Frank Rost

Dicht
Auch nicht schlecht:

[Angebliche Quelle: www.frank-rost.com, anscheinend im passwortgeschützten News-Bereich]

Mittwoch, den 01.03.2006

Mit ein paar Tagen Abstand und etwas heimischer Ruhe, kann man die letzten vierzehn Tage richtig genießen. Die Punkte aber auch die Ruhe im Umfeld tun uns allen einfach gut.

Allerdings ist auch noch nicht die Zeit sich zurückzulehnen. In unserer Situation ist die kommende Serie genauso wichtig und vielleicht noch etwas schwieriger aber es spielt sich einfacher, wenn man mit dem nötigen Selbstbewusstsein an Herausforderungen wie Hannover oder Palermo geht. Für Überheblichkeit fehlt jedoch jede Grundlage. Wir werden weiterhin über den Kampf und den in den letzten Spielen so eindrucksvoll demonstrierten Teamgeist und Willen zu unserem Spiel finden müssen. Viel harte Arbeit liegt in den nächsten Monaten noch vor uns. Doch wir werden weiterhin die Herausforderung annehmen und versuchen immer unsere beste Leistung abzurufen. Wohin uns das in der Tabelle führen wird, zeigt sich am Ende der Saison. In der jetzigen Situation konzentrieren wir uns nur rein auf unsere Leistung und nicht auf die unserer Konkurrenten.

Es ist aber in der letzten Woche etwas passiert was mich wirklich verärgert hat und was ich nicht unkommentiert lassen möchte. Ich meine das Verhalten der Ordnungskräfte beim Spiel in Barcelona. Wir bekommen ja meistens nicht mit, was um ein Spiel herum passiert und lesen dann nur irgendwelche Stellungnahmen von den Verantwortlichen in der Presse. Die wirklich Betroffenen kommen in den Medien leider nur selten zu Wort.Diesmal sind aber auch wir im Stadion ganz direkt mit dem unmöglichen und unfreundlichen Verhalten einiger übereifriger Aufpasser konfrontiert worden. Da wirst du als Spieler daran gehindert zu deinen eigenen Fans zu gehen und mit ihnen das Weiterkommen im UEFA Cup zu feiern. Was soll denn so etwas? Da frage ich mich wirklich was da für eine Sicherheitspolitik im internationalen Fußball verfolgt wird.Um es ganz klar zu sagen, ich verurteile jede Form der Gewalt in und um den Fußball aber ebenso sage ich, dass man Gewalt nicht mit Gewalt gegen alle Fans und überharten Strafen bekämpfen kann. Abschreckung wie sie momentan praktiziert wird, auch und besonders im Vorfeld der WM, kann der Kultur des Fußballs nur schaden. Im Moment werden Fußballfans an sich kriminalisiert. Als potentielle Straftäter und gewaltbereite Gruppe hingestellt und auch so behandelt. Wenn man den Medien vertraut ist jeder bekennender Fan ein gewaltbereiter Hooligan, vor dem die Gesellschaft geschützt werden muss. Das erlaubt Präventivmaßnahmen, die meiner Meinung nach nichts in unserem Sport zu suchen haben.

Einige Geschichten, die ich aus Barcelona gehört habe, sind wirklich gar nicht mehr zu nachzuvollziehen. Und damit meine ich nicht in erster Linie den Umgang mit der streng überwachten, so genannten „harten Szene“, das ist ein Kapitel für sich, sondern den gegenüber der ganz „normalen“ Gruppe der Fußballfans. Die Leute haben viel Geld ausgegeben um Schalke zu begleiten und zu unterstützen. Wie ich gehört habe, waren auch die Tage vor dem Spiel sehr schön in Barcelona aber was sich dann teilweise auf dem Weg zum Stadion und danach abgespielt hat erscheint mir absolut inakzeptabel.

Natürlich muss es verhindert werden, dass der Fußball als Spielwiese missbraucht wird von einigen wenigen, die nur ihren Frust abladen wollen. Aber deshalb alle Fans von vornherein wie potentielle Kriminelle zu behandeln entbehrt doch jeder Verhältnismäßigkeit. Fußballfans sind doch eine homogene Gruppe aus allen Teilen der Gesellschaft – keine eigene Spezies. Und sie sind nicht besser als die Gesellschaft an sich!Sicherlich fallen immer wieder einige aus dem Rahmen und die sollen und müssen auch hart bestraft werden. Allerdings auf der Basis des Rechtsstaates in dem wir doch leben.Aber bitte wo fängt Gewalt an?

Stadionverbote von bis zu sechs Jahren ohne gerichtliche Feststellung von Schuld, massive Polizeikessel vom Flughafen/Bahnhof zum Stadion, härteste Personenkontrollen mit z. T. Anal Untersuchungen, Erkennungsdienstliche Untersuchungen aufgrund der Tatsache, dass man in einem Fanbus fährt oder einen Vereinsschal trägt? Nur einige Beispiele, die einige von Euch vielleicht gar nicht kennen, die aber inzwischen auch in Deutschland zu Standard im Umgang mit Fans gehören.

Sicherlich muss die Fußballszene gewaltfrei sein aber durch Einsatz massiver Überwachung, vorbeugender Maßnahmen und kollektiver Schuldzuweisungen am Rande des Erlaubten in einer Demokratie, einen Raum „Stadion“ schaffen der mit der Realität drum herum nichts mehr zu tun hat? Das geht für mein Empfinden einfach mal zu weit.

Es mag sein, dass ich durch meine eigene Geschichte zu sensibel auf ein solches Vorgehen reagiere aber wenn ich mich so umhöre stehe ich nicht alleine mit meinen Vorbehalten da.Fans haben leider keine Lobby, wie es scheint, aber ich weiß nicht wohin das noch führen soll. Ich weiß nur, dass ich die Befürchtung habe, am Ende dieses Prozesses werden wir, die Fußballfans, und dazu zähle ich mich auch, die Verlierer sein.

So, das musste jetzt mal sein. Denn wenn ich als Fan mit auf Auswärtsfahrten gehen würde und man mich so behandelte, hätte ich mir (und die meisten meiner Kollegen wahrscheinlich auch) schon ein lebenslanges Stadionverbot eingehandelt - allein durch mein diplomatischen Wesen.

Bis zum Spiel in Hannover wünsch ich Euch allen einen schönen Frühlingsanfang und viel Schnee

Euer Faeustel
kalle2006
:respekt:

Ganz groß, der Mann. Vor allem weil es nicht nur inhaltloses Geschwätz ist.
Diese Aussagen zeugen davon, dass sich jemand über das Miteinander von Fans und Mannschaft Gedanken macht.

Leider gibt es viel zu wenige Profis, die überhaupt ein Interesse daran haben, sich mit dem Wohl und Wehe der Fangruppierungen auseinanderzusetzen.

Witzigerweise ist es in Bremen mit Andi Reinke auch ein Torhüter, der den Kontakt zur Basis sucht. Muss daran liegen, dass denen der Mob direkt im Rücken steht.
Erik
die müssen ja nich so viel laufen und können auch mal nachdenken und das drumherum wahrnehmen
Keudda
Das kann natürlich sein ....

Aber der Rost scheint sich wirklich ein wenig auszukennen und von solchen, sich in der Form zu den Fans bekennenden Spieler sollte es mehr geben!!!!!
Suffältester
Frank Rost ist einer der wenigen Fußballprofis, denen ich ein ernsthaftes Interesse an der Problematik zuspreche. Hatte schon zu seiner Bremer Zeit einen sehr guten Kontakt zur Bremer Fanszene und hat sich auch ernsthaft für deren Probleme interessiert.
capri
jap rost ist echt cool und man hört raus das er ahnung hat! Er trifft sich auch schon seit längerer zeit mit der schalker ultraszene und hat eben wirklich interesse.
das mit den torhütern stimmt wohl, aber generell kann man sagen dass es viel zu wenig solcher spieler gibt.
Phire
Ja, ist schon auffällig, mit den Keepern.

Andi Reinke, Frank Rost, Jürgen Macho...

Auch wenn er Schalker ist, die gemeinsame Sache vereint. Respekt für diese realistische Einschätzung. Endlich mal einer, der es kapiert hat oder schon immer wusste.
tsubasa`
is er nicht sogar mitglied der ultras ge ?
leinaD
nein is er nicht, aber er hat engeren kontakt mit denen soweit ich weiss.
tretixe
Zumindest trägt er bei jedem Spiel ein UGE t-shirt unterm Trikot.

Seine Darstellung weiß aber zu gefallen, endlich jemand der sich mit der Materie auseinander setzt.
philipp#1899
rost ist meines wisses nach, ehrenmitglied bei ultras ge.
SVWTREUE
sehr schöner Bericht
wäre aber auch schön, da er ja auch bemerkt, das Fans nicht so eine Lobby haben (er aber als Profi wohl schon ne grösssere), wenn der Bericht vielleicht nicht nur auf der HP, sondern vielleicht noch einer Zeitung irgendwie schmackhaft gemacht werden kann
Fitschi
Rost ist kein Mitglied der UGE, steht allerdings im regelmäßigem gutem Kontackt zur UGE.
Er weiss das die Fan interessen unterschätz/ignoriert werden und versucht sich strecken weise für diese einzusetzen!

Kann ich auch sicherer Quelle sagen

Gruß,
Fitschi
killer17
:respekt: an frank rost.endlich mal ein profi der es verstanden hat mit was für situationen/konflikten wir fans uns teilweise fast jedes wochenende rumärgern können.nicht nur in deutschland sondern auch im ausland wird man immer mehr als krimineller fan behandelt.wäre schön wenn mehrer profis sich über dieses thema gedanken machen und damit auch mal an die öffentlichkeit gehen.denke nicht nur torhüter sondern auch ersatzspieler,trainer und andere funktionäre sehen was in den stadien teilweise abgeht.hoffen wir auf mehrere solche spieler/funkionäre die sich auch ein bisschen mehr mit der fanszene beschäftigen und ihre meinungen dazu äussern.

mfg killer17
kopfnuss
Neues von Rost:

Liebe Onlinefreunde,
Liebe Schalker!

Endlich wieder englische Wochen. Habe ich das vermisst!

Der Sieg in Hannover war gut und sehr wichtig! Selbst ohne wichtige Leistungsträger und am Ende in Unterzahl haben wir nicht nur kämpferisch überzeugt. Auch wenn es noch knapp wurde, sind wir mit unserer Leistung schon zufrieden. Sicherlich sind wir noch immer nicht bei dem Leistungsstand angelangt den wir von uns selbst einfordern aber wir sind auf einem sehr guten Weg. Es macht Spaß und Fehler gehören eben auch zum Spiel. Allerdings wird es weiterhin erforderlich sein unser Spiel zu verfeinern und an den Schwächen zu arbeiten. Wir sind noch immer mitten in einer sehr harten Saison und haben noch sehr viele Herausforderungen die auf uns warten.

Euphorie und Selbstzufriedenheit haben in unserem Denken gar keinen Platz, zumal wir am Donnerstag auf Sizilien antreten müssen. Eine ganz schwere Aufgabe, die erstmal bewältigt werden muss.

Palermo – klar denkt jeder gleich an Mafia und nicht an europäischen Spitzenfußball – aber im Moment haben die Süditaliener einfach nur eine gute Mannschaft über die alle in Italien reden.

Wir freuen uns auf das Spiel und wollen uns in Italien eine optimale Ausgangsposition für das Rückspiel schaffen. Das wird ein ganz hartes Stück Arbeit. Allen Fans die mitfahren wünsche schon mal ich eine tolle Zeit da unten.

Zum Schluss noch eine Anmerkung zu meinem letzten Statement. Meine Hauptaufgabe ist es Tore zu verhindern und meine beste Leistung auf dem Fußballfeld zu bringen. Deshalb bleibt mir wenig Zeit mich um andere Dinge, die aber meiner Meinung nach auch zu meinem Sport gehören, zu kümmern.

Als Erstes möchte ich den Medien herzlich danken, dass sie bei diesem Thema nicht mit großen reißerischen Schlagzeilen reagiert haben, wie sonst immer, und öffentlich meine Meinung kritisch zur Diskussion gestellt haben.

Das ist das erste Mal, dass ich mich zu einem kontroversen und mir am Herzen liegenden Thema geäußert habe, ohne eine einzige Reaktion in den Medien dafür zu erhalten.

Ein wirklich sehr sensibler Umgang mit einem für Fußballfans so wichtigen Thema. Man könnte es aber auch Totschweigen nennen, wenn man diese NichtReaktion kritisch betrachten möchte. Deutlich wird aber eines, es scheint wirklich keine Lobby für die Belange und Sorgen von Fußballfans zu geben. Sehr schade.

Aber dafür habe ich wahnsinnig viele Mails von Euch aber auch von Fußballfans fast aller Vereine im bezahlten Fußball erhalten. Das ist im Endeffekt viel wichtiger. Dafür ein Dankeschön. Ich hoffe, dass ihr Verständnis dafür habt, dass ich die Briefe im Moment nicht beantworten kann - gelesen habe ich sie mit großem Interesse und teilweise aufkommender Wut aber alle.

Einen besonderen Dank auch an die Fans von Hannover. Ich weiß die Geste von Euch sehr wohl zu schätzen. Sie zeigt doch in erster Linie, dass es über die Rivalität hinaus, die zum Fußball gehört, sehr wohl ein WIR Gefühl unter Fußballfans gibt. Das macht mir ganz persönlich Hoffnung, denn sie verdeutlicht, dass die Tradition, zu der auch die Solidarität gehört, im Fußball immer noch sehr lebendig ist. Für mich war dieses Spruchband ein gelebtes und ehrlich gemeintes „ … zu Gast bei Freunden“ und eben genau das Statement dafür, was den Fußball wirklich ausmacht und ihn so einzigartig macht.

Das gilt auch für die vielen Reaktionen in den diversen Foren der Vereine. Solange wir diskutieren und uns unserer Rechte und Pflichten als Fans bewusst sind, wird unsere Kultur auch ohne die mediale Unterstützung leben.

In diesem Sinne Schalker – lasst uns nach Italien fahren und ein friedliches Fußballfest feiern mit den Italienern.

Euer Faeustel
-Scholle-
ganz diggen Respekt an den Mann!
kopfnuss
Interview mit Frank Rost: „…man darf die Emotionen nicht kaputt machen“

Stadionwelt sprach mit dem Schalker Torwart Frank Rost über Fans, Stadien und die Fußball-Weltmeisterschaft.

Stadionwelt: Im März nach dem Barcelona-Spiel kam von Ihnen ein deutlicher Kommentar hinsichtlich des Polizeieinsatzes im UEFA-Pokal. Auch da gab es sicher zahlreiche Reaktionen?
Rost: In Barcelona hat die Polizei uns gehindert, mit den Fans zu feiern, hat sogar Spieler von uns angefasst. Aber auch schon vorher gab es zu diesem Thema viele Fanreaktionen, etwa darüber, wie unsere Anhänger unter massiver Bewachung in Stuttgart zum Stadion geführt wurden. Natürlich steht die Polizei auch unter Druck seitens der staatlichen Organe, die wollen, dass die WM ein voller Erfolg wird, woran aber auch niemand zweifelt. Dennoch gilt bei uns die Unschuldsvermutung, wenn nichts bewiesen ist. Fans sind eben nicht alle potenzielle Gewaltverbrecher, nur weil unter ihnen ein paar wirkliche Chaoten stehen. Im Fanblock findet sich ein kompletter Querschnitt durch die Bevölkerung.
Wenn jemand was gemacht hat, kann man ihn per Kamera raussuchen, und dann bekommt er ein Verbot und kann darüber nachdenken. Schlimmer ist: man schenkt den Idioten, mit Hitler-Gruß oder was auch immer, überhaupt viel zu viel Beachtung, die kriegen dadurch eine Plattform, obwohl sie eine kleine Minderheit sind.

Stadionwelt: Bezeichnend ist dabei aber, dass Sie mit dem Aufgreifen dieser Thematik herausstechen. Es scheint so, als würden sich 95% der Fußballprofis für so etwas nicht interessieren.
Rost: Irgendwann wird man merken, dass man die Fankultur kaputtgemacht hat. Und dann wird man sich fragen: Warum ist denn gar keine Stimmung mehr da? Dann haben wir vielleicht noch 30.000, statt jetzt 50.000 Zuschauer im Stadion. Diese Sachen im Fernsehen wie „Deutschland sucht den Superstar“, das funktioniert eben nur ein, zwei Jahre. Dann muss man sich was Neues einfallen lassen. Fankultur dagegen ist – man kann ja fast schon sagen seit einem Jahrhundert – etabliert. Und da darf man meiner Meinung nach die Emotionen nicht kaputt machen.
Wir waren in Spanien, in Sevilla, da wurden bengalische Feuer gezündet. Das hat da aber gar keinen interessiert. Da haben die Ordner einen Schlauch genommen – und fertig. In Deutschland wird da ein Riesentheater gemacht.

Stadionwelt: Im Zusammenhang mit diesen Themen haben Sie auch die Presse kritisiert, dass sie davon nichts aufgreift…
Rost: Ja, das ist eben ein heikles Thema, und keiner will sich damit befassen. Weil man von oberen Organen einen auf den Deckel kriegt. Weil die Sponsoren heute zum Teil wichtiger sind als die Fans, aber irgendwann kann dafür auch die Quittung kommen. Das möchte ich nicht gerne erleben.

Stadionwelt: Mit dieser Meinung sind Sie unter den Kollegen jedoch…
Rost: …ich denke, jeder will gerne in so einem Stadion spielen, wie in Sevilla. Das ganze Stadion – 40.000 – haben gesungen. Ich würde sagen, auch die Schalker haben das spanische Lied mitgesungen, weil sie so begeistert waren. Genauso in Sofia. Und genau diese Fankultur musst du erhalten. Schalke hatte eine gute Fankultur und hat sie auch immer noch. Aber in der Bundesliga kommen inzwischen trotzdem 50 Prozent Event-Besucher, um sich berieseln zu lassen. Wenn wir davon irgendwann mal 50.000 haben, wird gefragt, „wo ist denn die Stimmung?“

Das komplette Interview findet sich in der Juni-Ausgabe des Stadionwelt-Magazins, die ab sofort hier bestellt werden kann.
Caspar
Damit hat er mit allen Punkten recht!

Admin.Edit: Lass das mit "!", sonst ...
Märius
Kleiner, wie ich finde, schöner Beitrag aus der aktuellen Ausgabe von 11 Freunde ( wenn auch relativ miese Bild-Qualität, was bei der Quelle allerdings wenig verwundernswert ist ) :





Quelle: aus dem verbotenen Forum gegoogelt.. ansonsten Ausgabe 65 von 11Freunde
Fango