Sportbild vom 09.07.03 / Schickeria München

RE-Baxxter
Heute ist in der Sport Bild ein interssanter Artikel über die Ausschließung der Fanclubs RedSharks / Schickeria München und Club Nr. 12 erschienen. Aber lest selbst:



Manager Uli Hoeness musste Fans aussperren. Jetzt lebt er in Angst: „Das gefährliche ist, wenn sie irgendwann einen totschlagen.“ Und er spricht von Erpressung bei Aufsteiger 1. FC Köln.


Viele haben sich gewundert in diesen Tagen über Uli Hoeness. Er trat aggressiv auf wie lange nicht. Die Kollegen bei Real Madrid griff der Bayern-Manager wüst an, weil sie David Beckham geholt hatten. Deutsche Fernsehsender bekamen wegen des Rechtsstreits ihr Fett ab.

Wer den 51-Jährigen kennt, weiss dass er nach einem Urlaub besonders mitteilungsbedürftig ist. Und doch haben die Ausbrüche einen Hintergrund, über den er nicht sprach: Angst vor den eigenen Fans. Angst vor Erpressung. Vor Mord!

Es geht um seinen Vorstandskollegen Karl Hopfner (50), unter anderem zuständig für Fans und Eintrittskarten, und den Fanbeauftragten Raimond Aumann (39), früher Bayern-Torhüter. Beide werden von eigenen Fans dafür verantwortlich gemacht, dass die Bayern auf Anraten der Münchner Polizei die Fanklubs „Red Sharks“ und „Club Nr. 12“ sowie die Ultra-Gruppierung „Schickeria München“, die 200 Mitglieder hat, aus dem Bayern-Kreis ausgeschlossen haben.

Uli Hoeness aufgebracht: „Hopfner und Aumann bekamen per Internet Morddrohungen.“

Er weiss was das bedeutet. Als die Daum-Affäre vor drei Jahren ihren Höhepunkt erreichte, war Hoeness selbst Adressat einer Morddrohung.
Auch diesmal wurde an der Säbener Strasse darüber diskutiert, ob Polizeischutz angefordert werden soll. Denn dass zwei Verantwortliche eines Bundesliga-Klubs derart bedroht werden, bedeutet eine neue Dimension. Die Rowdys sind radikal. „Diese Leute sind sehr geschickt, hochintelligent, Betriebswirtschaftler“, weiss Hoeness inzwischen. „Aber das Gefährliche ist, wenn sie irgendwann in Anzug und Krawatte einen totschlagen.“

Der Ausschluss der Fangruppierungen sei notwendig gewesen. Die Gründe waren: vereinsschädigendes Verhalten, Sachbeschädigungen, massive Drohungen gegen andere Fanklubs – und gegen Bayern-Verantwortliche.

Die Frage, die aufkommt: Sind diese Fanklubs, die die Kommerzialisierung der Bayern ablehnen, Kritik an Ticketvergabe und Preispolitik üben und Fanprodukte boykottieren rechtsradikal? Uli Hoeness: „Sie sagen nein. Aber natürlich gibt es gewisse Elemente. Ob rechts oder nicht.“ Hoeness sieht da plötzlich eine Bedrohung heranwachsen.

„Ich habe gehört, dass Fans beim 1. FC Köln 300 Jahreskarten erpresst haben, damit sie die Spieler in Ruhe lassen“, sagt Uli Hoeness weiter. Mafia-Methoden am Rhein? In Köln schmissen vergangene Saison Unbekannte nach dem Spiel gegen Reutlingen die Heckscheibe des Gäste-Mannschaftsbusses ein.

Einer der konkreten Vorwürfe in München: Bei der Meisterfeier sollen Fans den Autokorso durch München am Durchfahren haben. Tausende von Bayern-Anhägern konnten daraufhin ihre Stars nicht sehen. Bei Tumulten wurde ein Polizist schwer am Kopf verletzt, der Bayern-Bus beschädigt.

„Mitglieder, die bei Aktionen nicht mitmachen wollen, werden geschlagen, bedroht, mit Alkohol gefügig gemacht“, sagt Uli Hoeness voller Wut.

Der Fanklub „Schickeria“ streitet Morddrohungen nicht ab: „Es mag diverse Drohungen und Beleidigungen gegen Vereinsverantwortliche irgendwo im Internet gegeben haben. Jedoch handelte es sich hierbei ausschliesslich im anonyme Einträge in offen zugänglichen Gästebüchern. Die Verfasser dieser Einträge stehen in keinerlei Verbindung zu uns.“

Auch der 500 Mitglieder zählende „Club Nr. 12“ legt Wert auf die Feststellung, sich „stets von jeder Art von Gewalt im Fussball distanziert“ zu haben.



Was sagt ihr zu diesem Artikel? Ich finde hier kann man sehr gut erkennen, wie der FC Bayern seine Macht in der Öffentlichkeit ausnutzt...
Eine interssante Diskussion darüber gibts auch im Stadionwelt Forum: http://f23.parsimony.net/cgi-bin/topic-i...eadNummer=48356
UTB-TimORoggy
Das is alles enfach nur lächerlich und das mit Köln setzt dem ganzen noch die Krone auf! :vogel: Vielleicht sollte Uli H. auch mal ne Haarprobe abgeben....

Wenn ich den Artikel sehe bin ich immer mehr für eine Protestaktion, nicht nur gegen den Verein Bayern München sondern im gleichen Maße gegen Uli H., was der sich rausnimmt, nicht nur seit der Daum-Affäre is schon unverschämt! "Scheiß Uli. H. Rufe" helfen bei einem so zugedröhnten Typen wohl nicht mehr! Es muss echt was passieren...
bastian
Mitteilung SCHICKERIA MÜNCHEN

Zitat Sport Bild vom 09.07.03:

„Der Fanklub „Schickeria“ streitet Morddrohungen nicht ab: „Es mag diverse Drohungen und Beleidigungen gegen Vereinsverantwortliche irgendwo im Internet gegeben haben. Jedoch handelte es sich hierbei ausschliesslich um anonyme Einträge in offen zugänglichen Gästebüchern. Die Verfasser dieser Einträge stehen in keinerlei Verbindung zu uns.“

Bei diesen beiden Sätzen handelt es sich zweifellos um die journalistische Meisterleistung in einem Artikel, der vor nicht haltbaren Behauptungen und zusammenhangslosen Vorwürfen nur so strotzt. Jede der Behauptungen in diesem Artikel kann man auseinandernehmen, und widerlegen. Ein Bericht der nur aus Widersprüchen und Unwahrheiten besteht, macht es einem leicht!

Zu diesem zitierten Abschnitt bleibt nur zu sagen: Es ist aberwitzig in einem Satz etwas davon zu schreiben die Schickeria distanziere sich nicht von Morddrohungen und im nächsten unsere Distanzierung von Drohungen jeglicher Art abzudrucken. Auch eine Mordrohung fällt unter die Kategorie Drohung. Wer sich also von Drohungen distanziert, distanziert sich automatisch auch von Morddrohungen.

Dies versteht nur nicht, wer es nicht verstehen will! Warum man es nicht verstehen will, wird jeder denkende Mensch erkennen. Ein weiteres trauriges Beispiel für die beispiellose Rufmordkampagne der Führung der FC Bayern München AG gegen ihre eigenen Fans mit allen zur Verfügung stehenden Medienmitteln.

Nochmal ausdrücklich:
WIR haben mit Drohungen jeglicher Art gegen die Vereinsführung, gegen die Führung der AG oder gar deren Mitarbeiter nichts, aber auch gar nichts, zu tun. PUNKT!

Abgesehen davon ist eine Mordrohung ja wohl eine erhebliche Straftat, die naturgemäß Ermittlungen nach sich zieht. Von Seiten der Behörden ist nie jemand an uns deswegen herangetreten, was ja wohl verdeutlicht, für wie glaubwürdig diese abstruse Geschichte zu halten ist... Doch wen interessiert schon Wahrheit, wenn er die Macht hat über ihm gefügige Medien selber Wahrheiten o. Tatsachen zu schaffen?

Da wir nicht über die Medienmaschine einer FC Bayern München AG verfügen, werden wir im Rahmen unserer zeitlichen Möglichkeiten mit einer Stellungnahme reagieren. Denn hier wird Wahrheit, Anstand, Moral & Freiheit mit Füßen getreten.

Daß diese schmutzige Kampagne von Seiten der AG-Führung fortgesetzt wird, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Verdummungsmitteln, war zu erwarten. Aber irgendwo geht es zu weit. Mordrohungen sind kein Spaß mehr. Wer diese erfindet und anderen Leuten anhängt macht sich strafbar!

Und zu dem lächerlichen unterschwelligen Vorwurf des Rechtsradikalismus nur soviel: Da wir uns um Eure dreisten Lügen kümmern müssen, können wir nicht bei der vom 09.03 – 13.03. stattfindenden antirassistschen Fußball-Fan-WM in Montecchio/Emilia in Italien teilnehmen. Danke auch hierfür! Euch ist doch völlig egal ob wir gewaltbereite rechte Affen sind oder denkende Menschen, Hauptsache wir halten den Mund! Und genau das werden wir nicht tun!

ULTRA‘ VEREINT – RASSISMUS SPALTET! KICKT IHN RAUS!!!
NICHT DIE HAUTFARBE ENTSCHEIDET – SONDERN DIE MENTALITÄT!


SCHICKERIA MÜNCHEN

„Der FCB verTELEKOMmt! Emotion muß raus im Warenhaus!
Wir sind Fans, doch ihr wollt Kunden, da wird halt schnell Gewalt erfunden...“

"Freiheit ist das Recht, den Menschen zu sagen, was sie nicht hören wollen."
(George Orwell)


Quelle: schickeria-muenchen.de
Schiffmeister
Zitat:
Original von Baxxter
„Aber das Gefährliche ist, wenn sie irgendwann in Anzug und Krawatte einen totschlagen.“


Natürlich, so wird das dann in der Realität aussehen. 200 Leute im edlen Mafioso-Style und Baseballkeulen in der Hand laufen in der Münchener Geschäftsstelle Amok und schlagen einfach alles tot. Dieses elende Mörderpack.


Zitat:
„Mitglieder, die bei Aktionen nicht mitmachen wollen, werden geschlagen, bedroht, mit Alkohol gefügig gemacht“, sagt Uli Hoeness voller Wut.


Endlich mal einer der es entdeckt hat! Hoeneß=:mad:???


Solche Sachen kann man doch nicht wirklich ernst meinen!
Schiffmeister
Es wird immer schlimmer! Soeben höre ich beim Autofahren Nachrichten auf Bremen Eins, und was kommt da...

"In München haben Fanbeuftragter Aumann und Vorstandsmitglied Hopfner Morddrohungen erhalten, nachdem drei Fanclubs aus der r e c h t e n S z e n e vom Verein verboten wurden."

Andree-UTB
Das wird ja immer schöner.... :mecker:

Ich bin für eine, nein mehrer Solidaritäts-Aktionen ! Und zwar bei jedem Spiel, egal ob BuLi, Test , UI oder wat weiss ich !

NUR GEMEINSAM SIND WIR STARK !!!!!
Scholle
wie ist da die rechtliche Lage? Ist das nicht Rufmord?
UTB-TimORoggy
Zitat:
Original von Scholle
wie ist da die rechtliche Lage? Ist das nicht Rufmord?


Wollt ich auch grad fragen, aber ich denke, wenn das irgendein spinner unter dem namen "schickeria" oder so im gästebuch geschrieben hat, kann man wohl nix machen!
Rein theorethisch könnte man dann auch irgendwelche leute einzeigen die unter dem namen ES oder so in GB´s pöbeln...

naja kein plan!
bastian
Zitat:
Original von Scholle
wie ist da die rechtliche Lage? Ist das nicht Rufmord?


ja das ist rufmord.
ein grund warum die das durchsetzen konnten.
baliman
Der FC Bayern hat die Bild Zeitung und sonstige Medien ja voll in der Hand. Jetzt ist ja wohl echt 5 vor 12, wenn nicht sogar schon alles zu spät
Südländer
Tag zusammen,

es gibt noch Medien, die ausgewogen berichten. Hier zwei Beiträge aus der morgigen Süddeutschen, die vorhin im Gästebuch der Red Sharks (www.redsharks.de) gepostet wurden. Auch die Medienmacht des Uli H. hat ihre Grenzen. Lang aber lesenswert.




Alter Umgang mit neuen Fans

Das Beispiel FC Bayern: Den Vereinen fehlt oft das Verständnis für die Veränderungen in den Stadion-Kurven.

von Christoph Biermann

(SZ vom 10.7.2003) – Die Selbstdarstellung von Gregor Weinreich, 26, hat seit Mittwoch einen verzweifelt sarkastischen Unterton. Der Vorsitzende des Club Nr. 12, eines Zusammenschlusses von Fans des FC Bayern, beschreibt sich als „mäßig intelligent, Bauingenieur, Wechselwähler (nicht zwischen DVU und NPD)“, trage „Anzug gern ohne Krawatte, im Moment keinen Mord planend“. Eine witzige Replik soll das sein auf den Bayern-Manager Uli Hoeneß. Nur ist Weinreich nicht nach Späßen zumute, unter Tränen sagt er: „Ich bin fix und fertig.“ Der Club Nr. 12 und zwei weitere Fan-Klubs, insgesamt mehrere hundert Anhänger, wurden letzte Woche vom FC Bayern ausgeschlossen; sie sollen an Ausschreitungen und Sachbeschädigungen beteiligt gewesen sein. Bewiesen wurde das bislang nicht.

Prima Rufmord

Doch mit solcher Kollektiv-Verurteilung nicht genug. Als Reaktion auf die Ausschlüsse, so wird Hoeneß in der gestrigen Ausgabe von Sport-Bild zitiert, hätte der Fanbeauftragte und ehemalige Bayern-Keeper Raimund Aumann Morddrohungen bekommen. Anonym per Internet und E-Mail geschah das zwar, doch ein Täterprofil hatte Hoeneß gleich parat: „hochintelligent, Betriebswirtschaftler, Anzug und Krawatte“. Die rechtsradikale Haltung glaubt der Manager auch zu kennen. „Sie sagen nein. Aber natürlich gibt es gewisse Elemente. Ob rechts oder nicht.“ Das ist schwammig formuliert, funktioniert aber als Rufmord gegenüber den Geschassten ganz prima und ist bisheriger Gipfel einer Debatte, die über die Klärung von Recht und Unrecht in München hinausgeht.

„Solche Probleme gibt es vor allem dort, wo ehemalige Profis die Fanbetreuung übernommen haben“, sagt Thomas Weinmann, Fanbeauftragter bei Borussia Mönchengladbach. Denen würde oft ein tieferes Verständnis für das Gewusel in den Kurven fehlen. Ähnlich den popkulturellen Subkulturen hat es nämlich auch in den Fan-Kurven eine große Ausdifferenzierung gegeben.

Der Fankultur letzte Wendung sind die Ultras, die seit rund vier Jahren in Deutschland ungeheuren Zulauf haben. Als „total intelligente, hochmotivierte Leute“ beschreibt sie Thomas Schneider von der Koordinationsstelle Fan-Projekte (KOS) in Frankfurt. Die Ultras, zu denen sich auch die vom FC Bayern ausgeschlossene Schickeria München zählt, orientieren sich nicht mehr am Vorbild englischer, sondern an dem italienischer Fans. Im Mittelpunkt steht eine möglichst opulente Selbstinszenierung durch große Schwenkfahnen oder Kurvenchoreographien mit Papptäfelchen im Stil nordkoreanischer Jubelfeiern.

Das gefällt auch vielen Fußballverantwortlichen. Uli Hoeneß hat ein großes Foto von der Choreografie beim Champions-League-Finale 2001 in seinem Büro hängen. „Heute ist ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben“, hatten die Fans ihrer Mannschaft auf einem riesigen Transparent mitgeteilt und die Kurve in Rot und Weiß getaucht – organisiert vom nun verbannten Club Nr. 12.

Einerseits sind die Ultras mit ihrem Sinn für Inszenierungen also durchaus geschäftskompatibel, unkritisch aber sind sie nicht. Fast jede Ultra-Gruppierungen bezieht sich auf ein Manifest, das Fans des AS Rom verfasst haben. Dort wird die Kommerzialisierung des Fußballs kritisiert und die alte Angst vor Verdrängung aus dem Stadion formuliert: „In den Köpfen der Funktionäre nimmt die Zukunft bereits Gestalt an: Es wird der gezähmte Fan erwünscht, der moderate Stimmung verbreitet, aber nur soviel, wie als Hintergrundeinspielung für die Fernsehübertragung notwendig ist.“

Ausverkauf der Tradition

Die vom FC Bayern sanktionierten Fans hatten sich eingemischt, etwa Vorschläge für den Kartenverkauf gemacht oder vehement das Trikot der Bayern in der Magenta-Farbe des Hauptsponsors als Ausverkauf der Tradition kritisiert. Andererseits hatten sie sich aktiv am Wahlkampf für das neue Münchener Stadion beteiligt, Flugblätter aus eigener Tasche finanziert und hinterher sogar einen Dankesbrief bekommen. Das entspricht dem sozialen Hintergrund der neuen Fangeneration. „Sie sind deutlich der Mittelschicht zuzuordnen“, sagt Schneider von der KOS. Nur werden sie anders wahrgenommen. „Vor allem die Ultras erleben Umgangsformen, die für Hooligans ausgedacht wurden“, sagt Schneider.

Dabei spielt Hooliganismus, von vereinzelten Ausbrüchen abgesehen, in Deutschland fast keine Rolle mehr. Trotzdem sind die Sicherheitskonzepte noch immer auf den gewalttätigen Fan der achtziger und frühen neunziger Jahre ausgerichtet. „Der ganze Apparat müsste eigentlich abgebaut werden“, sagt Gladbachs Fanbeauftragter Weinmann. Wird er aber nicht. Die Polizei verweist auf stabile Statistiken bei Delikten im Umfeld des Fußballs. Nur erklären die sich durch eine völlig veränderte Einschätzung von dem, was erlaubt ist. „Die Verhältnismäßigkeit hat sich verschoben“, sagt Weinmann.

Die Aktion Pro Fans, aus Pro15:30Uhr hervorgegangen, hat eine Reihe nur noch bizarr zu nennender Beispiele dafür gesammelt, wie schnell inzwischen bundesweite Stadionverbote ausgesprochen werden. Schon ein wegen eines Gegentores wütend weggeworfener Bierbecher kann dazu reichen. Immer häufiger wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen, und man könnte den Eindruck gewinnen, dass System dahinter steckt. „Es ist doch verlockend, wenn man das wirtschaftlich sieht“, sagt Weinreich vom Club Nr. 12. Er meint damit, dass fordernde, manchmal vielleicht auch für nervend gehaltene Fans durch solche ersetzt werden, die brav zahlen und dann gehen. Und Stimmung kann man auch anders machen. Der FC Bayern überlegt, das akustische Loch in der Südkurve im kommenden Jahr mit einer Blaskapelle aufzufüllen.
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Kommentar

Raus aus dem FC-Bayern-Land

von Ralf Wiegand

(SZ vom 10.7.2003) - Was würden die Spieler des FCBayern davon halten, wenn ihnen die Polizei alle Führerscheine abnähme, nur weil Oliver Kahn sich nicht an die Regeln auf deutschen Autobahnen halten kann?

Vermutlich würden sie das nicht verstehen, obwohl Kahn, als Kapitän ein hoher Botschafter seines Klubs, nachweislich das Gaspedal überstrapaziert hat. Die Ermittlungen gegen einzelne Mitglieder der Fan-Klubs, die der FC Bayern kollektiv ausgeschlossen hat, laufen indes noch. Das Urteil des Vereins steht aber schon fest: vereinsschädigendes Verhalten, raus mit allen! Und als Abschiedsgruß gibt’s noch ein paar vage Pauschalanklagen vom Manager persönlich hinterher geworfen.

Mal wieder spielt die oberste Moralinstanz des Fußballs mit ihrer Macht. Natürlich ist es ratsam, kleinste Anzeichen von Gewaltbereitschaft unter seinen Fans zu beobachten, und es ist gut, dass ein Verein rechtsradikale Gruppen nicht zu seinem Gefolge zählen möchte und recherchiert, ob sich da was zusammenbraut. Nur: Der FC Bayern beobachtet und recherchiert selten. Er explodiert. Der kleinste Kratzer auf dem blank polierten Lack des Weltklubs gilt als Totalschaden. Das Image ist heilig, verteidigt wird es notfalls durch Selbstjustiz.

Bisher traf der Zorn andere. Die Deutsche Fußball-Liga, der die Bayern mitteilten, sie solle wegen der Kirch-Verträge ruhig ermitteln, aber man werde kein negatives Urteil akzeptieren. Den Sender RTL, dem Manager Hoeneß alles Schlechte wünscht, weil er die Champions-League-Rechte verschmäht. Real Madrid mit der Zirkusnummer Beckham. Lothar Matthäus, der die Bilanz seines Abschiedsspiels prüfen wollte und den die Bayern offen mit einer Kampagne bedrohten, ehe sich der erste Richter nur geräuspert hatte. Und so weiter, und so fort.

Die Selbstherrlichkeit speist sich aus ungebremstem Zulauf. Sponsoren drängeln sich um Werbeplätze, Politiker auf der Ehrentribüne, Fans um Dauerkarten auf verregneten Plätzen. Die Bayern wähnen sich im Boom-Gebraus als Gegenentwurf zu Jammer-Deutschland. Sie können einen Klub durch ein einziges Gastspiel vor dem Konkurs retten und ein Stadion finanzieren, größer und schöner als alle anderen.

Die Bayern: ein Staat im Staat. Oberster Verfassungsgrundsatz im FC-Bayern-Land: Alles hat zum Wohle des Klubs zu geschehen. Die von so viel Selbstgefälligkeit überrollten Anhänger sprechen von ihrem Verein eingeschüchtert als „das System“ oder „die AG“, als handele es sich um eine Diktatur. Die ausgeschlossenen Fan-Klubs, die sich pauschal verunglimpft sehen, resignieren vor der Medienmacht FC Bayern.

Bisher polarisierte der Verein nur die Lager, nun spaltet er die Basis seines Ruhms: das eigene Volk. Das ist noch selten einem Staat bekommen.
Nordlicht Franky
kein wunder dat der angst hat wenn ma so viel scheiße von sich gibt wie der hoeness hät ich auch angst vor fussballfans oder soll ich lieber hooligans sagen.
Andree-UTB
Ich hab gestern mal ne Mail nach München geschrieben...hier die Antwort:

Zitat:
Hallo Andree!

Vielen Dank für die angebotene Unterstützung ! Wenn Ihr uns helfen wollt
oder Euch mit uns solidarisch zeigen wollt, dann macht einfach Spruchbänder (Wie
z.B. auch von ProFans vorgeschlag), gerne auch welche, die nicht nur auf uns
in München, sondern auf die generelle Situation für die aktiven Fans in
Deutschland angesichts der WM2006 usw. hinweisen ! Außerdem klärt auch einfach
z.B. mal die "normalen" Fans in Bremen z.B. per Flugblatt oder Schreiben an die
Fanclubs über diese ganzen Dinge auf. Denn nur wenn wir es schaffen, auch
den Durchschnittsfan hinter uns zu bringen oder zumindest auf die Probleme
aufmerksam zu machen, haben wir Ultras bzw. aktive Fans eine Chance.
Nochmal danke und Gruß nach Bremen,

Tobi
Schickeria München

FOOTBALL IS FOR YOU AND ME - NOT FOR FUCKING INDUSTRY ! HOLT EUCH DAS SPIEL
ZURÜCK !


Also auf gehts....
Andree-UTB
Offener Brief der Organisation ProFans St. Pauli an den FC Bayern München

Zitat:
Sehr geehrte Damen und Herren,
der FC Bayern hat großzügig angeboten unserem Verein zu helfen, als es um den Lizenzerhalt in Liga 3 ging. „So ein Verein mit solchen Fans lässt man nicht einfach sterben“ lautete es aus München. Wir waren überwältigt von der Großherzigkeit und dankbar.

Doch kaum sind ein paar Wochen vergangen, begannen die Bayern eine große „Aufräumaktion“ bei Ihren eigenen Fans. Schließlich sollen bis 2006, wenn es nach der DFL/dem DFB geht, nur noch zahlungskräftige, alles beklatschende Zuschauer vorhanden sein. Für eine freie Meinungsäußerung oder kritische Fangruppierungen bleibt da kein Platz.

Es soll vermieden werden, dass die ganze Welt im Sommer 2006 auf uns schaut und hier noch Fans existieren, die eine eigene Meinung haben. Die Fans könnten an der vermeintlich heilen Fassade kratzen und vielleicht könnten dann noch weitere Leute merken, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Sie könnten merken, dass Jugendliche oder Familien sich den Eintritt in die Arenen nicht mehr leisten können. Sie könnten merken, dass Fußballfans behandelt werden wie Bürger 2. Klasse. Sie könnten merken, dass man als Fan per se in diesem Land als Verbrecher abgestempelt wird. Sie könnten merken, dass nur noch derjenige zählt, der genug Geld in die Kassen bringt und nicht derjenige, der den Fußball liebt.

Nein, da schließt man lieber kritische Fans aus. Fans, die diesem Verein zu jedem Spiel begleiten – sogar bis ans Ende dieser Welt. Und damit keiner merkt, dass etwas falsch läuft, behauptet man, diese Fans seien „gewalttätig“. Denn dann kann dieses Vorgehen auch keiner für falsch befinden. Die Zeitungen greifen dieses in München auch willig auf, schließlich wollen sie auch weiterhin Interna aus dem Liebesleben der dortigen Stars erhalten. Nachfragen, was wirklich geschehen ist, tut keiner. Warum auch – es ist doch alles so einfach. Man schafft sich einfach eine Welt, in der alles perfekt scheint. Und alles, was sich nicht kaufen lässt, wird aus dem Weg geräumt.

Liebe FC Bayern AG, Herzlich Glückwunsch! Sie haben es geschafft und sind Vorreiter in der Kampagne „Aufräumen bis zur WM 2006“.
Aber denken Sie immer daran: Stolz sollten sie darauf nicht sein. Und auch die Behauptung über die Gewalttätigkeit der Betroffenen wird nicht lange haltbar sein. Sie versuchen die Fankultur an sich zu zerstören und somit betrifft es auch uns. Und daher werden wir mit allen legalen Mitteln dagegen angehen.


Mit solidarischen Grüßen an Club Nr.12, Schickeria und Red Sharks, sowie alle anderen betroffenen Bayern Fans


Pro Fans
St.Pauli
Andree-UTB
BAFF - Presseerklärung zu den Fanclubausschlüssen in München und den Vorwürfen von Uli Hoeness

Das Bündnis aktiver Fußballfans BAFF ist empört über die Vorfälle aus München.
Der FC Bayern kündigt ohne konkrete Beweise drei Fanclubs mit einigen Hundert Mitgliedern die offizielle Fanclubmitgliedschaft. Das bedeutet für die betroffenen Fans keinen Erwerb von Dauerkarten und somit keinen Zugang zu den Heimspielen des FC Bayern und keine Möglichkeiten der Kartenvorbestellung z.B. Für Europapokal- und Auswärtsspiele. Auf diese Weise werden genau die Fangruppen in München ausgesperrt, die sich in der bundesweiten Fanorganisation PROFANS (ehemals PRO1530) aktiv beteiligen, für Ihre Rechte eintreten und konstruktive Vorschläge für Spielplanansetzungen, Fanbetreuung, Stadion- und Sicherheitskonzepte einbringen.
Diesen Fangruppen werden unter anderem "vereinsschädigendes Verhalten, Sachbeschädigungen, massive Drohungen gegen andere Fanklubs und gegen Bayern-Verantwortliche" vorgeworfen. Die Fanclubs selber streiten dies ab: Weder Sachbeschädigungen noch Drohungen geschweige denn Angriffe auf den Mannschaftsbus haben jemals von einem dieser Fanclubs stattgefunden. Aufgrund eines Vorfalles bei der Meisterfeier 2003, wo ein Verkehrspolizist eine „Humba“ (eine kleine Stimmungseinlage, wobei die Fans sich hinhocken um gleich darauf mit lauten Rufen wieder aufzuspringen) irrtümlich für eine „Sitzblockade“ hielt und daraufhin die Kreuzung mit Hilfe von Schlagstockeinsatz geräumt wurde, sollen jetzt drei Fanclubs des FC Bayern kollektiv bestraft werden.

Diese Form der Sippenhaft widerspricht nicht nur gängigem Rechtsempfinden sondern zeigt, auch mit welcher Willkür gegen Fans vorgegangen wird. Bei einer Meisterfeier mit Tausenden Menschen auf der Strasse und allerorts ausgelassener Stimmung sollte eine feiernde Menge nicht aufgrund von kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen strafrechtlich belangt werden. Sollten sich dennoch einzelne strafbare Handlungen ergeben, so sind die handelnden Personen dafür haftbar zu machen. Wie das funktioniert beschreibt unser Rechtsstaat. Kollektive Sippenhaft auf einen Verdacht hin gehört nicht dazu.

In der Sportbild vom 09.07.2003 steht folgendes geschrieben:„[...] Die Frage, die aufkommt: Sind diese Fanklubs [...] rechtsradikal? Uli Hoeness: "Sie sagen nein. Aber natürlich gibt es gewisse Elemente. Ob rechts oder nicht." Hoeness sieht da plötzlich eine Bedrohung heranwachsen. [..]"
Es wird also versucht, Fans, die nicht ins Konzept passen, mit Nazimethoden zu vergleichen und somit zu diskreditieren. BAFF, als antifaschistische und antirassistische Fan-Organisation, ist entsetzt über die Art und Weise mit denen gegen Fangruppen vorgegangen wird. Auch in der Sommerpause sollte man das Thema Rechtsradikalismus nicht inflationär und missbräuchlich benutzen, nur um eigene Interessen durchzusetzen.

Es handelt sich bei den Betroffenen um Fangruppen, die über Jahre dem FC Bayern die Treue gehalten haben, egal ob in der ersten Bundesliga, bei den Amateuren oder bei der Damenauswahl. Egal ob Heim oder Auswärts, egal ob In- oder Ausland. Diese Fangruppen sind immer dabei gewesen. Neben deren Anwesenheit und der Anfeuerung der Mannschaft bei jedem Spiel sind diese Fangruppen auch hauptverantwortlich für eindrucksvolle Choreographien in der Fankurve. Eine davon, die fantastisch anzusehende Choreographie beim Champions-League Finale 2001 in Mailand, soll sogar über Uli Hoeness´ Schreibtisch hängen.

Die Vorgehensweise des FC Bayern zeigt deutlich auf, wie gegen aktive Fußballfans vorgegangen wird. Sie sind nicht erwünscht in einem Wettbewerb, der nur noch aus kommerziellen Gründen besteht und nur nach Regeln der Wirtschaftlichkeit und des maximalen Profites geleitet wird. Der gewünschte Zuschauer ist konsumfreudig, unkritisch und mit jeder Veränderung zu Gunsten der Sponsoren oder der Profitoptimierung prinzipiell einverstanden. Der Wunschzuschauer sitzt, konsumiert und denkt nicht.
BAFF legt Wert darauf, dass die Fankultur in Deutschland über Jahrzehnte gewachsen ist und für viele, zumeist junge Menschen, einen selbstgewählten Freizeit- und Lebensinhalt darstellt. Diese Fankultur ist geprägt von der Identifikation mit einem Verein und von immensem Einsatz zu dessen Gunsten. Aktive Fußballfans sind alles andere als Gewalttäter, sie haben bundesweit Kontakte untereinander und bilden eine eigene Subkultur mit vielen Freizeitaktivitäten auch außerhalb von Fußballspielen der eigenen Vereine. Diese Fans sind es, die das Erlebnis Fußball zu einem solchen machen.

Die Profivereine und die Ligaverbände gehen aber immer massiver gegen diese Fangruppen vor. Sie sind nicht nur „störend“ aufgrund des Anspruches auf günstige Stehplätze, die wesentlich profitabler als teurere Sitzplätze verkauft werden könnten, diese Fans sind laut, manchmal unangepasst und sie sind keine willigen Statisten der Sponsoren. Insofern kommt es auch zu Kritik und Protest wenn beispielsweise Vereinsfarben zugunsten des Sponsors geändert werden oder traditionelle Stadionnamen gegen einen Produktnamen ausgetauscht werden. Das eigene Erleben, den eigenen Ausdruck möchten sich Fans nicht von einer Firma bestimmen lassen. Fans bringen sich selber für Ihren Verein ein und möchten dabei als Teil dessen akzeptiert werden. Natürlich besteht Verständnis für wirtschaftliche Zwänge und Regeln des Profisports. Allerdings ist eine hohe Sensibilität vorhanden, wenn eine Vereinsidentität oder der Sport an sich unter Vorgaben der Sponsoren leiden oder untergehen. Keinerlei Verständnis besteht für eine Ausgrenzung und vielfache Repression von über jahrzehnte gewachsenen Fanstrukturen.

Im Hinblick auf die WM2006 ist dies ein immer häufiger genutztes Vorgehen um ungeliebte Fangruppen auszusperren. Wenn diese einmal als „Gewalttäter“ stigmatisiert sind, ist es ein leichtes, die Öffentlichkeit von einem präventiven Vorgehen gegen diese Gruppen zu überzeugen. Leider haben Prominente Wirtschaftsbosse, wie der Vorstand des FC Bayern, ganz andere Möglichkeiten, über Medien und Sicherheitskräfte Einfluss zu nehmen. Fans sind da von vorneherein in der Defensive und müssen sich für Tatbestände in der Öffentlichkeit rechtfertigen, die aus Verleumdungen und Fehlinformationen bestehen. Zudem müssen sich Fans daran gewöhnen, aufgrund ihrer Kleidung oder lauten Gesängen oder ihrer bloßen Anwesenheit in Polizeikessel zu geraten, die Personalien feststellen zu lassen oder willkürliches Aussprechen von bundesweiten Stadionverboten Aufgrund von reinen Verdächtigungen oder aus „präventiver Vorsorge“ hinzunehmen.
BAFF ist, wie alle im Umfeld der Bundesliga, gewohnt an der polternden und oftmals ungerechten Art und Weise in der sich Herr Hoeness provokativ und aggressiv in der Sommerpause äußert. Dieses Mal werden aber die kleinsten und ohnmächtigsten Personen angegriffen: Junge Menschen, die dadurch diffamiert und kriminalisiert werden. Anstatt dass der Sport verbindet und Freizeitmöglichkeiten schafft, wird genau das Gegenteil erreicht. Besonders perfide und heuchlerisch ist dabei der Fakt, dass die angegriffenen Fangruppen immer noch das „Salz in der Suppe“ sind wenn es um die Stimmung im Stadion geht – der Grund, sich ein Fußballspiel vor Ort anzusehen. Diese Stimmung wird vielfältig eingefangen, auf offiziellen Vereinsmagazinen und Webseiten als Werbung in eigener Sache präsentiert und vom Fernsehen in vielen Beiträgen mitgezeigt. Das ist ein nicht unerheblicher Teil des Produkts Fußball. Gute Stimmung und bunte, laute Unterstützung der Mannschaft soll zwar weiter geschehen, aber die Macher und Initiatoren werden ausgesperrt und mit Repressalien eingeschüchtert.

• BAFF verwehrt sich gegen die Gleichstellung von aktiven Fußballfans und Gewalttätern und der damit verbundenen Kriminalisierung von friedlichen und selbstdefinierten Gruppen.
• BAFF protestiert gegen präventive Maßnahmen gegen Fußballfans, die aus persönlichen Verdachtsmomenten einzelner Beamter resultieren.
• BAFF steht für aktive Fußballfans ein und sieht das Ereignis Profifußball als ein gesellschaftliches Ereignis, welches auch aus den gewachsenen Strukturen der Fanszenen besteht. Dies zu zerstören bedeutet die Zerschlagung der Fußballkultur wie sie bekannt ist.

Quelle: BAFF
FascinoBrema
Hier ein recht Objektiver Bericht der Süddeutschen Zeitung

Zitat:
Alter Umgang mit neuen Fans

Das Beispiel FC Bayern: Den Vereinen fehlt oft das Verständnis für die Veränderungen in den Stadion-Kurven.
von Christoph Biermann


(SZ vom 10.7.2003) – Die Selbstdarstellung von Gregor Weinreich, 26, hat seit Mittwoch einen verzweifelt sarkastischen Unterton. Der Vorsitzende des Club Nr. 12, eines Zusammenschlusses von Fans des FC Bayern, beschreibt sich als „mäßig intelligent, Bauingenieur, Wechselwähler (nicht zwischen DVU und NPD)“, trage „Anzug gern ohne Krawatte, im Moment keinen Mord planend“. Eine witzige Replik soll das sein auf den Bayern-Manager Uli Hoeneß. Nur ist Weinreich nicht nach Späßen zumute, unter Tränen sagt er: „Ich bin fix und fertig.“ Der Club Nr. 12 und zwei weitere Fan-Klubs, insgesamt mehrere hundert Anhänger, wurden letzte Woche vom FC Bayern ausgeschlossen; sie sollen an Ausschreitungen und Sachbeschädigungen beteiligt gewesen sein. Bewiesen wurde das bislang nicht.

Prima Rufmord

Doch mit solcher Kollektiv-Verurteilung nicht genug. Als Reaktion auf die Ausschlüsse, so wird Hoeneß in der gestrigen Ausgabe von Sport-Bild zitiert, hätte der Fanbeauftragte und ehemalige Bayern-Keeper Raimund Aumann Morddrohungen bekommen. Anonym per Internet und E-Mail geschah das zwar, doch ein Täterprofil hatte Hoeneß gleich parat: „hochintelligent, Betriebswirtschaftler, Anzug und Krawatte“. Die rechtsradikale Haltung glaubt der Manager auch zu kennen. „Sie sagen nein. Aber natürlich gibt es gewisse Elemente. Ob rechts oder nicht.“ Das ist schwammig formuliert, funktioniert aber als Rufmord gegenüber den Geschassten ganz prima und ist bisheriger Gipfel einer Debatte, die über die Klärung von Recht und Unrecht in München hinausgeht.

„Solche Probleme gibt es vor allem dort, wo ehemalige Profis die Fanbetreuung übernommen haben“, sagt Thomas Weinmann, Fanbeauftragter bei Borussia Mönchengladbach. Denen würde oft ein tieferes Verständnis für das Gewusel in den Kurven fehlen. Ähnlich den popkulturellen Subkulturen hat es nämlich auch in den Fan-Kurven eine große Ausdifferenzierung gegeben.

Der Fankultur letzte Wendung sind die Ultras, die seit rund vier Jahren in Deutschland ungeheuren Zulauf haben. Als „total intelligente, hochmotivierte Leute“ beschreibt sie Thomas Schneider von der Koordinationsstelle Fan-Projekte (KOS) in Frankfurt. Die Ultras, zu denen sich auch die vom FC Bayern ausgeschlossene Schickeria München zählt, orientieren sich nicht mehr am Vorbild englischer, sondern an dem italienischer Fans. Im Mittelpunkt steht eine möglichst opulente Selbstinszenierung durch große Schwenkfahnen oder Kurvenchoreographien mit Papptäfelchen im Stil nordkoreanischer Jubelfeiern.

Das gefällt auch vielen Fußballverantwortlichen. Uli Hoeneß hat ein großes Foto von der Choreografie beim Champions-League-Finale 2001 in seinem Büro hängen. „Heute ist ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben“, hatten die Fans ihrer Mannschaft auf einem riesigen Transparent mitgeteilt und die Kurve in Rot und Weiß getaucht – organisiert vom nun verbannten Club Nr. 12.

Einerseits sind die Ultras mit ihrem Sinn für Inszenierungen also durchaus geschäftskompatibel, unkritisch aber sind sie nicht. Fast jede Ultra-Gruppierungen bezieht sich auf ein Manifest, das Fans des AS Rom verfasst haben. Dort wird die Kommerzialisierung des Fußballs kritisiert und die alte Angst vor Verdrängung aus dem Stadion formuliert: „In den Köpfen der Funktionäre nimmt die Zukunft bereits Gestalt an: Es wird der gezähmte Fan erwünscht, der moderate Stimmung verbreitet, aber nur soviel, wie als Hintergrundeinspielung für die Fernsehübertragung notwendig ist.“

Ausverkauf der Tradition

Die vom FC Bayern sanktionierten Fans hatten sich eingemischt, etwa Vorschläge für den Kartenverkauf gemacht oder vehement das Trikot der Bayern in der Magenta-Farbe des Hauptsponsors als Ausverkauf der Tradition kritisiert. Andererseits hatten sie sich aktiv am Wahlkampf für das neue Münchener Stadion beteiligt, Flugblätter aus eigener Tasche finanziert und hinterher sogar einen Dankesbrief bekommen. Das entspricht dem sozialen Hintergrund der neuen Fangeneration. „Sie sind deutlich der Mittelschicht zuzuordnen“, sagt Schneider von der KOS. Nur werden sie anders wahrgenommen. „Vor allem die Ultras erleben Umgangsformen, die für Hooligans ausgedacht wurden“, sagt Schneider.

Dabei spielt Hooliganismus, von vereinzelten Ausbrüchen abgesehen, in Deutschland fast keine Rolle mehr. Trotzdem sind die Sicherheitskonzepte noch immer auf den gewalttätigen Fan der achtziger und frühen neunziger Jahre ausgerichtet. „Der ganze Apparat müsste eigentlich abgebaut werden“, sagt Gladbachs Fanbeauftragter Weinmann. Wird er aber nicht. Die Polizei verweist auf stabile Statistiken bei Delikten im Umfeld des Fußballs. Nur erklären die sich durch eine völlig veränderte Einschätzung von dem, was erlaubt ist. „Die Verhältnismäßigkeit hat sich verschoben“, sagt Weinmann.

Die Aktion Pro Fans, aus Pro15:30Uhr hervorgegangen, hat eine Reihe nur noch bizarr zu nennender Beispiele dafür gesammelt, wie schnell inzwischen bundesweite Stadionverbote ausgesprochen werden. Schon ein wegen eines Gegentores wütend weggeworfener Bierbecher kann dazu reichen. Immer häufiger wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen, und man könnte den Eindruck gewinnen, dass System dahinter steckt. „Es ist doch verlockend, wenn man das wirtschaftlich sieht“, sagt Weinreich vom Club Nr. 12. Er meint damit, dass fordernde, manchmal vielleicht auch für nervend gehaltene Fans durch solche ersetzt werden, die brav zahlen und dann gehen. Und Stimmung kann man auch anders machen. Der FC Bayern überlegt, das akustische Loch in der Südkurve im kommenden Jahr mit einer Blaskapelle aufzufüllen.
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Kommentar

Raus aus dem FC-Bayern-Land

von Ralf Wiegand




(SZ vom 10.7.2003) - Was würden die Spieler des FCBayern davon halten, wenn ihnen die Polizei alle Führerscheine abnähme, nur weil Oliver Kahn sich nicht an die Regeln auf deutschen Autobahnen halten kann?

Vermutlich würden sie das nicht verstehen, obwohl Kahn, als Kapitän ein hoher Botschafter seines Klubs, nachweislich das Gaspedal überstrapaziert hat. Die Ermittlungen gegen einzelne Mitglieder der Fan-Klubs, die der FC Bayern kollektiv ausgeschlossen hat, laufen indes noch. Das Urteil des Vereins steht aber schon fest: vereinsschädigendes Verhalten, raus mit allen! Und als Abschiedsgruß gibt’s noch ein paar vage Pauschalanklagen vom Manager persönlich hinterher geworfen.

Mal wieder spielt die oberste Moralinstanz des Fußballs mit ihrer Macht. Natürlich ist es ratsam, kleinste Anzeichen von Gewaltbereitschaft unter seinen Fans zu beobachten, und es ist gut, dass ein Verein rechtsradikale Gruppen nicht zu seinem Gefolge zählen möchte und recherchiert, ob sich da was zusammenbraut. Nur: Der FC Bayern beobachtet und recherchiert selten. Er explodiert. Der kleinste Kratzer auf dem blank polierten Lack des Weltklubs gilt als Totalschaden. Das Image ist heilig, verteidigt wird es notfalls durch Selbstjustiz.

Bisher traf der Zorn andere. Die Deutsche Fußball-Liga, der die Bayern mitteilten, sie solle wegen der Kirch-Verträge ruhig ermitteln, aber man werde kein negatives Urteil akzeptieren. Den Sender RTL, dem Manager Hoeneß alles Schlechte wünscht, weil er die Champions-League-Rechte verschmäht. Real Madrid mit der Zirkusnummer Beckham. Lothar Matthäus, der die Bilanz seines Abschiedsspiels prüfen wollte und den die Bayern offen mit einer Kampagne bedrohten, ehe sich der erste Richter nur geräuspert hatte. Und so weiter, und so fort.

Die Selbstherrlichkeit speist sich aus ungebremstem Zulauf. Sponsoren drängeln sich um Werbeplätze, Politiker auf der Ehrentribüne, Fans um Dauerkarten auf verregneten Plätzen. Die Bayern wähnen sich im Boom-Gebraus als Gegenentwurf zu Jammer-Deutschland. Sie können einen Klub durch ein einziges Gastspiel vor dem Konkurs retten und ein Stadion finanzieren, größer und schöner als alle anderen.

Die Bayern: ein Staat im Staat. Oberster Verfassungsgrundsatz im FC-Bayern-Land: Alles hat zum Wohle des Klubs zu geschehen. Die von so viel Selbstgefälligkeit überrollten Anhänger sprechen von ihrem Verein eingeschüchtert als „das System“ oder „die AG“, als handele es sich um eine Diktatur. Die ausgeschlossenen Fan-Klubs, die sich pauschal verunglimpft sehen, resignieren vor der Medienmacht FC Bayern.

Bisher polarisierte der Verein nur die Lager, nun spaltet er die Basis seines Ruhms: das eigene Volk. Das ist noch selten einem Staat bekommen.
Südländer
Andree-UTB
@Fascino: Erst lesen, dann posten !

Diesen Brief hab ich schon vor ner Stunde gepostet !
Andree-UTB
Sehr ergreifend...


Zitat:
Hallo Freunde, Bekannte, Sympathisanten, Journalisten und Interessierte,

dies ist unsere (vorerst) letzte Mitteilung an die Öffentlichkeit.

Wir haben resigniert und werden daher (vorerst!) nicht per Gericht gegen unseren Verein vorgehen. Wir werden hier mit Lügen und Verleumdungen „beworfen“. Mag es sein, daß wir auch vor Gericht sehr gute Chancen hätten; aber wie sollen 12 Freunde (überwiegend Schüler und Studenten) die finanziellen Mittel aufwenden, sich auf diesem Wege zu wehren?

Wir würden hier gegen ein System kämpfen, gegenüber dem sich nur wenige (aufrechte) Journalisten sich wirklich trauen, sich kritisch zu äußern.

Wir würden uns gegen ein System wehren, das einen per Zeitungsartikel verurteilt ohne einmal unsere Meinung gehört zu haben.

Und wir müssten uns gegen den Verein wenden, den wir Jahre lang so geliebt haben!

Den Angestellten des Vereins sei gesagt:

Wie könnt ihr euch es erlauben, über uns zu urteilen? Ihr kennt uns nicht, und ihr wisst nicht was wir in den letzten 5 Jahren für den FC Bayern geopfert haben!

Oder kennt ihr die Gefühle, die einem manchmal auf der Heimfahrt von einem Auswärtsspiel durch den Kopf gehen, wenn ihr schon in München gelandet seid und in eurem Bett liegt?

Wenn du noch 600 km fahren musst, und schon 30 Stunden wach bist?

Wenn du Hunger hast, und das Geld aber nur noch zum Tanken reicht?


Wenn du wieder deinen Freunden absagst, da du erst um 4 Uhr nachts wieder in München bist?

Wenn die Eltern oder Verwandten Geburtstag haben, und der FC Bayern spielt?

Und du wieder einmal nicht zu Hause bist.

Was hat euch an uns gestört?


Ist es unser Fehler, daß wir keine Fanartikel kaufen?


Warum sollten wir? Wir tragen die Farben doch im Herzen und verwenden unser Geld lieber dafür, alle Spiele zu sehen!


Ist es unser Fehler, daß wir nie bei euch vorstellig geworden sind?


Daß wir in all den Jahren keine einzige Forderung an den Verein gestellt haben? Wir wollten keinen Spieler auf unserer Weihnachtsfeier, keine Autogrammkarten, keine Geschenke! Nichts!


Ist es unser Fehler, daß wir in unserem öffentlichen Gästebuch anonyme Einträge gegen unseren Verein nicht rechtzeitig gelöscht haben? Weil wir sie für das Werk feiger dummer Menschen halten, die es nicht einmal wert sind beachtet zu werden!


Glaubt ihr ernsthaft wir würden selber so etwas über unseren Verein schreiben oder gar gut heißen?


Warum wollt /wolltet ihr nicht wenigstens mit uns sprechen? Warum behauptet ihr, mit uns geredet zu haben?

Es stimmt uns traurig und beschämt uns, wie ihr mit uns umgeht!



In diesen Stunden hilft nur noch der Gedanke an alles, was wir erlebt haben.

- Meisterschaften und Pokalsiege, aber auch Niederlagen, die wir mit Stolz ertragen haben.

- Aber auch unglaubliche Gastfreundschaft in den Ländern, in die wie euch gefolgt sind, neue Freundschaften, lustige Begebenheiten und gepflegte Partys.

- Die Resonanz von über 70 Vereinen aus 6 verschiedenen Ländern, die Meinungen der aufrichtigen Bayern – Fans, die nicht länger schweigen wollen, die Leute im Verein, die wissen, was der FC Bayern für uns bedeutet (hat), die Zustimmung von unzähligen Leuten, die uns kennen und wissen, was abläuft.

Ihr könnt versuchen, Lügen über uns zu verbreiten und damit unseren Ruf im Privatleben ruinieren, aber ihr könnt nie den Ruf der RED SHARKS zerstören!


Es gibt auch Menschen, die nicht alles glauben, was in der Zeitung steht! Die nachfragen und Hintergründe wissen wollen! Und Menschen, die die Wahrheit kennen!

Ihr könnt nicht den Stolz zerstören, immer unsere Meinung gesagt zu haben, wenn andere geschwiegen haben.


Ihr könnt nicht unseren Stolz zerstören, euch gefolgt zu sein, wenn andere erklärt haben, eine Reise nach Belgrad oder Rotterdam sei ihnen zu gefährlich.

Ihr könnt nicht den Stolz zerstören auf das, was wir erreicht haben!

12 Freunde fürs Leben zu finden, die soviel gemeinsam erlebt haben, ist ein Ausgleich für das, was ihr jetzt mit uns macht!

RED SHARKS wird es noch geben, wenn sich die Belegschaft des FC Bayern schon längst wieder geändert hat! Wenn sich andere Leute an der Vereinsspitze damit beschäftigen, warum sich der Verein in den vergangenen so dramatisch verändert hat!

Wenn die Mannschaft in Moskau auf das Spielfeld läuft und keine Bayern - Fahne mehr im Wind weht, ein leerer Gästeblock im Fernsehen erscheint. Werdet ihr dann endlich merken, daß man sich seine Fans nicht kaufen kann?

Ein Dank geht an alle, die merken, was hier geschieht. An die Leute im Verein, die noch das verkörpern, warum wir einst zum FC Bayern gekommen sind. An die unzähligen Freunde, die wir gewonnen haben!

Wir können aufrecht in die Zukunft schauen.


Könnt ihr das auch?




Mit rot-weißen Grüßen

RED SHARKS


- München -


Quelle: www.redsharks.de
FascinoBrema
Zitat:
Original von Andree-UTB
@Fascino: Erst lesen, dann posten !

Diesen Brief hab ich schon vor ner Stunde gepostet !


Oh! :aua:

Hab ihn gelöscht!