Schickeria: FARE-Aktion und Verhältnis zum Verein

Südländer
¸¸Immer von uns aus"

Münchner Fußballfans setzen ein Zeichen gegen Rassismus


Neun ¸¸M"s und zehn ¸¸A"s brauchen Simon und Tobias, dazu kommen 72 andere Buchstaben. Noch sind sie ein Berg weißer Plastikfolie, der im Klubheim der ¸¸Südkurve 73" auf dem Boden liegt. Es ist später Nachmittag, bis Simon und Tobias ihr Spruchband fertig haben, werden noch einige Stunden vergehen. ¸¸Das Ausschneiden und Bücken ist nicht das Problem", sagt Tobias und lacht, ¸¸blöd ist nur, wenn man das Klebeband mit den Zähnen abreißt und die Hälfte der Lippe dran hängen bleibt." Doch der Aufwand ist es wert, am Ende werden zwei 15 Meter lange Spruchbänder heraus kommen, ¸¸Südkurve: Kein Platz für Rassismus" wird auf dem einen stehen, ¸¸Different roots, one game - Ultra against racism" auf dem anderen. Die englische Version wird heute Abend im Fernsehen zu sehen sein, ganz Europa wird sie lesen, wenn die Spieler von Bayern München und Juventus Turin in die Allianz Arena einlaufen.


Simon Müller und Tobias Weinmann sind Ultras, seit Mitte der neunziger Jahre gibt es diese Fangruppen in Deutschland. Die Münchner ¸¸Schickeria" ist eine von ihnen. Anders als offizielle Fanklubs haben sie sich von den Vereinen losgesagt, sie sind unabhängig, auch diese Aktion haben sie allein finanziert. ¸¸Wenn wir so etwas machen, dann geht die Initiative immer von uns aus", sagt Tobias. Über seinem Kopf hängt ein Schal in den FC-Bayern-Farben. Im Raum nebenan malt Simon an einem überdimensionalen Laken, auf dem sich langsam ein Mädchenkopf abzeichnet. ¸¸Das Münchner Kindl", sagt Simon grinsend, ¸¸zum Rückspiel in Turin wird"s endlich fertig sein." Es riecht nach Farbe, Lack und Folie.


Eine halbe Million Fans werden heute und morgen in den europäischen Stadien ein Zeichen gegen Rassismus im Fußball setzen. Vom 13. bis 25. Oktober dauert die Aktionswoche, die seit fünf Jahren regelmäßig vom Netzwerk ¸¸Football Against Racism in Europe" (FARE) organisiert wird. ¸¸Gerade vor der Weltmeisterschaft sind solche Zeichen wichtig", sagt ein Schickeria-Mitglied, dessen Wurzeln in Kroatien liegen. ¸¸Ich bin mir sicher, dass viele Fans in Europa das zur Kenntnis nehmen, meine Freunde in Kroatien tun das auf jeden Fall, da ist die Fanszene ja eher rechts", sagt er. Umso wichtiger ist es, dass deutsche Fans selber - und nicht die Vereine - sich gegen Rassismus engagieren.


Doch nicht jeder Verein sieht das große Engagement der Ultras als Bereicherung, für die meisten sind die jungen Fans eher unbequem: Sie suchen keinerlei Kontakt zu den Vereinsoffiziellen, wollen im Stadion lieber stehen als sitzen und verweigern sich der lauten Promotion-Maschinerie. Die Vereine revanchieren sich auf ihre Weise: So war es der Schickeria bislang verboten, Fahnen mit in die Münchner Arena zu bringen - aus Sicherheitsgründen. Ein Gespräch mit der Vereinsführung des FC Bayern ergab, dass es ihnen nicht verboten, sondern nur noch nicht erlaubt sei.


Am kommenden Samstag werden Simon und Tobias die deutsche Version ihres Spruchbands aufhängen. Und eine weitere Premiere gibt es dann in der Arena: Die Schickeria darf ihr Megaphon mitbringen. Iris Hellmuth

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.240, Dienstag, den 18. Oktober 2005 , Seite 34


Diesen Satz...
"Ein Gespräch mit der Vereinsführung des FC Bayern ergab, dass es ihnen nicht verboten, sondern nur noch nicht erlaubt sei."
...hätte ich gerne eingerahmt.
JanCDA02
Netter Artikel, ein Plädoyer für mehr intelligente Reporter und Journalisten!
Foerster
wie hart is das denn ? sie dürfen ins Heimstadion bisher keine Fahnen und kein Megaphon mitnehmen??

Aber sonst wirklich mal zur Abwechslung ein Anständiger Artikel!
Mütze
Zitat:
Original von Foerster
wie hart is das denn ? sie dürfen ins Heimstadion bisher keine Fahnen und kein Megaphon mitnehmen??

Aber sonst wirklich mal zur Abwechslung ein Anständiger Artikel!