BAFF-Fankongress 13.-15.01. in Bremen

Dicht
BAFF-Fankongress

13.-15. Januar 2006 in Bremen

Weitere Infos, Anmeldung & Wegbeschreibung: www.aktive-fans.de

Mit vielen Themen, die Fußballfans derzeit auf den Nägeln brennen, beschäftigen sich BAFF-Mitglieder und andere interessierte Fans vom Freitag, den 13. Januar, bis Sonntag, den 15. Januar im Jugendzentrum Friesenstraße im Bremer Steintor-Viertel.

Die WM 2006, der Rassismus im Stadion, die Rolle von Frauen in den Fankurven, die Missachtung von Bürgerrechten im Umgang mit Fans und vieles mehr wird Gegenstand von Workshops und Arbeitsgemeinschaften sein.

Mit Kneipe am Freitagabend und einem Konzert am Sonnabend kommt auch das Feiern und somit der gesellige Austausch der Fans unterschiedlicher (und keineswegs immer erfolgreicher) Vereine nicht zu kurz.

Jede(r) interessierte Fan ist herzlich eingeladen! Für die Teilnahme am BAFF-Fankongress wird vor Ort ein Unkostenbeitrag von 10 EUR (ermäßigt 5 EUR) erhoben. Die Anmeldung erfolgt online unter www.aktive-fans.de.

Für Frühstück am Samstag und Sonntag sowie lecker Suppe am Samstagmittag ist gesorgt. Im Übrigen hat die Imbissmeile im Steintor-Viertel für jeden Geschmack etwas zu bieten. Als günstige Übernachtungsmöglichkeit steht das Backpacker Hostel am Hauptbahnhof für 16 EUR pro Nacht zur Verfügung. Auf Wunsch werden auch private Unterkünfte vermittelt.


Besondere Gäste

Dave Boyle von der britischen Initiative "Supporters Direct" wird uns aus erster Hand von den Entwicklungen auf der Insel berichten (Ticketpreise, All-seater, Clubs als AGs etc.), die uns evtl. bevorstehen.

Ein Vertreter der Bremer Firma CTS Eventim, die für die FIFA die gesamte WM-Kartenvergabe durchführt, ist eingeladen, sich von unseren Fragen löchern zu lassen.
Weitere Infos, Anmeldung & Wegbeschreibung:


Workshops & AGs:

Am Samstagnachmittag nehmen wir uns zweimal jeweils zwei Stunden Zeit für Workshops und Arbeitsgemeinschaften. Wer Interesse hat, selber eine AG anzubieten, ist hierzu herzlich eingeladen (eine vorherige Ankündigung wäre nett). Falls Bedarf besteht, können sich natürlich auch vor Ort noch spontane Arbeitsgruppen zusammenfinden.

Zu den folgenden Themen werden aller Voraussicht nach Workshops bzw. AGs stattfinden:

Frauen in den Fankurven
Das Fußball-Frauennetzwerk "F_in" meets BAFF. Auch für Männer!

Pressearbeit
Nie war die Meinung von Fanvertretern in den Medien so gefragt wie im Vorfeld der WM. Wie können wir dies für unsere Themen effektiver nutzen als bisher?

Ombudsstelle
Schily hatte sie versprochen, doch getan hat sich herzlichst wenig. Mit möglichst konkreten Forderungen zur Ansiedlung und Ausgestaltung der Ombudsstelle wollen wir wieder Schwung in dieses Thema hineinbringen.

Rassismus in den Stadien
Droht angesichts der jüngsten Auswüchse ein Rückfall in alte Zeiten? Und wie stehen wir zum kommerziellen (Armbändchen-) Antirassismus? Von den Einnahmen der Kampagne „Stand up, speak up“ werden derzeit 300.000 € an deutsche Antirassismus-Projekte im Fußball ausgeschüttet.

Rechtshilfefonds für Fans
Mit Vertretern des Republikanischen Anwaltsvereins sollen die ins Stocken geratenen Pläne für einen bundesweiten Rechtshilfefonds für Fußballfans der Realisierung näher gebracht und mit Inhalten gefüllt werden.

Spielverderba 2006
Die Vernetzungskampagne "Spielverderba 2006" mit Aktionen zur bzw. gegen die WM 2006 steckt in den Startlöchern. Im Rahmen dessen gilt es, den BAFF-Sommerkongress 2006 vorzubereiten, der in Berlin stattfinden wird. Wird auch unser WM-Maskottchen "Prolleo" mit der sprechenden Bierflasche "Pulle A. Pilz" dabei sein?

Wissenschaftliche Arbeit mit Fußballthemen
Jahr für Jahr werden unzählige Diplom-, Magister- oder gar Doktor-Arbeiten mit Fußball(fan)bezug geschrieben. Doch bisher nimmt kaum jemand Notiz davon. Das soll sich ändern.


Der geplante Ablauf sieht wie folgt aus:

FREITAG

ab 18 Uhr:
Ankunft, Wiedersehen und Kennenlernen mit Kneipe und Kicker

SAMSTAG

ab 9:30:
Frühstück

10:00 im Plenum:
Begrüßung, Berichte aus den Fanszenen, aktuelle Diskussionen, Vorstellung der AGs

13:30-15:30 & 16:00-18:00:
Arbeitsgemeinschaften und Workshops (siehe Rückseite)

ab 20:00:
Party all night long mit DJ’s, ab ca. 21 Uhr Konzert mit der grandiosen Nena-Cover-Punkband "Ganz oben".

SONNTAG

ab 9:30: Frühstück

10:00 im Plenum: AG-Berichte, formelle Mitgliederversammlung von BAFF e.V., Verschiedenes

gegen Mittag: Ende


Am Samstag, 14.01., ab 21 Uhr:

Konzert mit der Nena-Coverband "GANZ OBEN"

Ursprünglich für nur einen einzigen Auftritt bei einem Cover-Festival gegründet, zwingen die begeisterten Fans die Band seit Jahren zum Weitermachen. Die Besetzung besteht aus (teilweise BAFF-) Mitgliedern der Göttinger Bands Anti-Gen, 20 Years Of Hate, Red With Anger und den Shy Highlows. Die daraus resultierende Mischung aus Punkrockriffs, den bekannten Melodien und Texten sorgt abwechselnd für Pogotide und begeistertes Wunderkerzenschwingen. Und alle singen mit. Als Zugabe wird das Set einfach noch mal gespielt...

www.aktive-fans.de
MrBonde
Südländer
Auf www.aktive-fans.de gibt´s auch schon einen Bericht zum Treffen inkl. einer kurzen Zusammenfassung der inhaltlichen Diskussionen (für Menschen mit schlechtem Gedächtnis oder jene, die nicht dabei sein konnten); außerdem eine Galerie und ein paar Presselinks.

Die starke Beteiligung der Bremer Szene hat mich sehr gefreut. Ein Dank geht außerdem an die Organisatoren und Helfer sowie natürlich meine Gastgeber-WG!

Jetzt erst mal Süddeutsche lesen...
Maike
Während dem Süddeutsch lesen solltest du aber noch ein wenig koksen und dein Studium nicht vernachlässigen. Wenn das alles klappt, richte dich nach dem Führerprinzip.
:fresse:
Lebe Ultra!
JanCDA02
Ich hab mir heute morgen erstmal eine besorgt, aber bei dem Sportteil werden wir keine Freunde! Aber auf Leibsch freu ich mich irgendwie schon...
Andree-UTB
Sie spielen nicht nur

Rassisten und Sexisten aus den Stadien! Ein Kongreß linker Fußballfans tagte in Bremen

Tom Dorow

Wenn außerordentlich sympathische junge Menschen an einem Sonnabendmorgen um halb Zehn in der Bremer Straßenbahn über die Aufstellung von St. Pauli diskutieren, können sie nur auf dem Weg zum Winterkongreß des Bündnisses aktiver Fußballfans (BAFF) sein. Der fand am Wochenende in einem Jugendzentrum im Bremer Ostertorviertel statt (jW vom Freitag), wobei die Dominanz von Werder- und Pauli-Fans eine klare Sache war. Allgemein bedauert wurde das Fehlen von Vertretern aus dem Osten. Nur einer von Roter Stern Leipzig war da.

Am Sonnabend morgen hielt Dave Boyle, Vertreter der britischen Organisation Supporters Direct, einen Vortrag dazu, wie Fans Kontrolle über ihre Klubs erlangen können. Während in Deutschland noch überwiegend Vereinsstrukturen die Fußballkultur bestimmen, sind die Clubs in Großbritannien durchweg Privateigentum oder Aktiengesellschaften. Supporters Direct unterstützt Fanvereinigungen dabei, Trusts zu gründen, um die Aktienmehrheit in ihrem Club zu erlangen. In sechs Clubs der englischen Football Association (FA) konnte die Aktienmehrheit bereits gesichert werden.

Noch interessanter erscheint eine Tendenz, die auch in Deutschland zu beobachten ist. Fans, die von der kommerziellen Langeweile ihres Clubs die Nase voll haben, gründen eigene Vereine, setzen der Sitzplatzödnis und hirnlosen Stadionbeschallung lebendige Fußballkultur entgegen. Der FC United of Manchester etwa, ein nicht in der FA vertretener Club im Besitz der Fans, spielt regelmäßig vor 4 000 Anhängern, die auf Stehplätzen die alten »United«-Lieder singen und reichlich Alkohol konsumieren, was in den FA-Stadien verboten ist.

Im weiteren Verlauf des Kongresses fiel positiv ins Gewicht, daß einige Vereine antirassistische Klauseln in ihre Stadionordnungen aufgenommen haben, etwa der MSV Duisburg und St. Pauli. Teilweise wurden auch Ordner geschult, neonazistischen Kleidungscodes zu erkennen. Andererseits ist die Ignoranz diesem Thema gegenüber noch immer sehr groß, obwohl es in letzter Zeit vermehrt offenen Rassismus in den Stadien gibt, zuletzt bei Energie Cottbus– Dynamo Dresden, als ein »Juden«-Transparent mit dem Dresden-Logo ausgerollt wurde. Zwar erhielten die Täter Stadionverbote, weitergehende Maßnahmen der Vereine oder Sanktionen des DFB blieben aber aus, obwohl auch die Dresdner sich bei diesem Spiel mit einem »Hallo Kanacken«-Transparent übel hervorgetan hatten.

Immer wieder werden solche Vorkommnisse von Vereinsführungen und (auch linken) Medien mit Standardbegründungen verharmlost: Alles nur Provokation, heißt es. Oder: Das sind eben keine echten Fans. Es sind aber echte Fans und echte Nazis, die spielen nicht nur.

Die »aktiven Fußballfans« bekämpfen das Problem einerseits, indem sie jugendlichen Fans Alternativen zum verblödenden Nazi-Hool-Sein aufzeigen, andererseits dokumentieren sie Nazi-Übergriffe, machen Vereinen und dem DFB Druck, rassistische Übergriffe zu ahnden und Nazi-Gruppen nicht in die Stadien zu lassen. Antirassistische Paragraphen gehören in jede Stadionordung.

In einer anderen Arbeitsgruppe zum Thema Frauen in den Fankurven ging es um alltägliche Belästigungen durch blöde Sprüche oder Gesänge und in den letzten Jahren vermehrt speziell auf Frauen zugeschnittene, deshalb durchaus nicht weniger sexistische Werbung. Mit der Veröffentlichung des Buches »gender kicks« (hgg. von Antje Nagel, Nicole Selmer und Almut Sülzle, Frankfurt/Main 2005) wurde ein Anstoß zur Diskussion geliefert.


http://www.jungewelt.de/2006/01-17/034.php
kopfnuss
Fans hinter Gittern
Organisierte Fußball-Anhänger fühlen sich von der WM ausgeschlossen – sie kritisieren Stadionverbote und hohe Ticketpreise

Von Steffen Hudemann, Bremen

Ohne Merchandising geht es auch bei den kritischen Fans nicht. Zwölf Euro kostet das T-Shirt zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006, blau oder schwarz, in allen Größen vorrätig. Doch anstelle dreier grinsender Ballgesichter zeigt das alternative Logo jene, die aus der Sicht der Fans das Turnier im Sommer übernehmen werden: die Polizei und die Wirtschaftsbosse mit dicker Zigarre und Eurozeichen in den Augen. Der Fan hingegen landet hinter Gittern. Sicherheitswahn und Kommerzialisierung, mangelnder Datenschutz und eingeschränkte Bürgerrechte – die WM in Deutschland bringt nach Ansicht des Bündnisses aktiver Fußballfans (Baff) wenig Gutes. Am Wochenende kamen ihre Mitglieder zu einem bundesweiten Kongress in Bremen zusammen.

Der Hamburger Detlef Butter ist treuer St.-Pauli-Fan, wie fast die Hälfte der rund 60 Teilnehmer, die in einem Jugendfreizeitheim diskutieren. Er hat sich keine WM-Tickets bestellt. „Die Datenerfassung, die dort vorgenommen wird, ist mir völlig suspekt“, sagt er. „Außerdem sind die Karten viel zu teuer.“ Der Fußball stehe längst nicht mehr im Mittelpunkt. „Es geht in erster Linie ums Geld.“ Vor allem aber fürchtet Butter, dass die WM ein Einfallstor für Repressalien gegen Fans sein wird. „Seit Deutschland sich um die WM beworben hat, ist die Zahl der Stadionverbote deutlich angestiegen“, sagt er. Davon seien nicht nur Hooligans betroffen. „So ein Stadionverbot handelt man sich ganz schnell ein.“ Das erlebte etwa ein Bremer Fan, der in Schalke ein bundesweites Stadionverbot bis 2008 erhielt – weil er, eigenen Angaben zufolge, auf einem Zaun gesessen und Aufkleber angepappt habe. Butter ist ziemlich zornig: „Als Fan musst du inzwischen deine Unschuld beweisen, man muss dich nicht mehr überführen.“

Was die Anhänger aus ganz Deutschland besonders bei Auswärtsfahrten erlebten, fülle ihrer Ansicht nach Bücher. Die vom Bündnis herausgegebene Sammlung „Die 100 schönsten Schikanen gegen Fußballfans“ war so erfolgreich, dass ein zweiter Teil folgen soll. Da würden ihnen etwa vor dem Stadion alte Einkaufszettel abgenommen, sagen die Fans. Denn damit könne man Feuer machen. Megaphone oder großflächige Transparente hätten im Gästeblock kaum noch Chancen.

Baff-Sprecher Johannes Stender hat sich trotz allem eine Karte für ein WM- Spiel in seinem Heimatstadion Kaiserslautern bestellt – und auch bekommen. „Ich will sehen, wie die WM in den Stadien aussieht“, sagt er. Auch er kennt das Dilemma, das viele auf der Tagung bewegt. Soll man die WM komplett boykottieren? Oder nutzt man sie für seine Anliegen und versucht, die Veranstaltung positiv zu beeinflussen, trägt damit aber womöglich zu einer gelungenen WM bei? Stender hat sich für die zweite Möglichkeit entschieden. „Wir wollen eine Gegenöffentlichkeit schaffen.“ So können die Fans sich vorstellen, vor Adidas-Fanshops gegen die Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt zu demonstrieren oder vor einem Spiel eine Großdemo zu veranstalten. Damit hatten sie schon während des Confed-Cups in Frankfurt Aufsehen erregt.

Johannes Stender legt vor allem Wert darauf, die von ihm registrierte WM-Hysterie zu dämpfen. „Wenn sich zwei Besoffene im Stadion prügeln, ist das kein Grund für eine Hooligan-Diskussion.“ So etwas passiere bei jedem Schützenfest. Der Baff-Sprecher befürchtet, dass die umfassende Videoüberwachung auch nach der WM vorgenommen wird. Die Fans hoffen, wenigstens die bei der WM verbotenen Stehplätze auf Dauer erhalten zu können.

Dass das WM-Organisationskomitee nach der Studie der Stiftung Warentest und der Absage der Eröffnungsfeier in die Kritik gerät, empfinden viele hier mit Genugtuung. Dass viele Stadien bei einer Panik nicht sicher sind, wundert Detlef Butter nicht: „Wenn man die Stadien kennt, konnte man das ahnen.“ Und die Absage der Gala, nun ja, „ob das stattfindet oder nicht, ist mir als Fan total egal“. Um eines allerdings beneidet der 34 Jahre alte Hamburger die gesetzten Herren im Organisationskomitee. „Ich ärgere mich, dass ich nicht älter bin. Dann hätte ich die WM 1974 auf einem bezahlbaren Stehplatz erleben können.“

Quelle: http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/16.01.2006/2293138.asp