Fango
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Quelle: Kicker Online Irgendwie taugt er nicht zum strahlenden Helden, obwohl er viel erreicht hat in seiner Karriere. Meister, Pokalsieger, Nationalspieler. Frank Baumann zählt zur Elite der Liga. Doch nicht zu den Heroen, eher zur Abteilung der Stiefmütterchen. Irgendwie wird er immer mit Fehlschüssen und Fehlleistungen in Verbindung gebracht. Es ging schon los, als die Republik auf den Profi aufmerksam wurde. Baumann als Spieler des 1. FC Nürnberg. Letzter Spieltag der Saison 1998/ 99. Der Club kämpft gegen den Abstieg. Baumann vergibt, freistehend und völlig unbedrängt, gegen den Freiburger Richard Golz eine so genannte "Hundertprozentige". Der Club muss absteigen. "Bitter für mich", kommentiert Baumann diese "brutalsten Tage in meinem Leben." Geschichte wiederholt sich. Dienstag letzter Woche, Werders Spiel in Gladbach. Baumann scheint seine Beine falsch justiert zu haben. Schuss in die verkehrte Richtung. Ein spektakuläres Eigentor mit der Anwartschaft auf den "Klops des Monats", das die erste Saisonniederlage der Bremer besiegelt. "Ich wollte klären", kommentierte der Unglücksrabe fast emotionslos seinen unerklärlichen Patzer. "Der Ball ist ins Tor gegangen." Tragische Momente gehören bei ihm anscheinend dazu. Sie deuten sich auch in dieser Spielzeit an, in die der 29-Jährige ganz schlecht gestartet ist. "Ich weiß, dass ich besser spielen kann", bestätigt er gewisse Formdefizite. Baumann, der Kapitän bei Werder Bremen, merkt, dass er auf der Kippe steht. Obwohl Vertrauensperson für Trainer Thomas Schaaf, wird er oft ausgewechselt, ist nicht mehr unumschränkt, unumstritten wie früher. Schaaf, sein Förderer, sagt: "Es gibt bei mir keinen Bonus. Auch nicht für einen, der die Binde trägt." Eine Schwächephase, die der Franke, seit 1999 an der Weser, eingesteht wenngleich er die auf ihn wie ein Gewitter niederprasselnde Kritik nicht ganz zu teilen vermag: "So schlecht habe ich auch nicht gespielt, wie ich häufig gemacht werde." Woran es liegen mag, dass er so in den Brennpunkt rückt, darüber stellt der eher stille Vertreter seiner Zunft folgende Vermutungen an. Seine Gedankenspiele zielen auf sein Naturell und seine Rolle in der Werder-Elf: Er stelle sich prinzipiell in den Dienst der Mannschaft, erfülle gewissenhaft seine Aufgaben, halte den anderen, offensiveren Mittelfeldspielern den Rücken frei. Gewiss eine unscheinbare und oftmals undankbare Position: "Wenn ich dann mal zwei oder drei Fehlpässe spiele, werde ich extrem negativ gesehen und bewertet." Als Fürsprecher in eigener Sache tritt Baumann, der oft Gescholtene, den durchaus die Fähigkeit zur Selbstkritik auszeichnet, nur selten auf. Doch nun, da er so in Frage gestellt wird, schlüpft er in dieser Beziehung mal aus seiner Haut. Dass er für das 0:1 Decos in der Champions League gegen Barcelona öffentlich zur Rechenschaft gezogen worden ist, kann er nicht nachvollziehen: "Ich versuche bei einem anderen Gegenspieler zu retten, was zu retten ist, komme ein wenig zu spät und werde so zum Schuldigen gestempelt." Dennoch: Baumann und die Fehler ein unendliches Kapitel, wie gesagt. Stammplatz in Gefahr? "Bei uns kann sich niemand sicher sein", spricht er den Konkurrenzkampf an. Auch Trainer Schaaf verweist auf das "Gedränge im Mittelfeld". Daniel Jensen, Jurica Vranjes und Pekka Lagerblom warten. Torsten Frings schielt auf die Baumann-Position, Leon Andreasen, der Däne, könnte dem Vernehmen nach diese bekleiden. Noch hält Schaaf an seinem Spielführer fest, "auch wenn 'Baumi' schon stärker war". So leicht kippt man seinen Kapitän halt nicht von der Kommandobrücke. Hans-Günter Klemm |