Südländer
Dachte, der Artikel wäre hier schon...
Schlechte Stimmung in der Fanszene
Sorge um die Sicherheit bei der WM
Von Christian Mixa
Die Vorfälle mit randalierenden Deutschen bei den Länderspielen in Slowenien und der Slowakei haben Folgen: Vor dem Gastspiel der DFB-Elf in der Türkei herrscht erhöhte Aufmerksamkeit. Polizei und Veranstalter sorgen sich um die Sicherheit bei der Weltmeisterschaft 2006.
Wenn die deutsche Nationalmannschaft in der Türkei die WM-Form testet, werden auch die mitreisenden Fans aufmerksam beobachtet. Bei den Gastspielen der DFB-Elf in Slowenien und zuletzt in der Slowakei kam es zu Zusammenstößen zwischen deutschen Randalierern und Ordnungskräften. Die Zentrale Informationsstelle Sport (ZIS), die Informationen aus der Fußball-Fanszene sammelt, hat nach eigenen Angaben zwar bislang keine Hinweise darauf, dass deutsche Krawallmacher nach Istanbul reisen wollen. Dennoch ist die Polizei in Alarmbereitschaft. Wie immer bei solchen Spielen werden Problemfans von szenekundigen Beamten im Vorfeld beobachtet. Auch die türkischen Behörden sind vorbereitet und haben zur Unterstützung eine deutsche Polizeidelegation angefordert - anders als etwa im slowenischen Celje, als in Deutschland polizeibekannte Gewalttäter unbehelligt zuschlagen und rechte Parolen grölen konnten.
Gerade Länderspiele ziehen nach Einschätzung von Polizei und Fanprojekten rechtsextreme und gewaltbereite Fans an. Aber auch im Vereinsfußball kam es erst im September wieder zu einem Zwischenfall: Nach der Zweitligabegegnung von 1860 München gegen Dynamo Dresden versuchten Dresdner Chaoten, auf der Heimreise an einer Autobahntankstelle einen Feuerwerkskörper zu zünden. Polizei, Veranstalter und die Politik sorgen sich nun um die Sicherheit bei der Weltmeisterschaft 2006.
"Welle von Gewalt"
"Die Hooligans wollen die WM zu ihrem Event machen. Wir müssen uns auf eine Welle von Gewalt in einem neuen Ausmaß einstellen", äußert ein szenekundiger Beamten seine Befürchtung gegenüber sport.ARD.de. Der Polizist arbeitet seit 20 Jahren in der Szene und möchte deshalb anonym bleiben. Viele seiner Kollegen schätzten die Lage ähnlich ein, so der Beamte. Manche Hooligans im Osten hätten Beziehungen zur extrem gewalttätigen und zum Teil bewaffnet auftretenden Szene in Polen und Tschechien. "Früher gab es eine Art Gentlemans Agreement: 'Wer am Boden liegt, auf den wird nicht mehr draufgehauen.' Diese Regeln gelten bei den neuen Auseinandersetzungen nicht mehr."
Szene schottet sich ab
Bislang treffen sich die Schlägerbanden zumeist weit außerhalb der Stadien, auf der grünen Wiese. Bei der WM könnten sich Krawalle von diesen "Drittorten" aber schnell in die Innenstädte verlagern, befürchtet der Polizist. Als potenzielles Sicherheitsrisiko gelten Plätze mit Großleinwänden, die überall in den Städten stehen sollen. Trotz erfahrener szenekundiger Beamte sei es für die Polizei schwierig, Informationen über Treffpunkte und geplante Gewaltaktionen abzuschöpfen, weil sich die Hooligan-Szene nach wie vor sehr stark abschotte.
Ultras im Visier
Neben den organisierten Hooligans haben die Sicherheitsbehörden aber auch die Ultra-Fangruppen im Visier. Die Ultras sehen sich als Vertreter einer aktiven Fankultur und wenden sich vor allem gegen die fortschreitende Kommerzialisierung des Fußballs. Mit den Ordnungskräften geraten sie aber nicht nur wegen verbotener Großtransparente, Rauchbomben und bengalischer Feuer aneinander. Für Michael Endler, Leiter der ZIS, gehört auch "der Aufbau eines Gefahrenszenarios" zum Selbstverständnis der Ultragruppen.
Zunehmende Repressalien
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Wie Fußballfans kriminalisiert werden [monitor, wdr]
Die Ultras wiederum, aber auch aktive Fangruppen wie das anti-rassistische Netzwerk BAFF, das die rechten Parolen deutscher Fans in Celje verurteilt hat, klagen schon länger über die zunehmenden Repressalien im Vorfeld der WM. Die Zahl der Stadionverbote habe stark zugenommen, Fans würden per Video überwacht und eskortiert, die Eingreifschwelle bei Polizei und Ordnern werde als extrem niedrig wahrgenommen. Dabei habe die Zahl der Straftaten im Umfeld von Fußballspielen gar nicht entscheidend zugenommen, wie die ZIS gegenüber sport.ARD.de bestätigt.
Die Lunte brennt
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte warnt bereits, dass das rigide und teilweise überzogene Vorgehen der Sicherheitskräfte inzwischen Ausmaße angenommen hat, die viele junge Fans in den Kurven radikalisieren. Der Frust bei den in der Mehrzahl nicht gewalttätigen Anhängern sei groß, weil sie mit Hooligans in einen Topf geworfen werden. "Es wird nicht differenziert zwischen Leuten, die den Weltkrieg nachspielen, und denen, die ganz einfach ein Fußballspiel sehen möchten", so der Vorwurf von BAFF-Sprecher Matthias Bettag. "Jeder, der nicht als VIP oder mit dem Fanclub Nationalmannschaft zu einem Spiel reist, wird als potenzieller Gewalttäter gesehen und auch so behandelt." Das ausgeprägte Sicherheitsdenken im Hinblick auf die Weltmeisterschaft bekämen die Fans schon jetzt Woche für Woche in den Stadien zu spüren. Viele von ihnen nähmen die WM inzwischen nur noch als Bedrohung ihrer Interessen wahr. "Dieser Frust kann auch bei an sich friedlichen Leuten in echte Gewalt umschlagen", befürchtet Fanvertreter Bettag.
Stand: 05.10.2005, 15:55 Uhr
Schlechte Stimmung in der Fanszene
Sorge um die Sicherheit bei der WM
Von Christian Mixa
Die Vorfälle mit randalierenden Deutschen bei den Länderspielen in Slowenien und der Slowakei haben Folgen: Vor dem Gastspiel der DFB-Elf in der Türkei herrscht erhöhte Aufmerksamkeit. Polizei und Veranstalter sorgen sich um die Sicherheit bei der Weltmeisterschaft 2006.
Wenn die deutsche Nationalmannschaft in der Türkei die WM-Form testet, werden auch die mitreisenden Fans aufmerksam beobachtet. Bei den Gastspielen der DFB-Elf in Slowenien und zuletzt in der Slowakei kam es zu Zusammenstößen zwischen deutschen Randalierern und Ordnungskräften. Die Zentrale Informationsstelle Sport (ZIS), die Informationen aus der Fußball-Fanszene sammelt, hat nach eigenen Angaben zwar bislang keine Hinweise darauf, dass deutsche Krawallmacher nach Istanbul reisen wollen. Dennoch ist die Polizei in Alarmbereitschaft. Wie immer bei solchen Spielen werden Problemfans von szenekundigen Beamten im Vorfeld beobachtet. Auch die türkischen Behörden sind vorbereitet und haben zur Unterstützung eine deutsche Polizeidelegation angefordert - anders als etwa im slowenischen Celje, als in Deutschland polizeibekannte Gewalttäter unbehelligt zuschlagen und rechte Parolen grölen konnten.
Gerade Länderspiele ziehen nach Einschätzung von Polizei und Fanprojekten rechtsextreme und gewaltbereite Fans an. Aber auch im Vereinsfußball kam es erst im September wieder zu einem Zwischenfall: Nach der Zweitligabegegnung von 1860 München gegen Dynamo Dresden versuchten Dresdner Chaoten, auf der Heimreise an einer Autobahntankstelle einen Feuerwerkskörper zu zünden. Polizei, Veranstalter und die Politik sorgen sich nun um die Sicherheit bei der Weltmeisterschaft 2006.
"Welle von Gewalt"
"Die Hooligans wollen die WM zu ihrem Event machen. Wir müssen uns auf eine Welle von Gewalt in einem neuen Ausmaß einstellen", äußert ein szenekundiger Beamten seine Befürchtung gegenüber sport.ARD.de. Der Polizist arbeitet seit 20 Jahren in der Szene und möchte deshalb anonym bleiben. Viele seiner Kollegen schätzten die Lage ähnlich ein, so der Beamte. Manche Hooligans im Osten hätten Beziehungen zur extrem gewalttätigen und zum Teil bewaffnet auftretenden Szene in Polen und Tschechien. "Früher gab es eine Art Gentlemans Agreement: 'Wer am Boden liegt, auf den wird nicht mehr draufgehauen.' Diese Regeln gelten bei den neuen Auseinandersetzungen nicht mehr."
Szene schottet sich ab
Bislang treffen sich die Schlägerbanden zumeist weit außerhalb der Stadien, auf der grünen Wiese. Bei der WM könnten sich Krawalle von diesen "Drittorten" aber schnell in die Innenstädte verlagern, befürchtet der Polizist. Als potenzielles Sicherheitsrisiko gelten Plätze mit Großleinwänden, die überall in den Städten stehen sollen. Trotz erfahrener szenekundiger Beamte sei es für die Polizei schwierig, Informationen über Treffpunkte und geplante Gewaltaktionen abzuschöpfen, weil sich die Hooligan-Szene nach wie vor sehr stark abschotte.
Ultras im Visier
Neben den organisierten Hooligans haben die Sicherheitsbehörden aber auch die Ultra-Fangruppen im Visier. Die Ultras sehen sich als Vertreter einer aktiven Fankultur und wenden sich vor allem gegen die fortschreitende Kommerzialisierung des Fußballs. Mit den Ordnungskräften geraten sie aber nicht nur wegen verbotener Großtransparente, Rauchbomben und bengalischer Feuer aneinander. Für Michael Endler, Leiter der ZIS, gehört auch "der Aufbau eines Gefahrenszenarios" zum Selbstverständnis der Ultragruppen.
Zunehmende Repressalien
Wie Fußballfans kriminalisiert werden [monitor, wdr]
Die Ultras wiederum, aber auch aktive Fangruppen wie das anti-rassistische Netzwerk BAFF, das die rechten Parolen deutscher Fans in Celje verurteilt hat, klagen schon länger über die zunehmenden Repressalien im Vorfeld der WM. Die Zahl der Stadionverbote habe stark zugenommen, Fans würden per Video überwacht und eskortiert, die Eingreifschwelle bei Polizei und Ordnern werde als extrem niedrig wahrgenommen. Dabei habe die Zahl der Straftaten im Umfeld von Fußballspielen gar nicht entscheidend zugenommen, wie die ZIS gegenüber sport.ARD.de bestätigt.
Die Lunte brennt
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte warnt bereits, dass das rigide und teilweise überzogene Vorgehen der Sicherheitskräfte inzwischen Ausmaße angenommen hat, die viele junge Fans in den Kurven radikalisieren. Der Frust bei den in der Mehrzahl nicht gewalttätigen Anhängern sei groß, weil sie mit Hooligans in einen Topf geworfen werden. "Es wird nicht differenziert zwischen Leuten, die den Weltkrieg nachspielen, und denen, die ganz einfach ein Fußballspiel sehen möchten", so der Vorwurf von BAFF-Sprecher Matthias Bettag. "Jeder, der nicht als VIP oder mit dem Fanclub Nationalmannschaft zu einem Spiel reist, wird als potenzieller Gewalttäter gesehen und auch so behandelt." Das ausgeprägte Sicherheitsdenken im Hinblick auf die Weltmeisterschaft bekämen die Fans schon jetzt Woche für Woche in den Stadien zu spüren. Viele von ihnen nähmen die WM inzwischen nur noch als Bedrohung ihrer Interessen wahr. "Dieser Frust kann auch bei an sich friedlichen Leuten in echte Gewalt umschlagen", befürchtet Fanvertreter Bettag.
Stand: 05.10.2005, 15:55 Uhr