Suffältester
Die Welt im Knast bei Freunden!
13.02.2006: "Oooobi ist das schön!" - so oder ähnlich prasseln die wenig geistreichen Slogans der zahlreichen WM-Sponsoren auf uns KonsumentInnen nieder. Was erwartet uns da eigentlich für ein "Super-Mega-Event", wenn die Fußball WM am 9. Juni in München angepfiffen wird? Von Kea Müller und Marcus Blumtritt
Logo "Inofizielle WM-Beobachter"
Fußballfans=Hooligans?
Die Fußballfans, die jedes Wochenende in den deutschen Stadien anzutreffen sind und dort mit ihren kreativen Kurvenshows und lauten Gesangseinlagen auf sich aufmerksam machen, um ihre Mannschaft zu unterstützen, sind von der allgemeinen Euphorie mitgerissen und freuen sich auf die WM - so sollte mensch meinen. "Keiner will die WM im eigenen Land, wann habt ihr's endlich erkannt” hört man jedoch gerade die hartgesottensten Fußballfans (z.B. Ultras) reden und ein T-Shirt mit der Aufschrift Die Welt zu Gast - fühl dich wie im Knast findet rege Abnahme in der Szene.
Wie ist dies möglich?
Durch die allgemeine Fußballhysterie haben Sicherheitsfanatiker die Lage zu ihren Gunsten genutzt. Für Bagatellevergehen wie das Aufkleben eines Aufklebers im Stadion, werden mittlerweile unverhältnismäßige Strafen, wie drei Jahre bundesweites Stadionverbot (so geschehen auf Schalke) ausgesprochen. Ebenso muss zusätzlich mit einem Eintrag in die Datei Gewalttäter Sport gerechnet werden. Auch Ingewahrsamnahmen seitens der Polizei werden immer beliebter. Als Präventivmaßnahme werden die so genannten Problemfans schon vor dem Spiel weggehaftet, häufig zufällig und willkürlich. Spruchbänder und Kurvenshows dürfen nicht mehr unangemeldet gezeigt werden und sogar die genaue Länge einer Fahne ist vorgegeben. Kritischen Fans wird so ihre Meinungsfreiheit genommen und diejenigen, die mehr sein wollen als FußballkonsumentInnen, werden schnell als Hooligans diffamiert.
Juchhu - tolle Sponsoren!
Wie komme ich an eines der begehrten WM-Tickets? - Kein Problem! Einfach bei Mc Donalds ein Maxi-Menü bestellen und schon bin ich beim Ticketgewinnspiel dabei. Ach, und wenn das nicht klappt, dann trinke ich fleißig Coca Cola, schließlich gibt's ja auf jeder Flasche den WM-Glückscode. Hmmm... was mache ich, wenn ich weder Ronald McDonald und sein Fleischklopsimperium, noch die kapitalistische Zuckerbrause schlechthin unterstützen möchte? Vielleicht habe ich ja als Continental-MitarbeiterIn in Hannover Chancen an Karten zu kommen, schließlich ist mein Arbeitgeber ja nationaler WM-Förderer... Mist! - Continental scheffelt zwar große Gewinne und pumpt Werbemillionen in das WM-Spektakel, aber der Produktionsstandort Hannover ist angeblich nicht wettbewerbsfähig. Eher als eine MitarbeiterInnen-WM-Karte droht mir hier wohl eine Entlassung.
Die Welt zu Gast bei Freunden...
...genau das ist auch unser Ziel. Aber nicht nur als Werbeslogan für ein vierwöchiges Topevent, sondern als dauerhafte gelebte Realität. Menschen aus aller Welt sollen nicht nur als geldbringende WM-TouristInnen, sondern jederzeit bei uns willkommen sein.
Kea Müttel, 18, ist Sprecherin der GJ Leer und ultraorientierter SV Werder Fan. Marcus Blumtritt, 24, ist bekennender St.-Pauli-Fan und Sprecher des Landesarbeitskreises Antirassismus. Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 47 des IGEL, der Zeitschrift der Grünen Jugend Niedersachsen.
http://www.gruene-jugend.de/spunk/104782.html
13.02.2006: "Oooobi ist das schön!" - so oder ähnlich prasseln die wenig geistreichen Slogans der zahlreichen WM-Sponsoren auf uns KonsumentInnen nieder. Was erwartet uns da eigentlich für ein "Super-Mega-Event", wenn die Fußball WM am 9. Juni in München angepfiffen wird? Von Kea Müller und Marcus Blumtritt
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Fußballfans=Hooligans?
Die Fußballfans, die jedes Wochenende in den deutschen Stadien anzutreffen sind und dort mit ihren kreativen Kurvenshows und lauten Gesangseinlagen auf sich aufmerksam machen, um ihre Mannschaft zu unterstützen, sind von der allgemeinen Euphorie mitgerissen und freuen sich auf die WM - so sollte mensch meinen. "Keiner will die WM im eigenen Land, wann habt ihr's endlich erkannt” hört man jedoch gerade die hartgesottensten Fußballfans (z.B. Ultras) reden und ein T-Shirt mit der Aufschrift Die Welt zu Gast - fühl dich wie im Knast findet rege Abnahme in der Szene.
Wie ist dies möglich?
Durch die allgemeine Fußballhysterie haben Sicherheitsfanatiker die Lage zu ihren Gunsten genutzt. Für Bagatellevergehen wie das Aufkleben eines Aufklebers im Stadion, werden mittlerweile unverhältnismäßige Strafen, wie drei Jahre bundesweites Stadionverbot (so geschehen auf Schalke) ausgesprochen. Ebenso muss zusätzlich mit einem Eintrag in die Datei Gewalttäter Sport gerechnet werden. Auch Ingewahrsamnahmen seitens der Polizei werden immer beliebter. Als Präventivmaßnahme werden die so genannten Problemfans schon vor dem Spiel weggehaftet, häufig zufällig und willkürlich. Spruchbänder und Kurvenshows dürfen nicht mehr unangemeldet gezeigt werden und sogar die genaue Länge einer Fahne ist vorgegeben. Kritischen Fans wird so ihre Meinungsfreiheit genommen und diejenigen, die mehr sein wollen als FußballkonsumentInnen, werden schnell als Hooligans diffamiert.
Juchhu - tolle Sponsoren!
Wie komme ich an eines der begehrten WM-Tickets? - Kein Problem! Einfach bei Mc Donalds ein Maxi-Menü bestellen und schon bin ich beim Ticketgewinnspiel dabei. Ach, und wenn das nicht klappt, dann trinke ich fleißig Coca Cola, schließlich gibt's ja auf jeder Flasche den WM-Glückscode. Hmmm... was mache ich, wenn ich weder Ronald McDonald und sein Fleischklopsimperium, noch die kapitalistische Zuckerbrause schlechthin unterstützen möchte? Vielleicht habe ich ja als Continental-MitarbeiterIn in Hannover Chancen an Karten zu kommen, schließlich ist mein Arbeitgeber ja nationaler WM-Förderer... Mist! - Continental scheffelt zwar große Gewinne und pumpt Werbemillionen in das WM-Spektakel, aber der Produktionsstandort Hannover ist angeblich nicht wettbewerbsfähig. Eher als eine MitarbeiterInnen-WM-Karte droht mir hier wohl eine Entlassung.
Die Welt zu Gast bei Freunden...
...genau das ist auch unser Ziel. Aber nicht nur als Werbeslogan für ein vierwöchiges Topevent, sondern als dauerhafte gelebte Realität. Menschen aus aller Welt sollen nicht nur als geldbringende WM-TouristInnen, sondern jederzeit bei uns willkommen sein.
Kea Müttel, 18, ist Sprecherin der GJ Leer und ultraorientierter SV Werder Fan. Marcus Blumtritt, 24, ist bekennender St.-Pauli-Fan und Sprecher des Landesarbeitskreises Antirassismus. Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 47 des IGEL, der Zeitschrift der Grünen Jugend Niedersachsen.
http://www.gruene-jugend.de/spunk/104782.html