Lebenslang grün-weiß - Artikel über Thomas Schaaf von sport.ard.de

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Werder setzt auf Kontinuität und Coach Thomas Schaaf

Lebenslang grün-weiß

Von Frank Hellmann

Keiner der aktuellen Bundesliga-Trainer war seinem Verein so treu wie Thomas Schaaf. Was macht der Chefcoach von Werder Bremen anders als das Gros der Kollegen?

In einer Saison, in der mehr als die Hälfte der Bundesliga-Vereine sinnfrei ihre Trainer getauscht haben, steht einer für Kontinuität. Thomas Schaaf von Werder Bremen. Wenn die Hanseaten heute im Bundesliga-Spiel beim VfB Stuttgart antreten, sitzt Schaaf zum 228. Mal als Chefcoach auf der Bremer Bank.

Zufall ist das nicht. Im Gegenteil: Schaaf war Jugend- und Lizenzspieler bei Werder, B- und A-Juniorencoach, Amateur- und Cheftrainer. "Ein Leben lang grün-weiß", der hitverdächtige Vereinssong, trifft auf keinen besser zu als auf Schaaf, der Werder seit mehr als drei Jahrzehnten verbunden ist, die Bundesliga-Elf im achten Jahr betreut. Seine Vertragsverlängerung bis 2008 nach dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale war ein Selbstläufer. "Es gibt in Bremen noch viel zu erreichen. Außerdem liege ich mit der Geschäftsführung auf einer Wellenlänge", sagt Schaaf, der nicht nur mit Sportdirektor Klaus Allofs harmoniert.

"Noch nie eine Kurzschlussreaktion"

Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer war es, der den Weg vom schüchternen Profi zum selbstbewussten Trainer ebnete. "Damals wollte er 500 Mark mehr Gehalt im Monat. Da habe ich gesagt: Kriegst du, aber dafür trainierst du die Jugend." Der Jugendtrainer Schaaf war geboren - mit 26 Jahren.

"Ein guter Mensch ist noch kein guter Trainer: Wenn er nicht aufgeschlossen wäre und sich immer auf den neuesten Stand gebracht hätte, wäre er nicht das geworden, was er heute ist", urteilt Fischer, "bei ihm habe ich noch nie eine Kurzschlussreaktion erlebt." Er preist den Trainertyp Schaaf im schnelllebigen Geschäft als "absolute verlässliche Größe - dabei war seine Inthronisierung durchaus ein Vabanquespiel."

Ehrlichkeit, Offenheit, Geradlinigkeit

Im Mai 1999, in akuter Abstiegsnot, tauschte die Führung den unbeliebten Felix Magath gegen Thomas Schaaf aus - es sollte der Meilenstein der Aufwärtsentwicklung an der Weser sein. Werder wurde noch im selben Jahr Pokalsieger, steigerte sich kontinuierlich, gekrönt 2004 mit dem Double-Gewinn. "Auch das hat ihn überhaupt nicht verändert", urteilen alte Weggefährten wie Dieter Burdenski. Der heute 44-Jährige, so Burdenski, weiche aus Überzeugung nicht von seinen Prinzipien ab: Ehrlichkeit, Offenheit, Geradlinigkeit.

Als Schauspieler taugt Schaaf ebenso wenig wie als Selbstdarsteller. Sich medial zu inszenieren ist seine Sache nicht, weil er weiß, dass er sich damit auch verschleißt. Die gestelzte Rhetorik eines Michael Skibbe, die gespielte Eloquenz eines Felix Magath, die kessen Sprüche eines Peter Neururer - all das ist ihm im Inneren fremd. Der Familienmensch Schaaf mag sich nicht verbiegen; der eher unscheinbare Flachdachbungalow in Brinkum vor den Toren Bremens ist sein Domizil bis heute geblieben. Auch so etwas schafft Respekt.

Mit der Aufgabe gewachsen

"Er geht immer fair und direkt mit allen Beteiligten um", sagt Torsten Bolder, früherer Co-Trainer bei den Amateuren und noch heute Ratgeber. "Er hat eine klare Vision vom Fußball, die er akribisch verfolgt - und trotzdem hat er sich eine Menschlichkeit bewahrt", sagt Bolder. Auch das ist eine typische Eigenschaft Schaafs: Wem er früher zuhörte, vertraut er heute noch. Neben Bolder sind das U 17-Trainer Bernd Pfeifer oder Nachwuchsmanager Wolf Werner. "Thomas ist mit seiner Aufgabe gewachsen", erklärt Werner, "das schönste Kompliment ist für ihn, wenn es heißt, Werder spielt den schönsten Fußball der Liga." Der Umgang mit dem Chef Schaaf sei naturgemäß nicht konfliktfrei, "aber er diktiert nie, sondern argumentiert" (Werner).

Für alle ein offenes Ohr

Schaafs Humor ist hintergründig, seine Ansprache klar. Obwohl in Mannheim geboren, gilt er als Bremer - denn er war fünf Jahre alt, als seine Eltern in die Hansestadt zogen. Als Elfjähriger, am 1. Juli 1972, trat er dem SV Werder bei. Es ist von unschätzbarem Vorteil, dass er alle Personen, alle Abläufe und Strukturen bis ins Detail kennt. Dass ihm Mediendirektor Tino Polster für die gestiegene Zahl an Presseauftritten Tipps gab, tat der Originalität keinen Abbruch.

Es ist eine Stärke des Klubs, dass viele ehemalige Zöglinge von Otto Rehhagel zum Werder-Stab zählen. Thomas Wolter als Amateurtrainer, Karl-Heinz Kamp als Co-Trainer, Mirko Votava als Scout. Oder Viktor Skripnik, der Ukrainer, der heute die dritte Mannschaft betreut, die in der Verbandsliga Bremen kickt. "Thomas hat für uns alle ein offenes Ohr", sagt der heute 36-jährige Skripnik. "Als ich noch im Mannschaftsrat war, ist er zu uns aufs Zimmer gekommen und hat uns um unsere Meinung gefragt. Ihm war immer wichtig, dass in der Mannschaft eine gute Laune herrscht. Bei ihm habe ich mehr gelernt als bei jedem anderen."

Stand: 08.02.2006, 07:30 Uhr

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Bei all den Diskussionen um Stadionnamen, Parkplätzen, Trikotfarben, Fangruppierungen usw. dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Mannschaft einen wirklich guten Trainer hat.

Edit: Hier noch die Quelle
LeHrAs
... und zwar einen echten Bremer Trainer und nicht irgendeinen daher gekauften, der wie eine (ich nenne es mal) Dirne schon mal mit jedem Verein was hatte!
kai
schöner Artikel... Thomas Schaaf ist einfach der Beste
Knuckle Duster
Ja der Artikel triffts.. Bin froh, dass wir einen Trainier wie Thomas Schaaf haben