MrBonde
10. November 2005 Klaus Allofs war lange Jahre Nationalspieler. Heute ist er Sportdirektor bei Werder Bremen und Bundesliga-Agent bei der deutschen Nationalmannschaft. Im Interview mit der F.A.Z. spricht er über seinen Klub, die Nationalmannschaft und seine Einschätzungen zur WM.
Können Sie als nun offizieller Vertreter der Bundesliga im Arbeitskreis Nationalmannschaft für ein bißchen Optimismus sorgen?
Die Wahrscheinlichkeit, daß wir eine gute oder sogar eine sehr gute WM spielen, halte ich für viel größer als die Gefahr, daß wir auf die Nase fallen. Denn einige Dinge, die für den Erfolg notwendig sind, wurden auf den Weg gebracht. Nicht nur die Mannschaft und der Trainerstab in der Nationalelf präsentieren sich jetzt als Einheit, sondern sie werden auch von der Liga unterstützt.
Für Theo Zwanziger ist mittlerweile schon das WM-Viertelfinale ein Erfolg, für Mayer-Vorfelder das Halbfinale - nur der Bundestrainer scheint noch vom Titel zu reden.
Mit seiner Zielsetzung, Weltmeister zu werden, hat Jürgen Klinsmann doch vollkommen recht. Es kann ja nicht sein, daß wir sagen: Wir wollen die Gruppenphase überstehen, ein guter Gastgeber sein und uns dann verabschieden. In der Vergangenheit hat der WM-Gastgeber ja sportlich fast immer eine besondere Rolle gespielt. Ich bin auch, was unsere Leistungsfähigkeit angeht, nicht so pessimistisch, nur an den Bonus der Heimmannschaft zu glauben. Nur, hinterher muß man in der Lage sein, sich zu korrigieren. Vielleicht muß man dann sagen: Wir haben alles versucht und im Rahmen unserer Möglichkeiten alles gegeben - aber unsere Klasse hat nicht gereicht. Das könnte so sein. Aber wir werden möglicherweise schon am Samstag in Paris sehen, daß andere Nationen auch ihre Schwierigkeiten haben.
In diesen Tagen hört man anders als zuletzt kein öffentliches Gemäkel über die Torwartrotation, die amerikanischen Fitnesstrainer und den Wohnsitz von Klinsmann. Ziemlich ungewohnt.
Das ist die Konsequenz aus dem Treffen in Frankfurt.
Ist das öffentliche Schweigen der Liga schon der konstruktivste Beitrag des Profifußballs im Hinblick auf eine erfolgreiche WM - oder kommt da noch ein bißchen mehr?
Das Wichtigste ist, daß man optimale Bedingungen für die Nationalmannschaft schafft - dafür reicht ein schöner Rasenplatz nicht aus. Die Stimmung im gesamten Umfeld muß gut sein. Was in den letzten Wochen an öffentlichen Diskussionen stattfand, hat dazu nicht beigetragen. Da hat sich am Ende jeder zu Wort gemeldet und manchmal war gar nicht mehr nachzuvollziehen, ob einige Aussagen tatsächlich so gemacht wurden - und ob nicht Verantwortliche aus der Bundesliga für Geschichten in den Medien herhalten mußten, um Unruhe zu verbreiten. Das war kein Umfeld, in dem sich eine Nationalmannschaft weiterentwickeln kann. Deswegen war das Zusammentreffen so notwendig - und nicht, um fachliche Dinge bis ins letzte Detail zu besprechen. Wir haben nur eine Chance, eine gute WM zu spielen, wenn sich alle in den kommenden Monaten entsprechend verhalten und Diskussionen nicht mehr über die Medien geführt werden. Ich glaube, das haben alle verstanden.
Wie verstehen Sie beim Länderspiel gegen Frankreich Ihre Rolle im Arbeitskreis Nationalmannschaft?
Ich freue mich, daß ich dabeisein kann. Zum einen, weil das Spiel in Frankreich ist. Da fahre ich immer wieder gerne hin. Zum anderen ist es immer besser, wenn man die Dinge aus der Nähe sieht. Bisher mußten wir uns auf Berichte von unseren Spielern oder von anderen Leuten verlassen. Vor Ort kann ich die Stimmung nun selbst einmal erleben. Mal sehen, was für ein Eindruck dann entsteht. Man sollte in meine Rolle aber nicht zuviel hineininterpretieren. Die Einladung zur Nationalmannschaft bekam ich schon vor dem Gipfel in Frankfurt. Ich bin ja in Paris auch nicht als Aufpasser dabei, der Jürgen Klinsmann über die Schulter schaut und das, was er sieht, dann an die Kollegen aus den Bundesligaklubs meldet.
Die Liga kann sich durch ihren kleinen Aufstand aber doch schon jetzt als Gewinner fühlen. Wenn die Nationalelf bei der WM erfolgreich ist, können Sie sagen: Wir haben rechtzeitig gewarnt. Geht die Sache schief, wird es heißen: Wir haben schon immer gewarnt.
Das sind nicht unsere Beweggründe. Es geht nicht darum, sich für die Zeit nach der WM zu positionieren und schon jetzt klare Schuldzuweisungen zu planen. Wir müssen doch nur in die einzelnen Problembereiche hineingehen. Wenn es zum Beispiel um die Torwartrotation geht, betrifft das natürlich vor allem die Verantwortlichen des FC Bayern München, die sich um Oliver Kahn sorgen. Das ist doch ganz klar. Wir haben uns auch in der Vergangenheit Gedanken um Miroslav Klose oder Frank Baumann gemacht. Ich glaube nicht, daß wir als Bundesligaklubs die Gewinner sind, alle haben gewonnen. Es ist auch für Jürgen Klinsmann sehr wichtig, daß er unsere Rückendeckung hat. Wenn ein Bundestrainer nicht die Rückendeckung der Verantwortlichen aus den Klubs besitzt, gibt es für ihn nur noch eine Möglichkeit: alle Spiele gewinnen - und das geht nicht. Das war keine Alibiveranstaltung.
Die Bremer gelten ja als besonnene Kräfte im deutschen Fußball. Aber an der Diskussion um die Nationalmannschaft beteiligen sie sich stärker denn je - kritisieren aber gleichzeitig die Aufgeregtheiten. Wie paßt das zusammen?
Daß wir stärker wahrgenommen werden, liegt daran, daß wir vier, fünf Spieler in der Nationalmannschaft stellen. Unser Gewicht ist größer geworden. Wir haben im Sinne unserer Spieler und unseres Vereins reagiert - wir sind aber auch benutzt worden. Wir haben nie den Konflikt gesucht, sondern uns immer als Ratgeber in persönlichen Gesprächen gesehen.
Will sich Werder auf nationaler Ebene durch das Thema Nationalelf mehr Gehör als früher verschaffen?
Zum einen sollen unsere Spieler optimal eingesetzt werden. Wenn sie Topleistungen bringen, wirkt sich das auch positiv auf unsere Vereinsmannschaft aus. Da sind wir egoistisch. Aber das ist kein Mittel zum Zweck. Wir wollen die Sache voranbringen. Zum anderen haben wir natürlich ein Interesse daran, daß die Nationalelf erfolgreich ist. Das ist für den gesamten deutschen Fußball und auch für Werder positiv.
Und drittens wollen sie auch dem FC Bayern nicht mehr alleine das Wort im Profifußball überlassen, wenn es um die Nationalmannschaft geht.
Wenn die Bayern, wie das in der Vergangenheit noch stärker der Fall war, einen Großteil der Nationalspieler stellen, ist es legitim, Einfluß auszuüben. Es ist auch richtig, daß Uli Hoeneß der Sprecher der Arbeitsgruppe Nationalmannschaft ist. Aber unseren Spielern kommt jetzt eine wichtigere Rolle als früher zu. Das hat sich verändert - und daß sich damit auch die Verhältnisse ein wenig verändern, ist doch normal. Es ist schon richtig: Die Bayern geben nicht mehr alleine den Ton an.
Können Sie als nun offizieller Vertreter der Bundesliga im Arbeitskreis Nationalmannschaft für ein bißchen Optimismus sorgen?
Die Wahrscheinlichkeit, daß wir eine gute oder sogar eine sehr gute WM spielen, halte ich für viel größer als die Gefahr, daß wir auf die Nase fallen. Denn einige Dinge, die für den Erfolg notwendig sind, wurden auf den Weg gebracht. Nicht nur die Mannschaft und der Trainerstab in der Nationalelf präsentieren sich jetzt als Einheit, sondern sie werden auch von der Liga unterstützt.
Für Theo Zwanziger ist mittlerweile schon das WM-Viertelfinale ein Erfolg, für Mayer-Vorfelder das Halbfinale - nur der Bundestrainer scheint noch vom Titel zu reden.
Mit seiner Zielsetzung, Weltmeister zu werden, hat Jürgen Klinsmann doch vollkommen recht. Es kann ja nicht sein, daß wir sagen: Wir wollen die Gruppenphase überstehen, ein guter Gastgeber sein und uns dann verabschieden. In der Vergangenheit hat der WM-Gastgeber ja sportlich fast immer eine besondere Rolle gespielt. Ich bin auch, was unsere Leistungsfähigkeit angeht, nicht so pessimistisch, nur an den Bonus der Heimmannschaft zu glauben. Nur, hinterher muß man in der Lage sein, sich zu korrigieren. Vielleicht muß man dann sagen: Wir haben alles versucht und im Rahmen unserer Möglichkeiten alles gegeben - aber unsere Klasse hat nicht gereicht. Das könnte so sein. Aber wir werden möglicherweise schon am Samstag in Paris sehen, daß andere Nationen auch ihre Schwierigkeiten haben.
In diesen Tagen hört man anders als zuletzt kein öffentliches Gemäkel über die Torwartrotation, die amerikanischen Fitnesstrainer und den Wohnsitz von Klinsmann. Ziemlich ungewohnt.
Das ist die Konsequenz aus dem Treffen in Frankfurt.
Ist das öffentliche Schweigen der Liga schon der konstruktivste Beitrag des Profifußballs im Hinblick auf eine erfolgreiche WM - oder kommt da noch ein bißchen mehr?
Das Wichtigste ist, daß man optimale Bedingungen für die Nationalmannschaft schafft - dafür reicht ein schöner Rasenplatz nicht aus. Die Stimmung im gesamten Umfeld muß gut sein. Was in den letzten Wochen an öffentlichen Diskussionen stattfand, hat dazu nicht beigetragen. Da hat sich am Ende jeder zu Wort gemeldet und manchmal war gar nicht mehr nachzuvollziehen, ob einige Aussagen tatsächlich so gemacht wurden - und ob nicht Verantwortliche aus der Bundesliga für Geschichten in den Medien herhalten mußten, um Unruhe zu verbreiten. Das war kein Umfeld, in dem sich eine Nationalmannschaft weiterentwickeln kann. Deswegen war das Zusammentreffen so notwendig - und nicht, um fachliche Dinge bis ins letzte Detail zu besprechen. Wir haben nur eine Chance, eine gute WM zu spielen, wenn sich alle in den kommenden Monaten entsprechend verhalten und Diskussionen nicht mehr über die Medien geführt werden. Ich glaube, das haben alle verstanden.
Wie verstehen Sie beim Länderspiel gegen Frankreich Ihre Rolle im Arbeitskreis Nationalmannschaft?
Ich freue mich, daß ich dabeisein kann. Zum einen, weil das Spiel in Frankreich ist. Da fahre ich immer wieder gerne hin. Zum anderen ist es immer besser, wenn man die Dinge aus der Nähe sieht. Bisher mußten wir uns auf Berichte von unseren Spielern oder von anderen Leuten verlassen. Vor Ort kann ich die Stimmung nun selbst einmal erleben. Mal sehen, was für ein Eindruck dann entsteht. Man sollte in meine Rolle aber nicht zuviel hineininterpretieren. Die Einladung zur Nationalmannschaft bekam ich schon vor dem Gipfel in Frankfurt. Ich bin ja in Paris auch nicht als Aufpasser dabei, der Jürgen Klinsmann über die Schulter schaut und das, was er sieht, dann an die Kollegen aus den Bundesligaklubs meldet.
Die Liga kann sich durch ihren kleinen Aufstand aber doch schon jetzt als Gewinner fühlen. Wenn die Nationalelf bei der WM erfolgreich ist, können Sie sagen: Wir haben rechtzeitig gewarnt. Geht die Sache schief, wird es heißen: Wir haben schon immer gewarnt.
Das sind nicht unsere Beweggründe. Es geht nicht darum, sich für die Zeit nach der WM zu positionieren und schon jetzt klare Schuldzuweisungen zu planen. Wir müssen doch nur in die einzelnen Problembereiche hineingehen. Wenn es zum Beispiel um die Torwartrotation geht, betrifft das natürlich vor allem die Verantwortlichen des FC Bayern München, die sich um Oliver Kahn sorgen. Das ist doch ganz klar. Wir haben uns auch in der Vergangenheit Gedanken um Miroslav Klose oder Frank Baumann gemacht. Ich glaube nicht, daß wir als Bundesligaklubs die Gewinner sind, alle haben gewonnen. Es ist auch für Jürgen Klinsmann sehr wichtig, daß er unsere Rückendeckung hat. Wenn ein Bundestrainer nicht die Rückendeckung der Verantwortlichen aus den Klubs besitzt, gibt es für ihn nur noch eine Möglichkeit: alle Spiele gewinnen - und das geht nicht. Das war keine Alibiveranstaltung.
Die Bremer gelten ja als besonnene Kräfte im deutschen Fußball. Aber an der Diskussion um die Nationalmannschaft beteiligen sie sich stärker denn je - kritisieren aber gleichzeitig die Aufgeregtheiten. Wie paßt das zusammen?
Daß wir stärker wahrgenommen werden, liegt daran, daß wir vier, fünf Spieler in der Nationalmannschaft stellen. Unser Gewicht ist größer geworden. Wir haben im Sinne unserer Spieler und unseres Vereins reagiert - wir sind aber auch benutzt worden. Wir haben nie den Konflikt gesucht, sondern uns immer als Ratgeber in persönlichen Gesprächen gesehen.
Will sich Werder auf nationaler Ebene durch das Thema Nationalelf mehr Gehör als früher verschaffen?
Zum einen sollen unsere Spieler optimal eingesetzt werden. Wenn sie Topleistungen bringen, wirkt sich das auch positiv auf unsere Vereinsmannschaft aus. Da sind wir egoistisch. Aber das ist kein Mittel zum Zweck. Wir wollen die Sache voranbringen. Zum anderen haben wir natürlich ein Interesse daran, daß die Nationalelf erfolgreich ist. Das ist für den gesamten deutschen Fußball und auch für Werder positiv.
Und drittens wollen sie auch dem FC Bayern nicht mehr alleine das Wort im Profifußball überlassen, wenn es um die Nationalmannschaft geht.
Wenn die Bayern, wie das in der Vergangenheit noch stärker der Fall war, einen Großteil der Nationalspieler stellen, ist es legitim, Einfluß auszuüben. Es ist auch richtig, daß Uli Hoeneß der Sprecher der Arbeitsgruppe Nationalmannschaft ist. Aber unseren Spielern kommt jetzt eine wichtigere Rolle als früher zu. Das hat sich verändert - und daß sich damit auch die Verhältnisse ein wenig verändern, ist doch normal. Es ist schon richtig: Die Bayern geben nicht mehr alleine den Ton an.