Suffältester
Gerüstet gegen Hooligans
Wie die Fußball-WM-Organisatoren gewaltbereite Fanatiker abfangen wollen Sorge über wachsende osteuropäische Szene
Wehrhaft soll sie nach dem Willen von Innenminister Schäuble werden, die Fußball-WM. Dass Polizeikräfte mit Helm im Design des WM-Balls "Teamgeist" auftreten, steht aber nicht zu erwarten.
BERLIN. Letzter großer Sicherheits-Check vor dem Anpfiff: Die sechste Konferenz zu Risiken bei der Fußball-Weltmeisterschaft vereint in Berlin Sicherheitsexperten aus allen 32 Teilnehmerländern und Nachbarstaaten.
Viele Länder, die diesmal am Start sind, hatten zur letzten Sicherheitskonferenz noch keine Vertreter entsandt. Als dort vor zehn Monaten das WM-Sicherheitskonzept beschlossen wurde, lief nämlich gerade die heiße Phase der WM-Qualifikation, und es war noch gar nicht absehbar, welche Nationalteams im Sommer 2006 tatsächlich in Deutschlands Stadien auflaufen.
Auch Delegationen aus Belgien, Österreich und Dänemark sind zu der zweitägigen, morgen endenden Konferenz an die Spree gereist. Deren Teams dürfen zwar nicht um den WM-Pokal kicken, aber über die Nachbarländer könnten gewaltbereite Fußballfans nach Deutschland einreisen was die Organisatoren nach Möglichkeit vermeiden wollen. In grausiger Erinnerung sind die Bilder der WM 1998, als deutsche Hooligans den französischen Polizisten Daniel Nivel so brutal zusammenschlugen, dass er noch heute unter den Folgen leidet.
Der Hooligan-Tourismus ist daher einer der Schwerpunkte der Berliner Konferenz. Großbritannien in Sachen Fan-Ausschreitungen ein gebranntes Kind ist mit gutem Beispiel vorangegangen: Dort wurden rund 4000 Rowdys mit richterlichen Ausreiseverboten belegt. Mit Sorge beobachten viele Experten aber die immer größer werdende Hooligan-Szene in Osteuropa. Die werden wir kennen lernen, befürchtet Konrad Freiberg, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP. Man müsse sich darauf einstellen, dass von dort eine gewisse Unsicherheit auf Deutschland zukommt.
Unter den 48 WM-Vorrundenpartien wird es drei oder vier geben, bei denen im besonderen Maße aufgepasst werden muss, schätzt Polizeidirektor Michael Endler, der als Leiter der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) an der Berliner Konferenz teilnimmt. Als bundesweite Anti-Hooligan-Zentrale hat die ZIS etwa 7000 deutsche Gewalttäter in ihrer Kartei, die in den vergangenen Jahren bei Sportveranstaltungen unangenehm aufgefallen sind. Sie sollen mit Maßnahmen wie polizeilichen Meldeauflagen und Platzverweisen unter Kontrolle gehalten werden.
Auch die anderen Teilnehmerländer versorgen die Düsseldorfer ZIS- Zentrale mit Daten über ihre jeweilige Hooligan-Szene. Ziel ist es, potenzielle Gewalttäter frühzeitig festzusetzen oder sie spätestens an der Grenze nach Deutschland abzufangen. Bei entsprechender Gefahrenlage sollen an den Grenzübergängen zu Frankreich, Österreich und den Benelux-Staaten wieder Passkontrollen eingeführt werden, die durch das Schengen-Abkommen eigentlich seit Jahren abgeschafft sind. Grenzkontrollen sollen während der WM allerdings nicht zur Regel werden.
Würde das Schengener Abkommen komplett außer Kraft gesetzt, bedeute das erhebliche Belastungen für den normalen Tourismus, warnt der SPD-Politiker Sebastian Edathy. Das wäre allenfalls die Notbremse, wenn sich die Entwicklung extrem problematisch darstellen sollte.
Kodex für Fans im Südwesten
Polizei, Fußballvereine und -verbände in Baden-Württemberg suchen im Kampf gegen die Hooligans den Schulterschluss mit den Fußballfans. Landespolizeipräsident Erwin Hetger sagte gestern in Stuttgart, eine breit angelegte Informationskampagne ziele darauf ab, gewaltbereite Fans schon im Vorfeld und bei der Fußball-WM zu isolieren. Unter dem Motto Hooligans gehören ins Abseits sollen die gut 3000 Fußballvereine im Land die Fans über einen Verhaltenskodex informieren.
Demnach sind bengalische Feuer und Rauchpulver verboten. In dem Kodex heißt es auch: Distanzieren sie sich von gewaltbereiten Personen sowie Waffen und verbotene Gegenstände sind auf Veranstaltungen tabu. Der Kodex würde über Flyer und Plakate verteilt und soll auch in Stadionzeitungen und Fanmagazinen gedruckt werden. Die Polizei hat eine Mammutaufgabe vor sich und ist bestens auf das Ereignis vorbereitet. Aber wir brauchen Partner, um dieses Großereignis zu bewältigen, sagte Hetger. Nach der Zusammenarbeit der Polizei mit den Kommunen, den kommunalen Spitzenverbänden und der Justiz seien nun alle im Boot. Die Verhaltensempfehlungen entstanden in Beratungen zwischen Hetger, den baden-württembergischen Fußballverbänden, Vertretern des FIFA Organisationskomitees, sowie der Fußballvereine VfB Stuttgart, SC Freiburg, Karlsruher SC, SSV Reutlingen, SV Waldhof Mannheim und dem SSV Ulm 1846. Die Fußballvereine haben Zugang zu Fans, sie sind hautnah an ihnen dran, sagte Hetger. Landesweit gebe es 1000 problematische Fans. 80 spezielle Beamte seien an der Szene dran. Noch nicht eingeschätzt werden könne, wie viele gewaltbereite Fans anreisen. Der Inspekteur der Polizei, Dieter Schneider, rechnete mit mehreren hundert gewaltbereiten Fußballanhängern aus Großbritannien, den Niederlanden und Kroatien.Mit Blick auf die Hooligans habe die Polizei vor allem die Quartiere der Mannschaft der Niederlande in Hinterzarten (Breisgau- Hochschwarzwald) und des englischen Teams in Bühl (Kreis Rastatt) im Visier, sagte Hetger. Jedoch sei auch Friedrichshafen, wo die iranischen Kicker ihre Zelte aufschlagen werden, eine besondere Herausforderung. Was Exiliraner in diesem Zusammenhang an Aktionen planen, kann man noch nicht abschätzen.Der Vorsitzende des Beirats für Sicherheit beim WM- Organisationskomitee, Alfred Sengle, und Schneider warnten davor, die Hooligan-Problematik zu dramatisieren oder zu verharmlosen. Bei den holländischen Fans gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Fans der einzelnen Mannschaften und der Nationalmannschaft, sagte Sengle. Das größte Problem sei, wie sich die Fans nach überhöhtem Alkoholkonsum verhalten. Alkoholverbote seien aber nicht durchsetzbar.Über die Botschaften an die Fans hinaus würden die Fußballverbände auf die Internetseiten des Programms Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und der Bundes (ProPK) sowie der Polizei hinweisen. Dort gibt es auch Ratschläge, wie man sich etwa gegen Taschendiebstähle, Kreditkartenmissbrauch oder Autoaufbrüchen schützen kann.
http://www.pz-news.de/blickpunkte/berichte/79240/
Wie die Fußball-WM-Organisatoren gewaltbereite Fanatiker abfangen wollen Sorge über wachsende osteuropäische Szene
Wehrhaft soll sie nach dem Willen von Innenminister Schäuble werden, die Fußball-WM. Dass Polizeikräfte mit Helm im Design des WM-Balls "Teamgeist" auftreten, steht aber nicht zu erwarten.
BERLIN. Letzter großer Sicherheits-Check vor dem Anpfiff: Die sechste Konferenz zu Risiken bei der Fußball-Weltmeisterschaft vereint in Berlin Sicherheitsexperten aus allen 32 Teilnehmerländern und Nachbarstaaten.
Viele Länder, die diesmal am Start sind, hatten zur letzten Sicherheitskonferenz noch keine Vertreter entsandt. Als dort vor zehn Monaten das WM-Sicherheitskonzept beschlossen wurde, lief nämlich gerade die heiße Phase der WM-Qualifikation, und es war noch gar nicht absehbar, welche Nationalteams im Sommer 2006 tatsächlich in Deutschlands Stadien auflaufen.
Auch Delegationen aus Belgien, Österreich und Dänemark sind zu der zweitägigen, morgen endenden Konferenz an die Spree gereist. Deren Teams dürfen zwar nicht um den WM-Pokal kicken, aber über die Nachbarländer könnten gewaltbereite Fußballfans nach Deutschland einreisen was die Organisatoren nach Möglichkeit vermeiden wollen. In grausiger Erinnerung sind die Bilder der WM 1998, als deutsche Hooligans den französischen Polizisten Daniel Nivel so brutal zusammenschlugen, dass er noch heute unter den Folgen leidet.
Der Hooligan-Tourismus ist daher einer der Schwerpunkte der Berliner Konferenz. Großbritannien in Sachen Fan-Ausschreitungen ein gebranntes Kind ist mit gutem Beispiel vorangegangen: Dort wurden rund 4000 Rowdys mit richterlichen Ausreiseverboten belegt. Mit Sorge beobachten viele Experten aber die immer größer werdende Hooligan-Szene in Osteuropa. Die werden wir kennen lernen, befürchtet Konrad Freiberg, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP. Man müsse sich darauf einstellen, dass von dort eine gewisse Unsicherheit auf Deutschland zukommt.
Unter den 48 WM-Vorrundenpartien wird es drei oder vier geben, bei denen im besonderen Maße aufgepasst werden muss, schätzt Polizeidirektor Michael Endler, der als Leiter der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) an der Berliner Konferenz teilnimmt. Als bundesweite Anti-Hooligan-Zentrale hat die ZIS etwa 7000 deutsche Gewalttäter in ihrer Kartei, die in den vergangenen Jahren bei Sportveranstaltungen unangenehm aufgefallen sind. Sie sollen mit Maßnahmen wie polizeilichen Meldeauflagen und Platzverweisen unter Kontrolle gehalten werden.
Auch die anderen Teilnehmerländer versorgen die Düsseldorfer ZIS- Zentrale mit Daten über ihre jeweilige Hooligan-Szene. Ziel ist es, potenzielle Gewalttäter frühzeitig festzusetzen oder sie spätestens an der Grenze nach Deutschland abzufangen. Bei entsprechender Gefahrenlage sollen an den Grenzübergängen zu Frankreich, Österreich und den Benelux-Staaten wieder Passkontrollen eingeführt werden, die durch das Schengen-Abkommen eigentlich seit Jahren abgeschafft sind. Grenzkontrollen sollen während der WM allerdings nicht zur Regel werden.
Würde das Schengener Abkommen komplett außer Kraft gesetzt, bedeute das erhebliche Belastungen für den normalen Tourismus, warnt der SPD-Politiker Sebastian Edathy. Das wäre allenfalls die Notbremse, wenn sich die Entwicklung extrem problematisch darstellen sollte.
Kodex für Fans im Südwesten
Polizei, Fußballvereine und -verbände in Baden-Württemberg suchen im Kampf gegen die Hooligans den Schulterschluss mit den Fußballfans. Landespolizeipräsident Erwin Hetger sagte gestern in Stuttgart, eine breit angelegte Informationskampagne ziele darauf ab, gewaltbereite Fans schon im Vorfeld und bei der Fußball-WM zu isolieren. Unter dem Motto Hooligans gehören ins Abseits sollen die gut 3000 Fußballvereine im Land die Fans über einen Verhaltenskodex informieren.
Demnach sind bengalische Feuer und Rauchpulver verboten. In dem Kodex heißt es auch: Distanzieren sie sich von gewaltbereiten Personen sowie Waffen und verbotene Gegenstände sind auf Veranstaltungen tabu. Der Kodex würde über Flyer und Plakate verteilt und soll auch in Stadionzeitungen und Fanmagazinen gedruckt werden. Die Polizei hat eine Mammutaufgabe vor sich und ist bestens auf das Ereignis vorbereitet. Aber wir brauchen Partner, um dieses Großereignis zu bewältigen, sagte Hetger. Nach der Zusammenarbeit der Polizei mit den Kommunen, den kommunalen Spitzenverbänden und der Justiz seien nun alle im Boot. Die Verhaltensempfehlungen entstanden in Beratungen zwischen Hetger, den baden-württembergischen Fußballverbänden, Vertretern des FIFA Organisationskomitees, sowie der Fußballvereine VfB Stuttgart, SC Freiburg, Karlsruher SC, SSV Reutlingen, SV Waldhof Mannheim und dem SSV Ulm 1846. Die Fußballvereine haben Zugang zu Fans, sie sind hautnah an ihnen dran, sagte Hetger. Landesweit gebe es 1000 problematische Fans. 80 spezielle Beamte seien an der Szene dran. Noch nicht eingeschätzt werden könne, wie viele gewaltbereite Fans anreisen. Der Inspekteur der Polizei, Dieter Schneider, rechnete mit mehreren hundert gewaltbereiten Fußballanhängern aus Großbritannien, den Niederlanden und Kroatien.Mit Blick auf die Hooligans habe die Polizei vor allem die Quartiere der Mannschaft der Niederlande in Hinterzarten (Breisgau- Hochschwarzwald) und des englischen Teams in Bühl (Kreis Rastatt) im Visier, sagte Hetger. Jedoch sei auch Friedrichshafen, wo die iranischen Kicker ihre Zelte aufschlagen werden, eine besondere Herausforderung. Was Exiliraner in diesem Zusammenhang an Aktionen planen, kann man noch nicht abschätzen.Der Vorsitzende des Beirats für Sicherheit beim WM- Organisationskomitee, Alfred Sengle, und Schneider warnten davor, die Hooligan-Problematik zu dramatisieren oder zu verharmlosen. Bei den holländischen Fans gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Fans der einzelnen Mannschaften und der Nationalmannschaft, sagte Sengle. Das größte Problem sei, wie sich die Fans nach überhöhtem Alkoholkonsum verhalten. Alkoholverbote seien aber nicht durchsetzbar.Über die Botschaften an die Fans hinaus würden die Fußballverbände auf die Internetseiten des Programms Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und der Bundes (ProPK) sowie der Polizei hinweisen. Dort gibt es auch Ratschläge, wie man sich etwa gegen Taschendiebstähle, Kreditkartenmissbrauch oder Autoaufbrüchen schützen kann.
http://www.pz-news.de/blickpunkte/berichte/79240/