WK: Ein Traum und ein Albtraum [Valdez]

Bibi86
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Nelson Valdez hofft aufs WM-Halbfinale - und ist enttäuscht von den Werder-Fans

Von unserem Redakteur
Olaf Dorow

BREMEN. Niemand hatte das gewollt, niemand hatte es geplant. Ein unsichtbares Messer durchschnitt die Pressekonferenz mit Werders Angreifer Nelson Valdez präzise in zwei Teile. Der eine Teil war sonnig und heiter. Der andere, um im Bild zu bleiben, voller tiefschwarzer Regenwolken. Im ersten Abschnitt ging es streng genommen auch gar nicht um Nelson Valdez, sondern um Nelson Haedo. So nennt man den Stürmer im fußballverrückten Paraguay. Manche sagen auch: San Haedo (Heiliger Haedo). Der Bremer Stürmers hatte im Endspurt der südamerikanischen Qualifikation das WM-Ticket herbeigeschossen - und damit das ganze Land beglückt. Als die Kicker nach dem Triumph in Asuncion, der Hauptstadt Paraguays, von den Fans empfangen wurden, "warst du am Flughafen allein schon von der Luft besoffen", erzählt Valdez. Der Traum soll weiter gehen. Paraguay, in der WM-Gruppe B mit England, Schweden und Trinidad konfrontiert, rechnet sich durchaus Chancen auf das Halbfinale aus. Im Auftaktmatch gegen England, am 10. Juni in Frankfurt, sieht Valdez "unser Schlüsselspiel." Läuft es gut, könnte auch die ganze WM gut laufen. Auf dem Weg ins erträumte Halbfinale könnte Paraguay im Achtelfinale auf Deutschland treffen. "Das wär’ gut", sagt Valdez, "dann gäb’s eine Revanche. Bei der WM 2002 hatte es eben dieses Achtelfinale gegeben. Deutschland hatte, nach mäßigem Spiel, 1:0 gewonnen. Nelson Valdez war 18 und bewohnte ein Zimmer im Werder-Internat. Als im fernen Südkorea Oliver Neuville das goldene Tor für das DFB-Team schoss, bollerten die Mitbewohner im Internat an Valdez’ Tür. "Ich hab getan, als wär’ ich nicht da", erzählt er. Diesmal will er als WM-Spieler zurückbollern. Er fühlt sich als "100-Prozent-Stamm-Stürmer" in der Nationalmannschaft. Der andere heißt Roque Santa-Cruz und steht beim FC Bayern unter Vertrag. "Heimvorteil für Paraguay", sagt Nelson Valdez dazu und schwärmt, was der WM-Sommer alles aus ihm machen könnte. "Diese WM könnte für mich der Durchbruch werden. Ich könnte ein Held werden zuhause."Nach dem Sommer jedoch könnte aus der Held schnell zu einem Ritter von trauriger Gestalt verkommen. Der Fußball produziert ständig solche Geschichten. Vor zwei Jahren stürzte zum Beispiel Werders griechischer EM-Heros Angelos Charisteas im Bundesliga-Alltag ins Bodenlose. Eine ähnliche Entwicklung sieht auch Nelson Valdez heraufziehen und damit ist er bei Abschnitt B der geteilten Pressekonferenz angekommen. Nicht nur, dass er sich bei Werder ganz im Gegensatz zu Paraguay nicht als Stammspieler sieht. Er ist schwer enttäuscht von Werders Kundschaft. "Gegen Köln", sagt er "habe ich schlecht gespielt." Aber: "Ich liege ich verletzt am Boden. Und die Leute pfeifen und rufen nach Ivan Klasnic." Ein Albtraum. Er fühlt sich immer unwohler im Weserstadion. "Wenn ich allein entscheiden könnte", sagt er, "würde ich sofort gehen." Er kann aber nicht allein entscheiden. Sein Vertrag läuft noch bis 2007. Borussia Dortmund, das um den Werder-Stürmer buhlt, und Werder konnten sich noch nicht auf eine Ablösesumme einigen. Werder erklärt offiziell weiterhin, man plane auch für die nächste Saison mit Nelson Valdez.Der sagt: "Das wäre hart. Für die Fans und für mich." Das Tischtuch scheint zerschnitten. "Wenn du ausgepfiffen wirst von den eigenen Leuten," sagt er, "dann hast du keine Chance mehr, stark zu sein." Nach dem Köln-Spiel, in dem er schlecht war, hat er mit Ivan Klasnic telefoniert (der gut war, zwei Tore schoss und gegen den HSV wieder beginnen dürfte). Der Kollege habe ihm beim Thema Fan-Pfiffe geraten: "Ach Sch... drauf." Ob Nelson Valdez das kann, darf nach der gestrigen Pressekonferenz bezweifelt werden. Zumindest nach dem zweiten Teil der Konferenz.