oberhausener
Ich hab den Artikel hier geschickt bekommen und dachte, das geht uns eigentlich alle an:
Treffend beschrieben Selbst die Medien blicken´s so langsam...
Quelle: Berliner Zeitung
Eingepfercht hinter Plexiglas
TREND ZUM STADIONVERBOT - Im Vorfeld der Fußball-WM 2006 wird Härte demonstriert. Im Bemühen, Hooligans rechtzeitig abzuschrecken, werden schon harmlose Delikte drastisch bestraft.
Iris Tappendorf, die Leiterin der Polizei-Ermittlungsgruppe Hooligans in Berlin, plagt eine Angst. In Deutschland findet in 1 177 Tagen die Fußball-Weltmeisterschaft statt - und bereits jetzt gäbe es "viele gewaltbereite junge Menschen, die sich speziell auf die WM 2006 vorbereiten", sagt sie: "Der Nachwuchs der Hooligans freut sich schon." Diese These ist zwar nicht zu beweisen - aber auch nicht zu dementieren. Weshalb sich Frau Tappendorf in Zeiten, da der Berliner Senat aus Kostengründen sogar die Polizei aus dunklen U-Bahnhöfen abziehen wird, wohl keine großen Sorgen um den Bestand ihrer 19-köpfigen Abteilung machen muss.
Angst vor Lens
Auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und bei den WM-Organisatoren rennt sie damit offene Türen ein. Die Herren betonen zwar stets, wie wichtig ihnen der gemeine Fan bei der WM doch sein werde - doch noch wichtiger ist, dass kein Makel auf das bunte Fußballfest fallen möge. Klinisch rein möge es sein, passend zum Logo der Weltmeisterschaft mit den ach so lustig lachenden Gesichtern, das die Fans schon so zeigt, wie sie alle gerne hätten: als grinsende Nullen.
Natürlich, jeder wünscht sich, dass der Fußball und seine Klientel bei der WM 2006 ein freundliches Gesicht haben möge - und keine hässliche Fratze wie in Frankreich, als der Gendarm Daniel Nivel in Lens von deutschen Hooligans beinahe zu Tode geprügelt wurde. Doch die derzeitige Vorgehensweise aller, vom DFB (dessen Sicherheitskommission die "Richtlinien zur Festsetzung und Verwaltung von Stadionverboten" erlassen hat) bis hin zur Polizei, scheint bedenklich. Fast an jedem Spieltag entstehen Bilder, die kein Sender zeigen will: Fans, die wie eine Viehherde vom Sonderzug ins Stadion getrieben werden. Wer seine Notdurft verrichten will oder wer eine Frage an die Beamten stellt, wird nicht selten zurückgeprügelt ins Glied.
Die Fans des 1. FC Union Berlin können ein Lied davon singen, seit sie beim Auswärtsspiel in Bochum wie Schwerkriminelle empfangen und behandelt wurden. Alltag ist das in den Ligen, wo Gästefans selbst in einem Stadion wie der Arena AufSchalke, welches für sich in Anspruch nimmt, das modernste Europas zu sein, eingepfercht werden auf engstem Raum, hinter Plexiglas. Ein Hoch auf die Gastfreundschaft auch bei Hertha BSC, wo der Gästeblock traditionell die allerschlechteste Sicht garantiert.
Obskure Straftaten
Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es im Grundgesetz. Für Fans aber scheint das in vielen Städten, die auch WM-Spiele ausrichten werden, eher nicht zu gelten. Die Anzahl der Stadionverbote steigt nach Ansicht vieler Fanbetreuer derzeit inflationär. Ein bundesweites Stadionverbot kann nämlich schon erteilt werden für höchst obskure Straftaten wie "Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr", "Missbrauch von Notdurfteinrichtungen" oder "Störung öffentlicher Betriebe". Viele Trikot- und Kuttenträger wünschen sich die Zeiten zurück, als man sie in Ruhe gelassen hat - weil sich die Polizei um höchst gewaltbereite Gruppen wie Borussenfront, Hertha-Frösche oder Gelsenszene kümmern musste.
Heute ist es in und um die deutschen Arenen ruhig geworden, das räumt auch Frau Tappendorf ein. Vieles von dem, was derzeit passiert und bestraft wird, geschieht aus der Emotion. Wer Fans aber zu Musterknaben machen will, zerstört die Emotion - und schürt Aggression.
Treffend beschrieben Selbst die Medien blicken´s so langsam...
Quelle: Berliner Zeitung
Eingepfercht hinter Plexiglas
TREND ZUM STADIONVERBOT - Im Vorfeld der Fußball-WM 2006 wird Härte demonstriert. Im Bemühen, Hooligans rechtzeitig abzuschrecken, werden schon harmlose Delikte drastisch bestraft.
Iris Tappendorf, die Leiterin der Polizei-Ermittlungsgruppe Hooligans in Berlin, plagt eine Angst. In Deutschland findet in 1 177 Tagen die Fußball-Weltmeisterschaft statt - und bereits jetzt gäbe es "viele gewaltbereite junge Menschen, die sich speziell auf die WM 2006 vorbereiten", sagt sie: "Der Nachwuchs der Hooligans freut sich schon." Diese These ist zwar nicht zu beweisen - aber auch nicht zu dementieren. Weshalb sich Frau Tappendorf in Zeiten, da der Berliner Senat aus Kostengründen sogar die Polizei aus dunklen U-Bahnhöfen abziehen wird, wohl keine großen Sorgen um den Bestand ihrer 19-köpfigen Abteilung machen muss.
Angst vor Lens
Auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und bei den WM-Organisatoren rennt sie damit offene Türen ein. Die Herren betonen zwar stets, wie wichtig ihnen der gemeine Fan bei der WM doch sein werde - doch noch wichtiger ist, dass kein Makel auf das bunte Fußballfest fallen möge. Klinisch rein möge es sein, passend zum Logo der Weltmeisterschaft mit den ach so lustig lachenden Gesichtern, das die Fans schon so zeigt, wie sie alle gerne hätten: als grinsende Nullen.
Natürlich, jeder wünscht sich, dass der Fußball und seine Klientel bei der WM 2006 ein freundliches Gesicht haben möge - und keine hässliche Fratze wie in Frankreich, als der Gendarm Daniel Nivel in Lens von deutschen Hooligans beinahe zu Tode geprügelt wurde. Doch die derzeitige Vorgehensweise aller, vom DFB (dessen Sicherheitskommission die "Richtlinien zur Festsetzung und Verwaltung von Stadionverboten" erlassen hat) bis hin zur Polizei, scheint bedenklich. Fast an jedem Spieltag entstehen Bilder, die kein Sender zeigen will: Fans, die wie eine Viehherde vom Sonderzug ins Stadion getrieben werden. Wer seine Notdurft verrichten will oder wer eine Frage an die Beamten stellt, wird nicht selten zurückgeprügelt ins Glied.
Die Fans des 1. FC Union Berlin können ein Lied davon singen, seit sie beim Auswärtsspiel in Bochum wie Schwerkriminelle empfangen und behandelt wurden. Alltag ist das in den Ligen, wo Gästefans selbst in einem Stadion wie der Arena AufSchalke, welches für sich in Anspruch nimmt, das modernste Europas zu sein, eingepfercht werden auf engstem Raum, hinter Plexiglas. Ein Hoch auf die Gastfreundschaft auch bei Hertha BSC, wo der Gästeblock traditionell die allerschlechteste Sicht garantiert.
Obskure Straftaten
Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es im Grundgesetz. Für Fans aber scheint das in vielen Städten, die auch WM-Spiele ausrichten werden, eher nicht zu gelten. Die Anzahl der Stadionverbote steigt nach Ansicht vieler Fanbetreuer derzeit inflationär. Ein bundesweites Stadionverbot kann nämlich schon erteilt werden für höchst obskure Straftaten wie "Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr", "Missbrauch von Notdurfteinrichtungen" oder "Störung öffentlicher Betriebe". Viele Trikot- und Kuttenträger wünschen sich die Zeiten zurück, als man sie in Ruhe gelassen hat - weil sich die Polizei um höchst gewaltbereite Gruppen wie Borussenfront, Hertha-Frösche oder Gelsenszene kümmern musste.
Heute ist es in und um die deutschen Arenen ruhig geworden, das räumt auch Frau Tappendorf ein. Vieles von dem, was derzeit passiert und bestraft wird, geschieht aus der Emotion. Wer Fans aber zu Musterknaben machen will, zerstört die Emotion - und schürt Aggression.