Iran

MrBonde
http://www.prodomo-online.org/aktuell_iran_kapituliert.html

THOMAS BECKER: Iran kapituliert
Fragt sich nur wann

THOMAS BECKER

"Trotz all der verschiedenen Umstände, wir sehen Ähnlichkeiten damit, was in den 1930ern geschah, als die Leute das wirkliche Problem unterschätzten, oder sich auf andere Gefahren konzentrierten. Für uns stellt sich das Problem so, dass entweder die Welt Iran angreift, bevor es zu spät ist, oder wir alle die Konsequenzen noch zu spüren bekommen." Yuval Steinitz, Vorsitzender des Ausschusses für Außen- und Verteidigungspolitik des israelischen Parlaments (1)

Iran ist in revolutionärer Stimmung. Die Präsidentenwahl im Juni gewann ein Mann, der versprochen und auch gleich damit begonnen hat, den Reformzirkus der vergangenen Jahre, an den sowieso nur kleine Kinder und die Europäer geglaubt hatten, zu beenden und die revolutionären Tugenden des iranischen Volkes wiederzubeleben. Er heißt Mahmoud Ahmadinejad, war als Aktivist in einer Studentengruppe an der Revolution von 1979 beteiligt, diente dem Regime später als Kommandeur der Revolutionswächter und zuletzt als Bürgermeister Teherans und ist sowohl ein Apparatschik mit militärischem und geheimdienstlichem Hintergrund, als auch ein frommer Moscheengänger, der noch niemals zu spät zum Freitagsgebet erschienen ist und dessen Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft seine Nachbarn loben. Sein politisches Programm besteht v.a. darin, den Ölreichtum Irans zugunsten der Armen umzuverteilen und religiöse Verfehlungen zu bestrafen. Der iranische Sharia-Sozialismus soll der muslimischen Weltgemeinschaft als Modell dienen, ihr demonstrieren, wie ein richtiger Gottesstaat auszusehen hat, und dass Iran der einzige Ort auf der Welt ist, wo ein solcher gegenwärtig existiert.

Solches Marketing wird offenbar für nötig erachtet, weil das iranische Modell unter starkem Konkurrenzdruck steht. Einerseits hat es nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan und des Baath-Regimes in Irak an Attraktivität gewonnen, allein schon weil es - bis jetzt - überlebt hat, aber auch weil Iran dem globalen Jihad die enger gewordenen Ressourcen zur Verfügung stellt, die nur ein Staat aufbringen kann: Trainingslager für Terroristen, die sich auf Anschläge in Israel vorbereiten, militärischen Rückzugsraum für irakische Terrorkommandos, Unterschlupf für die von Al Qaeda, schwere Waffen wie Panzer, Flugzeuge und Raketen, die Arbeitskraft und das Militärpotential eines 70-Millionen-Volkes usw. In Folge des 11. September 2001 müssen die Ayatollahs um ihre Rolle als Speerspitze des Krieges gegen Amerika und Israel jetzt nicht mehr mit Saddam Hussein ringen, dafür aber mit Osama Bin Laden, der es als erster gewagt hatte, den "großen Teufel" direkt anzugreifen. Nach wie vor führt Iran den Krieg gegen Israel an durch die von ihm materiell und politisch abhängigen libanesischen und palästinensischen Terrororganisationen Hizbullah, Hamas und Islamischer Jihad. Das sunnitische Terrornetz zeigte sich jedoch, wo es um den effektivsten Einsatz des Selbstmordterrors auf globaler Ebene geht, dem schiitischen Modell des Gottesstaates überlegen, da dieses, eben weil es Staat ist, für die "asymmetrische Kriegsführung", die der heilige Krieg erfordert, nicht unbedingt geeignet ist. Al Qaeda kann auch außerhalb Afghanistans weiterhin existieren und töten, aber Iran, als Gottesstaat, hätte mit einem Angriff auf das World Trade Center sein Testament unterschrieben, weil der Krieg gegen den Terror einen einfachen und einfach zu fassenden Gegner gehabt hätte. Iran braucht die von ihm abhängigen, aber auch nicht mit ihm identischen Banden, an die die Ausführung von Terroraktionen und die Verantwortung dafür delegiert werden kann.

Iran hat jedoch noch eine Waffe in der Hinterhand, mit der es die Führungsrolle auch im Krieg gegen Amerika wiedergewinnen will. Das iranische Atomwaffenprogramm ist schon vor seiner Vollendung, die nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, in dieser Hinsicht dienlich. Bisher verfügt keine Organisation und kein Netzwerk, das sich um die islamische Weltrevolution verdient gemacht hat, über Massenvernichtungswaffen. Aber Iran wird bald Waffen bauen, mit denen man nicht nur 3000 Menschen mit einem Schlag vernichten kann, wie in New York, sondern 30.000 oder 300.000. Und mit nur zwei Atomraketen könnte Iran vollstrecken, was es bei seinen Militärparaden in der "Heiligen Woche der Verteidigung" jeden September seit zwei Jahren als seine Absicht verkündet: "Israel muss aus den Annalen der Geschichte gestrichen werden". (2) So und so ähnlich lauten die Parolen, mit denen die Shahab-3 Mittelstreckenraketen beschriftet sind, die Iran seit jener Zeit besitzt und die einmal mit dem bestückt werden sollen, was gegenwärtig in den Urankonversions- und Anreicherungsanlagen des Iran produziert wird. Die Raketen sind, neben dem Atomprogramm, der größte Stolz der Ayatollahs und v.a. der Revolutionswächter, unter deren Kontrolle sich beide Komponenten der Waffenentwicklung befinden, die Raketen- und die Atombombenproduktion. Iran hatte sich in den vergangenen Jahren auf Kontrollen der Internationalen Atomenergie Agentur (IAEA) und auf Verhandlungen mit Europa eingelassen, die dem Regime zwar die Zeit verschafft hatten, das Atomwaffenprogramm fortzuführen, die folgenden Produktionsschritte aber, v.a. die Urananreicherung, zu behindern drohten. Mahmoud Ahmadinejad wäre nicht der Revolutionär, für den er sich hält, hätte er nicht auch diesen Zirkus beendet.

Gleich nach der Übernahme des Präsidentenamtes Anfang August verfügte er die Inbetriebnahme von Atomanlagen, deren zumindest vorübergehende Stillegung Grundlage und Gegenstand der Verhandlungen mit Europa und der IAEA waren. Den Verhandlungen wurde damit der Boden entzogen. Ahmadinejad bezeichnete schon die Absicht, das iranische Atomprogramm zu kontrollieren, als "nukleare Apartheid" und ließ keinerlei Zweifel daran, dass er es auf eine Konfrontation angelegt hatte. Er löste damit eine internationale Krise aus, die Iran den Ruhm des an vorderster Front gegen Israel und Amerika Kämpfenden einbringen sollte, der den Mut und die Macht hat, den Feind herauszufordern und zu bezwingen, aber genauso gut mit einem weiteren Regime Change im Nahen Osten enden könnte.

Der folgende Ablauf der ersten Phase der Krise war lange vorher abzusehen. Die IAEA bescheinigte Iran den Vertragsbruch und drohte, den Fall an den Weltsicherheitsrat zu verweisen, der Iran mit diversen wirtschaftlichen und diplomatischen Sanktionen belegen, politisch isolieren und schließlich militärische Aktionen gegen ihn anordnen kann. Die Verhandlungen mit Europa, die Iran Anfang August beendete, hatten nie einen anderen Sinn, als einen solchen Ablauf der Krise, der sich im Herbst 2003 zum ersten Mal abzeichnete, zu umgehen. Dieser wurde dann auch, den Erwartungen Teherans entsprechend, durch eine diplomatische Rettungsaktion der Europäer im letzten Moment verhindert.

Es gibt nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass Iran diesen Crashkurs unbedacht eingeschlagen hätte und daher bald schon seinen Fehler einsehen und den Rückzug antreten könnte. Alle Anzeichen sprechen vielmehr dafür, dass diese Einsicht dem Regime von außen beigebracht werden müsste. Um das zu erreichen, wäre schon eine Koalition von Willigen erforderlich, die entschlossen und stark genug ist, notfalls mit Gewalt zu verhindern, dass sich die Ayatollahs und ihre Revolutionswächter mit Atomraketen bewaffnen. Da dem Regime klar sein muss, dass es einen von Amerika angeführten Angriff nicht überleben würde, könnte es angesichts der Ausweglosigkeit seiner Situation schließlich auf die Idee kommen, vorher zu kapitulieren und dadurch vielleicht einem Regime Change zu entkommen. Das hieße jedoch, vor der Weltöffentlichkeit als Schwächling dazustehen und würde dem Bild widersprechen, das Mahmoud Ahmadinejad von sich hat. Das Regime könnte natürlich auch auf den irre scheinenden Gedanken kommen, Iran in ein zweites Irak zu verwandeln. Iran hätte die erste Schlacht dieser Krise schon gewonnen, wenn ihm eine Koalition entgegenträte, die Zweifel daran zuließe, auch auf eine solche Situation gefasst zu sein.

Durch seine Rede am 17. September vor der UN-Vollversammlung in New York schaffte Mahmoud Ahmadinejad mehr Klarheit über die Politik des Regimes. (3) Die Europäer, die die Hoffnung niemals aufgeben und der iranischen Propaganda geglaubt hatten, der Präsident würde bei seinem ersten öffentlichen Auftritt außerhalb Irans einen Kompromissvorschlag und den eine Woche später drohenden Verweis an den Weltsicherheitsrat damit unnötig machen, kamen dabei abermals nicht auf ihre Kosten. Statt eines Kompromisses lieferte er der versammelten Staatengemeinschaft eine antisemitische Generalabrechnung mit dem Westen im Allgemeinen und Amerika und Israel im Besonderen, die er "im Namen des Allmächtigen" auf das Publikum herabschmetterte, und mit der er das iranische Atomwaffenprogramm im Namen der "Gerechtigkeit", des "Friedens" und des "Glaubens" verteidigte.

Die Bilder aus New Orleans, die er gerade in seinem New Yorker Hotelzimmer gesehen hatte, hatten ihn zu dem Gleichnis angeregt, das er seiner Strafpredigt vorausschickte und mit dem er die Katastrophe zur notwendigen Folge des Sittenverfalls im Westen, zur gerechten Strafe Gottes für das Fehlverhalten der Amerikaner erklärte: "Je mehr eine Gesellschaft von dem Gebot der Gerechtigkeit und vom Glauben abweicht, mit desto größerer Unsicherheit wird sie konfrontiert". Man ahnt schon, wie diese Logik weitergeht: Der Terror ist auch so eine Katastrophe, die das Opfer durch sein Fehlverhalten, d.h. weil es zur falschen Zeit am falschen Ort war, selbst zu verantworten hat. In den Worten des Präsidenten: "Diskriminierung produziert Hass, Krieg und Terrorismus". Da nun Amerika, Israel und der ganze Westen, wie man weiß, vom Glauben abgefallen sind und Ungerechtigkeit auf der ganzen Welt säen, müssen sie mit Widerstand rechnen: "Wenn jene, die von ihrer überlegenen militärischen und ökonomischen Macht abhängen, versuchen, ihre Privilegien auszudehnen, leisten sie der Sache des Friedens einen schlechten Dienst, tatsächlich feuern sie das Wettrüsten an und verbreiten Unsicherheit, Furcht und Täuschung. Wenn die globalen Trends fortfahren, den Interessen von kleinen einflussreichen Gruppen zu dienen, werden sogar die Interessen der Bürger von mächtigen Ländern gefährdet, wie man es an den gegenwärtigen Krisen, sogar an den natürlichen Katastrophen wie dem gegenwärtigen tragischen Hurricane beobachten kann". Es sind also nicht die Terroristen, sondern ihre Opfer, die "Unsicherheit" und "Furcht" verbreiten.

Die Rechtfertigung des iranischen Atomwaffenprogramms fiel nach dieser Einleitung nicht mehr schwer. Amerikanische Geheimdienste steckten hinter den Anschlägen vom 11. September 2001 und beschuldigten andere. Im "besetzten Palästina" würden "Frauen und Kinder gemordet, Teenager in Gefängnisse gesperrt, Häuser zerstört und Bauernhöfe niedergebrannt, aber wenn das Volk Palästinas sich dem widersetzt, wird es des Terrorismus bezichtigt". Mit einem Wort: "Die ernsteste Herausforderung, mit der wir es heute zu tun haben, ist, dass die Schuldigen für sich die Rolle des Anklägers in Anspruch nehmen." Und "noch gefährlicher ist, dass sich bestimmte Parteien, die von ihrer Macht- und Reichtumssucht abhängig sind und versuchen ein Klima von Einschüchterung und Ungerechtigkeit zu verbreiten und die Welt damit zu terrorisieren und sich dabei auch noch - mithilfe ihrer gigantischen Medienmacht - als Verteidiger der Freiheit, Demokratie und Menschenrechte aufspielen". Die wahre Demokratie sei Iran. Einige "mächtige Staaten" würden auf der Welt ein Regime der "nuklearen Apartheid" und ein "ökonomisches Monopol" errichten wollen, aber das iranische Volk werde sich dem widersetzen.

Eine Woche nach dieser Rede, am 24. September, verabschiedete der Gouverneursrat der IAEA die Resolution, die Iran vor den Weltsicherheitsrat bringen könnte, falls dies das letzte Wort des Präsidenten zu der Sache gewesen sein sollte. Die Resolution hatten die erschreckten Europäer vorbereitet, und sogar Indien, das Iran zuvor nicht erfolglos mit Öl- und Gaslieferungen umworben hatte, stimmte ihr zu. Europäer und Inder mögen jetzt gemeinsam hoffen, dass Iran den Wink verstanden hat und doch noch nachgibt, weil sie die Konsequenzen ihres Stimmverhaltens im Gouverneursrat doch mehr fürchten als die Konsequenz, die das fortgesetzte Stillhalten gehabt hätte. Es kommt aber für den weiteren Verlauf der Krise weniger darauf an, ob Iran nachgibt, als darauf, dass die Koalition, die sein Atomwaffenprogramm aufhalten will, es nicht tut. Europa und Indien würde man diese Konsequenz nicht mehr zutrauen wollen. Die nur in ihrem Friedenswillen konsequenten Deutschen würden sich als erste verdrücken, wenn es nötig würde, dem Regime ein Ultimatum zu setzen, das tatsächlich ultimativ wäre. Indiens Regierung, die von den kommunistischen und den nationalistischen Parteien politisch unter Druck gesetzt wird, weil sie sich "Amerika unterworfen" und die "indischen Interessen verraten" habe, hatte gleich nach der Verabschiedung der Resolution beteuert, dass sie zu einem anderen Anlass, nämlich im November, wenn es darauf ankäme, auch anders stimmen könnte. Das Abwägen widerstreitender politischer Interessen wird den Ablauf dieser Krisendiplomatie bestimmen.

Für Israel, für das jüdische Volk, stellt sich das Problem vollkommen anders. Es ist ein Problem, das das Abwägen nicht erlaubt. Ihm droht der atomare Holocaust und eine neue und schlimmere Welle des von Iran gesteuerten Jihad, wenn nichts passiert. Ein israelisches Forschungsinstitut (4) appellierte Anfang Oktober noch einmal an den Verstand in der Welt und verlangte: "Die internationale Gemeinschaft im Allgemeinen und die EU im Besonderen, müssen verstehen, dass nur eine energische Politik, verbunden mit aggressivem Vorgehen, Iran daran hindern könnte, Atomwaffen zu bauen". Für den Fall, dass der Weltsicherheitsrat, dass eine vollkommene Wirtschaftsblockade und politische Isolation - so die Welt dergleichen überhaupt zustande bekäme - das Regime noch immer nicht dazu bewege, sein Atomwaffenprogramm abzustellen, müsse "die internationale Gemeinschaft dazu bereit sein, ein Risiko einzugehen, ihre Luftwaffe einzusetzen, Marschflugkörper und 'smart bombs' gegen strategische Ziele der atomaren Infrastruktur Irans abzuschießen". In dieser Phase der Krise müssten "die Führer Irans davon überzeugt werden, dass die Drohung, der sie jetzt ausgesetzt sind, anders als jede andere Drohung ist, der sie jemals zuvor gegenüberstanden". Würde auch das nicht zum Erfolg führen, müsse "die internationale Gemeinschaft, geführt von den Vereinigten Staaten, die Erlaubnis dafür haben, jedes Mittel anzuwenden, das notwendig wäre, um den Streit über die atomaren Ambitionen Irans zu beenden, einschließlich massiven Raketenbeschusses und Bombardements aus der Luft".

Israel hat oft und glaubwürdig versichert, dass es, wenn die "internationale Gemeinschaft" es im Stich lässt auf eigene Faust handeln und die für den Bombenbau relevanten Atomanlagen in Iran angreifen wird. Die israelischen Streitkräfte haben in diesem Jahr in Amerika ein Paket von 100 bunkerbrechenden Bomben gekauft, denn Iran hat seine Urananreicherungsanlage in Natanz unterirdisch installiert, um sie zu schützen. Doch so weit wird es nicht unbedingt kommen. Die Drohungen Israels sind noch Hilferufe, v.a. an die Amerikaner, es mit diesem Problem nicht allein zu lassen. Und sie stoßen in Washington nicht auf taube Ohren.

Militärstrategen, häufig auch solche der Friedensbewegung, behaupten zwar, die amerikanische Streitmacht sei schon zu tief in den Irak verstrickt, um sich eine weitere Schlacht im Nahen Osten leisten zu können. Wenn auch Mahmoud Ahmadinejad damit kalkuliert haben sollte, war es vielleicht seine letzte Fehlkalkulation. Tatsächlich ist das iranische Militär komplett veraltet. Eine Analyse der U.S.Army (5) vom Herbst vergangenen Jahres behauptet, das iranische Militär sei heute in einem schlechteren Zustand als 1979, vor der Revolution und v.a. vor dem Krieg gegen Irak in den 1980er Jahren. Dem Regime müsse es daher vor zwei Jahren eiskalt den Rücken heruntergelaufen sein, als es zusehen musste, wie leicht die amerikanischen Streitkräfte die Truppen Saddam Husseins schlagen konnten: "Im Frühjahr 2003, schafften amerikanische und britische Streitkräfte in einem Monat, was die iranischen Streitkräfte in acht Jahren des Krieges mit Irak zwischen 1980 und 1988 nicht geschafft hatten. Teheran kann nicht umhin anzuerkennen, dass seine konventionellen Streitkräfte wenig Aussicht haben würden, einem amerikanischen Angriff zu widerstehen." Ob Iran eine Atommacht wird, wird also schließlich davon abhängen, ob die amerikanische Regierung dem innenpolitischen und außenpolitischen Druck derer widersteht, die einen Krieg verhindern wollen, der möglicherweise unvermeidlich ist.
werder|owl
Zitat:
Das iranische Atomwaffenprogramm ist schon vor seiner Vollendung, die nicht mehr lange auf sich warten lassen wird


welche konkreten hinweise gibt es dafür?
MrBonde
"Nicht mehr lange" ist wohl relativ und je nachdem, wo man liest, gibts da unterschiedliche Einschätzungen. Das "Fragt sich nur, wann" steht ja bereits im Titel, und ob es nun in 2 oder in 5 Jahren soweit ist, ist auch nebensächlich. Nur an den geheimgehaltenen Fabriken kann man wohl bereits absehen, dass sie aus irgendeinem Grund nicht so ganz offen mit ihrem Atomprogramm umgehen. Zusammen mit dem erklärten Wunsch, Israel zu vernichten, ist das schon beängstigend genug. Raketen, die bis nach Europa reichen haben sie übrigens auch.


http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/au...003/2/2_5c_html
mazzo
alleine diese Art der offene Kriegserklärung des Iran an Israel ist -egal mit welchen Waffen- reichlich beängstigend. Und im übrigen Wasser auf den Mühlen der Präventionskrieger. Sehr, sehr unschön, diese Entwicklung.
Fiedel43
Und wenn man dann noch bedenkt, dass mit Bush nicht gerade ein Vermittler Präsident des Landes ist, dass nicht nur das einzige Land ist, welches eine militärische Operation selbstständig in kürzester Zeit durchführen kann (und über nukleare Waffen verfügt), sondern darüber hinaus eine sehr enge Beziehung zu Israel pflegt und den Iran dann noch als Mitglied der Achse des Bösen bezeichnet, ist nach noch besorgniserregender.

Und zudem ist er im Umfragetief- was militärisches Vorgehen bei ihm, da der Iran ja noch keine atomaren Waffen besitzt, auch noch begünstigt, da ja außenpolitische Erfolge die innenpolitischen Fehler vergessen machen können. Zumindest mit dem ausgebauten Medienapparat.
Dominik
Zitat:
Original von Fiedel43
Und wenn man dann noch bedenkt, dass mit Bush nicht gerade ein Vermittler Präsident des Landes ist, dass nicht nur das einzige Land ist, welches eine militärische Operation selbstständig in kürzester Zeit durchführen kann (und über nukleare Waffen verfügt), sondern darüber hinaus eine sehr enge Beziehung zu Israel pflegt und den Iran dann noch als Mitglied der Achse des Bösen bezeichnet, ist nach noch besorgniserregender.


Und, wenn man sich die neuesten Entwicklungen um den "Volkspraesidenten" Ahmadineschad anschaut, waere daran schlecht? Vernuenftige Menschen koennen gar nicht anders, als zu hoffen, dass die USA massiv diplomatisch bzw. wenn das nichts bringt, militaerisch intervenieren. Das wuerde uebrigens George Bushs Umfragewerten gar nichts bringen, davon abgesehen, dass er gar nicht mehr kandidieren kann. Momentan sieht es leider so aus, als koennte auch die USA den finanziellen Aufwand, den ein weiterer Krieg im nahen Osten mit sich bringt, nicht schultern.

Aber die alteuropaeische Friedensbewegung wird das Problem sicherlich loesen.. so wie immer.


Passend dazu uebrigens:

Zitat:


Nach Ahmadineschads Rede
Iran hetzt weiter gegen Israel

28. Oktober 2005 Einen Tag nach dem Aufruf von Präsident Ahmadineschad zur Zerstörung Israels hat Iran mit seinen verbalen Angriffen gegen Israel nachgelegt. Teheran erkenne das „zionistische Besatzungsregime” nicht an, sagte Außenminister Manuschehr Mottaki am Donnerstag nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Die jüngsten Äußerungen des Präsidenten seien die erklärte Politik der Islamischen Republik Iran.

Ahmadineschad bezeichnete seine Ausführungen vom Vortag am Donnerstag als angemessen. Israel wolle lediglich keine Kritik an ihrem Vorgehen gegen die Palästinenser hören, sagte er laut Irna. Ahmadineschad warf dem Westen vor: „Sie (die Politiker im Westen) fordern immer nur und denken, daß die ganze Welt ihren Forderungen gehorsam nachkommt. Daher ist es nur natürlich, daß sie so auf angemessene Bemerkungen reagieren.”

Hunderttausende demonstrieren

In Iran haben am sogenannten „Jerusalem-Tag”, dem letzten Freitag im Fastenmonat Ramadan, staatlich organisierte Demonstrationen gegen Israel begonnen. Mit Transparenten, auf denen zur Befreiung Jerusalems von den „zionistischen Besatzern” aufgerufen wird, versammelten sich am Freitag Hunderttausende Demonstranten in mehreren Städten.

Die internationalen Proteste gegen die Äußerungen reißen derweil nicht ab. Großbritannien und Frankreich verurteilten Ahmadineschads Rede, UN-Generalsekretär Kofi Annan reagierte bestürzt. Israel forderte nun auch offiziell, Iran aus den Vereinten Nationen auszuschließen. Der SPD-Außenpolitiker Gernot Erler sprach sich dafür aus, den UN-Sicherheitsrat anzurufen.

Geistliche wollen die Wogen glätten

Der iranische Außenminister Mottaki sagte am Donnerstag, Iran könne Israel nicht anerkennen, weil es sich nicht an die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats halte. Israel blühe und gedeihe auf der Grundlage des „Verderbens und des Exils der rechtmäßigen Besitzer des Landes”. Iran habe schon unmittelbar nach der Revolution von 1979 sowohl Israel als auch dem damaligen Apartheidsregime Südafrika vor den UN die Legitimation abgesprochen.

Dagegen versuchten einflußreiche Geistliche des Regimes, die Wogen im internationalen Streit zu glätten. Der frühere Präsident Akbar Haschemi-Rafsandschani sagte in seiner Freitagspredigt in Teheran, Iran respektiere sowohl Juden als auch das Judentum. „Wir haben keine Probleme mit Juden und dem hochgeschätzten Judentum als Buchreligion”. Iran sei in „Palästina” nicht selbst präsent, sondern unterstützte die Palästinenser lediglich „spirituell, ideologisch und medizinisch”, betonte Rafsandschani.

Blair: „Gefahr für Weltsicherheit”

Der britische Premierminister Blair sagte, Iran würde als eine „wirkliche Gefahr für unsere Weltsicherheit und Stabilität” wahrgenommen werden, sollte die Regierung in Teheran den eingeschlagenen Weg gegenüber Israel weitergehen. Die Einstellung Irans zu Israel, zum Terrorismus und zur Frage von Nuklearwaffen sei „unannehmbar”.

Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac bezeichnete die Äußerungen aus Teheran als „unsinnig und unverantwortlich”. Zuvor hatten bereits die Staats- und Regierungschefs der EU die Äußerungen in einer Erklärung scharf verurteilt. Zahlreiche Länder, darunter Deutschland, bestellten diplomatische Vertreter Irans ein. (Siehe auch: Bundesregierung bestellt Irans Vertreter ein)

Annan will bei Iran-Reise Kritik äußern

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, sagte, er habe von Ahmadineschads Aufruf „mit Bestürzung” gelesen. Alle UN-Mitgliedstaaten seien daran erinnert, daß Israel als langjähriges Mitglied „dieselben Rechte und Pflichten” wie alle anderen habe. Bei einer Reise nach Iran in den kommenden Wochen werde er nun dieses Thema und den Nahost-Friedensprozeß in den Mittelpunkt stellen, sagte Annan. Die Reise sei bereits geplant gewesen.

Kein Mitgliedstaat der Vereinten Nationen, der zu Gewalt oder Zerstörung aufrufe, habe es verdient, in der „zivilisierten Organisation” Mitglied zu sein, sagte der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman in einem Schreiben an Annan und den UN-Sicherheitsrat. Die Äußerungen Teherans verlangten eine „entschlossene und starke Antwort” der internationalen Gemeinschaft.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Gernot Erler forderte, gegen Iran härter als bislang vorzugehen. Der bisherige diplomatische Protest sei nur der Anfang, sagte Erler am Freitag im Deutschlandfunk. Er halte es für möglich, daß das Thema vor den UN-Sicherheitsrat komme. Das Verhalten Irans bedrohe offen das Existenzrecht Israels und verstoße gegen sämtliche Regeln des Völkerrechts. Das Land wie von Israel gefordert aus den UN auszuschließen, lehnte Erler jedoch ab.
Fiedel43
Zitat:
Original von Dominik_
Zitat:
Original von Fiedel43
Und wenn man dann noch bedenkt, dass mit Bush nicht gerade ein Vermittler Präsident des Landes ist, dass nicht nur das einzige Land ist, welches eine militärische Operation selbstständig in kürzester Zeit durchführen kann (und über nukleare Waffen verfügt), sondern darüber hinaus eine sehr enge Beziehung zu Israel pflegt und den Iran dann noch als Mitglied der Achse des Bösen bezeichnet, ist nach noch besorgniserregender.


Und, wenn man sich die neuesten Entwicklungen um den "Volkspraesidenten" Ahmadineschad anschaut, waere daran schlecht? Vernuenftige Menschen koennen gar nicht anders, als zu hoffen, dass die USA massiv diplomatisch bzw. wenn das nichts bringt, militaerisch intervenieren. Das wuerde uebrigens George Bushs Umfragewerten gar nichts bringen, davon abgesehen, dass er gar nicht mehr kandidieren kann. Momentan sieht es leider so aus, als koennte auch die USA den finanziellen Aufwand, den ein weiterer Krieg im nahen Osten mit sich bringt, nicht schultern.

Aber die alteuropaeische Friedensbewegung wird das Problem sicherlich loesen.. so wie immer.


Schlecht an dieser Situation ist, dass Bush kein Diplomat ist und dass er einen Vorwand hätte, wenn er denn wollte, wieder einen Krieg vom Zaun zu brechen, ohne dass sie diplomatischen Mittel ausgeschöpft sind.
Dominik
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die USA sich Hals ueber Kopf in den naechsten Krieg stuerzen. Gleichzeitig glaube ich aber auch nicht, dass auf diplomatischem Weg irgendwas zu erreichen ist. Bleibt also eine militaerische Intervention als ultima ratio, die in diesem Fall nur zu befuerworten waere, sollte sich Iran nicht von den zuletzt getaetigten Aeusserungen und Absichten distanzieren. Was ich, wie gesagt, bezweifle.
Fiedel43
Zitat:
Original von Dominik_
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die USA sich Hals ueber Kopf in den naechsten Krieg stuerzen. Gleichzeitig glaube ich aber auch nicht, dass auf diplomatischem Weg irgendwas zu erreichen ist. Bleibt also eine militaerische Intervention als ultima ratio, die in diesem Fall nur zu befuerworten waere, sollte sich Iran nicht von den zuletzt getaetigten Aeusserungen und Absichten distanzieren. Was ich, wie gesagt, bezweifle.


und wer soll das dann machen, wenn nicht die USA?
Oder doch die USA und die anderen Einsätze (Afghanistan, Balkan, Irak...) werden abgebrochen?

Weil einfach so in den Iran einzufallen geht nun auch nicht.
werder|owl
und was sollte eine besatzung des irans auf dauer zum "besseren" wenden?
MrBonde
Sie könnten z.B. keine Atombomben auf Israel werfen. Wär ja was wert...
-Scholle-
Also ist ein Angriff auf den Iran legitim, weil vermutet wird das sie Atomwaffen besitzen bzw bald besitzen könnten!

Ein Angriff auf den Irak aber nicht weil dort auch vermutet wurde das sich ABC-Waffen im Land befinden, sie aber zudem noch ne Menge Öl im Land haben?
werder|owl
Zitat:
Original von MrBonde
Sie könnten z.B. keine Atombomben auf Israel werfen. Wär ja was wert...


Wenn man mal annimmt, dass diese Atomsprengköpfe wirklich schon vorhanden sind und geplant wird, sie einzusetzen; mehr als diese zu zerstören, kann auch die größte Weltmacht nicht.. Anscheinend ziemlich weit verbreitetes anti-israelisches/amerikanisches Gedankengut würden Besatzungstruppen nur noch verstärken. Und die Folgen daraus kann man ja eigentlich ziemlich leicht absehen..
mazzo
@Leowl: ...unterschätze nie die Ironie, welche sich auch ohne Smileys den Weg bahnt... nicht nur bei mir.

und ja, natürlich ist Angriffskrieg die einzig mögliche Lösung aller Probleme überhaupt.
MrBonde
Also ich für meinen Teil meine das ernst.

Was ist denn zu erwarten von einem Land, dessen Präsident ganz öffentlich sagt, dass er Israel von der Landkarte tilgen möchte, während sie fleissig geheime Atomforschung betreiben? Möglicherweise, dass sie die nötige Technik zusammenbasteln wollen? Hätte er von Deutschland geredet, sähe man das hier wohl auch etwas anders.
Fiedel43
Zitat:
Original von MrBonde
Hätte er von Deutschland geredet, sähe man das hier wohl auch etwas anders.


Richtig, hat er aber nicht.
Ween es nur darum geht, den Iran an der Herstellung von A-Kampfmitteln zu hindern, dann schaffen die Israelis das auch selber. Das Land zu besetzen wäre Aufgbe der Amis und vllt der Briten. Aber das ändert ja nicht an den Einstellungen und an dem vorherrschendem Hass in dieser Region, der durch Fundamentalisten beider Seiten immer wieder geschürt wird.
MrBonde
Zitat:
Original von Fiedel43
Zitat:
Original von MrBonde
Hätte er von Deutschland geredet, sähe man das hier wohl auch etwas anders.


Richtig, hat er aber nicht.



Na denn, watt schern uns de Joodn, oder wie?


Zitat:
Ween es nur darum geht, den Iran an der Herstellung von A-Kampfmitteln zu hindern, dann schaffen die Israelis das auch selber.


Was auch noch zu beweisen, aber durchaus möglich ist.

Zitat:
Das Land zu besetzen wäre Aufgbe der Amis und vllt der Briten.


Wenn man irgendwann zu dem Schluss kommen muss, dass Iran Atombomben bauen will und dann aus den Äußerungen des Präsidenten schließt, dass sie Israel vernichten wollen, wäre es wohl Aufgabe der Staatengemeinschaft - in der Deutschland im übrigen gerne ganz oben mitreden möchte - das zu verhindern.
mazzo
ich denke dennoch, dass den Iran anzugreifen das Problem der gefährdung Israels nicht lösen würde.

Dies besteht aus autonom agierenden Gruppen und Grüppchen, die in Israel Bombenattentate durchführen, oft unterstützt von den radikalen palästinensischen Gruppen. Der Iran hat jetzt quasi zugegeben, diese Gruppen zu unterstützen. Die würden aber auch andere Wege finden, sollten die Geldkoffer aus Teheran ausbleiben, bzw. würden diese eben nicht mehr direkt von der Regierung abgesendet werden, sondern von Privatscheich XY oder sonstwem. Aus dem Iran per Angriffskrieg einen zweiten Irak zu machen löst keine Probleme, sondern schafft erst richtig schlimme neue. Der Terror in Israel würde weitergehen und der Terror im Iran erst richtig eingeführt werden, was parallel im Irak passiert passt dann wohl eher in die Rubrik Steinzeit-Barabarei...

Eine Lösung hab ich auch nicht parat, aber de fakto hat sich nur durch die Aussage des iranischen Regierungschefs die Situation für Israel nicht geändert, es wurde nur auf den üblichen diplomatischen Umgangston verzichtet.
MrBonde
Atombomben sind eine etwas andere Kategorie als Selbstmordattentate. Dass sie eine herstellen (wollen) ist sehr gut vorstellbar, dass sie sie einsetzen würden nach den letzten Äußerungen sehr wahrscheinlich. Darauf muss man Antworten finden.
manja
natürlich ist es sehr gut vorstellbar, dass der iran atombomen herstellt (bzw es will), aber nur diese annahme rechtfertigt doch noch lange nich einen präventivskrieg, denn wenn man allein von annahmen ausgeht, könnte man ja jeden angriff als präventivmaßnahme darstellen und somit rechtfertigen!
außerdem ist das auch wieder nur eine argumentation mit der angst...

naja, hatte jetzt keine zeit mir alles durchzulesen, war nur auf die letzten posts bezogen...les mir in ruhe nochmal alles durch u antworte ausführlicher mit meiner meinung