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http://www.welt.de/data/2005/10/26/794157.html
Ein neues Spielzeug für den Milliardär
SAP-Gründer Hopp weitet Sportengagement aus und plant mit Hoffenheim den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga
von Andreas Wagner
Heidelberg - Die TSG Hoffenheim war schon immer ein ungewöhnlich erfolgreicher Fußballklub. Innerhalb weniger Jahre schaffte es der Verein aus dem Vorort der zwischen Heidelberg und Heilbronn gelegenen Kleinstadt Sinsheim von der A-Klasse in die Regionalliga, die dritthöchste deutsche Spielklasse. Der Mann, der diesen Aufstieg möglich machte, heißt Dietmar Hopp (65), ist Mitbegründer des Walldorfer Software-Konzerns SAP, besitzt laut dem Magazin "Forbes" ein Privatvermögen von 2,5 Milliarden Euro und spielte in seiner Jugend für die TSG.
Mit der Regionalliga will sich Hopp nun nicht mehr zufriedengeben. Der Mäzen, der sich Hoffenheims Partien schon einmal per Satellit in sein Urlaubsdomizil nach Florida übertragen läßt, plant den großen Wurf: Er will in die Fußball-Bundesliga. "Zu 95 Prozent schaffen wir es", sagt Hopp.
Die Idee des Unternehmers mag zunächst utopisch klingen. Angesichts seiner finanziellen Potenz und seiner bisher verwirklichten Projekte sollte sie indes ernst genommen werden. Ihm und seinem Sohn Daniel gehören bereits der Eishockey-Erstligaklub Adler Mannheim, der Handball-Bundesligaverein SG Kronau-Östringen und die modernste Halle Deutschlands, die SAP Arena in Mannheim.
Dem Kickergewerbe gegenüber war Hopp für seine Verhältnisse bislang eher zurückhaltend. Er wollte nie Stars nach Hoffenheim lotsen, sondern bodenständige Spieler. Das nach ihm benannte Stadion ließ er nur soweit ausbauen, daß 6000 Zuschauer Platz fanden. Erst vor zwei Jahren verpflichtete er Vollprofis. Der endgültige Sinneswandel erfolgte nun vor etwas über einer Woche, als der Mannheimer Energiekonzern MVV, bislang stets ein treuer Partner der TSG, den Ausstieg in Hoffenheim ankündigte, um dem Traditionsverein Waldhof Mannheim von der Oberliga in die Bundesliga zu verhelfen. "Die MVV muß aufpassen, daß sie sich nicht verhebt", grantelte daraufhin Hopp in der "Rhein-Neckar-Zeitung" und kündigte erstmals an, selbst in die Bundesliga zu wollen.
Hopp erwägt nun die Fusion der TSG mit dem Oberligaverein SV Sandhausen und dem Verbandsligaklub FC Astoria Walldorf, anschließend soll die neue Mannschaft verstärkt werden und in die Zweite Liga aufsteigen. Das eingeschlagene Tempo jedenfalls ist beeindruckend. Keine drei Tage nach dem Ausstieg des Sponsors präsentierte Hopp Computersimulationen eines neuen Stadions. Südlich von Heidelberg und in unmittelbarer Nähe zum Hockenheimring will er zusammen mit weiteren Unternehmern eine 30 000 Zuschauer fassende Arena für 40 Millionen Euro bauen lassen.
In zahlreichen Gesprächen versuchte er, Politiker, Vereinsvertreter und Unternehmer von seiner Idee zu überzeugen. Mit Erfolg, denn selbst die MVV ist mittlerweile wieder umgeschwenkt und will nun doch lieber Hopp als Waldhof unterstützen. "Es wäre töricht, die Chance nicht zu nutzen", sagte MVV-Vorstand Rudolf Schulten, "wofür andere jahrelang um Unterstützung kämpfen müssen, könnte hier auf einen Schlag gelingen."
Nur in Mannheim, der mit Abstand größten Stadt der Gegend, sind die Stimmen kritisch. Beim letzten Waldhof-Heimspiel am Wochenende entrollten die Fans ein Transparent mit den Worten: "Unsere Region nur das Spielzeug eines gekränkten Kindes?" In Leserbriefen an Lokalzeitungen verspotteten Waldhof-Fans den neuen Klub als "SG Neureich Bimbeshausen" oder "Grashoppers Kurpfalz". Und auch unter den Funktionären der drei beteiligten Vereine äußerten sich nicht alle durchweg positiv - verständlich, denn das Sagen beim fusionierten Verein hätte allein Geldgeber Hopp. Immerhin stimmten die Verantwortlichen des SV Sandhausen schon einstimmig für die Fusion.
In der Region um Heidelberg ist die Begeisterung riesig. Der geplante Bundesligist entwickelt sich zum wichtigsten Gesprächsthema, Fans machen scharenweise bei Gewinnspielen mit, bei denen der neue Name des Klubs ermittelt werden soll. Walldorfs Bürgermeister Heinz Merklinger diskutiert detailliert den Spielstättenbau. Noch ist aber nicht klar, ob Hopp sein Stadion tatsächlich errichten darf. Solch ein Projekt bedarf einer langen Vorlaufzeit. Als er etwa die SAP Arena plante, gab es monatelang Ärger wegen der Umsiedlung von Hasen auf dem Gelände. Doch Hopp hat bereits angekündigt, zur Not woanders zu bauen. Wenn er etwas wirklich will, läßt sich der Milliardär von derlei Kleinigkeiten nicht stoppen.
Artikel erschienen am Mi, 26. Oktober 2005
Ein neues Spielzeug für den Milliardär
SAP-Gründer Hopp weitet Sportengagement aus und plant mit Hoffenheim den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga
von Andreas Wagner
Heidelberg - Die TSG Hoffenheim war schon immer ein ungewöhnlich erfolgreicher Fußballklub. Innerhalb weniger Jahre schaffte es der Verein aus dem Vorort der zwischen Heidelberg und Heilbronn gelegenen Kleinstadt Sinsheim von der A-Klasse in die Regionalliga, die dritthöchste deutsche Spielklasse. Der Mann, der diesen Aufstieg möglich machte, heißt Dietmar Hopp (65), ist Mitbegründer des Walldorfer Software-Konzerns SAP, besitzt laut dem Magazin "Forbes" ein Privatvermögen von 2,5 Milliarden Euro und spielte in seiner Jugend für die TSG.
Mit der Regionalliga will sich Hopp nun nicht mehr zufriedengeben. Der Mäzen, der sich Hoffenheims Partien schon einmal per Satellit in sein Urlaubsdomizil nach Florida übertragen läßt, plant den großen Wurf: Er will in die Fußball-Bundesliga. "Zu 95 Prozent schaffen wir es", sagt Hopp.
Die Idee des Unternehmers mag zunächst utopisch klingen. Angesichts seiner finanziellen Potenz und seiner bisher verwirklichten Projekte sollte sie indes ernst genommen werden. Ihm und seinem Sohn Daniel gehören bereits der Eishockey-Erstligaklub Adler Mannheim, der Handball-Bundesligaverein SG Kronau-Östringen und die modernste Halle Deutschlands, die SAP Arena in Mannheim.
Dem Kickergewerbe gegenüber war Hopp für seine Verhältnisse bislang eher zurückhaltend. Er wollte nie Stars nach Hoffenheim lotsen, sondern bodenständige Spieler. Das nach ihm benannte Stadion ließ er nur soweit ausbauen, daß 6000 Zuschauer Platz fanden. Erst vor zwei Jahren verpflichtete er Vollprofis. Der endgültige Sinneswandel erfolgte nun vor etwas über einer Woche, als der Mannheimer Energiekonzern MVV, bislang stets ein treuer Partner der TSG, den Ausstieg in Hoffenheim ankündigte, um dem Traditionsverein Waldhof Mannheim von der Oberliga in die Bundesliga zu verhelfen. "Die MVV muß aufpassen, daß sie sich nicht verhebt", grantelte daraufhin Hopp in der "Rhein-Neckar-Zeitung" und kündigte erstmals an, selbst in die Bundesliga zu wollen.
Hopp erwägt nun die Fusion der TSG mit dem Oberligaverein SV Sandhausen und dem Verbandsligaklub FC Astoria Walldorf, anschließend soll die neue Mannschaft verstärkt werden und in die Zweite Liga aufsteigen. Das eingeschlagene Tempo jedenfalls ist beeindruckend. Keine drei Tage nach dem Ausstieg des Sponsors präsentierte Hopp Computersimulationen eines neuen Stadions. Südlich von Heidelberg und in unmittelbarer Nähe zum Hockenheimring will er zusammen mit weiteren Unternehmern eine 30 000 Zuschauer fassende Arena für 40 Millionen Euro bauen lassen.
In zahlreichen Gesprächen versuchte er, Politiker, Vereinsvertreter und Unternehmer von seiner Idee zu überzeugen. Mit Erfolg, denn selbst die MVV ist mittlerweile wieder umgeschwenkt und will nun doch lieber Hopp als Waldhof unterstützen. "Es wäre töricht, die Chance nicht zu nutzen", sagte MVV-Vorstand Rudolf Schulten, "wofür andere jahrelang um Unterstützung kämpfen müssen, könnte hier auf einen Schlag gelingen."
Nur in Mannheim, der mit Abstand größten Stadt der Gegend, sind die Stimmen kritisch. Beim letzten Waldhof-Heimspiel am Wochenende entrollten die Fans ein Transparent mit den Worten: "Unsere Region nur das Spielzeug eines gekränkten Kindes?" In Leserbriefen an Lokalzeitungen verspotteten Waldhof-Fans den neuen Klub als "SG Neureich Bimbeshausen" oder "Grashoppers Kurpfalz". Und auch unter den Funktionären der drei beteiligten Vereine äußerten sich nicht alle durchweg positiv - verständlich, denn das Sagen beim fusionierten Verein hätte allein Geldgeber Hopp. Immerhin stimmten die Verantwortlichen des SV Sandhausen schon einstimmig für die Fusion.
In der Region um Heidelberg ist die Begeisterung riesig. Der geplante Bundesligist entwickelt sich zum wichtigsten Gesprächsthema, Fans machen scharenweise bei Gewinnspielen mit, bei denen der neue Name des Klubs ermittelt werden soll. Walldorfs Bürgermeister Heinz Merklinger diskutiert detailliert den Spielstättenbau. Noch ist aber nicht klar, ob Hopp sein Stadion tatsächlich errichten darf. Solch ein Projekt bedarf einer langen Vorlaufzeit. Als er etwa die SAP Arena plante, gab es monatelang Ärger wegen der Umsiedlung von Hasen auf dem Gelände. Doch Hopp hat bereits angekündigt, zur Not woanders zu bauen. Wenn er etwas wirklich will, läßt sich der Milliardär von derlei Kleinigkeiten nicht stoppen.
Artikel erschienen am Mi, 26. Oktober 2005
Irgendwann hört der Verstand auch auf