den Pokal nicht in sechs Teile zersägen kann, werde ich ihn verkaufen", zitiert das "Hamburger Abendblatt" den Baden-Württemberger.


Zur großen Freude von Lars Axendorf. Zum ersten Mal in seiner Karriere versteigert der geschäftsführende Gesellschafter des Auktionshauses Schopmann ein so wertvolles Objekt. "Einmal haben wir ein Werk des italienischen Künstlers Alessandro Milesi für 110.000 Euro verkauft", sagt der 37-Jährige zu SPIEGEL ONLINE, "aber so ein Millionenobjekt wie die WM-Pokal-Kopie hatten wir noch nie."

Am 28. Juni soll die Nachbildung versteigert werden - in einer öffentlichen Auktion. Ab kommender Woche können registrierte Interessenten ihr Gebot abgeben. Der Einstiegspreis liegt bei einer Million Euro. "Wir rechnen mit einem zweistelligen Millionenbetrag", sagt Axendorf. "Schließlich übersteigt der ideelle Wert dieses Pokals den materiellen Wert um ein Vielfaches."

Vorgespräche mit möglichen Käufern seien bereits geführt worden, sagt Axendorf. Der Geschäftsführer baut auf finanzstarke und fußballbegeisterte Unternehmer, wie etwa den Oligarchen Roman Abramowitsch, der mit seiner Yacht derzeit vor Lübeck ankert, oder den italienischen Ex-Premier und AC-Mailand-Eigentümer Silvio Berlusconi. "Nach der verlorenen Wahl könnte Berlusconi auf diese Weise ja wieder von sich reden machen", sagt Axendorf. Um möglichst viele Bieter zu erreichen, habe er den Katalog mit dem Millionenobjekt in sieben Sprachen übersetzen lassen, darunter auch in die der Fußballnationen Portugal, Spanien und Frankreich. Kommende Woche werde er versandt. "Ob die Fifa selbst mitbietet, entzieht sich meiner Kenntnis", sagt Axendorf.

Die Original-WM-Trophäe des italienischen Künstlers Silvio Gazzaniga steht in der Villa Derwald, dem Zürcher Hauptquartier des Fußballweltverbandes. Seit 1974 erhält jede Nationalmannschaft eine Kopie des Pokals. Er symbolisiert eine Weltkugel, die von zwei Händen in den Himmel gehoben wird. Rolf Deyhle ist der einzige Privatmann, dem eine Kopie gehört, obwohl er nie eine WM gewonnen hat. Er bekam sie Ende der Siebziger als Anerkennung für seine Verdienste um den Weltfußballverband. So entwarf er unter anderem das Fifa-Logo. "Weil ich damals schon Kunst gesammelt habe und die Zusammenarbeit mit der ehemals maroden Fifa sehr erfolgreich verlief, habe ich 1979 einfach den Generalsekretär Helmut Käser gefragt, ob ich ein Replikat für meine Sammlung haben könnte", zitiert das "Hamburger Abendblatt" den Baden-Württemberger.

Über einen Unternehmensberater kam der Kontakt zum Auktionshaus Schopmann zustande, berichtet der Geschäftsführer Axendorf: "Von dem Erlös gehen 22 Prozent an uns. Den Rest erhält Deyhle."

Die Fifa ist von Deyhles Versteigerungsidee allerdings wenig begeistert. "Wir haben sowohl das Versteigerungshaus als auch Herrn Deyhle abgemahnt", sagte Pressesprecher Andreas Herren SPIEGEL ONLINE. Die Organisation prüfe außerdem gerichtliche Schritte. Deyhle habe die Trophäe damals ausschließlich "für den persönlichen Gebrauch" geschenkt bekommen. Eine Versteigerung sei ganz bestimmt nicht vorgesehen gewesen.

Deyhle hingegen sagt, dass er bei der Schenkung keine Auflagen erhalten habe. Aus diesem Grund sei der Pokal sein uneingeschränktes Eigentum.

Das Auktionshaus sieht jedenfalls keinen Grund, den Pokal nicht zu versteigern. "Herr Deyhle hat uns eine Urkunde gezeigt, die ihn als rechtmäßigen Besitzer ausweist", sagt Axendorf. "Solange Gerichte den Verkauf nicht stoppen, läuft das Bieterverfahren."

Quelle: Spiegel Online