WM-Tickets: Streit um nebulöse Gebühren eskaliert

Fango
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Streit um nebulöse Gebühren eskaliert

André Kauselmann ist frustriert. Der Fußball-Fan soll 40 Euro für zwei Eintrittskarten bezahlen, die er nie erhalten wird. Kauselmann hatte sich die Option auf eine Teamserie für zwei Personen gekauft. 626 Euro überwies er bereits im Mai dafür an den DFB, Kap Verde bei einer Qualifikation bis ins Viertelfinale begleiten zu können.


Doch daraus wurde nichts. Das afrikanische Team scheiterte in der Qualifikation. Trotzdem soll der 28-Jährige jetzt nochmal zahlen. "Ich habe beim WM-OK nachgefragt, wann mir mein Geld zurück erstattet wird und wie viel Gebühren anfallen. Von den 626 Euro sollen mir in den kommenden Tagen 586 zurück überwiesen werden", so Kauselmann gegenüber SPIEGEL ONLINE. 20 Euro pro Ticket seien nach Angaben des Mitarbeiters Bearbeitungsgebühr. "Eine Frechheit", so Kauselmanns Kommentar.

"Wir haben jeden Kunden beim Kauf darauf hingewiesen, dass diese Gebühr anfällt", hält WM-OK-Sprecher Jens Grittner auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE dagegen. Er kann den Unmut nicht verstehen: "Schließlich fallen bei uns Kosten an, um die Gelder an die Kunden zurück zu überweisen". Dafür hätte Kauselmann sogar Verständnis gehabt: "Es wurde aber zu keinem Zeitpunkt der Bestellung darauf hingewiesen, wie hoch diese Gebühr ist. Dort stand lediglich, dass eine anfallen wird."

Kauselmann habe sich nach eigenen Angaben ausführlich mit den Geschäftsbedingungen des Ticketanbieters auseinander gesetzt. "Das OK wusste wohl selber nicht, wie hoch die Gebühr am Ende ausfallen wird, sonst hätten sie es ja angeben können", vermutet der Mainzer. Der Beweis ist schwierig anzutreten, das besagte Bestellformular nicht mehr online. Auch Grittner kann den Beleg auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE nicht erbringen.

Auch für die 140.000 Optionstickets, die heute binnen weniger Stunden bestellt wurden, werden im Falle der Nichtberücksichtigung Gebühren fällig. Durch den Kauf der Optionstickets erwirbt der Kunde eine Anwartschaft auf rückläufige Karten. Wie hoch diese Zahl am Ende sei, könne das OK zwar nicht vorhersehen. Dafür steht die Bearbeitungsgebühr fest: 5 Euro. Das macht in der günstigsten Preiskategorie (35 Euro pro Karte) knapp 15 Prozent vom Verkaufspreis. "Nur so können wir die Möglichkeit anbieten, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen", sagt Grittner mit Hinweis auf die Verwaltungskosten.

Ärger prasselt in diesen Tagen nicht nur von Seiten der Fans auf das OK ein. Heute reichte der Bundesverband der Verbraucherschützer (vzbv) beim Landgericht Frankfurt am Main einen Antrag auf einstweilige Verfügung ein. Gegenstand des Antrages sind sowohl die Verkaufsbedingungen der Optionstickets als auch die hohen Bearbeitungsgebühren für die Teamserien. "Der Ärger ist vierfach", sagte Patrick von Braunmühl, stellvertretender Vorstand des vzbv: "Erst qualifiziert sich das Team nicht, dadurch verfällt die erhoffte Eintrittskarte zur WM, dann wird das vorausbezahlte Geld nicht umgehend zurückerstattet und zu allem Übel wird dann auch noch eine happige Bearbeitungsgebühr abgezogen."

Parallel dazu prüft derzeit auch die Europäische Union, ob die Fifa beim Verkauf der Eintrittskarten gegen EU-Recht verstößt. Die Fans müssten dem Veranstalter ein zinsloses Darlehen gewähren, ohne einen entsprechenden Gegenwert zu erhalten", sagt der Europa-Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff (FDP).

"Wir sehen dieser Klage gelassen entgegen, bedauern diese Entwicklung aber, da wir gerade mit den Verbraucherschützern bislang in einem offenen und regelmäßigen Dialog standen", sagte WM-OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt: "Ein Rechtsstreit ist weder der Sache dienlich, noch orientiert er sich an den wirklichen Interessen der Fußball-Fans."

www.spiegel.de
Fiedel43
Die Verantwortlichen sind wahre Verbrecher. Es gibt echt keinen vernünftigen Grund so horrende "Bearbeitungsgebühren" zu zahlen neben den unverschämten Eintrittspreisen. Aber das muss wohl so sein, da die Sponsoren mit Karten zugeschissen wurden, die sie dann via TV und 0,49€ Anrufen verscherbeln.
Anti WM
PRO Kreisklasse gucken
bastian
Fußball-WM: Teure Software für teure Tickets

Einen Tag, nachdem FIFA-Präsident Joseph Blatter das deutsche Ticketing für die Fußball-WM 2006 als "etwas zu perfektionistisch" kritisiert hat, stellt sich heraus, dass die besonders umstrittenen Optionstickets durch umfangreiche Neuprogrammierung der Software möglicherweise teurer sind als die ausgewiesene Bearbeitungsgebühr. Diese Gebühr, die möglicherweise erhöht werden soll, wird Käufern von Optionstickets nicht erstattet. Das erklärte Horst R. Schmidt, Vizepräsident des WM-Organisationskommitees (OK), in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Der vom OK mit dem größten deutschen Ticketvermarkter cts eventim abgeschlossene Vertrag über die Produktion und softwareseitige Datenspeicherung für die WM-Tickets scheint offenbar nicht die 150.000 Optionstickets zu umfassen, die an die WM-Sponsoren ausgegeben werden. Dabei müssen die Sponsoren die von ihnen benutzten Tickets personalisieren lassen, können aber auch nicht benutzte Tickets zurückgeben. Diese frei werdenden Tickets werden derzeit als Optionstickets für 150 Euro zum Verkauf angeboten, obwohl niemand weiß, ob Sponsoren überhaupt Tickets in größerem Umfang zurückgeben werden. Gegen diese Art der Ticketverkäufe hat mittlerweile der Bundesverband der Verbraucherschützer Klage eingereicht. Im Interview mit der FAZ erklärt Horst R. Schmidt dagegen, dass der Ticketing-Spezialist cts eventim nun eigene Software programmieren muss, damit die zusätzlichen Tickets verwaltet werden können. "Ich bin sogar sicher, dass die Zusatzoperation teurer wird als das durch die Bearbeitungsgebühr generierte Geld", erklärte Schmidt.

cts eventim hat für das WM-Ticketing eine Software entwickeln lassen, die Insidern zufolge einen knapp zweistelligen Millionenbetrag kosten soll. Zum Ticketing auf der WM erklärte Schmidt: "Dort brauchen wir zum Beispiel eine spezielle Software, die nicht auf dem Markt ist. In der komplexen Form, in der wir an die Kartenfrage herangegangen sind, ist das bisher noch nie gemacht worden." Die Frage nach der Kritik der Datenschützer, die das übermäßige Sammeln personenbezogener Daten für das Ticketing moniert haben, überging der Vizepräsident des Organisationskommitees.

Was bisher gemacht wurde, erfreut nicht unbedingt die FIFA. So kritisierte FIFA-Chef Joseph Blatter das Prozedere mit den personalisierten Tickets als "etwas zu perfektionistisch". Einem Bericht der ARD-Sportredaktion zufolge sagte Blatter: "So viele Sitzungen haben stattgefunden, die optimale Lösung muss erst noch gefunden werden. Wenn jeder seinen Ausweis zeigen muss, wird es vier Stunden dauern, bis die Zuschauer im Stadion sind."

Auch in einem anderen WM-Gebiet gab es einen Rückschlag für die deutsche Technik. So wird der mit einem RFID-Chip ausgestattete "Chip-Ball" nicht im Turnier eingesetzt. Fachleute hätten das System als "bestechend" bewertet, die Technik aber als "noch nicht ausgereift" genug angesehen, begründete FIFA-Generalsekretär Urs Linsi die Absage. Der Chip-Ball spielt eine wichtige Rolle in der Kampagne zum kommenden Jahr der Informatik, die unter dem Motto "Immer auf dem Laufenden dank Informatik" gestartet wurde.

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/67025