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Das Bremer Wappen
Der Bremer Schlüssel ist in seinen Ursprüngen ein Himmelsschlüssel. Das bekannte Attribut des Apostels Petrus wird hergeleitet aus dem Bibelwort: »Ich will Dir des Himmelreiches Schlüssel geben« (Matth. 16, Vers 19). Auf dem zusammen mit dem neuen Stadtsiegel 1366 in Gebrauch genommenen kleineren Sekretsiegel sieht man Petrus, den Schutzpatron des Bremer Domes, thronend und unter seinen Füßen einen Wappenschild mit einem gotischen Schlüssel - der älteste Nachweis für das Stadtwappen. Der Schlüssel Petri ist der Bremer Schlüssel geworden.
Als Schildhalter finden sich im Spätmittelalter zwei Engel, die im 16. Jahrhundert zwei Löwen Platz machen. Die Löwen waren anfangs durchweg dem Schild zugewandt. Vom 17. Jahrhundert an wurde es dann üblich, sie »widersehend«, das heißt mit abgewendeten Häuptern, darzustellen. Die Farben Rot und Silber (oder Weiß), die schon das Wandbild von 1532 in der oberen Rathaushalle überliefert, sind die Farben des Alten Reichs, die auch z. B. von den alten Reichsstädten Frankfurt, Hamburg und Lübeck im Wappen geführt werden. Als Krönung des Schildes findet sich von der Mitte des 16. Jahrhunderts an ein Engelkopf mit Flügeln, so zum Beispiel auf dem Herdentorwappen von 1562. Nach Erlangung der Reichsfreiheit 1646 trat an diese Stelle die fünfzinkige Fürstenkrone; sie erscheint erstmalig auf den Münzen von 1650. In der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte das Bremer Wappen mit Konsole, Krone und Schildhaltern die Entwicklung zur heutigen Erscheinungsform im wesentlichen abgeschlossen.
Das prunkvolle Flaggenwappen, das der Präsident des Senats im Siegel führt, hat eine besondere Entwicklung genommen. Der aus einem gekrönten, mit Helmdecke versehenen Helm wachsende Löwe, der in den Vorderpranken nochmals einen Schlüssel hält, taucht erstmals als Zierstück um 1618 auf bremischen Münzen auf. Wegen des unklaren Erscheinungsbildes ließ man bald wieder davon ab. 1651 erging sogar ein Senatsbeschluss, der sich gegen diese Darstellungsform aussprach - ohne Erfolg. Das barocke Zierstück hat sich behauptet und am Ende des 19. Jahrhunderts als Flaggenwappen den offiziellen Segen erhalten.
Die folgende auszugsweise wiedergegebene Wappenverordnung von 1891 bildet bis heute die Grundlage für Form und Aussehen der bremischen Staatswappen. Der Senat ordnet an: § 1. Das große bremische Wappen wird gebildet durch einen schräg nach rechts aufgerichteten, mit dem Barte linkshin gewandten silbernen Schlüssel gothischer Form in einem roten Schilde. Auf dem Schilde ruht eine goldene Krone, welche über dem mit Edelsteinen geschmückten Reife fünf (sichtbare) Zinken in Blattform zeigt. Der Schild ruht auf einer Konsole oder auf einem bandartigen Fußgestell und wird von zwei aufgerichteten rückwärts schauenden Löwen mit den Vorderpranken gehalten. Das mittlere Wappen wird gebildet durch den gleichen Schlüssel im roten, mit der goldenen Krone gekrönten Schilde. Das kleine Wappen wird lediglich durch den gleichen Schlüssel ohne Schild gebildet.
§ 6. Die Staatsflagge ist von Rot und Weiß mindestens achtmal gestreift und längs des Flaggenstocks mit der den Streifen entsprechenden Zahl abwechselnd roter und weißer Würfel in zwei Reihen gesäumt. Die Zahl der roten und die der weißen Streifen soll stets eine gerade sein. In der Mitte hat die Flagge ein viereckiges weißes Feld, in welchem, falls sie mindestens zwölfmal gestreift ist, das in § 1 geschilderte große Wappen dargestellt ist, jedoch mit der Abänderung, dass an Stelle der Krone ein gekrönter Helm mit rot und weißer Helmdecke tritt; die Helmzier bildet ein nach rechts gewandter wachsender Löwe, der mit den Pranken den Wappenschlüssel, den Bart nach links gekehrt, senkrecht hält. Wenn die Flagge nur achtmal gestreift ist, so erhält das Mittelfeld das in § 1 geschilderte mittlere Wappen. Rechts und links sind im heraldischen Sinne, d.h. vom Standpunkte des Schildhalters aus zu verstehen.
Die Flaggen der im Staatsdienste stehenden Schiffe führen außer dem Wappen in der obern rechten Ecke einen aufrecht stehenden blauen Anker.
Beschlossen Bremen in der Versammlung des Senats am 13. und bekannt gemacht am 17. November 1891.
Bremen seit 1945 Die Freie Hansestadt Bremen, bestehend aus den Städten Bremen und Bremerhaven, ist das kleinste Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Nicht ohne Stolz verweisen die Bremerinnen und Bremer bei vielen Gelegenheiten auf ihre traditionsreiche, immer wieder angefeindete und bedrohte Selbständigkeit, für die der Bremer Schlüssel ein Symbol ist. Bremen - der Schlüssel zur Welt.
Das sah 1945 zu Ende des Zweiten Weltkrieges und des nationalsozialistischen Dritten Reiches ganz anders aus. Bremen, die ehrwürdige Handels- und Hafenstadt an der Weser, lag in Schutt und Trümmern. Die Selbständigkeit war der Stadt während der Nazi-Herrschaft aberkannt worden; Bremen wurde Oldenburg unterstellt und vom dortigen Gauleiter regiert.
Am 27. April 1945 zogen britische Truppen in Bremen ein. Mehr als 170 Luftangriffe hatten die Stadt zu 62 Prozent zerstört, die Hafenanlagen, das Herz Bremens, sogar zu 90 Prozent. 280000 Menschen »lebten« noch in der Stadt, die im Jahre 1939 450000 Einwohner gezählt hatte. Diese 280000 Menschen hausten zur »Stunde Null« in Ruinen und Notunterkünften, zusätzlich noch in ihrem Wohn- und Lebensraum beengt durch den Zuzug Tausender von Flüchtlingen. Die Versorgungs- und Ernährungslage war katastrophal, große Teile der Bevölkerung litten unter Unterernährung.
Bereits Ende April 1945 hatten die Amerikaner Kontakt mit Wilhelm Kaisen, dem sozialdemokratischen Senator für das Wohlfahrtswesen von 1928 bis 1933, aufgenommen, der die zwölf Jahre der braunen Diktatur auf einer Siedlerstelle am Rande Bremens als Kleinlandwirt überlebt hatte. Schon am 6. Juni wurde Kaisen wieder in sein ehemaliges Amt eingesetzt; am 1. August 1945 übertrug ihm die amerikanische Militärregierung das Amt des Bürgermeisters und Präsidenten des Senats. Trotz der verzweifelten Situation gingen Kaisen und seine Mitstreiter mit Energie und Zuversicht an das Werk des Wiederaufbaus.
Der Senat, der aus von der Militärregierung ernannten Sozialdemokraten, Bürgerlich-Liberalen und Kommunisten zusammengesetzt war, stand vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Wilhelm Kaisen gelang es aber immer wieder, die Menschen aus ihrer Verzweiflung aufzurütteln, sie mitzureißen und sie zur Mitarbeit zu bewegen. So entstand Bremen langsam neu. Im April 1946 wurde eine erste Bürgerschaft, das bremische Parlament, ernannt; bereits im Oktober fand die erste Bürgerschaftswahl, wenn auch vorerst nur für die Stadt Bremen, statt. Seitdem waren und sind die Sozialdemokraten in Bremen die prägende politische Kraft, bis 1965 mit Wilhelm Kaisen an der Spitze, der nach der ersten freien Bürgerschaftswahl am 12. Oktober 1947 eine Koalitionsregierung mit der FDP gebildet hatte.
Neben der Verbesserung der Versorgung für die Bevölkerung stand damals die Sicherung der Eigenstaatlichkeit Bremens für Kaisen mit an erster Stelle. Dies Ziel wurde erreicht: Am 21. Januar 1947 rief der amerikanische Militärgouverneur, General Joseph T. McNarney, das Land Bremen aus, zu dem die Städte Bremen und Wesermünde gehörten. Kurze Zeit später wurde die Stadt Wesermünde in Bremerhaven umbenannt.
Bremens Häfen wurden alsbald instandgesetzt, weil die Amerikaner die stadtbremischen Häfen für ihre Nachschublieferungen nutzen wollten. Allmählich besserten sich die Verhältnisse für die Menschen, die wieder neuen Mut gewannen, unterstützt durch den Marshallplan und die Währungsreform. In zähen Verhandlungen konnte Kaisen in den folgenden Jahren erreichen, dass nicht nur die Demontage der bremischen Werften beendet wurde, sondern sogar wieder mit dem Neubau von Schiffen in Bremen begonnen werden durfte.
Nachdem der Senat am 21. Oktober 1947 die »Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen« verkündet hatte, war der erste Abschnitt des staatlichen Wiederaufbaus Bremens abgeschlossen. Gleichzeitig hatten die Bremer schon damit begonnen, ihre zerbombte Stadt neu zu errichten. Als erstes wurde der Bremer Westen, das Stadtgebiet rund um den Hafen, das bei einem Angriff im August 1944 beinahe dem Boden gleichgemacht worden war, wieder bebaut. Später folgten andere Stadtteile; ganz neue Stadtgebiete und Trabantenstädte, die für Tausende menschenwürdige Wohnungen boten, entstanden in einem grandiosen Kraftakt.
Wilhelm Kaisen setzte in seiner Regierungszeit auch bei absoluten Mehrheiten der Sozialdemokratie immer wieder einen Koalitionssenat durch, von 1951 bis 1959 mit FDP und CDU, seit 1959 nur noch mit der FDP, die 1971 noch vor der Bürgerschaftswahl dieses Regierungsbündnis aber wegen gravierender Meinungsunterschiede über die Gründung der Universität Bremen aufgekündigt hatte. Seitdem regieren in Bremen die Sozialdemokraten allein. Kaisen trat am 17. Juli 1965 von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger wurde der langjährige Bildungssenator Willy Dehnkamp, der 1967 von Hans Koschnick abgelöst wurde. Dieser wiederum legte im Sommer 1985 seine Ämter nieder. Neuer Bürgermeister und Präsident des Senats wurde der bisherige Vorsitzende der SPDBürgerschaftsfraktion, Klaus Wedemeier.
In diesen mehr als 40 Jahren hat sich in Bremen viel verändert. Das Bundesland Bremen hat sich zu einem modernen sozialen Gemeinwesen entwickelt, in dem sich das von Wilhelm Kaisen beschworene Bündnis von »Arbeiterschaft und Kaufmannschaft«, wenn auch nicht unumstritten und problemlos, zu seiner Zeit bewährt hat. Liberalität, Weltoffenheit und ein dem Fortschritt gegenüber aufgeschlossenes Traditionsbewusstsein prägen Land und Leute. Nur so war es möglich, dass die vielfältigen und tiefgreifenden Veränderungsprozesse in Bremen verhältnismäßig gut bewältigt werden konnten.
Zu Beginn der fünfziger Jahre war die Wirtschaftsstruktur des Landes auf Handel, Hafen, Schiffbau und Fischwirtschaft - mit Schwerpunkt in Bremerhaven - ausgerichtet. Hinzu kamen im Laufe der nächsten Jahre Flugzeug- und Automobilbau sowie die Ansiedlung eines Stahlwerkes, der sogenannten »Hütte am Meer«. Bremen bot viele Arbeitsplätze, und die bremischen Politiker waren bereit, in die städtische Infrastruktur zu investieren. Theater, Stadthalle, Freizeitangebote, soziale Dienstleistungen, Bildung - in diese Bereiche gab das Land Geld, war auch bereit, sich dafür zu verschulden.
1961 brach mit dem Borgward-Konzern die bremische Automobilindustrie zusammen. Zwar gelang es, die dort arbeitslos gewordenen Beschäftigten zum größten Teil wieder in Arbeit zu bringen, doch deutete sich schon an, dass Bremens Wirtschaftsstruktur breiter werden musste. Die Wirtschaftskrise, die Mitte der sechziger Jahre auch die Bundesrepublik Deutschland erfasst hatte, sorgte für eine turbulente Zeit. Arbeitslosigkeit griff um sich, Studentenunruhen und Außerparlamentarische Opposition machten von sich reden, die rechtsradikale Nationaldemokratische Partei zog in das Bremer Landesparlament ein. In Bonn wurde aus CDU/CSU und SPD die Große Koalition gebildet, während sich in Bremens regierender Sozialdemokratie der Generationenwandel vollzog. Eine neue Nachwuchsriege bildete sich heran und brachte neue Ideen in die SPD wie in die Bremische Bürgerschaft.
Die seit vielen Jahren betriebene Gründung einer Bremer Universität wurde im Herbst 1971 vollzogen. Um diese Hochschule hatte es viele Auseinandersetzungen gegeben, die schließlich in dem Vorwurf gipfelten, in Bremen werde eine »rote Kaderschmiede« geplant. Mit diesem Vorurteil hat man in Bremen lange leben müssen; inzwischen ist die Universität zu einem integrierten Bestandteil Bremens geworden, von dem wichtige positive Anregungen ausgehen.
Weltwirtschaftliche Probleme haben Bremen seit Mitte der siebziger Jahre schwer belastet, zumal das Bundesland einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Krisenbranchen aufwies. Nur zum Teil konnte dem durch die Förderung einer modernen Luftfahrt- und die Ansiedlung einer hochentwickelten Raumfahrtindustrie begegnet werden. Seit Ende der siebziger Jahre gibt es in Bremen auch wieder einen Automobilbau, als der Daimler-Benz-Konzern hier sein großes Zweigwerk errichtete. Dem stand auf der anderen Seite jedoch der Niedergang anderer Wirtschaftszweige gegenüber. So gerieten unter anderem Fischwirtschaft, die Stahlbranche und der Schiffbau in bedrohliche Existenznöte. Massenentlassungen und entsprechende soziale Kosten waren die Folge.
Bremen bemühte sich zwar, durch staatliche Zuschüsse und Subventionen, durch staatliche Verschuldung und Beteiligungen, einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern, doch konnte dies nur ansatzweise erreicht werden. Die spektakuläre Schließung der traditionsreichen A.G. »Weser« -Werft durch den Krupp-Konzern wenige Tage vor der Bürgerschaftswahl im September 1983 machte deutlich, dass staatliches Handeln dort seine Grenze hat, wo privatwirtschaftliche Entscheidungskompetenzen ausschlaggebend sind. Entgegen der Vermutung, dass dieses Ereignis der Werftenschließung Stimmenverluste für die SPD bei der Wahl nach sich ziehen würde, legte die Partei mit Hans Koschnick als Spitzenkandidat noch zu und baute die absolute Mehrheit im Landesparlament weiter aus.
Im Sommer 1985 wurde Klaus Wedemeier nach Koschnicks Rücktritt und einer intensiven parteiinternen Kandidatenauseinandersetzung neuer Regierungschef des Landes Bremen. Angesichts der schwierigen Lage Bremens setzte Wedemeier fortan die Schwerpunkte »Haushaltssanierung« und »Politikgestaltung trotz finanzieller Einschränkungen« an die erste Stelle. Mit Erfolg vertrat er als Präsident des Senats die Bremer Interessen vor dem Bundesverfassungsgericht im Verfahren um die Neuordnung des Länderfinanzausgleichs.
Mit der Ansiedlung und dem Ausbau zukunftsträchtiger Wirtschaftszweige vor allem des High-Tech-Bereiches wie Luft- und Raumfahrtindustrie, moderner Automobilbau, Mikroelektronik und Umwelttechnologie, aber auch Meerestechnik, sowie der Bündelung verschiedener Kapazitäten dieser Ausrichtung ist Bremen nunmehr dabei, sich zu einem Technik-Zentrum des Nordens zu entwickeln.
Die Universität Bremen, ergänzt durch die anderen Hochschulen des Bundeslandes, hat mit ihrem qualifizierten und leistungsfähigen Wissenschaftspotential diesen Trend tatkräftig mit unterstützt und dazu beigetragen, traditionelle Berührungsängste zwischen Industrie und Wissenschaftsbetrieb zu verringern. Insbesondere in den Forschungsgebieten Produktionstechnik, marine Geowissenschaften, Weltraum- und Umweltforschung ergibt sich ein hohes Transferpotential zur gewerblichen Wirtschaft.
Gleichzeitig aber bemüht sich das Land Bremen, seine besondere maritime Funktion und Tradition zu bewahren. Die bremischen Häfen sind nach wie vor von großer Bedeutung, nicht nur für Bremen, sondern für die gesamte Bundesrepublik Deutschland. Bundesweit verdanken rund 300000 Beschäftigte ihre Tätigkeit den modernen Universalhäfen in Bremen und Bremerhaven, in die zwischen 1950 und 1984 mehr als vier Milliarden DM öffentliche Mittel investiert wurden.
»Buten und binnen, wagen und winnen« - draußen und drinnen, wagen und gewinnen -, getreu diesem althergebrachten Bremer Motto bemüht man sich im ZweiStädte-Bundesland an der Weser um die Verbindung von Alt und Neu, ist der Tradition verpflichtet und dem Fortschritt gegenüber aufgeschlossen.
Quelle:
Michael Scherer
Der Bremer Schlüssel ist in seinen Ursprüngen ein Himmelsschlüssel. Das bekannte Attribut des Apostels Petrus wird hergeleitet aus dem Bibelwort: »Ich will Dir des Himmelreiches Schlüssel geben« (Matth. 16, Vers 19). Auf dem zusammen mit dem neuen Stadtsiegel 1366 in Gebrauch genommenen kleineren Sekretsiegel sieht man Petrus, den Schutzpatron des Bremer Domes, thronend und unter seinen Füßen einen Wappenschild mit einem gotischen Schlüssel - der älteste Nachweis für das Stadtwappen. Der Schlüssel Petri ist der Bremer Schlüssel geworden.
Als Schildhalter finden sich im Spätmittelalter zwei Engel, die im 16. Jahrhundert zwei Löwen Platz machen. Die Löwen waren anfangs durchweg dem Schild zugewandt. Vom 17. Jahrhundert an wurde es dann üblich, sie »widersehend«, das heißt mit abgewendeten Häuptern, darzustellen. Die Farben Rot und Silber (oder Weiß), die schon das Wandbild von 1532 in der oberen Rathaushalle überliefert, sind die Farben des Alten Reichs, die auch z. B. von den alten Reichsstädten Frankfurt, Hamburg und Lübeck im Wappen geführt werden. Als Krönung des Schildes findet sich von der Mitte des 16. Jahrhunderts an ein Engelkopf mit Flügeln, so zum Beispiel auf dem Herdentorwappen von 1562. Nach Erlangung der Reichsfreiheit 1646 trat an diese Stelle die fünfzinkige Fürstenkrone; sie erscheint erstmalig auf den Münzen von 1650. In der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte das Bremer Wappen mit Konsole, Krone und Schildhaltern die Entwicklung zur heutigen Erscheinungsform im wesentlichen abgeschlossen.
Das prunkvolle Flaggenwappen, das der Präsident des Senats im Siegel führt, hat eine besondere Entwicklung genommen. Der aus einem gekrönten, mit Helmdecke versehenen Helm wachsende Löwe, der in den Vorderpranken nochmals einen Schlüssel hält, taucht erstmals als Zierstück um 1618 auf bremischen Münzen auf. Wegen des unklaren Erscheinungsbildes ließ man bald wieder davon ab. 1651 erging sogar ein Senatsbeschluss, der sich gegen diese Darstellungsform aussprach - ohne Erfolg. Das barocke Zierstück hat sich behauptet und am Ende des 19. Jahrhunderts als Flaggenwappen den offiziellen Segen erhalten.
Die folgende auszugsweise wiedergegebene Wappenverordnung von 1891 bildet bis heute die Grundlage für Form und Aussehen der bremischen Staatswappen. Der Senat ordnet an: § 1. Das große bremische Wappen wird gebildet durch einen schräg nach rechts aufgerichteten, mit dem Barte linkshin gewandten silbernen Schlüssel gothischer Form in einem roten Schilde. Auf dem Schilde ruht eine goldene Krone, welche über dem mit Edelsteinen geschmückten Reife fünf (sichtbare) Zinken in Blattform zeigt. Der Schild ruht auf einer Konsole oder auf einem bandartigen Fußgestell und wird von zwei aufgerichteten rückwärts schauenden Löwen mit den Vorderpranken gehalten. Das mittlere Wappen wird gebildet durch den gleichen Schlüssel im roten, mit der goldenen Krone gekrönten Schilde. Das kleine Wappen wird lediglich durch den gleichen Schlüssel ohne Schild gebildet.
§ 6. Die Staatsflagge ist von Rot und Weiß mindestens achtmal gestreift und längs des Flaggenstocks mit der den Streifen entsprechenden Zahl abwechselnd roter und weißer Würfel in zwei Reihen gesäumt. Die Zahl der roten und die der weißen Streifen soll stets eine gerade sein. In der Mitte hat die Flagge ein viereckiges weißes Feld, in welchem, falls sie mindestens zwölfmal gestreift ist, das in § 1 geschilderte große Wappen dargestellt ist, jedoch mit der Abänderung, dass an Stelle der Krone ein gekrönter Helm mit rot und weißer Helmdecke tritt; die Helmzier bildet ein nach rechts gewandter wachsender Löwe, der mit den Pranken den Wappenschlüssel, den Bart nach links gekehrt, senkrecht hält. Wenn die Flagge nur achtmal gestreift ist, so erhält das Mittelfeld das in § 1 geschilderte mittlere Wappen. Rechts und links sind im heraldischen Sinne, d.h. vom Standpunkte des Schildhalters aus zu verstehen.
Die Flaggen der im Staatsdienste stehenden Schiffe führen außer dem Wappen in der obern rechten Ecke einen aufrecht stehenden blauen Anker.
Beschlossen Bremen in der Versammlung des Senats am 13. und bekannt gemacht am 17. November 1891.
Bremen seit 1945 Die Freie Hansestadt Bremen, bestehend aus den Städten Bremen und Bremerhaven, ist das kleinste Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Nicht ohne Stolz verweisen die Bremerinnen und Bremer bei vielen Gelegenheiten auf ihre traditionsreiche, immer wieder angefeindete und bedrohte Selbständigkeit, für die der Bremer Schlüssel ein Symbol ist. Bremen - der Schlüssel zur Welt.
Das sah 1945 zu Ende des Zweiten Weltkrieges und des nationalsozialistischen Dritten Reiches ganz anders aus. Bremen, die ehrwürdige Handels- und Hafenstadt an der Weser, lag in Schutt und Trümmern. Die Selbständigkeit war der Stadt während der Nazi-Herrschaft aberkannt worden; Bremen wurde Oldenburg unterstellt und vom dortigen Gauleiter regiert.
Am 27. April 1945 zogen britische Truppen in Bremen ein. Mehr als 170 Luftangriffe hatten die Stadt zu 62 Prozent zerstört, die Hafenanlagen, das Herz Bremens, sogar zu 90 Prozent. 280000 Menschen »lebten« noch in der Stadt, die im Jahre 1939 450000 Einwohner gezählt hatte. Diese 280000 Menschen hausten zur »Stunde Null« in Ruinen und Notunterkünften, zusätzlich noch in ihrem Wohn- und Lebensraum beengt durch den Zuzug Tausender von Flüchtlingen. Die Versorgungs- und Ernährungslage war katastrophal, große Teile der Bevölkerung litten unter Unterernährung.
Bereits Ende April 1945 hatten die Amerikaner Kontakt mit Wilhelm Kaisen, dem sozialdemokratischen Senator für das Wohlfahrtswesen von 1928 bis 1933, aufgenommen, der die zwölf Jahre der braunen Diktatur auf einer Siedlerstelle am Rande Bremens als Kleinlandwirt überlebt hatte. Schon am 6. Juni wurde Kaisen wieder in sein ehemaliges Amt eingesetzt; am 1. August 1945 übertrug ihm die amerikanische Militärregierung das Amt des Bürgermeisters und Präsidenten des Senats. Trotz der verzweifelten Situation gingen Kaisen und seine Mitstreiter mit Energie und Zuversicht an das Werk des Wiederaufbaus.
Der Senat, der aus von der Militärregierung ernannten Sozialdemokraten, Bürgerlich-Liberalen und Kommunisten zusammengesetzt war, stand vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Wilhelm Kaisen gelang es aber immer wieder, die Menschen aus ihrer Verzweiflung aufzurütteln, sie mitzureißen und sie zur Mitarbeit zu bewegen. So entstand Bremen langsam neu. Im April 1946 wurde eine erste Bürgerschaft, das bremische Parlament, ernannt; bereits im Oktober fand die erste Bürgerschaftswahl, wenn auch vorerst nur für die Stadt Bremen, statt. Seitdem waren und sind die Sozialdemokraten in Bremen die prägende politische Kraft, bis 1965 mit Wilhelm Kaisen an der Spitze, der nach der ersten freien Bürgerschaftswahl am 12. Oktober 1947 eine Koalitionsregierung mit der FDP gebildet hatte.
Neben der Verbesserung der Versorgung für die Bevölkerung stand damals die Sicherung der Eigenstaatlichkeit Bremens für Kaisen mit an erster Stelle. Dies Ziel wurde erreicht: Am 21. Januar 1947 rief der amerikanische Militärgouverneur, General Joseph T. McNarney, das Land Bremen aus, zu dem die Städte Bremen und Wesermünde gehörten. Kurze Zeit später wurde die Stadt Wesermünde in Bremerhaven umbenannt.
Bremens Häfen wurden alsbald instandgesetzt, weil die Amerikaner die stadtbremischen Häfen für ihre Nachschublieferungen nutzen wollten. Allmählich besserten sich die Verhältnisse für die Menschen, die wieder neuen Mut gewannen, unterstützt durch den Marshallplan und die Währungsreform. In zähen Verhandlungen konnte Kaisen in den folgenden Jahren erreichen, dass nicht nur die Demontage der bremischen Werften beendet wurde, sondern sogar wieder mit dem Neubau von Schiffen in Bremen begonnen werden durfte.
Nachdem der Senat am 21. Oktober 1947 die »Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen« verkündet hatte, war der erste Abschnitt des staatlichen Wiederaufbaus Bremens abgeschlossen. Gleichzeitig hatten die Bremer schon damit begonnen, ihre zerbombte Stadt neu zu errichten. Als erstes wurde der Bremer Westen, das Stadtgebiet rund um den Hafen, das bei einem Angriff im August 1944 beinahe dem Boden gleichgemacht worden war, wieder bebaut. Später folgten andere Stadtteile; ganz neue Stadtgebiete und Trabantenstädte, die für Tausende menschenwürdige Wohnungen boten, entstanden in einem grandiosen Kraftakt.
Wilhelm Kaisen setzte in seiner Regierungszeit auch bei absoluten Mehrheiten der Sozialdemokratie immer wieder einen Koalitionssenat durch, von 1951 bis 1959 mit FDP und CDU, seit 1959 nur noch mit der FDP, die 1971 noch vor der Bürgerschaftswahl dieses Regierungsbündnis aber wegen gravierender Meinungsunterschiede über die Gründung der Universität Bremen aufgekündigt hatte. Seitdem regieren in Bremen die Sozialdemokraten allein. Kaisen trat am 17. Juli 1965 von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger wurde der langjährige Bildungssenator Willy Dehnkamp, der 1967 von Hans Koschnick abgelöst wurde. Dieser wiederum legte im Sommer 1985 seine Ämter nieder. Neuer Bürgermeister und Präsident des Senats wurde der bisherige Vorsitzende der SPDBürgerschaftsfraktion, Klaus Wedemeier.
In diesen mehr als 40 Jahren hat sich in Bremen viel verändert. Das Bundesland Bremen hat sich zu einem modernen sozialen Gemeinwesen entwickelt, in dem sich das von Wilhelm Kaisen beschworene Bündnis von »Arbeiterschaft und Kaufmannschaft«, wenn auch nicht unumstritten und problemlos, zu seiner Zeit bewährt hat. Liberalität, Weltoffenheit und ein dem Fortschritt gegenüber aufgeschlossenes Traditionsbewusstsein prägen Land und Leute. Nur so war es möglich, dass die vielfältigen und tiefgreifenden Veränderungsprozesse in Bremen verhältnismäßig gut bewältigt werden konnten.
Zu Beginn der fünfziger Jahre war die Wirtschaftsstruktur des Landes auf Handel, Hafen, Schiffbau und Fischwirtschaft - mit Schwerpunkt in Bremerhaven - ausgerichtet. Hinzu kamen im Laufe der nächsten Jahre Flugzeug- und Automobilbau sowie die Ansiedlung eines Stahlwerkes, der sogenannten »Hütte am Meer«. Bremen bot viele Arbeitsplätze, und die bremischen Politiker waren bereit, in die städtische Infrastruktur zu investieren. Theater, Stadthalle, Freizeitangebote, soziale Dienstleistungen, Bildung - in diese Bereiche gab das Land Geld, war auch bereit, sich dafür zu verschulden.
1961 brach mit dem Borgward-Konzern die bremische Automobilindustrie zusammen. Zwar gelang es, die dort arbeitslos gewordenen Beschäftigten zum größten Teil wieder in Arbeit zu bringen, doch deutete sich schon an, dass Bremens Wirtschaftsstruktur breiter werden musste. Die Wirtschaftskrise, die Mitte der sechziger Jahre auch die Bundesrepublik Deutschland erfasst hatte, sorgte für eine turbulente Zeit. Arbeitslosigkeit griff um sich, Studentenunruhen und Außerparlamentarische Opposition machten von sich reden, die rechtsradikale Nationaldemokratische Partei zog in das Bremer Landesparlament ein. In Bonn wurde aus CDU/CSU und SPD die Große Koalition gebildet, während sich in Bremens regierender Sozialdemokratie der Generationenwandel vollzog. Eine neue Nachwuchsriege bildete sich heran und brachte neue Ideen in die SPD wie in die Bremische Bürgerschaft.
Die seit vielen Jahren betriebene Gründung einer Bremer Universität wurde im Herbst 1971 vollzogen. Um diese Hochschule hatte es viele Auseinandersetzungen gegeben, die schließlich in dem Vorwurf gipfelten, in Bremen werde eine »rote Kaderschmiede« geplant. Mit diesem Vorurteil hat man in Bremen lange leben müssen; inzwischen ist die Universität zu einem integrierten Bestandteil Bremens geworden, von dem wichtige positive Anregungen ausgehen.
Weltwirtschaftliche Probleme haben Bremen seit Mitte der siebziger Jahre schwer belastet, zumal das Bundesland einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Krisenbranchen aufwies. Nur zum Teil konnte dem durch die Förderung einer modernen Luftfahrt- und die Ansiedlung einer hochentwickelten Raumfahrtindustrie begegnet werden. Seit Ende der siebziger Jahre gibt es in Bremen auch wieder einen Automobilbau, als der Daimler-Benz-Konzern hier sein großes Zweigwerk errichtete. Dem stand auf der anderen Seite jedoch der Niedergang anderer Wirtschaftszweige gegenüber. So gerieten unter anderem Fischwirtschaft, die Stahlbranche und der Schiffbau in bedrohliche Existenznöte. Massenentlassungen und entsprechende soziale Kosten waren die Folge.
Bremen bemühte sich zwar, durch staatliche Zuschüsse und Subventionen, durch staatliche Verschuldung und Beteiligungen, einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern, doch konnte dies nur ansatzweise erreicht werden. Die spektakuläre Schließung der traditionsreichen A.G. »Weser« -Werft durch den Krupp-Konzern wenige Tage vor der Bürgerschaftswahl im September 1983 machte deutlich, dass staatliches Handeln dort seine Grenze hat, wo privatwirtschaftliche Entscheidungskompetenzen ausschlaggebend sind. Entgegen der Vermutung, dass dieses Ereignis der Werftenschließung Stimmenverluste für die SPD bei der Wahl nach sich ziehen würde, legte die Partei mit Hans Koschnick als Spitzenkandidat noch zu und baute die absolute Mehrheit im Landesparlament weiter aus.
Im Sommer 1985 wurde Klaus Wedemeier nach Koschnicks Rücktritt und einer intensiven parteiinternen Kandidatenauseinandersetzung neuer Regierungschef des Landes Bremen. Angesichts der schwierigen Lage Bremens setzte Wedemeier fortan die Schwerpunkte »Haushaltssanierung« und »Politikgestaltung trotz finanzieller Einschränkungen« an die erste Stelle. Mit Erfolg vertrat er als Präsident des Senats die Bremer Interessen vor dem Bundesverfassungsgericht im Verfahren um die Neuordnung des Länderfinanzausgleichs.
Mit der Ansiedlung und dem Ausbau zukunftsträchtiger Wirtschaftszweige vor allem des High-Tech-Bereiches wie Luft- und Raumfahrtindustrie, moderner Automobilbau, Mikroelektronik und Umwelttechnologie, aber auch Meerestechnik, sowie der Bündelung verschiedener Kapazitäten dieser Ausrichtung ist Bremen nunmehr dabei, sich zu einem Technik-Zentrum des Nordens zu entwickeln.
Die Universität Bremen, ergänzt durch die anderen Hochschulen des Bundeslandes, hat mit ihrem qualifizierten und leistungsfähigen Wissenschaftspotential diesen Trend tatkräftig mit unterstützt und dazu beigetragen, traditionelle Berührungsängste zwischen Industrie und Wissenschaftsbetrieb zu verringern. Insbesondere in den Forschungsgebieten Produktionstechnik, marine Geowissenschaften, Weltraum- und Umweltforschung ergibt sich ein hohes Transferpotential zur gewerblichen Wirtschaft.
Gleichzeitig aber bemüht sich das Land Bremen, seine besondere maritime Funktion und Tradition zu bewahren. Die bremischen Häfen sind nach wie vor von großer Bedeutung, nicht nur für Bremen, sondern für die gesamte Bundesrepublik Deutschland. Bundesweit verdanken rund 300000 Beschäftigte ihre Tätigkeit den modernen Universalhäfen in Bremen und Bremerhaven, in die zwischen 1950 und 1984 mehr als vier Milliarden DM öffentliche Mittel investiert wurden.
»Buten und binnen, wagen und winnen« - draußen und drinnen, wagen und gewinnen -, getreu diesem althergebrachten Bremer Motto bemüht man sich im ZweiStädte-Bundesland an der Weser um die Verbindung von Alt und Neu, ist der Tradition verpflichtet und dem Fortschritt gegenüber aufgeschlossen.
Quelle:
Michael Scherer
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