Kritik an namenlosen WM-Tickets

Dr. Steif
Fans und Verbruacherschützer sind sauer

Kritik an namenlosen WM-Tickets

Die Tatsache, dass die Tickets von Sponsoren und Fußballverbänden zur WM 2006 nicht personengebunden sind, empört Fanverbände, Verbraucherschützer und die Polizei.

"Das erleichtert unsere Arbeit nicht", betonte Frank Scheulen, Sprecher der Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze (ZIS), dem Tagesspiegel. Bei der ZIS, die die Daten von Hooligans und Fans mit Stadionverbot speichert, befürchtet man ein "Informationsdefizit", falls die Daten nicht kontrolliert werden können.

"Sonderbar, dass zwei Maßstäbe gelten"

Die Bundeszentrale der Verbraucherschützer kritisierte einen weiteren Punkt: "Es ist sonderbar, dass zwei Maßstäbe gelten", sagte Carel Mohn von der Bundeszentrale. "Bei den Fans setzt man sich über alle Datenschutzbedenken hinweg, bei Sponsoren ist das Prozedere anders. Damit macht man sich unglaubwürdig."

Der Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, Horst R. Schmidt, hatte am Sonntag gesagt, dass auf die Eintrittskarten der WM-Sponsoren und Verbände "kein einzelner Name, sondern nur der entsprechende Firmen- oder Verbandsname" gedruckt werde. Von den gut drei Millionen Eintrittskarten stehen den WM-Sponsoren 550.000 zu, die teilnehmenden Fußballverbände erhalten 470.000.

Zwar werden laut Schmidt Namenslisten angefertigt, die in den Stadien hinterlegt werden sollen. Doch da kein Name auf den Tickets steht, könnten die Karten auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden, befürchten Sicherheitsexperten. Die Polizei warnte vor einer "möglichen Sicherheitslücke".

"Schock und Ungleichbehandlung"

"Das ist ein Schock und eine Ungleichbehandlung", protestierte auch Michael Gabriel von der Koordinationsstelle der deutschen Fanprojekte (Kos). Es sei zu kritisieren, dass auf den personengebundenen Tickets über einen dort integrierten Chip auf die Daten des Besitzers zurückgegriffen werden könne, die dieser zuvor auf seitenlangen Bestellformularen angeben musste.

sid | Stand: 02.08.2005, 12:07 Uhr

http://sport.ard.de/wm2006/wm/news200508...sponsoren.jhtml
Dr. Steif
Massive Sicherheitsvorkehrungen geplant

Projektgruppe empfiehlt Fan-Umzäunung

Wegen der Gefahr von Hooligan-Übergriffen und Terroranschlägen sollen bei Übertragungen von WM-Spielen auf Großleinwänden drastische Sicherheitsvorkehrungen gelten. Eine gute Nachricht gibt es für die Fans aber auch: Gekaufte Stadion-Karten sollen doch weitergegeben und offiziell verkauft werden dürfen. Entsprechende Verhandlungen stehen laut "Tagesspiegel" vor dem Durchbruch.

Das berichtet das Magazin "Focus" unter Berufung auf Pläne der Projektgruppe WM 2006, in der Polizeibehörden aus Bund und Ländern zusammenarbeiten. Als Standardmaßnahmen für Orte des so genannten Public Viewing, an denen mehrere zehntausend Fans die Spiele verfolgen, empfehlen die Experten laut "Focus" unter anderem: Umzäunung der Plätze, scharfe Personen- und Gepäckkontrollen sowie Videoüberwachung.

Mutmaßliche Gewalttäter müssten demnach schon an den Zugängen separiert werden. Kontrolleure sollen das Einschmuggeln von Pyrotechnik, Messern, Glasflaschen, Eisenstangen oder gar Bomben verhindern. "Wir müssen die Übertragungsorte ähnlich gut sichern wie die Stadien selbst", sagte der Leiter der Projektgruppe, Jürgen Mathies.

Weitergabe von Tickets möglich?

Derweil berichtet der "Tagesspiegel", dass die Verhandlungen zwischen FIFA, WM-Organisationskomitee (OK) und dem Ticketvermarkter CTS Eventim über die Weitergabe von Eintrittskarten vor dem Durchbruch stehen. "Wir sind optimistisch, dass wir die Übertragung von Tickets möglich machen können", sagte der Erste Vizepräsident des WM-OK, Horst R. Schmidt" der Zeitung. Bis September wollen die Parteien zu einer Lösung kommen.

Für eine Weitergabe müssen aber laut Schmidt "triftige Gründe vorliegen, denn die Übertragbarkeit darf kein Freibrief für den Schwarzmarkt werden". Ein legaler Weiterverkauf von Karten soll ebenfalls möglich sein. "Es geht auch darum, ob wir eine offizielle Stelle schaffen, die Karten zurücknimmt", sagte Schmidt. Dies sei aber erst möglich, wenn diese Karten nicht mehr im offiziellen Verkauf angeboten würden und wenn sich ein Käufer finde. "Einen Anspruch auf Weiterverkauf gibt es nicht", sagt Schmidt.

Nicht alle Karten kodiert

Entgegen früheren Aussagen werden auch nicht alle Eintrittskarten für die Fußball-WM 2006 mit den persönlichen Daten der Besucher codiert. "Bei den Sponsoren und den Nationalverbänden wird kein einzelner Name auf der Karte stehen, sondern nur der entsprechende Firmen- oder Verbandsname", sagte Schmidt.


ap | Stand: 01.08.2005, 13:07 Uhr

http://sport.ard.de/wm2006/wm/news200508/01/sicherheit.jhtml