Für Borowski wird die Zeit knapp

Fango
Für Borowski wird die Zeit knapp

"Jungs, bald bin ich wieder dabei", hatte Tim Borowski zu Wochenbeginn seinen Kollegen auf dem Trainingsplatz zugerufen, als ein Ball in seine "Laufbahn" flog, die er einsam zog. Ein Nationalspieler im Wartestand bei Werder Bremen, Borowski im Trainingslager mit einem Extraprogramm.

Erst an den letzten Tagen mischte er wieder im allgemeinen Übungsbetrieb mit: Sprint- und Koordinationsübungen, am Mittwoch sogar Schusstraining.

Dass er "heiß auf den Ball" sei, muss Borowski nicht extra beto- nen. Jeder, der ihn in Belek beobachtet, sieht dies. Ungeduldig werde er nicht, sagt der 25-Jährige, den eine Leistenoperation zur Pause zwang. "Es ist ja erst fünf Wochen her." Und doch drängt die Zeit bis zum Start. Dabei ist fraglich, ob der Mittelfeldmann in der Türkei sein Comeback feiern wird. "Ich wäre schon zufrieden, wenn er bei unserem Test gegen den HSV dabei wäre", sagt Trainer Thomas Schaaf. Dieser findet nur vier Tage vor dem Pokalspiel auf St. Pauli statt. Borowski unter Zeitdruck, das rechtzeitige Comeback in Gefahr.

Sollte er fit und in Form sein, so ist der Klinsmann-Jünger einer derjenigen, die bei Schaaf gesetzt sind. Zum jetzigen Zeitpunkt sind indes drei Positionen besonders hart umkämpft: Rechter Innenverteidiger, linker Außenverteidiger und Tor.

Besonders intensiver Konkurrenzkampf? "Nein", sagt Frank Fahrenhorst, einer der Duellanten für den Platz im Abwehrzentrum, "wie immer. Ich kenne es hier nicht anders."

Brennpunkt Innenverteidigung: Der frühere Bochumer, zuletzt wieder stabil, hat ein "gutes Gefühl" im Zweikampf mit dem Finnen Petri Pasanen. Fahrenhorst will nur auf sich schauen, seine Leistung bestätigen und ausbauen. kicker-Tipp: Rennen offen.

Brennpunkt Außenverteidiger: Der norwegische Testkandidat Erlend Hanstveit macht das Ringen zu einem Dreikampf. Jelle van Damme, durch drei Operationen an Leiste und Sprunggelenk in den letzten 13 Monaten geschwächt, gibt zu, dass ihm der Rhythmus fehlt. Werder wird, so Manager Klaus Allofs, verständlicherweise vorerst die Option bei dem Leihspieler nicht ziehen. Christian Schulz (nach überstandener Blessur am Wadenbeinköpfchen) scheint weiter. kicker-Tipp: Schulz hat die Nase vorn.

Brennpunkt Tor: Tim Wiese hat das ersehnte Comeback gefeiert, fühlt sich "besser als im Sommer". Mit Altersweisheit und Gelassenheit betrachtet Geburtstagskind Andreas Reinke, seit Dienstag 37 Jahre, die Angelegenheit: "Ich will zum Start fit sein." Kein Kommentar zu seinen jüngsten Fehlern: "Ich schaue nur nach vorn." kicker-Tipp: Reinke hat einen Bonus.

Personaldiskussionen, jedoch keine Personalpolitik in Belek. Allofs hat die Vertragsgespräche mit Ivan Klasnic und Nelson Valdez vertagt. Widersprüchlich hatte sich der Paraguayer geäußert. Erst hatte er eine Anfrage vom HSV bestätigt, dann wiederum erklärt: "Ich kann mir vorstellen, noch zehn Jahre bei Werder zu bleiben." Valdez' Aufgeregtheit wird von den Werder-Bossen mit Erstaunen registriert. Weniger die von Miroslav Klose nun konkretisierten Zukunftspläne, eventuell nach der WM ins Ausland zu wechseln. Allofs ganz unaufgeregt: "Eine WM ist immer ein Schaufenster. Und bei uns ist niemand unverkäuflich."

Aus Belek berichtet Hans-Günter Klemm

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