Kleine Heimatkunde

MrBonde
Das Bremer Wappen

Der Bremer Schlüssel ist in seinen Ursprüngen ein Himmelsschlüssel. Das bekannte Attribut des Apostels Petrus wird hergeleitet aus dem Bibelwort: »Ich will Dir des Himmelreiches Schlüssel geben« (Matth. 16, Vers 19). Auf dem zusammen mit dem neuen Stadtsiegel 1366 in Gebrauch genommenen kleineren Sekretsiegel sieht man Petrus, den Schutzpatron des Bremer Domes, thronend und unter seinen Füßen einen Wappenschild mit einem gotischen Schlüssel - der älteste Nachweis für das Stadtwappen. Der Schlüssel Petri ist der Bremer Schlüssel geworden.

Als Schildhalter finden sich im Spätmittelalter zwei Engel, die im 16. Jahrhundert zwei Löwen Platz machen. Die Löwen waren anfangs durchweg dem Schild zugewandt. Vom 17. Jahrhundert an wurde es dann üblich, sie »widersehend«, das heißt mit abgewendeten Häuptern, darzustellen. Die Farben Rot und Silber (oder Weiß), die schon das Wandbild von 1532 in der oberen Rathaushalle überliefert, sind die Farben des Alten Reichs, die auch z. B. von den alten Reichsstädten Frankfurt, Hamburg und Lübeck im Wappen geführt werden. Als Krönung des Schildes findet sich von der Mitte des 16. Jahrhunderts an ein Engelkopf mit Flügeln, so zum Beispiel auf dem Herdentorwappen von 1562. Nach Erlangung der Reichsfreiheit 1646 trat an diese Stelle die fünfzinkige Fürstenkrone; sie erscheint erstmalig auf den Münzen von 1650. In der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte das Bremer Wappen mit Konsole, Krone und Schildhaltern die Entwicklung zur heutigen Erscheinungsform im wesentlichen abgeschlossen.

Das prunkvolle Flaggenwappen, das der Präsident des Senats im Siegel führt, hat eine besondere Entwicklung genommen. Der aus einem gekrönten, mit Helmdecke versehenen Helm wachsende Löwe, der in den Vorderpranken nochmals einen Schlüssel hält, taucht erstmals als Zierstück um 1618 auf bremischen Münzen auf. Wegen des unklaren Erscheinungsbildes ließ man bald wieder davon ab. 1651 erging sogar ein Senatsbeschluss, der sich gegen diese Darstellungsform aussprach - ohne Erfolg. Das barocke Zierstück hat sich behauptet und am Ende des 19. Jahrhunderts als Flaggenwappen den offiziellen Segen erhalten.

Die folgende auszugsweise wiedergegebene Wappenverordnung von 1891 bildet bis heute die Grundlage für Form und Aussehen der bremischen Staatswappen. Der Senat ordnet an: § 1. Das große bremische Wappen wird gebildet durch einen schräg nach rechts aufgerichteten, mit dem Barte linkshin gewandten silbernen Schlüssel gothischer Form in einem roten Schilde. Auf dem Schilde ruht eine goldene Krone, welche über dem mit Edelsteinen geschmückten Reife fünf (sichtbare) Zinken in Blattform zeigt. Der Schild ruht auf einer Konsole oder auf einem bandartigen Fußgestell und wird von zwei aufgerichteten rückwärts schauenden Löwen mit den Vorderpranken gehalten. Das mittlere Wappen wird gebildet durch den gleichen Schlüssel im roten, mit der goldenen Krone gekrönten Schilde. Das kleine Wappen wird lediglich durch den gleichen Schlüssel ohne Schild gebildet.

§ 6. Die Staatsflagge ist von Rot und Weiß mindestens achtmal gestreift und längs des Flaggenstocks mit der den Streifen entsprechenden Zahl abwechselnd roter und weißer Würfel in zwei Reihen gesäumt. Die Zahl der roten und die der weißen Streifen soll stets eine gerade sein. In der Mitte hat die Flagge ein viereckiges weißes Feld, in welchem, falls sie mindestens zwölfmal gestreift ist, das in § 1 geschilderte große Wappen dargestellt ist, jedoch mit der Abänderung, dass an Stelle der Krone ein gekrönter Helm mit rot und weißer Helmdecke tritt; die Helmzier bildet ein nach rechts gewandter wachsender Löwe, der mit den Pranken den Wappenschlüssel, den Bart nach links gekehrt, senkrecht hält. Wenn die Flagge nur achtmal gestreift ist, so erhält das Mittelfeld das in § 1 geschilderte mittlere Wappen. Rechts und links sind im heraldischen Sinne, d.h. vom Standpunkte des Schildhalters aus zu verstehen.

Die Flaggen der im Staatsdienste stehenden Schiffe führen außer dem Wappen in der obern rechten Ecke einen aufrecht stehenden blauen Anker.

Beschlossen Bremen in der Versammlung des Senats am 13. und bekannt gemacht am 17. November 1891.

Bremen seit 1945 Die Freie Hansestadt Bremen, bestehend aus den Städten Bremen und Bremerhaven, ist das kleinste Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Nicht ohne Stolz verweisen die Bremerinnen und Bremer bei vielen Gelegenheiten auf ihre traditionsreiche, immer wieder angefeindete und bedrohte Selbständigkeit, für die der Bremer Schlüssel ein Symbol ist. Bremen - der Schlüssel zur Welt.

Das sah 1945 zu Ende des Zweiten Weltkrieges und des nationalsozialistischen Dritten Reiches ganz anders aus. Bremen, die ehrwürdige Handels- und Hafenstadt an der Weser, lag in Schutt und Trümmern. Die Selbständigkeit war der Stadt während der Nazi-Herrschaft aberkannt worden; Bremen wurde Oldenburg unterstellt und vom dortigen Gauleiter regiert.

Am 27. April 1945 zogen britische Truppen in Bremen ein. Mehr als 170 Luftangriffe hatten die Stadt zu 62 Prozent zerstört, die Hafenanlagen, das Herz Bremens, sogar zu 90 Prozent. 280000 Menschen »lebten« noch in der Stadt, die im Jahre 1939 450000 Einwohner gezählt hatte. Diese 280000 Menschen hausten zur »Stunde Null« in Ruinen und Notunterkünften, zusätzlich noch in ihrem Wohn- und Lebensraum beengt durch den Zuzug Tausender von Flüchtlingen. Die Versorgungs- und Ernährungslage war katastrophal, große Teile der Bevölkerung litten unter Unterernährung.

Bereits Ende April 1945 hatten die Amerikaner Kontakt mit Wilhelm Kaisen, dem sozialdemokratischen Senator für das Wohlfahrtswesen von 1928 bis 1933, aufgenommen, der die zwölf Jahre der braunen Diktatur auf einer Siedlerstelle am Rande Bremens als Kleinlandwirt überlebt hatte. Schon am 6. Juni wurde Kaisen wieder in sein ehemaliges Amt eingesetzt; am 1. August 1945 übertrug ihm die amerikanische Militärregierung das Amt des Bürgermeisters und Präsidenten des Senats. Trotz der verzweifelten Situation gingen Kaisen und seine Mitstreiter mit Energie und Zuversicht an das Werk des Wiederaufbaus.

Der Senat, der aus von der Militärregierung ernannten Sozialdemokraten, Bürgerlich-Liberalen und Kommunisten zusammengesetzt war, stand vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Wilhelm Kaisen gelang es aber immer wieder, die Menschen aus ihrer Verzweiflung aufzurütteln, sie mitzureißen und sie zur Mitarbeit zu bewegen. So entstand Bremen langsam neu. Im April 1946 wurde eine erste Bürgerschaft, das bremische Parlament, ernannt; bereits im Oktober fand die erste Bürgerschaftswahl, wenn auch vorerst nur für die Stadt Bremen, statt. Seitdem waren und sind die Sozialdemokraten in Bremen die prägende politische Kraft, bis 1965 mit Wilhelm Kaisen an der Spitze, der nach der ersten freien Bürgerschaftswahl am 12. Oktober 1947 eine Koalitionsregierung mit der FDP gebildet hatte.

Neben der Verbesserung der Versorgung für die Bevölkerung stand damals die Sicherung der Eigenstaatlichkeit Bremens für Kaisen mit an erster Stelle. Dies Ziel wurde erreicht: Am 21. Januar 1947 rief der amerikanische Militärgouverneur, General Joseph T. McNarney, das Land Bremen aus, zu dem die Städte Bremen und Wesermünde gehörten. Kurze Zeit später wurde die Stadt Wesermünde in Bremerhaven umbenannt.

Bremens Häfen wurden alsbald instandgesetzt, weil die Amerikaner die stadtbremischen Häfen für ihre Nachschublieferungen nutzen wollten. Allmählich besserten sich die Verhältnisse für die Menschen, die wieder neuen Mut gewannen, unterstützt durch den Marshallplan und die Währungsreform. In zähen Verhandlungen konnte Kaisen in den folgenden Jahren erreichen, dass nicht nur die Demontage der bremischen Werften beendet wurde, sondern sogar wieder mit dem Neubau von Schiffen in Bremen begonnen werden durfte.

Nachdem der Senat am 21. Oktober 1947 die »Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen« verkündet hatte, war der erste Abschnitt des staatlichen Wiederaufbaus Bremens abgeschlossen. Gleichzeitig hatten die Bremer schon damit begonnen, ihre zerbombte Stadt neu zu errichten. Als erstes wurde der Bremer Westen, das Stadtgebiet rund um den Hafen, das bei einem Angriff im August 1944 beinahe dem Boden gleichgemacht worden war, wieder bebaut. Später folgten andere Stadtteile; ganz neue Stadtgebiete und Trabantenstädte, die für Tausende menschenwürdige Wohnungen boten, entstanden in einem grandiosen Kraftakt.

Wilhelm Kaisen setzte in seiner Regierungszeit auch bei absoluten Mehrheiten der Sozialdemokratie immer wieder einen Koalitionssenat durch, von 1951 bis 1959 mit FDP und CDU, seit 1959 nur noch mit der FDP, die 1971 noch vor der Bürgerschaftswahl dieses Regierungsbündnis aber wegen gravierender Meinungsunterschiede über die Gründung der Universität Bremen aufgekündigt hatte. Seitdem regieren in Bremen die Sozialdemokraten allein. Kaisen trat am 17. Juli 1965 von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger wurde der langjährige Bildungssenator Willy Dehnkamp, der 1967 von Hans Koschnick abgelöst wurde. Dieser wiederum legte im Sommer 1985 seine Ämter nieder. Neuer Bürgermeister und Präsident des Senats wurde der bisherige Vorsitzende der SPDBürgerschaftsfraktion, Klaus Wedemeier.

In diesen mehr als 40 Jahren hat sich in Bremen viel verändert. Das Bundesland Bremen hat sich zu einem modernen sozialen Gemeinwesen entwickelt, in dem sich das von Wilhelm Kaisen beschworene Bündnis von »Arbeiterschaft und Kaufmannschaft«, wenn auch nicht unumstritten und problemlos, zu seiner Zeit bewährt hat. Liberalität, Weltoffenheit und ein dem Fortschritt gegenüber aufgeschlossenes Traditionsbewusstsein prägen Land und Leute. Nur so war es möglich, dass die vielfältigen und tiefgreifenden Veränderungsprozesse in Bremen verhältnismäßig gut bewältigt werden konnten.

Zu Beginn der fünfziger Jahre war die Wirtschaftsstruktur des Landes auf Handel, Hafen, Schiffbau und Fischwirtschaft - mit Schwerpunkt in Bremerhaven - ausgerichtet. Hinzu kamen im Laufe der nächsten Jahre Flugzeug- und Automobilbau sowie die Ansiedlung eines Stahlwerkes, der sogenannten »Hütte am Meer«. Bremen bot viele Arbeitsplätze, und die bremischen Politiker waren bereit, in die städtische Infrastruktur zu investieren. Theater, Stadthalle, Freizeitangebote, soziale Dienstleistungen, Bildung - in diese Bereiche gab das Land Geld, war auch bereit, sich dafür zu verschulden.

1961 brach mit dem Borgward-Konzern die bremische Automobilindustrie zusammen. Zwar gelang es, die dort arbeitslos gewordenen Beschäftigten zum größten Teil wieder in Arbeit zu bringen, doch deutete sich schon an, dass Bremens Wirtschaftsstruktur breiter werden musste. Die Wirtschaftskrise, die Mitte der sechziger Jahre auch die Bundesrepublik Deutschland erfasst hatte, sorgte für eine turbulente Zeit. Arbeitslosigkeit griff um sich, Studentenunruhen und Außerparlamentarische Opposition machten von sich reden, die rechtsradikale Nationaldemokratische Partei zog in das Bremer Landesparlament ein. In Bonn wurde aus CDU/CSU und SPD die Große Koalition gebildet, während sich in Bremens regierender Sozialdemokratie der Generationenwandel vollzog. Eine neue Nachwuchsriege bildete sich heran und brachte neue Ideen in die SPD wie in die Bremische Bürgerschaft.

Die seit vielen Jahren betriebene Gründung einer Bremer Universität wurde im Herbst 1971 vollzogen. Um diese Hochschule hatte es viele Auseinandersetzungen gegeben, die schließlich in dem Vorwurf gipfelten, in Bremen werde eine »rote Kaderschmiede« geplant. Mit diesem Vorurteil hat man in Bremen lange leben müssen; inzwischen ist die Universität zu einem integrierten Bestandteil Bremens geworden, von dem wichtige positive Anregungen ausgehen.

Weltwirtschaftliche Probleme haben Bremen seit Mitte der siebziger Jahre schwer belastet, zumal das Bundesland einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Krisenbranchen aufwies. Nur zum Teil konnte dem durch die Förderung einer modernen Luftfahrt- und die Ansiedlung einer hochentwickelten Raumfahrtindustrie begegnet werden. Seit Ende der siebziger Jahre gibt es in Bremen auch wieder einen Automobilbau, als der Daimler-Benz-Konzern hier sein großes Zweigwerk errichtete. Dem stand auf der anderen Seite jedoch der Niedergang anderer Wirtschaftszweige gegenüber. So gerieten unter anderem Fischwirtschaft, die Stahlbranche und der Schiffbau in bedrohliche Existenznöte. Massenentlassungen und entsprechende soziale Kosten waren die Folge.

Bremen bemühte sich zwar, durch staatliche Zuschüsse und Subventionen, durch staatliche Verschuldung und Beteiligungen, einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern, doch konnte dies nur ansatzweise erreicht werden. Die spektakuläre Schließung der traditionsreichen A.G. »Weser« -Werft durch den Krupp-Konzern wenige Tage vor der Bürgerschaftswahl im September 1983 machte deutlich, dass staatliches Handeln dort seine Grenze hat, wo privatwirtschaftliche Entscheidungskompetenzen ausschlaggebend sind. Entgegen der Vermutung, dass dieses Ereignis der Werftenschließung Stimmenverluste für die SPD bei der Wahl nach sich ziehen würde, legte die Partei mit Hans Koschnick als Spitzenkandidat noch zu und baute die absolute Mehrheit im Landesparlament weiter aus.

Im Sommer 1985 wurde Klaus Wedemeier nach Koschnicks Rücktritt und einer intensiven parteiinternen Kandidatenauseinandersetzung neuer Regierungschef des Landes Bremen. Angesichts der schwierigen Lage Bremens setzte Wedemeier fortan die Schwerpunkte »Haushaltssanierung« und »Politikgestaltung trotz finanzieller Einschränkungen« an die erste Stelle. Mit Erfolg vertrat er als Präsident des Senats die Bremer Interessen vor dem Bundesverfassungsgericht im Verfahren um die Neuordnung des Länderfinanzausgleichs.

Mit der Ansiedlung und dem Ausbau zukunftsträchtiger Wirtschaftszweige vor allem des High-Tech-Bereiches wie Luft- und Raumfahrtindustrie, moderner Automobilbau, Mikroelektronik und Umwelttechnologie, aber auch Meerestechnik, sowie der Bündelung verschiedener Kapazitäten dieser Ausrichtung ist Bremen nunmehr dabei, sich zu einem Technik-Zentrum des Nordens zu entwickeln.

Die Universität Bremen, ergänzt durch die anderen Hochschulen des Bundeslandes, hat mit ihrem qualifizierten und leistungsfähigen Wissenschaftspotential diesen Trend tatkräftig mit unterstützt und dazu beigetragen, traditionelle Berührungsängste zwischen Industrie und Wissenschaftsbetrieb zu verringern. Insbesondere in den Forschungsgebieten Produktionstechnik, marine Geowissenschaften, Weltraum- und Umweltforschung ergibt sich ein hohes Transferpotential zur gewerblichen Wirtschaft.

Gleichzeitig aber bemüht sich das Land Bremen, seine besondere maritime Funktion und Tradition zu bewahren. Die bremischen Häfen sind nach wie vor von großer Bedeutung, nicht nur für Bremen, sondern für die gesamte Bundesrepublik Deutschland. Bundesweit verdanken rund 300000 Beschäftigte ihre Tätigkeit den modernen Universalhäfen in Bremen und Bremerhaven, in die zwischen 1950 und 1984 mehr als vier Milliarden DM öffentliche Mittel investiert wurden.

»Buten und binnen, wagen und winnen« - draußen und drinnen, wagen und gewinnen -, getreu diesem althergebrachten Bremer Motto bemüht man sich im ZweiStädte-Bundesland an der Weser um die Verbindung von Alt und Neu, ist der Tradition verpflichtet und dem Fortschritt gegenüber aufgeschlossen.

Quelle:
Michael Scherer
RE-Chris
Wobei man zum Schlüssel noch Folgendes erzählen kann:

Soweit ich mich erinnern kann, waren zwei überkreuzte Schlüssel das Zeichen des Papstes - heute noch ansatzweise zu sehen an einer der übriggebliebenen Wangen des Ratsstuhls (welcher sich im Focke-Museum befindet!). Der zweite Schlüssel wurde jedoch entfernt, so daß zu einem späteren Zeitpunkt nur noch sozusagen der Bremer Schlüssel zu sehen war.

Hoffe, ich bringe da jetzt nichts durcheinander ;-).

Btw: Eigentlich sehe ich eher den Roland als Verfechter der Selbstständigkeit und der Marktfreiheit als Zeichen der Bremer Unabhängigkeit. Nicht umsonst blickt er auf den Dom, wobei dies eigentlich nie sicher als "Provokation" gegenüber der Kirche angesehen werden konnte....eine andere Geschichte lautet nämlich, daß er Richtung Hamburg schaut..jedenfalls den Weg enntlang, der früher nach Hamburg führte.
Und eigentlich war das erneute Errichten eines Rolands (der Hölzerne war ja von Kirchenfreunden niedergebrannt worden) schon Provokation genug...wobei die Kirche selbst Geld für diesen Bau gespendet hatte.
Eine weitere "Provokation" war der frühere Bau des Rathauses - also vor der Zeit der Renaissance-Fassade Lüder von Bentheims, welche eine schmuckvolle Fassade Richtung Marktplatz zeigt. Der "alte" Bau (wobei "alt" auch fehlerhaft klingt, da das erste "Rathaus" wohl Ecke Obernstr./Sögestr. stand) hingegen hatte seine "Schmuckfassade" zur anderen Seite hin...dort stand nämlich, wenn ich mich recht entsinne, das Palais des Bischofs(? Bin mir nicht so sicher, welches Oberhaupt es war)....was deutlich machen sollte, daß der kirchlichen Macht entgegnet wurde.

Zu der Unabhängigkeit:
Davor waren es meines Wissens nur die Franzosen, die Bremen seiner Unabhängigkeit beraubt haben.
Ansonsten galten Bremen und seine Bürger ja immer schon als ziemlich sturköpfig und behaupteten sich allen Feinden, selbst in kleinen Situationen - wie es uns das Walgemälde im Rathaus so schön aufzeigt.

Da mir die Zeit fehlt, mache ich jetzt mal Schluß. Werde sonst noch gewisse Anekdoten zum Bremer Rathaus und zum Roland posten.
Wer will, kann noch mehr hinzufügen......
larsi
"FanSzene >> Allgemeines zur FanSzene"
Warum spamt einer der Moderatoren die Rubrik voll?
Nicht daß mich wer falsch versteht, ein tolles Thema, nur nicht wirklich fanlastig, oder?
MrBonde
Da wir uns ja bei den Bremer Wappen und Symbolen ganz gerne bedienen und es gewissermaßen bei uns auch um die Stadt und nicht nur den Verein geht (interessantes Thema eigentlich), ist es nicht so wirklich OffTopic. Deshalb habe ich es hier reingestellt. Also ich sehe da durchaus einen Zusammenhang zwischen der Fanszene Bremen und Bremen, um es mal ganz einfach zu sagen.
breke
Sehe ich auchso!
Und ich denke das vielen die schön länger "Werder fan" sind auch "bremen fans" sind (jetzt unabhängig von werder bremen) (ist logisch oder :P)

ich fande den text auszug ziemlich "schön" und "hilfsreich" und wenn es erwünscht ist, kann ich den scanner mal anschmeißen, und auch noch ein paar sachen über die stadt bremen (oder auch die becks brauerei ) schreiben, einfügen.
firefighter.7
Richtig.
Ich komme aus der nähe von HH aber stehe genauso hinter der Stadt Bremen, wie hinter Werder.
RE-Chris
So, weiter geht es. Leider finde ich meine Hausarbeit nicht mehr über die Baugeschichte des Rathaus und des Rolands - so schlecht war die wohl nicht, wurde jedenfalls von meinem Prof mit 1 bewertet ;-).

Also schreibe ich mal ein paar Anekdoten:

1. Die Größe des Rathauses bzw. der unteren Rathaushalle, welche früher als "Marktplatz" genutzt wurde:
Es wird erzählt, daß einer der damaligen Bauherren alle "mündigen" Büger der Stadt vor den Toren Bremen´s versammeln ließ und diese Menschengruppe dann mit Holzplöcken und einem Seil "einzäunte". Somit war die Größe bestimmt, denn in der Halle sollten alle "Bürger" (nun ja, also alle, die "mündig" waren...eher nur ein kleiner Teil der Bevölkerung) Platz finden..
Aber es wird angenommen, daß nur eine geringe Fläche abgemessen wurde, um die Größe zu bestimmen.

2. Der Roland:
Wenn dieser zerstört wird, so sagt man, haben die Bürger Bremens 24 Stunden Zeit in wieder neu zu errichten..ansonsten verliert Bremen seine Unabhängigkeit.
(So nebenbei: Das Rathaus und der Roland waren wohl die einzigen Bauwerke des Marktplatzensembles, die die Bombenangriffe annähernd unbeschadet überstanden haben...)

Oh, hier habe ich wenigstens noch mein Hand-out zu meinem Referat/Hausarbeit gefunden..also, wenigstens eine kleine Historie, hehe..

Chronologie

1229 Erste Erwähnung eines Rathauses (domus theatralis) an der Ecke Obernstr./Sögestr.
1366 Verbrennung des hölzernen Rolands durch Anhänger des Erzbischofs Albert II.
1404 Errichtung des steinernen Rolands
1405 Rathausneubau und Ratsstuhl (endet 1410)
Ende 15. Jhrh. Errichtung einer Laube über dem Ratskellereingang
1512 Erneuerung des Rolands
1531 Veränderung der Rathaus-Nordseite und Bau der Wendeltreppe in der unteren Rathaushalle
1532 Bilder des Salomonurteils und die Darstellung Karls und Willehads durch Bartholomäus Bruyn d.Ä.
1580 Neue Bedachung des Rathauses
1595 Lüder von Bentheim lässt die Fenster der oberen Halle / Marktplatzseite verbreitern
1608 Erneuerung des Dachstuhls
1612 Fertigstellung der Außenfassade
1613 Brüstung über den Arkaden
1614 Bemalung des Rathauses
1909 Bau des „Neuen Rathauses“ durch Gabriel von Seidl (endet 1913)
1928 Neue Fundamentierung der Arkadensäulen und andere Restaurierungen (bis 1930)
1960 Renovierung des Rolands und neue Farbgestaltung
1983 Ersetzen des ursprünglichen Rolandkopfes durch eine Kopie und Wiederrichtung des Gitters um den Roland

Btw: Schaut Euch auch mal, wenn ihr vor dem Rathaus steht/Markplatzseite die Darstellungen über den Arkaden an....nicht nur die Darstellung "Henne mit Küken"...heutzutage können wir die Bedeutungen leider nicht mehr genau bestimmen, da uns die "Bildersprache" kaum noch geläufig ist. Sehr interessant, denn jeder Historiker deutet die Darstellungen anders.

Ach ja, der Baustil des Rathausumbaus von Lüder von Bentheim nennt man auch "Weserrenessaince" ;-).


Und falls es einige noch nicht wissen...
Das Rathaus und der Roland sind "UNESCO Weltkulturerbe"..ich denke schon, daß man darauf ein wenig Stolz sein kann (Ein Hoch auf meinen Professor, der zu der Gruppe gehörte, die den Antrag gestellt und vorallem ausgearbeitet hat...)


PS: Ich bin der Meinung, daß man "Wir sind Bremen" auch nur singen darf, wenn man sich mit der Stadtgeschichte befasst...
Blut-an-den Stollen
@ MrBonde & Virulent:

Weiter so!

Werder ohne Bremen geht nicht, ganz einfach.
RE-Chris
Hier noch der Bremer Bürger-Eid, der leider im Jahre 1904 abgeschafft wurde...zuerst halt wie hier nachzulesen in Niederdeutsch (Plattdeutsch), später dann Hochdeutsch. Den Eid mußte JEDER leisten, egal, ob hier geboren oder zugezogen.

Gemeener Borger = Eed der Stadt Bremen

Ick will dem Rahde gehorsam syn und nummermehr jegen den Rahd dohn, ock in allen Nóhden und Gefahr, so dússer goden Stadt nu und inkúnfftig, vorstahn und begegnen mógen, dem Rahde, ock gemeener Stadt und Borgerschup, trouw und holdt syn; Ick will ock tho nehmen Uprohr Ohrsake geven, noch my dartho versellschoppen; Sondern wohr ick Uprohr, oder sonst einige Practiken ofte heimlike Anschláge, jegen dússe gode Stadt erfahre, will Ick dem Rahde trouwliken vermelden, und holden Tafeln und Boeck, mit der Nyen upgerichteden Eendracht, alse de de Rahd und gantze Meenheit beschwaren hebben; Ick will recht ziesen und schatten, ock recht consumeren, so lange solke Consumption, mit Belevung Eenes Ehrenvesten Rahds und der Borgerschup, im Gebruke blifft; Minem Hóvetmanne und Rottmeister, ock anderen des Rahdes Befehlhebbern, gebóhrliken Gehorsam leisten; und will also des Rahdes, und gemeener Stadt Beste wehren und befórdern, dargegen óhren Schaden und Nahdehl wehren und affkehren, nah allem mynen Vermógen. Dit Gewehr, darmede Ick vor Enem Ehrenvesten Rahde erschiene, dat is mien egen, datsúlve will Ick nicht verringern, sondern bestes mines Vermógens verbetern: So wahr helpe my Gott!
RE-Chris
Und über die Freiheit Bremens wissen wir ja dank des "Linzer Diploms" etwas mehr.
Kaiser Ferdinand III. hatte am 01. Juni 1646 die Reichsfreiheit Bremens bestätigt..und zwar heisst es in der Urkunde...
"Aus all dem ist unfehlbar befunden worden, daß die Stadt Bremen von uralten Zeiten her des Heiligen Römischen Reiches unmittelbare freie Reichsstadt gewesen und daher Uns und dem Heiligen Reich allein und ohne Mittelstelle untertan ist.."
(Wir wollen jetzt mal ganz schnell vergessen, daß man damals für die Freiheit gezahlt hat....und auch Schmiergelder an die Beamten des Kaisers gingen, hehe).

Nun aber zu weiteren Anekdoten:

"Die Henne + Küken"
Diese Darstellung über der zweiten Arkade von links an der Markseite des Rathaus stellt der Legende nach die "Entstehung der Stadt Bremen" dar. Es wird erzählt, daß Seefahrer die Weser entlangfuhren, die Henne mit ihren Küken sahen und sich gedacht haben sollen, daß an dem Platz, wo eine Henne ihre Küken ernähren kann, auch Menschen leben können. Deshalb liessen sie sich an dem Ort nieder, wo sich heute Bremen befindet.
(Aber das ist wohl wirklich nur eine Legende....)

"Bremer Stadtmusikanten"
Wie viele von Euch sicherlich wissen, soll es Glück bringen, wenn man die Vorderbeine des Esels berührt...aber aufgepasst: Man muß schon mit beiden Händen zupacken, denn sonst gibt ein Esel dem anderen die Hand, ok?

Ach ja, früher wurde vor dem Rathaus zur Markseite hin Recht gesprochen. Bin mir jetzt nicht sicher, ob zwei steinerne "Ösen" noch an den Säulen vorhanden sind...müßten sich dann jedoch unterhalb der zweiten Arkade befinden (oder jedenfalls in dortiger Nähe). Durch diese "Ösen" wurde früher eine Holzstande gesteckt, die die Angeklagten (oder das Volk) von den Richtern getrennt haben. Bin mir nicht 100%ig sicher, aber ich meine gehört zu haben, daß diese Stande rot-weiss war.

Spuckstein
Der Spuckstein befindet sich zwischen Dom und Rathaus. An dieser Stelle wurde Gesche Gottfried zum Tode verurteilt oder besser gesagt: enthauptet. Seitdem ist es Brauch, aus Verachtung vor ihren Giftmorden, auf diesen Stein zu spucken!

Was ich vorhin noch ganz vergessen hatte:
Während des Krieges wurde der Roland zugemauert...den Grund hatte ich ja bereits genannt!

Und wo wir schon beim Roland sind...
Die Inschrift des Schildes lautet..
"vryheit do ik ju openbar de karl und mennich vorst vorwar desser stede ghegheven hat des danket gode is min radt"

"Freiheit verkündige ich Euch, die Karl und mancher andere Fürst fürwahr dieser Stadt gegeben hat. Dafür dankt Gott, dies ist mein Rat."
RE-Chris
"Und die Schweden haben den Wal nicht bekommen....."

Zur Geschichte des Wal-Bildes im Rathaus (Leider war ich da schon lange nicht mehr und weiß gar nicht, ob es überhaupt noch hängt! Heutzutage wird ja so vieles umgehangen, weggehangen oder erneuert, hehe).

Auch hier bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich jetzt alles haargenau und richtig wiedergebe, aber ich kann mich an einen Großteil der Geschichte noch erinnern.
Und zwar hatte sich ein Wal in die Weser verirrt. Bremer Walfänger (welche übrigens Grollander = Grönlandfahrer genannt wurden) töteten das Tier..öhm..ich glaube..bei Vegesack, welches, und da bin ich mir sicher, zu dieser Zeit zu Schweden gehört hatte (das war im 17. Jahrhundert....die Reichsfreiheit bezog sich da nämlich nur auf die Stadt Bremen und so hatten die Schweden einfach mal Vegesack besetzt..). Nun also weiter...eigentlich war das Tier halt auf schwedischem Boden erlegt worden und somit auch schwedischer Besitz. Wenn ich mich recht entsinne, zogen die Fischer das Tier jedoch zur Stadtgrenze und gaben an, daß Tier sei tot an den Strand gespült worden. Somit ging dieser Besitz dann an die Stadt Bremen.
Als Erinnerung an diese "Tat" enstand das Walgemälde....es soll stets daran erinnern, wie die kleine Stadt Bremen dem schwedischen Reich entgegengetreten ist!
Arne
Zitat:
Original von Virulent
Spuckstein
Der Spuckstein befindet sich zwischen Dom und Rathaus. An dieser Stelle wurde Gesche Gottfried zum Tode verurteilt oder besser gesagt: enthauptet. Seitdem ist es Brauch, aus Verachtung vor ihren Giftmorden, auf diesen Stein zu spucken!


Nach Machtergreifung wurde der Spuckstein (kurzweilig) von Gegner der NSDAP in ein hakenkreuzähnliches Steinmuster eingebaut. Daher hat der Spuckstein für viele ältere Bremer auch eine andere Bedeutung.
MrBonde
Respekt, Christian.....

Im Zusammenhang mit Gesche Gottfried auch interessant, dass die "Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF)" ihr Onlineportal "gesche.online" genannt hat. Weiss man gleich bescheid, mit was für Verwirrten man es zu tun hat.
Joinsen
Zitat:
Der Roland:
Wenn dieser zerstört wird, so sagt man, haben die Bürger Bremens 24 Stunden Zeit in wieder neu zu errichten..ansonsten verliert Bremen seine Unabhängigkeit.


Es gibt hierzu die grossartigste Oma-Reisen-Innenstadtfuehrungslegende, bei der selbst die Tourismusbehoerde von Hameln vor Neid erblassen sollte:

Angeblich gibt es einen Ersatz-Roland, der an einem geheimen Ort steht und dessen Aktivierung das oben geschilderte Maleur von unserer Stadt abwenden soll.
MrBonde
Zitat:
Original von Jansen
Zitat:
Der Roland:
Wenn dieser zerstört wird, so sagt man, haben die Bürger Bremens 24 Stunden Zeit in wieder neu zu errichten..ansonsten verliert Bremen seine Unabhängigkeit.


Es gibt hierzu die grossartigste Oma-Reisen-Innenstadtfuehrungslegende, bei der selbst die Tourismusbehoerde von Hameln vor Neid erblassen sollte:

Angeblich gibt es einen Ersatz-Roland, der an einem geheimen Ort steht und dessen Aktivierung das oben geschilderte Maleur von unserer Stadt abwenden soll.


Es gibt nur einen Weg, um die Wahrheit zu erfahren. Wir benötigen Sprengstoff.
nucleo
Hausaufgabe bis zum ersten Spieltag, jeder sucht sich seine Lieblingsgeschichte aus und trägt sie dann vorm OKS vor:

http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschl...agen_bremen.htm




GWG


stefan marterburg
Hornsby
Wenn ich mich recht erinnere, steht der Original-Kopf des Rolands tatsächlich im Focke-Museum, weil das Material nicht verwitterungsbeständig ist.

Ach ja: Waren Rot-Weiß nicht die Farben der Hanse und Schwarz-Weiß die des Hlg. Römischen Reiches ?
RE-Chris
@Hornsby:
Ja, der Kopf des Rolands steht im Focke-Museum, da er aufgrund der Witterung schon arg mitgenommen war (Saurer Regen etc.!). Dies war u.a. sehr wichtig in dem Antrag zur Anerkennung des Rolands + Rathaus als Weltkulturdenkmal unter dem Punkt des "noch heute erhaltenen Ursprünglichen"....habe den gesamten Paragraphen jetzt leider nicht im Kopf, muß ich nochmal raussuchen.

Die Farben der Hanse waren Weiß und Rot, wobei ich glaube, daß das Weiß auch dem Silber gleichgestellt war, also man auch von Silber und Rot sprechen kann.

Aber zur Zeit des hl. römischen Reiches dt. nation gab es eigentlich keine "Nationalfarben". Die Farben, die jedoch dominierten waren Gold und Schwarz...
Schwarz und Weiß sind meiner Meinung nach die preußischen Farben.
MrBonde
http://de.wikipedia.org/wiki/Bremer_K%C3%BCche

Bremer Kükenragout

Entgegen anderslautender Gerüchte enthält dieses Ragout keine Küken! (Die Bezeichnung bezieht sich auf Stubenkücken, also das, was heutzutage als Hähnchen verkauft wird - die sind nämlich nicht ausgewachsen, da sonst zäh!)

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Hab total Bock auf Knipp oder Labskaus, irgendsonen Abfall. Wer kocht für mich?-) Ansonsten werde ich das demnächst mal selbst umsetzen.
Foerster
der mälzer hat die tage mal labskaus gekocht.. hmm da knurrte mir der magen.. aber eigentlich is der doch ne hamburgsau, odär ?