Stadionverbote: 59 Bayernfans auf Verdacht ausgesperrt!

mazzo
Die originale Quelle ist www.bayern.foros.de, genauer: http://www.bundesligaforen.de/thread.php?threadid=3619. Der Autor (Nickname "Caledonia") ist mein Adminkollege dort.

In den letzten Tagen hat der Brief in der Bayernszene aber derartig Wellen geschlagen und wurde so oft ins offizielle Bayernforum gepostet, dass dortiges löschen nichts mehr brachte. Parallel wurde das dann an Presse und allerlei Foren weitergeleitet, so dass es eine extreme Eigendynamik erhielt. dabei hat Cale sich nur lang angestauten Frust von der Seele geschrieben und den Brief lediglich in seinem "Heimatforum" gepostet.

Inzwischen hatte Cale ein Gespräch mit Andi Brück, dem anderen Fanbeauftragten der Bayern (siehe im obigen Brief), den er noch aus alten Tagen kennt. Der Verein hat alles mitbekommen und liest bim übrigen auf bayern.foros.de täglich mit (die haben FBs, die das Internet benutzen, nicht nur im offiziellen Forum mitlesen und die Inhalte sogar begreifen! Was es nicht alles gibt!).

Nun hat Cale morgen früh einen Telefontermin mit Aumann, wo dieser ihm vermutlich irgendwas erzählen wird um die Forderung nach seinem Rücktritt zu entkräften. Der Verein scheint offenbar schiss zu haben, dass auf diese Weise völlig berechtigte Interessen auf eine Weise wahrgenommen werden, wo man nicht zurückballern kann im Stil von "diese Chaoten" usw.

Cale hat aber auch keine Lust sich einlullen zu lassen. Ich bin gespannt was draus wird.

Die weitere Entwicklung wird unter oben angegebenen Link nachzulesen sein.
MrBonde
Mal der Artikel aus der Sportbild:




Aumanns größter Fehler dürfte gewesen sein, dass er sich geweigert hat, mit der SportBild zu reden. Das lassen die sich nicht gefallen, was in diesem Fall ja mal ganz lustig anzugucken ist.
MrBonde
Zitat:

Stellungnahme von Raimond Aumann:

Als ich von den Vorfällen in Duisburg erfuhr, habe ich mich mit Vertretern der beschuldigten Fan-Gruppe, der Fan-Polizei und des Fan-Projektes mehrfach zusammengesetzt, um mögliche Maßnahmen von Seiten des FC Bayern zu diskutieren. Da das Stadionverbot vom MSV Duisburg ausgesprochen wurde, kann es auch nur von MSV Duisburg zurück genommen werden. Dies geschieht in dem Fall, dass gegen die beschuldigten Personen keine Anklage erhoben wird, sie also frei gesprochen werden. Dann würden diese Personen auch ihre Vereinsmitgliedschaft beim FC Bayern zurück erhalten. Derzeit laufen die Ermittlungen noch.

Mit den Vorfällen in Duisburg hat sich dann auch ein Reporter der „Sport Bild“ beschäftigt, und in der Ausgabe 20/2006 auf der Seite 28 einen Artikel darüber verfasst, in dem er mich auf seine Bitte, zu den Vorfällen in Duisburg zu äußern, mit den Worten „Ich habe keinen Bock“ zitiert.

Fakt ist, dass ich vor diesem Telefonat am Sonntagmorgen den 14. Mai mehrfach schon im Kontakt mit diesem Reporter stand und ihm in einem ausführlichen Telefonat am 09.05.06 unter Zeugen erklärte, er soll sich doch bitte auch an die Verantwortlichen des MSV und der Duisburger Polizei wenden. Zudem hat er sich sogar per Mail am 11.05.06 folgende Aussage von mir autorisieren lassen:

„Die Verfahren laufen. Darum kann ich nichts dazu sagen. Wir erwarten, dass sich unsere Fans friedlich verhalten und wollen aber auch niemanden vorverurteilen.“

Daraufhin rief er mich erneut an diesem Sonntagmorgen – es war der Tag nach unserer Meisterfeier in München – auf meinem Privat-Handy an. Ich teilte ihm mit, dass ich jetzt keinen Bock hätte mit ihm zu sprechen und er mich doch am Montag in meinem Büro kontaktieren kann.
oberhausener
aha...


wir wollen also niemanden vorverurteilen, schließen ihn aber aufgrund der geschehnisse pauschal mal aus dem verein aus. ich habe selten gesehn, dass man es schafft, sich in so wenig worten, selbst zu widersprechen.

eine billige art, sich herauszureden.
Südländer
Oh ja. Noch ein sehr schöner Satz:

Zitat:
Original von MrBonde

Stellungnahme von Raimond Aumann:

Dies geschieht in dem Fall, dass gegen die beschuldigten Personen keine Anklage erhoben wird, sie also frei gesprochen werden.


Pro Ahnung!
MrBonde
Hehe, stimmt.

Sie wurden angeklagt? Dann gibts SV. (Was beim Verfahren rauskam ist dann auch egal)

Sie wurden nicht angeklagt und konnten von daher auch nicht freigesprochen werden? Schade, ohne Freispruch geht da nichts.
Dr. Steif
Vollkommen blind. Die eigenen Fans und Mitglieder werden von Dritten beschuldigt und vorsorglich schliesst man sie erstmal aus dem Verein aus. Völlig logisch. Bei Freispruch (aber damit wird ja offensichtlich gar nicht erst gerechnet oder drauf gehofft...) gibt es dann die Mitgliedschaft zurück. Aha. Ich würde drauf scheissen.

Wie dumm muss Aumann sein um so mit der Presse, gerade der Abteilung Bild und Co., umzugehen...
mirco214
aumann ist glaub ich gerade fleißig dabei sich sein eigenes grab zu schaufeln. was an der ganzen sache schade ist, ist das die sache nicht in der laufenden spielzeit geklärt werden kann, im stadion würden mögliche aktionen immernoch am meisten aufsehn erregen. aber vereins rausschmiß scheint ja bei den bayern nen beliebtes mittel zu sein "bösen" fans den rücken zu kehren weis nicht ob mich das beeindrucken würde.
HornsbyHB
Zitat:
Original von RE-Orhan

Das nen ich konsequent!!!
Deutschland 2006: "Ehrenmörder",Kinderschänder,Drogendealer usw können sich austoben wie sie wollen.Hauptsache "unsere schöne WM" ist davon nicht betroffen und die Bullen haben was vorzuweisen im Kampf gegen die"Feinde des Fussballs"


Moin Orhan,

immerhin will man auch gegen Zwangsprostitution vorgehen und die Zwangsprostituierten vom Kiez holen und ausweisen. Natürlich nicht die Zuhälter, denn dann hätte man ja Streß ...
HornsbyHB
Zitat:
Original von BadVilbel
mal ganz im ernst: das ganze soll jetzt als willkür ausgelegt werden, weil man auf den zug aufspringen will ungerecht dem wm-wahn zum opfer zu fallen. mag sicherlich viele unbeteiligte unter den 59 geben aber im kern muss eine dummheit wie eine auseinandersetzung vor der heimkurve doch bestraft werden. eine gruppe die so blauäugig agiert und sogar offiziell kleine rangeleien zu gesteht braucht sich doch nicht wundern das es dort so ausartet.


Und wie ernst ist dein Beitrag gemeint ?
Suffältester
Zu dem Brief und den Stadionverboten gibt es jetzt auch eine eigene Homepage mit Unterschriftenlisten:

http://www.mir-san-bayern.de.vu/
Südländer
Kategorie Pech

Die 59 Stadionverbote des FC Bayern sind noch immer nicht ausreichend bearbeitet - seit April müssen Fans auf Verdacht draußen bleiben


Auf dem Weg zur Arbeit fährt die Versicherungskauffrau Sonja Maier täglich an der Fröttmaninger Arena vorbei. "Es tut jedes Mal weh", sagt sie. Besonders an Tagen, an denen die Arena rot leuchtet. Denn Sonja Maier, 23, ist Fan des FC Bayern, das Stadion ist ihre Heimat. Aber betreten darf sie es nicht mehr. Die Spiele sieht sie nur im Fernsehen.

Sonja Maier gehört zu 59 Anhängern des FC Bayern, die Ende März nach dem Bundesliga-Spiel in Duisburg Stadionverbote erhalten haben. Es war dort zu Auseinandersetzungen mit Duisburger Anhängern und der Polizei gekommen, Fans schmissen Steine, ein Unbekannter verprügelte einen Mann auf dem Parkplatz. Einige Bayern-Fans haben dort Straftaten begangen - Sonja Maier beteuert jedoch, dass sie und ihre Bekannten damit nichts zu tun hatten. Unvermittelt habe sie sich in einer von der Polizei eingekesselten Gruppe wiedergefunden und ihre Personalien angeben müssen.

"Auf einmal eingekesselt"

Thomas Emmes vom Fanprojekt der Stadt München glaubt ihr und meint, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Das Stadionverbot ist ein legitimes Mittel, um die Sicherheit in den Stadien zu gewährleisten. In immer mehr Fällen trifft es jedoch offenbar die Falschen, während viele Intensivtäter ("Kategorie C") laut eines vom Spiegel zitierten internen Lagebilds der Polizei überhaupt nicht erkannt werden. Emmes kennt seine Klientel genau. "In Duisburg waren da wieder völlig unbelastete, nie auffällig gewordene Jungs dabei", sagt er. "Die laufen einer Gruppe hinterher und sind auf einmal eingekesselt." Dann gehören sie zur Kategorie Pech. Durch den Einsatz des Fanprojekts wurde zumindest das Duisburger Stadionverbot gegen einen angeblichen Schläger aufgehoben, der schwer körperbehindert ist.

Für die Fans, die stets an das "mir-san-mir" des FC Bayern geglaubt und den Verein als Familie verstanden haben, bricht eine Welt zusammen. Vor drei Wochen hat Sonja Maier einen neuen Mitgliedsausweis erhalten, 25 Euro Beitrag wurden von ihrem Konto abgebucht. "Da dachte ich, der FC Bayern steht doch noch hinter uns", sagt sie. Aber es war nur ein Computerfehler. Einige Tage später kam ein Schreiben, unterzeichnet von Franz Beckenbauer: Der Ehrenrat des Vereins habe den Einspruch gegen das Stadionverbot abgelehnt, die Mitgliedschaft wurde wieder aberkannt.

Auf Nachfrage verweist der FCB-Fanbeauftragte Raimond Aumann auf den MSV Duisburg, denn der hat das zweijährige Stadionverbot ausgesprochen. Aumann verweist auf den MSV, der MSV auf die Gerichte. Er habe nur die Richtlinie des Deutschen Fußball-Bundes umgesetzt, wonach bei einem laufenden Ermittlungsverfahren Stadionverbot ausgesprochen werden soll, sagt der Duisburger Sicherheitsbeauftragte Michael Meier. Bevor es aufgehoben werden könne, müsse der Ausgang des Verfahrens abgewartet werden. Über den genauen Stand dieses Verfahrens, ob es überhaupt schon eingeleitet worden ist, weiß Sonja Maier noch nichts. "Ich habe bis heute kein Schreiben erhalten", sagt sie. Andy Brück, Fanbeauftragter des FC Bayern, ist "sicher, dass viele nichts gemacht haben und der größte Teil irgendwann eingestellt wird. Es ist allgemein so, dass sich das verschleppt."

Auch bei 1860 liegen derzeit Stadionverbote vor, 33 sind es (Bayern: 127, Haching: vier). Vizepräsident Wolfgang Hauner erklärte den Fans in ihrem Internet-Forum: "Sobald ein offizielles Schreiben an den TSV 1860 geht, dass die mitgeteilten Vorwürfe nicht zutreffen, wird man sich mit der Aufhebung beschäftigen."

"Diesen ganzen Ablauf muss man überdenken", fordert Sozialarbeiter Emmes, "im Moment kommt erst die Strafe und dann die Verurteilung." Die Vereine argumentieren, es handele sich gar nicht um eine Strafe sondern um eine Präventivmaßnahme und rechtfertigen diese Reihenfolge mit ihrem Hausrecht: Der Eigentümer oder Mieter des Stadions könne entscheiden, wen er hineinlässt. Die Vereine der Deutschen Fußball Liga übertragen sich dieses Hausrecht durch einen Vertrag gegenseitig - also verfügt im Fall von Sonja Maier der MSV Duisburg über das Hausrecht an der Münchner Arena.

Allerdings hegen einige Juristen, zum Beispiel im Namen der Organisation "Pro Fans", Zweifel an diesem Vorgehen. Die Hausrechtsausübung darf nach dem BGB "nicht willkürlich" sein. Wann ein Stadionverbot den Fan in seinen "absoluten Rechten" verletzt, sei in der Rechtsprechung bislang noch ungeklärt. Ein Stadion ist aus dieser Sicht vergleichbar mit öffentlichen Einrichtungen wie Stadthallen und Museen, die "weitestmöglich der Allgemeinheit zugänglich sein" sollen. Dort können Hausverbote nur in besonders bedeutenden Fällen ausgesprochen werden.

Solche Überlegungen helfen den Fans, die im Moment auf Verdacht ausgeschlossen sind, wenig. Viele, die vor der Weltmeisterschaft ein Stadionverbot erhalten haben, vermuten einen Zusammenhang. "Die Gefahr für die WM durch Hooligans wurde gezielt hochgespielt, um Sicherheitsmaßnahmen besser durchsetzen zu können", meint Matthias Bettag vom Bündnis Aktiver Fußballfans (Baff). Die Zahlen stützen diese Vermutung. Vor fünf Jahren seien nur 2000 Personen in der Datei "Gewalttäter Sport" gespeichert gewesen, sagt Bettag. Kurz vor der WM seien es über 7000 gewesen. Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) beim Landeskriminalamt Düsseldorf hat bestätigt, dass in den zwölf Monaten vor der WM über 1000 Personen neu in die Datei aufgenommen wurden.

Die Datei "Gewalttäter Sport" ist vor allem deshalb umstritten, weil viele Fans über ihre Aufnahme nicht informiert werden - und deshalb nicht juristisch dagegen vorgehen können. Weder ein Ermittlungsverfahren noch eine Verurteilung sind für die Registrierung nötig - es reicht die Feststellung der Personalien bei einem Fußballspiel. Wer befürchtet, er könne dort erfasst sein, muss darüber von sich aus Mitteilung verlangen.

Ombudsstelle gefordert

Dabei sind die Konsequenzen zuweilen schwerwiegend. Jedem "Gewalttäter Sport" könne an der Grenze die Ausreise verweigert werden, ohne dass ein rechtsstaatliches Verfahren gegen ihn eingeleitet worden wäre, sagt Bettags Kollege Wilko Zicht. Er spricht von einem "Ersatzstrafrecht", das sich Vereine und Polizei geschaffen hätten. Emmes berichtet von "Fällen, da fährt ein ganz normaler Junge mit seiner Freundin in Urlaub, und die erfährt an der Grenze, dass ihr Freund ein Gewalttäter sei. Und die Information geht an den Polizisten in seinem Dorf, da ist er abgestempelt." Eine Ombudsstelle, die der ehemalige Innenminister Otto Schily angekündigt hatte, gibt es noch nicht - und damit kein Anhörungsrecht für die Betroffenen.

Schon geringe Vergehen genügen nach Einschätzung des Baff, um als "Gewalttäter" registriert zu werden. Ein Gastspiel bei Schalke 04 endete laut Zicht für den Vorsänger der Fankurve von Werder Bremen mit einem bundesweiten Stadionverbot, "weil er auf einer Plexiglasscheibe saß". Und der Münchner Student Simon Müller habe ein Stadionverbot erhalten, weil er auf einer Toilette des Gladbacher Stadions einen Aufkleber angebracht hatte. "Bagatellvorfälle führen immer wieder dazu, dass die meist Jugendlichen auf Jahre hinaus aus dem Freundeskreis ausgeschlossen werden", sagt Zicht. An Sonja Maier erinnert nur ein Plakat im Bayern-Fanblock: "Ausgesperrt - immer bei uns." Markus Schäflein

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.192, Dienstag, den 22. August 2006 , Seite 30