Kreiszeitung: Machtwort kontra Machtkampf-Gerücht

Bömmel
Machtwort kontra Machtkampf-Gerücht

Lemkes angebliche Comeback-Pläne bei Jahreshauptversammlung abgebügelt

Von Björn Knips und Carsten Sander


BREMEN Zunächst sah es aus, als sollte ein Hurrikan Werders Führungsriege durcheinander wirbeln. Doch jetzt ist alles nur ein Sturm im Wasserglas? Diesen Eindruck wollte zumindest Klaus-Dieter Fischer gestern Abend auf der Jahreshauptversammlung des SV Werder Bremen mit einem Machtwort erwirken. "Es gibt keinen Machtkampf bei Werder", reagierte der Präsident des Vereins und Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft auf das Gerücht, Willi Lemke strebe eine Rückkehr ins operative Geschäft des Bundesligisten an.

"Der Fußball lockt immer", hatte der gewiefte Medien-Profi der "Welt am Sonntag" gesagt - angeblich ganz ohne Hintergedanken. Die Gerüchteküche brodelte freilich gleich munter drauf los. So wurde spekuliert, dass der Bremer Bildungssenator sich 2007 aus der Politik zurückziehen und dann wieder intensiv für Werder tätig sein könnte - und zwar als Geschäftsführer. Das birgt Brisanz: Denn die Verträge mit den vier Geschäftsführern Jürgen L. Born, Klaus-Dieter Fischer, Manfred Müller und Klaus Allofs laufen 2007 aus.

Lemke, der von 1981 bis 1999 als Werder-Manager tätig war, dementierte allerdings umgehend im "kicker" jegliche Ambitionen, dieses Quartett sprengen zu wollen: "Die schieße ich doch nicht weg, das ist doch albern."

Gestern Abend reagierte er defensiv auf weitere Nachfragen. "Matchkampf, Putschversuch - alles Unsinn", wiegelte der Werder-Aufsichtsratvorsitzende ab. Dass er als oberster Boss des Vereins den Schritt zurück ins Tagesgeschäft plane, habe er nie gesagt. Nur eine "Vorstellung" sei es gewesen, die er geäußert hat. Sozusagen eine kleine Träumerei.

Die aber gewiss nicht erfüllt wird. Denn niemand aus der aktuellen Bremer Geschäftsführung macht derzeit den Eindruck, er würde sich Veränderungen in der Chefetage wünschen. Dafür arbeitet die Crew einfach zu gut. Fischer: "Aus Fußball-Deutschland, nein aus der ganzen Welt erhält Werder riesige Komplimente für die sportlichen Erfolge, die steigenden Mitgliederzahlen und die positive Markenentwicklung."

Speziell eine Ablösung von Klaus Allofs als Sportdirektor kommt nicht in Frage. "Das wäre ein Rückschritt für Werder, Klaus leistet höchst professionelle Arbeit", sagte selbst Willi Lemke, der sogar ankündigte, den Vertrag von Allofs noch in diesem Jahr bis 2009 verlängern zu wollen. Darauf habe sich der Aufsichtsrat geeinigt, und zwar "einstimmig - also auch mit meiner Stimme".

Bliebe noch die Personalie Manfred Müller. Der Marketing-Manager soll vor geraumer Zeit angekündigt haben, 2007 in "Rente" gehen zu wollen. Doch wie zu erfahren war, hat Müller diese Rückzugsgedanken längst verworfen. Da auch Born und Fischer weitermachen wollen, ist in der Geschäftsführung kein Platz für Lemke. Basta!

Der Verschmähte hat offensichtlich verstanden und erklärte gestern zu seiner Lebensplanung: "Es gibt auch noch andere Aufgaben in anderen Bereichen."

Dass bei Werder die Aufgaben in allen Bereichen gut erfüllt werden, machte gestern Jürgen L. Born deutlich. Der Vorsitzende der Geschäftsführung gab einen kleinen Überblick über die Finanzen der Kapitalgesellschaft. Und was er zu verkünden hatte, war durchweg positiv. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2004/05 ist auf die Rekordsumme von 70 Millionen Euro geklettert. Im Vorjahr waren es noch 24 Millionen weniger. Als Ursache dafür nannte Born die auf 36,3 Millionen Euro gestiegenen TV-Einnahmen (zuvor 19,5). Nicht zuletzt diese Entwicklung bescherte Werder einen Gewinn von 5,8 Millionen Euro. "Wir sind schuldenfrei und liquide, haben einen zufrieden-stellenden Gewinn - darauf sind wir stolz."

[29.11.2005] Kreiszeitung