Dr. Steif
Organisationschaos in Südafrika
Der Jubel war groß vor 14 Monaten, als Fifa-Präsident Sepp Blatter die Weltmeisterschaft 2010 nach Südafrika vergab. Doch inzwischen mehren sich die Zweifel, ob das Land in der Lage ist, dieses Großereignis zu stemmen. Die Probleme sind unübersehbar.
Johannesburg - "Mitte Juli haben Fifa-Inspekteure das Land bereist und mehr vorgefunden, als sie erwartet haben", sagt OK-Generalsekretär Danny Jordaan zu den Vorbereitungen auf das Großereignis. Die Planungen seien voll im Zeitplan, die eigenen Forschritte wolle man nur deshalb nicht in die Öffentlichkeit tragen, "um die WM in Deutschland nicht zu stören."
Nur: Von den Fortschritten ist 14 Monate nach Vergabe der WM nicht viel zu sehen. Vor allem Südafrikas Stadien bereiten Sorgen. Meist handelt es sich um baufällige Rugby-Arenen und noch ist völlig ungeklärt, wer die Kosten für die Sanierung trägt. Der Staat will nur in Johannesburg ein neues WM-Stadion bauen, das er danach dem heimischen Fußballverband, der SAFA, schenkt. Damit glaubt er, seine Schuldigkeit getan zu haben.
Die Sicherheit scheint vorzugehen. Die Kriminalität nimmt kontinuierlich ab, und von Terroranschlägen blieb das Land bisher verschont. Die Polizei ist gut ausgerüstet. So gehört etwa ein tragbarer Fingerabdruck-Scanner zur Ausrüstung. Da sich angesichts des herrschenden Analphabetismus auch auf den Führerscheinen und Personalausweisen keine Unterschriften, sondern Fingerabdrücke befinden, ist ein Abgleich leicht möglich und eine Fälschung erschwert.
Kleinkrieg im Verband
Jordaan gibt sich knapp vier Jahre vor der WM gelassen, obwohl es für einige der maroden Stadien noch nicht einmal Umbaupläne gibt: "Wir haben 13 Stadien präsentiert und werden Ende des Jahres zehn auswählen. Dann geht es los." Woher Jordaan diese Zuversicht nimmt, ist jedoch fraglich. Der Verband wird die Sanierung der Arenen nur schwer finanzieren können. Er gab 2004 einen Verlust von 56 Millionen Rand (etwa 8 Millionen Euro) bekannt. Und die Stadion-Betreiber werden wenig Interesse haben, die notwendigen Umbau-Maßnahmen zu finanzieren. Sie werden während der WM quasi enteignet, indem sie die Stadien werbefrei übergeben und ihre Logen an Werbepartner der Fifa überlassen müssen.
Dazu gibt es auch in der Spitze des Organisationskomitees reichlich Zündstoff. Präsident Irvin Khoza und OK-Boss Jordaan arbeiten aneinander vorbei und tragen einen Kleinkrieg aus. Beim Spatenstich für das erste Fifa-SOS Kinderdorf im Rahmen der Kampagne "Sechs Dörfer für 2006" hatte Jordaan gedroht, auf dem Absatz kehrtzumachen, falls "der andere" auftauche.
WM unter Ausschluss der Öffentlichkeit?
Hinzu kommt das Problem mit den Eintrittskarten. Soll die Bevölkerung bei 36 Prozent Arbeitslosigkeit und 500 Euro Durchschnittseinkommen die Spiele im Stadion live verfolgen können, müssen die Ticketpreise extrem niedrig sein. Werden Preise wie in Deutschland erhoben, wird die WM unter Ausschluss der einheimischen, überwiegend schwarzen Fans stattfinden.
Und auch die Fifa selbst trägt ihren Teil zum Chaos bei. Noch immer hat der Weltverband kein eigenes Büro in Südafrika. In Deutschland waren es ein Jahr nach der Vergabe bereits zwei.
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,367763,00.html
Der Jubel war groß vor 14 Monaten, als Fifa-Präsident Sepp Blatter die Weltmeisterschaft 2010 nach Südafrika vergab. Doch inzwischen mehren sich die Zweifel, ob das Land in der Lage ist, dieses Großereignis zu stemmen. Die Probleme sind unübersehbar.
Johannesburg - "Mitte Juli haben Fifa-Inspekteure das Land bereist und mehr vorgefunden, als sie erwartet haben", sagt OK-Generalsekretär Danny Jordaan zu den Vorbereitungen auf das Großereignis. Die Planungen seien voll im Zeitplan, die eigenen Forschritte wolle man nur deshalb nicht in die Öffentlichkeit tragen, "um die WM in Deutschland nicht zu stören."
Nur: Von den Fortschritten ist 14 Monate nach Vergabe der WM nicht viel zu sehen. Vor allem Südafrikas Stadien bereiten Sorgen. Meist handelt es sich um baufällige Rugby-Arenen und noch ist völlig ungeklärt, wer die Kosten für die Sanierung trägt. Der Staat will nur in Johannesburg ein neues WM-Stadion bauen, das er danach dem heimischen Fußballverband, der SAFA, schenkt. Damit glaubt er, seine Schuldigkeit getan zu haben.
Die Sicherheit scheint vorzugehen. Die Kriminalität nimmt kontinuierlich ab, und von Terroranschlägen blieb das Land bisher verschont. Die Polizei ist gut ausgerüstet. So gehört etwa ein tragbarer Fingerabdruck-Scanner zur Ausrüstung. Da sich angesichts des herrschenden Analphabetismus auch auf den Führerscheinen und Personalausweisen keine Unterschriften, sondern Fingerabdrücke befinden, ist ein Abgleich leicht möglich und eine Fälschung erschwert.
Kleinkrieg im Verband
Jordaan gibt sich knapp vier Jahre vor der WM gelassen, obwohl es für einige der maroden Stadien noch nicht einmal Umbaupläne gibt: "Wir haben 13 Stadien präsentiert und werden Ende des Jahres zehn auswählen. Dann geht es los." Woher Jordaan diese Zuversicht nimmt, ist jedoch fraglich. Der Verband wird die Sanierung der Arenen nur schwer finanzieren können. Er gab 2004 einen Verlust von 56 Millionen Rand (etwa 8 Millionen Euro) bekannt. Und die Stadion-Betreiber werden wenig Interesse haben, die notwendigen Umbau-Maßnahmen zu finanzieren. Sie werden während der WM quasi enteignet, indem sie die Stadien werbefrei übergeben und ihre Logen an Werbepartner der Fifa überlassen müssen.
Dazu gibt es auch in der Spitze des Organisationskomitees reichlich Zündstoff. Präsident Irvin Khoza und OK-Boss Jordaan arbeiten aneinander vorbei und tragen einen Kleinkrieg aus. Beim Spatenstich für das erste Fifa-SOS Kinderdorf im Rahmen der Kampagne "Sechs Dörfer für 2006" hatte Jordaan gedroht, auf dem Absatz kehrtzumachen, falls "der andere" auftauche.
WM unter Ausschluss der Öffentlichkeit?
Hinzu kommt das Problem mit den Eintrittskarten. Soll die Bevölkerung bei 36 Prozent Arbeitslosigkeit und 500 Euro Durchschnittseinkommen die Spiele im Stadion live verfolgen können, müssen die Ticketpreise extrem niedrig sein. Werden Preise wie in Deutschland erhoben, wird die WM unter Ausschluss der einheimischen, überwiegend schwarzen Fans stattfinden.
Und auch die Fifa selbst trägt ihren Teil zum Chaos bei. Noch immer hat der Weltverband kein eigenes Büro in Südafrika. In Deutschland waren es ein Jahr nach der Vergabe bereits zwei.
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,367763,00.html